Hirntot meines Vater ????

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Bine 1971
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Hirntot meines Vater ????

Beitrag von Bine 1971 » 26.12.09, 16:25

24.12.2009
Meine Eltern sind mit dem Zug von Mülheim Ruhr zu uns nach Bonn gekommen.

Alles war sehr gewesen, Papa sah meines Erachtens zwar ein ein bisschen blass aus, aber das hatte er hin und wieder mal. Er sagte es ginge ihm gut, nur das er wohl wieder ein Magengeschwür habe, was der Arzt im neuen Jahr durch eine Magenspiegelung kontrollieren will.

Wir haben gemütlich gegessen und danach haben wir Bescherung gemacht. Alles ohne irgendwelche Anzeichen oder sonstiges.

Um 19 Uhr fuhren sie wieder Richtung nach Hause. Selbst im Zug, sagte meine Mutter war alles noch vollkommen normal gewesen. Zu Hause angekommen, brach mein Vater auf einmal im Hausflur zusammen. Mein kleiner Sohn rannte zu meiner Mutter hoch, die vorgegangen war, weil sie dringend auf Toilette musste und schrie los das Opa da liegt. Meine Mutter musste sich erst einmal in eile wieder Anziehen und rannte die Treppen runter. Als sie bemerkte das mein Vater keine Rührung mehr zeigte, lief sie hoch und rief den Krankenwagen.

Der dann laut Notarzt nach 8 Minuten eingetroffen ist. Wir gehen davon aus, das von Zusammenbruch bis zum Notruf absetzten etwa 2-3 Minuten vergangen sind)
Mein Vater (76 Jahre) wurde nun 45 Minuten wiederbelebt.

Wir sind direkt los gefahren und haben dann von 22,00 Uhr bis morgens 5.00 Uhr im Krankenhaus vor der Intensivstation verbracht.

Sie legten mein Vater ins Künstliche Koma, das Herz schlug von alleine, er wurde beatmet und seine Körpertemperatur auf 33 Grad runter gestuft. Zu diesem Zeitpunkt haben sie nichts finden können, was den Zusammenbruch mit Todesfolge hervorgerufen hatte.
Erst hieß es, sie wollen in etwa 7 Tage im Koma lassen.

25.12.2009
Morgens haben sie die Medikamente abgesetzt und ins aus dem Koma geholt. Nach 6 Stunden noch keinerlei erwachen meines Vaters. Keinerlei Reflexe. Dann kamen Herzrythmusstörungen und er wurde an der Herz-Lungenmaschine gelegt.

Der Arzt sagte uns, das es nicht mehr viel Chancen gibt das er jemals wieder so sein wird wie er war wenn er wach werden sollte. Aber sie wollen ihn weitere 6 Stunden geben um evtl. wach zu werden. Man sagte uns aber auch, sollte er wach werden, würde er zu 100% ein Pflegefall werden, da die 8 Minuten ohne Sauerstoff sein Gehirn zu stark geschädigt haben wird.

Ein EEG ist noch nicht geschrieben worden, was ich eigentlich als wichtig empfinde um sehen zu können ob überhaupt noch Gehirnströme vorhanden sind und dem zu Folge ob mein Papa überhaupt noch bei uns ist.

Die Ärzte sagen, sie entscheiden nicht einen Tag im vorraus, sondern Stunde um Stunde und somit geht das warten für uns weiter. Jede Stunde kommt einem vor wie Jahre.

Ich liebe meinen Vater mehr als mein Leben, aber ich weiß das er so niemals leben wollte.

Nun weiß ich selbst nicht mehr weiter, ob es richtig ist das sie nicht nach den Gehirnströme gucken.
Wieso mein Vater nun mit der Herz-Lungenmaschine am Leben erhalten wird.
Der Hirntot tritt nach 10 Minuten ein (bin Arzthelferin, deswegen bin ich mir da sicher)
Wie groß kann da noch die Chance sein, das er wach wird und keinen Schaden davon getragen hat?

Kann mir da jemand vielleicht nähere Aussagekräftige Antworten zu geben wie es im allgemeinen ist?

Ich danke im voraus.

LG Sabine

der Matze
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Beitrag von der Matze » 26.12.09, 21:36

Guten Abend Sabine,

da Schädigungen nicht sofort in ihrem ganzen Ausmaß erfasst werden können, macht es Sinn, Untersuchungen wie bspw. Schädel-CTs zu wiederholen, oder ein EEG erst nach ein paar Tagen anzufertigen. So kann man einerseits den Verlauf erfassen, andererseits davon ausgehen, dass es nicht noch schlechter wird.

Eine Herz-Lungen-Maschine übernimmt die Herztätigkeit (Blut durch den Kreislauf zu pumpen) und die Lungentätigkeit (das Blut mit Sauerstoff anzureichern und CO2 zu eliminieren). Sie wird ausserhalb des OPs einerseits eingesetzt, um den Organen die Möglichkeit zu geben, sich zu regenerieren (sofern möglich), andererseits, wenn herkömmliche Methoden der Herz- bzw. Lungenunterstützung nicht greifen.
Warum im Fall Ihres Vaters eine HLM eingesetzt wird, müssten Sie von den behandelnden Ärzten erfragen.

Auch wenn Sie meinen sich sicher zu sein: Der Hirntod tritt nicht "nach 10 Minuten ein" (10 Minuten von was?). Die Hirntodkriterien sind genau spezifiziert, der Hirntod selbst wird mittels verschiedener Untersuchungen festgestellt.
Was man jedoch sagen kann ist, dass nach rund 5 Minuten ohne Kreislauf irreversible Schädigungen am Gehirn auftreten.

Da die Ärzte vor Ort sich 100%ig sicher sind, dass er durch die Hypoxie entsprechende Schädigungen erhalten hat, denke ich, dass die Wahrscheinlichkeit dass er ohne Schäden wieder aufwacht nicht sehr groß ist. Aber aus der Entfernung lässt sich das nicht beurteilen, zumal wir nicht wissen, ob er wirklich 8 Minuten ohne Kreislauf dort lag, oder der Kreislauf erst kurz vor Eintreffen des Rettungsdienstes zum erliegen kam.


Mit freundlichen Grüßen,
der Matze,
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Bine 1971
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Beitrag von Bine 1971 » 26.12.09, 23:28

Vielen lieben dank Matze für die Antwort.

Meinen Geschwistern wurde heute vom Arzt gesagt, das sie sich sicher sind das er nicht mehr wach werden wird. Die Beathmung wird nun wohl auch nach und nach runter gestuft. Was auch immer das nun heißen mag.

Ich sebst bin morgen vor Ort und werde mich dann noch mal mit dem Arzt selber unterhalten um zu erfahren, wie es nun um meinen Vater steht.

Fakt ist das mein Vater 1999 einen Schlaganfall hatte und seine Geistige tätigkeiten sehr nachgelassen haben, was sich in all den Jahren danach von Zeit zu Zeit sehr verstärkte.
Dennoch war er immer gut gelaunt und lustig, wie Heiligabend auch.

Medizinisch gesehen, denke ichwenn schon keinerlei Reflexe mehr da da sind, der Arzt selber schon sagt das *sollte* er wirklich wach werden, wovon er heute gar nicht mehr ausging, das es besser wäre wenn mein Vater einschlafen würde, denn SO wollte er nicht leben.
Er hat immer gesagt, er will niemals durch Geräte am Leben erhalten bleiben oder aber Tage oder Wochenlang an Geräte liegen oder gar ein Pflegefall werden.

Nun gut aber ich denke das müssen wir nun wirklich abwarten, wie lange mein geliebter Vater noch so da liegen muss.

Ich danke wie gesagt dennoch für die Antwort.

LG Sabine

Bine 1971
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Beitrag von Bine 1971 » 28.12.09, 15:07

Mitlerweile sieht es so aus:

Die Medikamente werden nach und nach abgesetzt, er ist zur Zeit immer noch nicht aus dem Koma erwacht.
Da er jedoch( was wir jetzt erfahren haben) vor dem Koma nach der Wiederbelebung Spontanatmung hatte erhoffen die Ärzte sich das dies auch wieder sein wird, sollte er wach werden.

Ich kann mich auch an falsche Sachen erfreuen, als ich gestern bei ihm war lag der Puls bei 90 als ich ihn angesprochen habe und angefasst habe ging sein Puls bis zu 120 hoch. Wie gesagt es kann gut sein, das ich da die Hoffnung an die falsche Stelle setzte, aber irgendwie hat man das Gefühl das er merkt das wir da sind oder uns hört. Denn als der Pfleger ihn Abgesaugt hat, ging der Puls wieder runter.

Dazu kommt, es hieß das er vor 3 Tagen keinerlei Reflexe habe, gestern jedoch war seine Schulter immer und immer wieder am zucken. Was sicherlich unkontroliert war, jedoch wenn keine Reflexe da sind, wie können dann solche zuckungen passieren?

Vieleicht kann man mir da doch noch mal weiter helfen.

LG Sabine

der Matze
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Beitrag von der Matze » 28.12.09, 17:44

Guten Abend Sabine,

das mit dem "Herunterstufen" der Beatmung kann mehrere Gründe haben. Der wahrscheinlichste in Ihrem Fall ist denke ich, dass Ihr Vater schlichtweg weiterhin von er Beatmung entwöhnt wird. Man reduziert die Unterstützung und die Sauerstoffkonzentration, um den Patienten irgendwann extubieren zu können, sofern er selbständig atmet.
Die zweite Möglichkeit wäre, die Beatmung einzuschränken, da man die Therapie einstellt. In vielen Fällen wird am Therapieende der Patient nur noch mit 21% Sauerstoff (= Raumluft Sauerstoffkonzentration) beatmet, um "es" nicht in die Länge zu ziehen. Da diesbezüglich aber wohl bei Ihrem Vater nichts entschieden wurde, denke ich nicht, dass das damit gemeint ist.


Man kann nicht sagen, was ein Mensch in so einer Situation noch mitbekommt. Daher sollte man sich immer so verhalten, als wenn derjenige der da vor einem liegt, alles mitbekommt, was man tut und sagt. Dass Ihr Vater auf Sie, Ihre Stimme bzw. Berührung reagiert, kann ein Zeichen sein, allerdings stimmt es mich eher nachdenklich, dass er das Absaugen ohne Pulsanstieg toleriert. Das bedeutet immer großen Stress für die Patienten, daher wäre hier ein Pulsanstieg und eine Gegenwehr in Form von Husten o.ä. zu erwarten.

Unkontrollierte Bewegungen sind meiner Erfahrung nach eher ein ungünstiges Zeichen, sie können beispielsweise durch kleinere Krampfanfälle hervorgerufen sein.
Wie gesagt: Können, um das Beurteilen zu können, müsste man das vor Ort sehen.


Mit freundlichen Grüßen,
der Matze,
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Bine 1971
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Beitrag von Bine 1971 » 28.12.09, 18:11

Danke Matze für diese tolle erklärung.

Mit dem Absaugen habe ich nicht erwähnt das es hier nicht um das Absaugen des Bronchialschleims war sondern einfach nur im vorderen Nasenbereich.

der Matze
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Beitrag von der Matze » 28.12.09, 18:14

Guten Abend Sabine,

das ist natürlich ein Unterschied. Dennoch seltsam, dass er darauf mit einem Abfall der Pulsfrequenz reagiert. Aber vielleicht hat das auch gar nichts zu bedeuten, es muss also nicht zwangsläufig ein schlechtes Zeichen sein.
Eine völlige Toleranz beim sogenannten "endotrachealen Absaugen", bei dem der Absaugkatheter in die Luftröhre geschoben wird, wäre jedoch seltsam gewesen, wobei man dann den Abfall der Pulsfrequenz ggf. anders hätte erklären können.


Mit freundlichen Grüßen,
der Matze,
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Beitrag von Bine 1971 » 29.12.09, 22:32

Seid heute sieht es ganz schlecht aus.

Mein vater hat seid heute starke Krampfanfälle, er bekommt nun Krampflöser.

Der Arzt der vor kurzen noch sagte *sollte* es nötig sein, das ein Beistand benötigt wird, ob jemand aus der Familie genommen werden soll, es aber zur Zeit noch nicht Spruchreif wäre.

Doch heute hieß es, das sie die Sozialarbeiterin schon informiert haben, die morgen da sein wird, weil meine Mutter nun bei Gericht schnellstmöglich die Medizinische Verfügung bekommt, also gehe ich davon aus, das die Ärzte sich nun sicher sind, das es keiner Chance mehr geben wird und das der Tag X nicht bald eintreten wird, wo wir zu entscheiden haben.

Aus Liebe zu unserem Vater sind wir uns alle einig, das wir ihn gehen lassen werden.

gitchen

Re: Hirntot meines Vater ????

Beitrag von gitchen » 23.05.11, 12:01

Hallo
Wir machen grade das selbe duch wie meine vorgängerin Sabine.Als ich die texte gelesen hatte,dachte ich das es genauso bei meinem vater ist.
Man sagte uns er sei zu 90% nicht mehr am leben.Tests haben sie gemacht.die 5 Kriterien die man erfüllen muss bei Hirntod.Mein gott mann das tut sooooooooo wehhhhhhhhh.Ich kann mit keinem reden,weil ich stark sein muss.In unserer Familie sind viele die Kraft brauchen.
Ich habe meinem vater gesagt das er ins Kicht gehen kann.Er hat zusätzlich noch eine Lungenentzündung.Das fieber sagt der Arzt wird duch das Hinr gesteuert.Sie können nichts mehr machen.Das fieber ist nun bei 39°.
Ich weiss was Sabine und viele andere duchmachen müßen.Ess ist so schlimm es tut einfach nur Weh.

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