Pflegefehler bei Beatmungspflichtigem Pat.?

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Fredie
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Pflegefehler bei Beatmungspflichtigem Pat.?

Beitrag von Fredie » 27.11.05, 17:53

Hi!


Mein Onkel ist vor kurzem mit 36 Jahren auf einer Intensivstation verstorben.
Die Obduktion ergab massiven Pilzbefall der gesamten Lunge und der oberen Atemwege.
Dies stellte auf dem Totenschein dann auch die Todesursache dar.
Ich muss dazu sagen, das er bei einem Unfall eine Lungenverletzung erlitt. Eine Rippe hat sich in den linken Lungenflügel gebohrt. Post-op kam er dann halt an die Beatmung.

Nun ist mir klar, das eine Pilzinfektion bei Beatmungspflichtigen Patienten immer ein Risiko ist.
Aber eigentlich kann ich doch davon ausgehen, das gerade deswegen regelmäßige Mundinspektionen einen solch infausten Verlauf verhindern sollten, oder?
Denn ich gehe von einer absteigenden Infektion aus, lasse mich allerdings auch gerne belehren. Kann sich die Pilzinfektion auch Intraoperativ eingeschlichen haben?

Ich bin auf diesem Gebiet eher gar nicht bewandert :roll:
Danke schonmal für eine Antwort.

GerhardKoeln
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Pilzpneumonie - Lungenerkrankung durch Pilze

Beitrag von GerhardKoeln » 28.11.05, 11:20

Hallo Fredie,
sicherlich ist es schwer über diesen Fall ein richtiges Stademant abzugeben zumal keinem von uns der Fall im einzelnen bekannt ist. Und ein Ratespiel ist in dieser Situation nicht angebracht.
Deswegen beschränke ich mich einfach auf die verschiedenen Ursachen der Pilzpneumonien. Ich hoffe es bringt dich etwas weiter.
Grüße
Gerhard

Pilzpneumonie - Lungenerkrankung durch Pilze
Bei Pilzpneumonie handelt es sich um eine Infektion der Lunge mit Spross-, Strahlen- oder Schimmelpilzen.
Man unterscheidet dabei zwischen zwei Pilzarten:
· ubiquitäre (überall vorkommend) europäische Pilze - Infektionen mit diesen Pilzen kommen meist bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem vor.
· außereuropäische Pilze - alle an bestimmte geographische und klimatische Bedingungen gebundene Pilzerkrankungen der Lunge kommen ausschließlich außereuropäisch vor. Die Inhalation solcher Pilze führt auch im gesunden Wirt zur Erkrankung.

Pilzpneumonien durch ubiquitäre Pilze
Ursachen:
· Antikörpermangel
· Defizite lymphozytärer Abwehrzellen
· Mangel an funktionierenden Granulozyten (Infektionsabwehr dienende weiße Blutkörperchen)
· HIV-Infektion
· Anwendung zytotoxischer (zellvergiftender) Medikamente in der Onkologie (bei Krebskrankheiten) und von Immunsuppressiva (Med. zur künstlichen Unterdrückung des Immunsystems) nach Transplantation oder in der klinischen Immunologie
Erreger:
· Cryptococcus neoformans (bei fortgeschrittener HIV-Infektion)
· Aspergillus spp. (Schimmelpilz)
· Candida-Infektionen - die Infektion wird meist durch Fremdmaterialien (Katheter) verursacht

Pilzpneumonien durch außereuropäische Pilze

Übertragung: Inhalation von Myzel(Pilzfäden)-Partikeln. Bei Körpertemperatur erfolgt eine Umwandlung in die pathogene (krankheitsverursachende) Hefeform. Ein Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt.
Infektiosität: Jede Inhalation hinreichender Myzelmengen führt zur Infektion.
Erreger:
Histoplasma capsulatum (Histoplasmose) in Nordafrika, Amerika, Asien, Australien
Symptome: Grippeähnliches Bild, Reiz-Husten, bds. Infiltrate (in das Körpergewebe eingedrungene eigene oder fremde Substanz) mit Erkrankung der Lymphknoten, später Verkalkung, chronische Form nicht von der Tuberkulose unterscheidbar.
Diagnose: Histoplasminhauttest, Lungenbiopsie
Therapie: Amphotericin oder Ketoconazol
Coccidioides immitis (Kokzidioidomykose) im Südwesten der USA
Symptome: Grippeähnliches Bild, Husten, Brustkorbschmerzen, Erkankung der Lymphknoten, Infiltrate oder knotige Verdichtungen.
Diagnose: Antikörpernachweis ab der 3. Woche
Therapie: Amphotericin oder Ketoconazol.
Paracoccidioides brasiliensis (südamerikanische Blastomykose, Parakokzidioidomykose) in Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Venezuela, Mittelamerika
Symptome: Chronish Erkrankung mit Husten, Gewichtsverlust, Luftnot, Infiltrate.
Diagnose: Sputumausstriche
Therapie: Ketoconazol, bei schwerem Verlauf: Amphotericin
Blastomyces dermatitidis (Blastomykose) in Südosten der USA bis Südkanada
Symptome: Infektion mit Husten, blutigem Auswurf, Brustfell-Schmerzen, selten auch Ergüssen. Infiltrate in der Lunge.
Diagnose: Mikroskopische Untersuchung des Sputums oder Hautbiopsie (Hautprobe).
Therapie: Ketoconazol, in schweren Fällen: Amphotericin.

Dirk Jahnke
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Beitrag von Dirk Jahnke » 28.11.05, 13:59

Moin Fredie

Erst einmal mein Beileid zu eurem Verlust!

Wie Gerhard ja schon geschrieben hat - jede Wertung wäre spekulativ und damit sicher nicht hilfreich!

Dennoch ein paar allgemeine Worte.

Bei jedem Intensivpatienten dieser Qualität sind meist mehrere Organsysteme betroffen. Bei einer Autopsie der akute Grund zum Verursacher des tödlichen Ausgangs erklärt. Hier die Lunge mit der Pilzpneumonie. Tatsächlich führte jedoch meist eine Kombination von Ausfällen zum Tod. Bei einer Pilzpneumonie muss das Immunsystem ja schon ordentlich geschwächt sein. Warum ist es das? Ideen habe ich da genug - aber da bin ich dann bei reiner Spekulation die sicher nur noch mehr verunsichert. Euch kann da sicher nur das Gespräch mit den behandelten Ärzten (ist ja auch in deren Interesse) bzw. eine rechtliche Klärung der Situation weiterhelfen. Gerade fragen wie "hätten die nicht sehen können" sind nur von den Kollegen bzw. unter Akteneinsicht zu klären!

Tschau
Dirk Jahnke

Joachim Wagener
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Beitrag von Joachim Wagener » 28.11.05, 14:05

Dirk Jahnke hat geschrieben:(...)Gerade fragen wie "hätten die nicht sehen können" sind nur von den Kollegen bzw. unter Akteneinsicht zu klären!(...)

Hallo zusammen;

auch von mir natürlich Herzliches Beileid.

Dirk Jahnke hat den wichtigsten Satz geschrieben! Die Idee ist verführerisch, aber wir sollten uns trotzdem davor hüten, bspw Argumente in einem Rechtsstreit in Internet-Foren zu finden.Viele Ursachen kommen hier in Betracht und bei den allermeisten findet man keine Schuld beim Pflegepersonal.

Herzliche Grüße,
Joachim Wagener

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