Seltsame therapieresistente Harnwegsentzündung...

Chronische Beckenbodenschmerzen, Urogenitalsyndrom- Beckenbodenmyalgie, Prostatitis

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Francois
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Seltsame therapieresistente Harnwegsentzündung...

Beitrag von Francois » 26.07.05, 18:53

Hallo,

Ich habe folgendes Problem. Vor einigen Jahren stellten sich Symptome ein wie:

-Schmerzen beim Wasserlassen
-deutlich erhöhter Harndrang
-generell Schmerzen und ein gereiztes Gefühl vor allem in der Harnröhre und im Beckenboden bereich
-Im erregten Zustand starke davor niemals aufgetretene Rötung der Eichel und des vorderen Drittels der Vorhaut.
-Schmerzen bei der Ejakulation und danach einige Zeit verstärkte Reizung im Harnröhren/Beckenbodenbereich
-Mit der Zeit verringerte Empfindsamkeit von Penis und Eichel
-wenns mal wieder besonders schlimm wird tauchen manchmal rote Flecken auf der Eichel auf die größer Werden und dann wieder verschwinden. (dauert maximal 2 höchstens 3 Tage)

Es wurde ein kompletter Sekretstatus (Abstriche innen und aussen, Prostatasekret, Ejakulat, Harn) durchgeführt. Die Ergebnisse waren alle negativ mit Ausnahme von Pseudomonas Aeruginosa im Ejakulat.

Es wurde ein paar Tage mit einem oralen Antibiotikum behandelt (zusätzlich ein paar Mittelchen rein gegen die Symptome). Dann wieder Sekretstatus, alles negativ.

Das Krankheitsbild blieb jedoch während und nach der Behandlung absolut konstant. Überhaupt keine Besserung zu verspüren. Dann bekam ich nochmal was zur Symptombekämpfung und bekam praktisch durch die Blume gesagt "Wo das Labor nichts findet kann keine Krankheit mehr sein - auf Wiedersehen"

In den folgenden Jahren bin ich von Facharzt zu Facharzt gelaufen. Es wurde immer ein Sekretstatus gemacht. Die Ejakulatsprobe wurde allerdings vom Arzt immer verweigert weil alle der festen Überzeugung waren das der normale Sekrektstatus mit Prostatasekretuntersuchung ausreichend ist.

Das Ergebnis war immer entweder total negativ oder es wurde eine schwache Besiedelung durch potentiell Pathogene aber vergleichsweise harmlose Bakterien nachgewiesen. (keine Pseudomonas)
Die wurden Ordnungsgemäß wegtherapiert mit diversen Antibiotika. Waren nachher auch immer schön weg... und die Behandlung wurde eingestellt oder nur mehr rein symptomatisch weitergeführt. "Da kann nichts mehr sein - die Symptome werden schon verschwinden" die eigentliche Krankheit zeigte sich davon jedoch immer 100% unbeeindruckt.

Wenn ich auf eine weitere Behandlung/Untersuchung bestand bekam ich entweder wieder irgendeine sinnlose Symptomatische Behandlung oder mir wurde gleich nahegelegt ich soll doch mal zu nem Psychologen gehen. Denn wenn das Labor nichts findet kann es nur psychosomatisch sein.

Ich bin übrigens in Psychotherapeutischer Behandlung (wenn auch nicht wegen diesem Problem).

Ich persönlich vermute ja fast das der angeblich sehr resistente und überlebensfähige Pseudomonas Aeruginosa niemals wirklich verschwunden ist. Kann das theoretisch sein? Ich meine ist dieser Keim unter Umständen durch die üblichen Untersuchungen nur schwer nachzuweisen oder müsste das sofort entdeckt werden bei einem Abstrich?

Was kann das denn sonst noch für potentielle Ursachen haben? Ich weiß ja schon nicht mehr wo ich noch hin soll damit. Aber ich hab den Eindruck es wird langsam aber stetig immer schlimmer :(

Olaf Urban
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Beitrag von Olaf Urban » 27.07.05, 01:21

Hallo,
die von dir beschrieben Symptome deuten auf ein chronisches Prostatitis-/ Beckenschmerzsyndrom (CP/CPPS) hin. Durchschnittliche Urologen tun sich mit der Diagnose dieses Syndroms schwer, da ein eindeutiger Marker fehlt, aufwendige Untersuchungen vorgenommen werden müssen und der Ausbildungsstand gering ist. Odysseen durch Arztpraxen und Klinken, ohne eine verständliche Diagnose und Therapie zu erhalten, erleben CP/CPPS- Betroffenen häufig.

Die von dir vermutet bakterielle Entstehung deiner Beschwerden kann nach derzeitigen Stand der Wissenschaft nicht ausgeschlossen werden. Es gibt allerdings auch keine schlüssigen Belege dafür, dass CP/CPPS durch Bakterien verursacht wird. Der Einsatz von Antibiotika erfolgt daher mit Ausnahme sehr seltener CP/CPPS I (akute Prostatitis, vgl. http://www.medizin-forum.de/prostatitis/newdef-d.html ) und einiger CP/CPPS- II- Fälle (chron. bakterielle Prostatitis) spekulativ. Die Mehrheit der seriösen CP/CPPS- Forscher geht inzwischen davon aus, daß Bakterien keine oder nur eine untergeordnete Rolle bei der Entstehung von CP/CPPS spielen. Grund dafür waren breit angelegte statistische Untersuchungen des dokumentierten Erfahrungsstandes. Dabei hatte man festgestellt, daß bei weniger als 10% der Fälle überhaupt Anzeichen für eine bakterielle Ätiologie vorhanden sind. Desweitern hatten Studien und empirische Beobachtung von Prostataexprimat und Gewebeproben gezeigt, daß die Prostata bei Personen ohne CP- Symptome in etwa ebenso häufig von Bakterien kolonisiert werden wie die von CP- Leidenden. Leider sind diese neueren Erkenntnisse in der urologischen Praxis und auch bei Betroffenen kaum verbreitet.

Sofern trotz allem eine Antibiotikatherapie vorgenommen wird, sollte diese gem. der europäischen Leitlinien für CP/CPPS (siehe http://www.uroweb.org/files/uploaded_fi ... icpain.pdf ) mit 4 bis 6- wöchiger oraler Einnahme erfolgen. Am geeignetsten sind nach derzeitigem Kenntnisstand Fluorchinolone (Levofloxacin, Ciprofolxacin siehe http://www.zct-berlin.de/chinolone.html ). Andere billigere ABX erreichen in der Prostata vergleichsweise geringe Wirkkonzentrationen und sind eher ungeeignet. Können keine Bakterien nachgewiesen werden, ist die Chance für eine Besserung mit Antibiotika nicht höher als mit Placebopräparaten. Ein Abweichen von der 4- bis 6-wöchigen Einnahmedauer ist ebenfalls nicht ratsam.

Einen Überblick über derzeit diskutierte Ursachen des CP/CPPS geben diese Seiten.
http://www.medizin-forum.de/prostatitis/causes-d.html
http://www.medizin-forum.de/prostatitis/ursachen-d.html

Der Anteil nichtbakterieller CP/CPPS- Atiologien wird auf über 90% aller Fälle geschätzt. Für diese gibt es derzeit nur eingeschränkte, nicht standardisierte Therapiemöglichkeiten (einige davon werden von hiesigen Ärzten nur eingeschränkt oder nicht praktiziert). In der Regel versucht man nach dem Trail-and- error- Prinzip herauszufinden, welche Methode wirkt. Häufig angewendete und in begrenztem Umfang wirksame Methoden sind Phytopharmka ( http://www.medizin-forum.de/prostatitis ... ton-d.html , http://www.medizin-forum.de/prostatitis ... tin-d.html ), Alphablocker ( http://www.medizin-forum.de/prostatitis ... ers-d.html ), Enzyme ( http://www.medizin-forum.de/prostatitis/enzyme-d.html ), Antidepressiva ( http://www.medizin-forum.de/prostatitis ... iva-d.html ), Analgetika (Schmerzmittel). In letzter Zeit bes. erfolgreiche Therapieansätze basieren auf der Erklärung von CP/CPPS als myoneuropathischem Schmerz ( http://www.medizin-forum.de/prostatitis ... nts-d.html , http://www.medizin-forum.de/prostatitis ... der-d.html ) und zielen auf die Entspannung der Beckenbodens und Unterbauches ( http://www.medizin-forum.de/prostatitis/wisebuch-d.html ) ab.

Gruß
Olaf
Zuletzt geändert von Olaf Urban am 29.07.05, 18:37, insgesamt 1-mal geändert.

Francois
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Beitrag von Francois » 27.07.05, 09:26

Danke für die Ausführliche Antwort!

bernie
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...na da gibts doch leidensgenossen

Beitrag von bernie » 29.07.05, 19:51

...das entspricht fast exakt auch meinen beschwerden (seit mittlerweile 4 monaten). nachgewiesen wurde im sperma morganella morgagnii - nachdem es vorher in der harnröhre darmbakterien waren die mit amoxicilin behandelt wurden. irgendwo habe ich dann gelesen daß die morganellas gerne nach amoxicilin-gabe auftauchen, ursache unbekannt.

wie auch immer, ich bin jetzt am ende von 4 wochen cipro, davon 1 woche 2x250, rest 2x125. diese dosierung meinte mein uro sei bei prostatitis am erfolgsversprechendsten.
meine frage: haben diese niedrige dosierung auch schon andere gehabt - bin am überlegen ob ich nächste woche meinem arzt darauf anspreche.

ach ja: meine beschwerden sind extrem volatil und auch stark psychisch bzw. durch muskelentspannung zu beeinflussen. am meisten direkt geholfen haben mir die alphablocker, die wirkung tritt fast unmittelbar ein.

viele grüße an die community. schön daß es euch gibt.

Olaf Urban
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Beitrag von Olaf Urban » 30.07.05, 00:56

Hallo bernie,
die von Francois genannten Symptome sind in dieser Kombination weit verbreitet unter CP/CPPS- Leidenden. In der absoluten Mehrheit der Fälle treten sie ohne Bakterien auf.
Zu Menge und Dauer bei Antibiotikaeinsätzen findest du auf dieser Seite http://www.medizin-forum.de/phpbb/viewt ... rostatitis einen Auszug aus einem Artikel von K. G. Naber, F. M. E. Wagenlehner .
Gruß
O. Urban

Frani
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Beitrag von Frani » 07.08.05, 03:47

Ich habe annähert die gleichen Beschwerden mit geringen Abweichungen welche aber mit einer unschiedlichen Ernährung und Lebensumgebung erklärbar sind. Wer sich meist in geheizten Räumen aufhellt erlebt diese Krankheit anders als jemand der ständig in der freien Natur unterwegs ist. Antibiotika haben keinen Erfolg, bereits nach drei bis 14 Tagen ist der Zustand wieder annähernd der gleiche. Wenn man eine Klima - und Ortsveränderung vornimmt ist man ca. drei Tage beschwerdefrei. Die Erkrankung ruft aber eine große Anzahl von fast nicht wahrnehmbaren Symptomen auf die auf alles aber nicht auf diese Krankheit bezogen wird. Die Symptome sind so gering, dass sie kaum wahrgenommen werden. Ich möchte die vom mir beobachteten Symptome hier jetzt noch nicht aufzählen damit ich niemand auf eine falsche Fährte bringe. Vielleicht versuchen Sie einmal einige Jahre zurück zuschauen was es bei Ihnen für merkwürdige Erkrankungen und häufige Wiederholungskrankheiten gegeben hat. Denken Sie auch an andere Familienmitglieder. Wie waren Ihre Leistungen im Verhältnis zu anderen Kindern? Welche Krankheiten hatten Sie in Ihrer Jugend? Ich würde gern danach mit meinen Beobachtungen zur Klärung beitragen. Durch Zufall habe ich Jahrelang ein Medikament von einem weitsichtigen Arzt bekommen das bei mir die Erkrankung in grenzen hielt. Eine Heilung ist damit nicht möglich. Vielleicht sind es aber Ansetze der Krankheit auf die Spur zu kommen und Linderung zu erzielen.
Mit freundlichen Grüßen
F. Szymanski

Olaf Urban
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Beitrag von Olaf Urban » 08.08.05, 01:03

Hallo F.,
mich interessiert, welche Beobachtungen du konkret gemacht hast und was der "weitsichtige" Arzt bei dir diagnostiziert und verordnet hat.
Meine körperliche und geistige Leistungsfähigkeit in der Kindheit war überdurchschnittlich hoch. Aus meiner Patientenhistorie sind bis auf 3 oder 4 Harnwegsentzündungen in den 1990ern (die letzte 4 Jahre vor dem Ausbruch des CP/CPPS) keine Krankheiten auffällig, die erkennbar in Zusammenhang stehen könnten. Es gibt lediglich ein bereits seit ca. 20 Jahren (bin jetzt 38 ) existentes Symptom, daß mir im Rahmen der CP/CPPS- Behandlung deutlich in Erinnerung gerufen wurde. Dieses Symptom besteht in einem stechenden Schmerz im analen Schließmuskel beim Stuhlgang (insbesondere hartem Stuhlgang). Ich hatte dem nie größere Beachtung geschenkt. Dies änderte sich im Zuge der transrektalen Triggerpunktmassage, die ich inspiriert von der Lektüre des Buches HIP von Wise/ Anderson vornehmen ließ. Der Schmerz trat bei dieser Massage extrem gesteigert aber sich ansonsten gleich anfühlend in Erscheinung und die Massage brachte umgehende (aber zunächst nicht konsistente) Entlastung von den CP/CPPS- Beschwerden.
Gruß
Olaf

RoccoS.
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Beitrag von RoccoS. » 17.08.05, 11:52

Hallo zusammen,
eine Frage vorweg. Herr Urban sind Sie Mediziner?
Also bei mir zeigen sich mehr oder weniger die gleichen Symthome wie bei Francois.
Hinzu kommt erschreckenderweise noch, daß die Eichel immer feucht ist und nicht reizempfindlich ist und Gelee im Sperma ist. Zudem treten leichte Gerüche auf.
Ich wurde vom Urologen mit antibakteriellen Tabletten behandelt. Die Wirkung war zunächst sehr gut. Das Nachtropfen hörte auf und auch die Eichel wurde trocken. Eigentlich so wie es sein müßte. Der Urologe hat hat auch Abstriche genommen die durchweg negativ waren. Das ergibt für mich aber keinen logischen Sinn. Warum gehen die Beschwerden mit antibakt. Medikamenten weg wenn aber nichts gefunden wurde?
Setze ich die Tabletten ab, so tritt innerhalb von wenigen Tagen die alte Leier wieder auf.
Was meinen Sie dazu? Was könnte ich noch für Schritte einleiten?könnte es evtl vom wochenendlichen Alkoholkonsum kommen?? Oder vom Rauchen? Oder durch eine Ursache aus dem Darm?? vielen Dank schonmal im voraus für Ihre Antwort

RoccoS.

Olaf Urban
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Beitrag von Olaf Urban » 18.08.05, 12:25

Hallo RoccoS.,
Mediziner bin ich nicht.
Die von dir und Francois genannten Symptome sind bei ausgeprägteren CP/CPPS- Fällen nichts ungewöhnliches. Warum sie entstehen ist nicht schlüssig erklärt. Viele Jahrzehnte vermutete man hauptsächlich Mikroorganismen als Verursacher und hatte versucht mit immer massiveren Antibiotikaeinsätzen und neuen Wirkstoffen zu therapieren. Die dabei in Forschung und Praxis erzielten Heilungsraten waren/ sind unbefriedigend gering. Zudem mußte man feststellen, daß trotz Eradikation der Bakterien die schmerzhaften Symptome oft bestehen blieben.
Die neuere Forschung/ praktische Erfahrung deutet inzwischen an, daß Bakterien bei einem großen Teil der Männer zur Harnwegsflora gehören. Nur bei wenigen davon können CP/CPPS- Symptome beobachtet werden.
Im Zuge der genannten Erfahrungen wurde natürlich auch die Frage aufgeworfen, ob CP/CPPS nicht durch unbekannte, mit herkömmlichen Methoden nicht kultivierbare Mikroorganismen verursacht wird. In einer Reihe von Forschungsvorhaben hatte man daher mit über die labormed. Routine hinausgehenden sensibleren Nachweismethoden experimentiert. Dabei hatte man geringfügig häufiger und z.T. bis dato unbekannte Bakterien feststellen können. Der vorhandene Kenntnisstand (Mehrheit der CP/CPPS- Fälle abakteriell, ABX bewirken meist keine nachhaltige Besserung) änderte sich dadurch aber nicht wesentlich.
Die von dir beschriebene Beobachtung, dass trotz negativem Bakterienbefund mit ABX eine Linderung der Symptome wahrnehmbar ist, wird bisweilen berichtet und ist auch in der CP/CPPS- Forschung bekannt. Eine vollkommen schlüssige Erklärung gibt es meines Wissens auch hier nicht. Folgende Erklärungen sind mir bekannt:
- ABX haben z.T. entzündungshemmende Wirkung und führen daher zu einer Symptom- Linderung,
- Placebowirkung,
- ABX wirkt gegen nicht nachgewiesene Bakterien.
Zu letztem Anstrich ist einerseits das oben zur Wirkung von ABX Geschriebene in Betracht zu ziehen und andererseits, dass Studien gezeigt haben, dass die Wirkung von ABX bei negativen Bakterienbefunden statistisch die von Placebopräparaten nicht überschreitet. Es wurde ebenfalls gezeigt, dass mit fortschreitender Dauer eines CP/CPPS (egal ob mit oder ohne Bakterien) die symptomatische Wirkung von ABX abnimmt.
Obwohl die Mehrheit der genannten Indizien gegen eine wesentliche Rolle von Bakterien in der Ätiologie von CP/CPPS spricht, bleiben die renommierten Fachleute nach meiner Wahrnehmung skeptisch. Viele halten bei klarer Symptomatik auch ohne Bakterienbefund einen einmaligen ABX- Einsatz für angemessen. Dieser sollte bei erkennbarer anfänglicher Wirkung auf maximal 6 Wochen ausgedehnt werden.
Zur Bedeutung von Alkohol, Nikotin usw. ist anzumerken, dass in einschlägigen Foren CP/CPPS als Unverträglichkeitsreaktion auf Nahrungs- und Genußmittel oft thematisiert wird. Dabei vermittelt sich der Eindruck, daß solche Reaktionen mit verschiedensten Substanzen individuell wechselnd in Erscheinung treten können. Es wird z.B. über die üblichen Genußmittel wie Tabak, Kaffee, Alkohol aber auch Süssigkeiten, scharfe Gewürze, verschiedene Obst- und Gemüsesorte bis hin zu Getreide berichtet. Die Erfahrungsberichte sind nur als grobe Orientierung tauglich. Ob und wie intensiv Unverträglichkeitsreaktionen individuell ausgeprägt sind, kann letztlich nur im Selbstversuch ausgetestet werden.
Welche Maßnahmen ansonsten bei zweifelhafter bakterieller Ätiologie der CP/CPPS- Beschwerden ergriffen werden können, hatte ich bereits in meinem ersten Beitrag in diesem Thread angedeutet.
Zur Rolle von Beschwerden im Magen- Darm- Trakt bei CP/CPPS liefern folgende Seiten weiterführende Informationen http://www.medizin-forum.de/prostatitis/darmibs-d.html , http://www.medizin-forum.de/phpbb/viewt ... itis#24309 . Darüber hinaus gibt es in diesem Forum Beiträge in denen propagiert wird, dass CP/CPPS nur infolge eines geschwächten Immunsystems, welches sich zu 80% im Darm befände, entstehen könnte. Mehr über Kontext und Urheber dieser Beiträge erfährst du u.a. hier http://www.medizin-forum.de/phpbb/viewt ... itis#74785 .

Gruß
Olaf
Zuletzt geändert von Olaf Urban am 13.09.05, 09:08, insgesamt 1-mal geändert.

RoccoS.
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Beitrag von RoccoS. » 19.08.05, 12:04

Vielen Dank für deine ausführliche Stellungnahme. Ich vermute stark das es bei mir durchaus vom Darm herrühren könnte. An welchen Arzt muss ich mich da wenden`?? dem Urologen auch am besten bescheid geben?? oder erstmal nur dem Urologen?

Olaf Urban
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Beitrag von Olaf Urban » 20.08.05, 11:53

Hallo Rocco,
deine Frage sieht einfach aus, ist aber schwierig zu beantworten.
Mit Darmbeschwerden (Welche sind’s denn genau?) könnte man zum Proktologen, Internisten oder Allgemeinmediziner gehen. Jeder von denen sollte sich im begrenzten Maße für Darmbeschwerden zuständig fühlen. Ich würde die Erwartungen an dieses Spezialisierungen aber nicht allzu hoch setzen, insbesondere nicht im Hinblick auf CP/CPPS- spezifische Symptome. Diese stellen stereotyp betrachtet ein urologisches Problem dar und es ist ja offenbar, dass selbst der Kenntnisstand von Urologen zu CP/CPPS gering ist.
Lies dir bitte nochmal folgenden umfangreichen Beitrag genau durch http://www.medizin-forum.de/phpbb/viewt ... itis#24309 . Er enthält viele Informationen, mit denen man Kontakte zu den empfohlenen Ärzten ggf. effizienter gestalten kann.
Gruß
Olaf

P.S. Auf den Test das Rauchen einzustellen, solltest du's, falls du rauchst, auf jeden Fall ankommen lassen. Es gibt/ gab mehrere Berichte in diesem und anderen CP/CPPS- Foren, die relativen Erfolg dieser Maßnahme andeuten.

RoccoS.
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Beitrag von RoccoS. » 22.08.05, 10:29

Alles klar ich guck ma was sich machen läßt.
Kann ja nich so weiter gehen. Mein Arzt sagt immer nur... alles deutet auf ein "unspezifisches" Krankheitsbild hin. Was immer er damit auch meint.
Auf jeden Fall danke ich dir schonmal für deine Hilfe und Solidarität.
Ich meld mich bei Zeiten mal wieder um zu berichten was sich geändert oder auch nicht geändert hat.
Bis dahin

Rocco

Amelanchier
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Beitrag von Amelanchier » 18.10.05, 22:50

RoccoS. hat geschrieben:Hallo zusammen,
eine Frage vorweg. Herr Urban sind Sie Mediziner?
Also bei mir zeigen sich mehr oder weniger die gleichen Symthome wie bei Francois.
Hinzu kommt erschreckenderweise noch, daß die Eichel immer feucht ist und nicht reizempfindlich ist und Gelee im Sperma ist. Zudem treten leichte Gerüche auf.
Ich wurde vom Urologen mit antibakteriellen Tabletten behandelt. Die Wirkung war zunächst sehr gut. Das Nachtropfen hörte auf und auch die Eichel wurde trocken. Eigentlich so wie es sein müßte. Der Urologe hat hat auch Abstriche genommen die durchweg negativ waren. Das ergibt für mich aber keinen logischen Sinn. Warum gehen die Beschwerden mit antibakt. Medikamenten weg wenn aber nichts gefunden wurde?
Setze ich die Tabletten ab, so tritt innerhalb von wenigen Tagen die alte Leier wieder auf.
Was meinen Sie dazu? Was könnte ich noch für Schritte einleiten?könnte es evtl vom wochenendlichen Alkoholkonsum kommen?? Oder vom Rauchen? Oder durch eine Ursache aus dem Darm?? vielen Dank schonmal im voraus für Ihre Antwort

RoccoS.


Hallo RoccoS.,

bin Ärztin und auf der Suche nach Infos über Prostatitis hierüber zufällig gestolpert. Mir fiel nur gerade Ihre Beschreibung eines Geruches auf: Fischiger Geruch entsteht bei einer Chlamydia-trachomatis-Infektion. Ist immer weiter verbreitet. Abstriche normaler Art bringen es da nicht. Man muß aus dem Harn eine LCR oder aus einem Harnröhrenabstrich eine PCR machen (Urologen wissen im Allgemeinen, wie das geht) . Behandlung: mindestens 3 Wochen Doxycyclin, bei Rezidiv 3 Monate. Andere Antibiotika helfen oft kurzfristig, aber nicht andauernd. Eventuell geht es auch mit Makroliden, aber Doxy ist besser.

Amelanchier

Olaf Urban
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Beitrag von Olaf Urban » 19.10.05, 22:37

Amelanchier hat geschrieben: Fischiger Geruch entsteht bei einer Chlamydia-trachomatis-Infektion. Ist immer weiter verbreitet. Abstriche normaler Art bringen es da nicht. Man muß aus dem Harn eine LCR oder aus einem Harnröhrenabstrich eine PCR machen (Urologen wissen im Allgemeinen, wie das geht) .


Hallo Amelanchier,
ist dieser Geruch eindeutiges Indiz für eine Chlamydieninfektion? ...bei mir hat sich ein fischähnlicher Geruch seit Ausbruch des CPPS verstärkt. Bei den ca. 20 mikrobiologischen Untersuchungen, die ich in den letzten vier Jahren in diesen Zusammenhang hatte (alle mit Chlamydien-PCR), wurden nie Chlamydien nachgewiesen.
Gruß
O. Urban

maniacal guy
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Superinteressante Diskussion

Beitrag von maniacal guy » 20.10.05, 14:15

Hallo Leute,
endlich mal wieder ne Diskussion, die es wirklich in sich hat. Hab alles bisher erst "quergelesen", weiß von daher noch nicht was ich im Einzelnen alles an Erfahrungen und Tipps einbringen kann. Leider bin ich Raucher und habe nicht vor, übermorgen damit aufzuhören, da ich eine noch extremee psychische Belastung durch mein Hochschulstudium fürchte (ich studiere im fünften Semester "soziale Arbeit", und komm im Moment nicht aus dem Bett!!!!)
@ Olaf:
unsere Symptome ähneln sich; ein fischiger Geruch (des Ejakulats!?) ist bei mir aber nie aufgetreten. Bei Verdacht auf Clamydien sollte man in jedem Fall auch das Blut untersuchen lassen.
Beste Grüsse,
:twisted: maniac :twisted:

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