Alarmierung "kaltschweissig, Halsschmerzen, Atemnot&quo

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Dr. Ch. Erbschwendtner
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Alarmierung "kaltschweissig, Halsschmerzen, Atemnot&quo

Beitrag von Dr. Ch. Erbschwendtner » 24.06.05, 14:58

Hallo Leute !

Wurde mit obiger Alarmierung zu einer Jausenstation bei einer Talstation einer Schipiste geschickt.

Vor Ort Mann 42 a, blaß, schweißig und heftige Halschmerzen, sonst keine Schmerzen.
Vor ihm steht ein Schnitzel und ein großes Cola.

Seine Frau berichtet, daß sie seit längerem das erste Mal Schifahren waren, ohne Besonderheiten. Beim Essen plötzlich diese Schmerzen und Atemnot. Seinen Notfallspray hat er genommen, aber es ist nicht besser geworden.

Pat.: blaß, schweißig, adipös, Atmung etwas beschleunigt, wegen des hohen Lärmpegels keine Auskulatation möglich. am Tisch sitzend.

Erste Maßnahme: ein Passant wird zur Kellnerin geschickt, damit die Musik abgedreht wird.

Weiter ?

Fortsetzung folgt

Gruß
Dr.Ch. Erbschwendtner
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downcase
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Beitrag von downcase » 24.06.05, 16:09

war das schnitzel noch unangetastet? und die cola?

grüße

downcase

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Beitrag von Dr. Ch. Erbschwendtner » 24.06.05, 17:53

Nein, aber noch zu 3/4 vorhanden.

Aber zumindest auf den ersten Blick nicht wie eine Bolusaspiration wirkend.

AF um 15 / min.

Gruß
Dr.Ch. Erbschwendtner
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asbmichel
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Beitrag von asbmichel » 24.06.05, 21:29

sind Vorerkrankungen bekannt und wenn ja, welche?
Ist er Asthmatiker?
Welche Medikamente nimmt er ständig?
Was kann die Frau zur Erklärung beitragen?

Alles sehr unklar, ohne konkrete Aussagen bezüglich des Gesundheitszustandes des Pat. vor der Bergtour !

Brauche mehr "input"
asb-michel
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Dr. A. Flaccus
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Re: Alarmierung "kaltschweissig, Halsschmerzen, Atemnot

Beitrag von Dr. A. Flaccus » 25.06.05, 13:21

Moin!

Dr. Ch. Erbschwendtner hat geschrieben: Seinen Notfallspray hat er genommen, aber es ist nicht besser geworden.


Notfallspray?? Welches denn? -> Dann sind doch Vorerkrankungen vorhanden, oder?
Zyanose? Stridor? Gemessene SaO2?

Ich finde die Beschreibung bisher auch etwas zu dürftig :?

mfg
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Dr. Ch. Erbschwendtner
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Beitrag von Dr. Ch. Erbschwendtner » 25.06.05, 16:16

Hallo !

War bewußt etwas dürftig, aber halt der Erstkontakt. Nach dem ersten Überblick, habe ich versucht etwas Ruhe (hoher Lärmpegel durch Musik) und Platz in die Szene zu bekommen.

Weiterer Verlauf:

Venöser Zugang mit Blutabnahme und BZ (130 mg %)
parallel O2 Gabe mit 5 l/ min und Pulsoxy angelegt.
Pulsoxy: schwaches Signal, Werte um 94 %
RR Messung um 50 mm Hg systolisch.
Nachfrage nach Spray: vom Patient nicht zu erfragen, Gattin:"Halt sein Notfallspray."
Lunge relativ frei. Puls um 60 / min.


Fortsetzung folgt natürlich.

Gruß
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Erik Eichhorn
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Beitrag von Erik Eichhorn » 25.06.05, 19:14

Nur eine Idde, weil schon zu oft erlebt: Der schlecht eingewiesene Patient bekommt von seinem Arzt geraten immer bei Kreislaufproblemen sein Spray zu nehmen. Nur hat der Patient eben manchmal auch hypotone Phasen und gibt seinem Kreislauf mit Nitro den "Rest".

Der Blutdruck einer Amöbe reicht für Humanoide eben nicht aus :-)
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Beitrag von FKP-Watcher » 25.06.05, 20:26

Hallo zusammen :D
endlich mal wieder was zum rätseln, toll!
Ich hätte da spontan einen Infarkt vermutet der seine Schmerzsymptomatik ja auch gerne mal nach oben oben hin ausstrahlt.
Sportliche Aktivität ohne Training in der Zeit direkt vor den Schmerzen würd`auch passen. Ebenso die gut gewählte Ernährung und die beschriebene Körperfülle :wink: .
Leider sind das tatsächlich wenig Info`s aber der Kollege vor Ort hat halt auch nicht mehr...
Bei dem Notfallspray hätt`ich übrigens auch an Nitro gedacht. Das würde dann die niedrige Systole erklären können...aber vieleicht ist der Pat. ja auch schon viel weiter und bereits im kardiogenen Schock. Mmmh. Auf jeden Fall würde ich mir nicht mehr viel Zeit lassen und den Pat. schnellstmöglich in die nächste Klinik bringen. Am liebsten was mit `ner Kardiologie...
Puuh. Wahrscheinlich lieg ich voll daneben und er hat nur `ne Seitenstrang Angina wg. der Zugluft :lol:
Ich würd`trotzdem erstmal Gas geben.

GespanntaufAuflösungwartendWatcher

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Beitrag von Dr. A. Flaccus » 26.06.05, 08:31

:roll: Grübel....

Da Infarkte ja als "Chamäleon" bekannt sind wäre das EINE Differentialdiagnose und ich denke auch, das Nitro die Ursache für den 50er-RR ist.

Aber was bleibt noch :?:

Bis auf den RR sind alle anderen Werte nicht wirklich besorgniserregend - wohl aber das klinische Bild (kaltschweißig, Anamnese wohl nicht mehr zu erfragen??).

Meine nächsten Fragen wären:
- Hat es das schon mal gehabt?
- Wann fing es genau an?
- Tut NUR der Hals weh, oder auch die Brust?

...und dann frage ich mich noch, ober die Erwähnung von "Schnitzel und Cola" nur Zufall sein soll :?: :wink:

Würde ich nach diesen Fragen nicht weiterkommen -> RR anheben (z.B. Akrinor/Dopamin) und ab in die nächste Klinik.

Bin gespannt auf die Fortsetzung.

Gruß
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Beitrag von Dr. A. Flaccus » 26.06.05, 08:38

Just abgesendet - da fällt mir doch noch eine mögliche Lösung ein:

Insektenstich im Hals -> das Viech schwamm unbemerkt in der Cola :!:

Evtl. beginnende anaphylaktische Reaktion oder einfach nur: Stich -> Akutschmerz -> Nitro -> RR-Abfall+Schweiß als vegetative Reaktion

:?:
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Beitrag von Dr. Ch. Erbschwendtner » 26.06.05, 09:13

Just abgesendet - da fällt mir doch noch eine mögliche Lösung ein:

Insektenstich im Hals -> das Viech schwamm unbemerkt in der Cola

Evtl. beginnende anaphylaktische Reaktion oder einfach nur: Stich -> Akutschmerz -> Nitro -> RR-Abfall+Schweiß als vegetative Reaktion



Hallo Doc Alf !

Gestehe ehrlich an das habe ich nicht gedacht. Aber Winter und Hütte sind doch schon fast ein Ausschlußgrund.

Gruß

Erbschwendtner
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Beitrag von Dr. Ch. Erbschwendtner » 26.06.05, 09:20

Hallo !

Wie geht es weiter:

Patient aus sitzender Position in liegende verfrachtet, da ja das wertvolle Blut leichter rinnt, wenn es nicht bergauf geht.

500 Ringer im Schuß.

Patient geht es deutlich besser, während dessen EKG geschrieben (war schwierig, Klebeelektroden haben kaum gehalten).

So neben dem Patienten knieend sehe ich was unter dem Tisch liegen, den ominösen Notfallspray. --- rotes Pumpfläschen --- wie schon mehrfach vermutet --- Nitro.

Aus der von euch geäußerten Überlegung heraus, Myokardischämie, habe ich bewußt auf die Gabe von Katecholaminen verzichtet.

Wie der Druck des Patienten mit der Lageänderung und der Infusion gegen 100 steigt, wird auch die Anamneseerhebung leichter.

Vor einem Jahr MCI mit PCI, seither Plavix, Statin und bei Beschwerden (hat er aber nie gehabt) Nitro.

So als Abschlußfrage: Was glaubt Ihr hat das EKG gezeigt ?

Gruß

Erbschwendtner
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Beitrag von Dr. A. Flaccus » 26.06.05, 10:46

Moin!

Dr. Ch. Erbschwendtner hat geschrieben:So als Abschlußfrage: Was glaubt Ihr hat das EKG gezeigt ?


Na, ja - nach dem Druck von 50 zwischendurch...Ischämiezeichen???
Oder auch gar nix relevantes, weil der Halsschmerz unspezifisch war (Reizung durch kalte Luft beim Skifahren :?: ) und am Ende "nur" das Nitro alles verschlimmert hat...

Gruß
Dr. A. Flaccus
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Beitrag von FKP-Watcher » 26.06.05, 13:47

Nuuuun...
wenn die Elektroden nicht vernünftig halten würd`s mich nicht wundern wenn man ausser deformierten Kamerkomplexen garnix zu sehen bekommt...aber dann hätte der Doc die Frage wohl anders gestellt :wink:
Schulterförmiger Abgang im Hinterwandbereich wäre für mich das naheliegendste weil`s meinen Verdacht erhärten würde :D

Könnte mir aber auch eine Überleitungsstörung vorstellen bei der nur jede 2. Erregung durchkommt bzw. hämodynamisch wirksam ist (zb. Mobitz-Block). Dann hätte der Kunde im EKG eine 120er Vorhof-Frequenz gehabt aber palpatorisch hätten eben nur 60 imponiert...
Oooder auch eine Rhythmusstörung im Sinne eines Bigeminus mit hämodynamisch unwirksamen Extrasystolen (Effekt s.o.).

Weiterhingespanntwart,

Watcher

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Beitrag von Dr. Ch. Erbschwendtner » 26.06.05, 22:39

Hallo !

Genau so war es auch:

AKuter Hinterwand MCI

Brav auch noch nach rechts geschrieben, Rechtsherzinfarkt.

Nitroinduzierter cardiogener Schock beim Rechtsherzinfarkt.

Angio: Instent Restenose mit akutem RCA Verschluß, erfolgreiche Dilatation.


Meine Hochachtung an alle !

Gruß

Erbschwendtner
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