Pharma: Werden vielversprechende klinische Studien evtl nicht finanziert, weil ein Wirkstoff nicht patentfähig ist?

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Um Vernunft Bemüht
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Pharma: Werden vielversprechende klinische Studien evtl nicht finanziert, weil ein Wirkstoff nicht patentfähig ist?

Beitrag von Um Vernunft Bemüht »

Wie man lesen kann sind klinische Studien extrem teuer. Als interessierter Laie frage ich mich ob deswegen bei Therapien zahlreiche pflanzliche Substanzen „durchs Raster“ fallen, weil Pharmakonzerne bei solchen Wirkstoffen nicht in klinische Studien investieren, da diese nicht patentfähig sind.
Wenn ja, wäre das einerseits verständlich, weil große klinische Studien wohl nur mit potentiell neuen Patenten wirtschaftlich Sinn machen. Andererseits aber müsste die öffentliche Hand dann mehr solche Studien finanzieren. Zumindest wenn die Substanzen bei kleinen ‚in vitro‘ Studien vielversprechende Ergebnisse zeigten.
Oder?
Um Vernunft Bemüht
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Re: Pharma: Werden vielversprechende klinische Studien evtl nicht finanziert, weil ein Wirkstoff nicht patentfähig ist?

Beitrag von Um Vernunft Bemüht »

Bislang keine Antwort. Könnte dies ein Tabu Thema sein? Sorgt die Pharma Lobby dafür, dass mehr staatliche Finanzierung von klinischen Studien nicht öffentlich debattiert wird? Ich hoffe nicht. Es wäre für zig Millionen Patienten sehr bedauerlich.
Dr.med.Holger Fischer
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Re: Pharma: Werden vielversprechende klinische Studien evtl nicht finanziert, weil ein Wirkstoff nicht patentfähig ist?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer »

Hallo,
"Andererseits aber müsste die öffentliche Hand dann mehr solche Studien finanzieren. "- warum denn, von der Entdeckung neuer Wirkstoffe bis zum fertig zugelassenen Medikament vergehen Jahre und kostet Milliarden den Pharmahersteller, andererseits verdient er solnage das Patent läuft, ein Vielfaches an dem Verkauf. Warum also sollte die öffentliche Hand dafür aufkommen?
"? Sorgt die Pharma Lobby dafür, dass mehr staatliche Finanzierung von klinischen Studien nicht öffentlich debattiert wird"- ich habe selbst 5 Jahre an klinischen Studien teilgenommen, mir ist nicht bekannt, dass überhaupt eine staatliche Finanzierung erfolgt-das wäre auch in der Öffentlichkeit bekannt.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.
Um Vernunft Bemüht
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Re: Pharma: Werden vielversprechende klinische Studien evtl nicht finanziert, weil ein Wirkstoff nicht patentfähig ist?

Beitrag von Um Vernunft Bemüht »

Danke für Ihre Antwort. Ich meine die öffentliche Hand sollte nur dann klinische Studien fördern, falls ein vielversprechender Wirkstoff nicht patentfähig ist, etwa eine in der Natur vorkommende pflanzliche Substanz.
Dr.med.Holger Fischer
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Re: Pharma: Werden vielversprechende klinische Studien evtl nicht finanziert, weil ein Wirkstoff nicht patentfähig ist?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer »

Guten Tag,
ob ein neuer Stoff-pflanzlich, chemisch usw.- vielversprechend ist, das stellt sich ja erst dann heraus, wenn er alle Studienphasen durchlaufen hat. Ich hatte zwischen 1998-2004 an einer multitenter-multinationalen Studie teilgenommen ( klimakterische Hormonersatztherapie ). sie war schon fast zum Abschluß gekommen und hat bisher den Pharmahersteller Milliarden gekostet und wurde dann plötzlich eingestellt-also kurz vor der Serienproduktion- als einige retrospektive Studien ergab, dass diese Hormone ( in anderer Form seit Jahrzehnten erprobt und verordnet) Brustkrebs verursachen würden.
Grüße Dr. Fischer
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Um Vernunft Bemüht
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Re: Pharma: Werden vielversprechende klinische Studien evtl nicht finanziert, weil ein Wirkstoff nicht patentfähig ist?

Beitrag von Um Vernunft Bemüht »

Danke, ich verstehe. Was also bedeutet 'vielversprechend'? Wenn wie bei SARS-CoV-2 weltweit eine Gefährdungslage besteht und Therapien immer noch nicht wirksam genug sind, sollten auch vielversprechende in vivo Studien und/oder in vitro Studien ernster genommen werden und in klinischen Studien abgeklärt werden können. Auch wenn kein Pharma Konzern einen wirtschaftlichen Erfolg erwartet, der so einen Aufwand bei nicht patentfähigen Substanzen rechtfertigt.

Ein praktisches Beispiel wäre CBD, ein nicht psychoaktiver Wirkstoff der Cannabis Pflanze. Hier wurde sowohl bei in vivo Studien als auch bei in vitro Studien bewiesen, dass er die Bindungsreaktion zwischen ACE2 und dem Spike (S)-Protein blockieren kann https://www.nature.com/articles/s41420-022-00876-y . CBD ist frei verkäuflich und ohne Nebenwirkungen. In einzelnen Kliniken in Österreich und Israel (Klagenfurt, Tel Aviv) wird es bereits erfolgreich angewandt.
Um Vernunft Bemüht
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Re: Pharma: Werden vielversprechende klinische Studien evtl nicht finanziert, weil ein Wirkstoff nicht patentfähig ist?

Beitrag von Um Vernunft Bemüht »

Es gibt übrigens weitere natürliche Wirkstoffe gegen Covid-19, mit denen vielversprechende Studien durchgeführt wurden, die umgewidmet werden könnten. Leider gibt es dazu aber auch keine KLINISCHEN Studien ! Warum? Nur weil nicht patentfähig?

1. Das Hormon Melatonin. Studien zu Covid-19 siehe:
https://www.sciencedirect.com/science/a ... 0520303313 oder
https://www.frontiersin.org/articles/10 ... eTI2zhRc2U

2. Das Herz Glykosid Ouabain gewonnen aus der Strophanthus Pflanze. Studien zu Covid-19 siehe:
https://www.nature.com/articles/s41598-020-72879-7 oder
https://www.nature.com/articles/s41598-021-01690-9

Man kann sich wirklich nur wünschen, daß, wenn die Pharma Industrie hier keine Gewinnanreize sieht, staatliche Institutionen bei der Finanzierung einspringen. Ich verstehe wirklich nicht, wo da eigentlich das Problem liegt.
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