Verhindert Propophol das Aufwachen nach künstl. Koma?

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Scoobyna
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Verhindert Propophol das Aufwachen nach künstl. Koma?

Beitrag von Scoobyna »

Mein Vater hatte vor knapp 2 Wochen einen Herzstillstand mit anschließender Reanimation. Am dritten Tag wurde Propofol von 6mg auf 3mg runter dosiert. Keine Aufwachreaktion. Am nächsten Tag (Freitag) wurde Propofol ganz abgesetzt, aber in der Nacht sofort wieder rauf, als er sich gegen die Beatmung gestemmt hat. Bis zum nächsten Mittwoch wurde er dann noch unter Propofol gehalten. Mal höher, mal niedriger dosiert. Wenn er Aufwachreaktionen gezeigt hat und unter dem Schlauch litt, wurde das Propofol  sofort hoch dosiert, was ich bis dahin noch verstanden habe.
Am Mittwoch wurde dann endlich ein Luftrörenschnitt gemacht, um ihm das Atmen und die Aufwachphase zu erleichtern. Uns wurde auch gesagt, dass er ab dann nur noch Beruhigungsmittel bekommt und endlich richtig aufwachen darf.
Mein Vater versucht seitdem immer wieder mal aufzuwachen, wird aber nur wenige Sekunden wach. Auch bewegt hat er sich bis gestern kaum.
Heute waren wir da und er schläft wieder tief und fest. Anscheinend hat er in der Nacht und bis 14 Uhr Nachmittags (!) wieder 5mg Propofol bekommen. Angeblich hatte er Stress in der Nacht und sich zuviel bewegt.
Wir sind langsam sehr wütend, weil wir den Eindruck haben, dass man ihn sofort wieder einschläfern, sobald er anfängt aufzuwachen.
Mit dem Schlauch im Hals konnten wir es ja noch verstehen, weil er damit Panik bekam, aber jetzt langsam verstehen wir es nicht mehr.
Ihm fällt das Aufwachen eh schon so schwer und immer wieder bekommt er eine neue Ladung Komamittel sobald er sich zuviel bewegt.
Hinzu kommt, dass er immer noch kein EEG bekommen hat. Bis jetzt haben wir keinen Neurologen gesehen, obwohl der angeblich manchmal da ist.
Das CT sieht gut aus, NSE wert ist leider bei 130. Wir würden sehr gerne wissen, wie es wirklich um ihn steht. Man hat uns gesagt, dafür müsse er erstmal richtig wach werden.
Als er mal kein Propofol drin hatte ist er aufgewacht und hat mich angelächelt. Auch bewegen scheint er sich immer mehr zu können.
Ich habe die Betreuungsvollmacht, ich wollte gerne fragen, ob es normal ist den Patienten immer wieder unter Propofol zu setzen und ob ich dass auch unterbinden darf? Er muss ja mal aufwachen dürfen, aber irgendwie lässt man ihn nicht.
Dann die Sache mit dem EEG das nicht stattfindet. Wir würden sehr gerne wissen was mit ihm los ist. Dürfen wir auf ein EEG bestehen?
Wir sind langsam immer unsicherer, ob er es in dem Krankenhaus wirklich gut hat.
Brigitte Goretzky
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Re: Verhindert Propophol das Aufwachen nach künstl. Koma?

Beitrag von Brigitte Goretzky »

Guten Morgen,

ich habe Ihre Frage aus der Pflege ins Anästhesieforum verschoben. Vielleicht schaut der Kollege Flaccus in den nächsten Tagen einmal rein; er ist Anästhesist und kann Ihnen sicherlich einiges erklären.

Als Nicht-Anästhesist weiß ich nur, dass die Beatmung für viele Patienten sehr stressvoll ist und daher oftmals eine Sedierung erforderlich ist. Dabei wird nicht nur geschaut, ob der Patient sich bewegt und die Augen öffnet, sondern auch auf Zeichen von Stress wie Blutdruckanstieg, Pulsschlag und Werte an der Beatmungsmaschine, die zeigen, ob der Patient mit der Beatmung klarkommt oder dagegen kämpft.

Haben Sie schon einmal um einen längeren Termin mit dem Anästhesisten oder einer erfahrenen Pflegekraft gebeten, um Ihre Fragen stellen zu können?

Alles Gute für Ihren Vater, ich wünsche ihm gute Besserung und eine vollständige Erholung. Sie werden noch einige Kraft für die gesamte Erholungsperiode brauchen. Nehmen Sie sich bitte auch Zeit für sich und suchen Sie Unterstützung für sich, auch für die Psyche.

Viele Grüße
B. Goretzky
And God promised men that good and obedient wives would be found in all corners of the earth.


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Scoobyna
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Re: Verhindert Propophol das Aufwachen nach künstl. Koma?

Beitrag von Scoobyna »

Sein Stress geht leider ohne die Medikamente sofort hoch. Er schwitzt, ist unruhig, sein Blutdruck und Puls gehen hoch und er scheint garnicht zu wissen, was mit ihm los ist. Auf Ansprache reagiert er nur sehr vage.
Er hat mal gelächelt und auch mal die Augen gekniffen nach Aufforderung wenn er uns versteht.
Trotzdem merkt man ihm an, dass er sich äußerst unwohl fühlt. Jetzt ist er auch noch gefesselt worden, weil er sich zuviel bewegt

Wir haben mit der behandelnden Ärztin gesprochen, aber mit keinem Neurologen.

Die Ärzte und Pfleger sagen, dass er im Stress wieder Propofol bekommt. Aber damit zieht man doch die Aufwachphase ewig hin? Er bekommt es fast in der gleichen Höhe wie er es im richtigen Koma auch bekommen hat. Und wenn er dann wieder aufwacht, hat er doch wieder alles vergessen und ist erneut im Stress und weiß nicht wo er ist.

Im Internet habe ich überall gelesen, dass ein EEG in seiner Situation immer gemacht wird. Weil man damit das Ausmaß des Schadens beurteilen kann. Aber er bekommt einfach kein EEG und der Neurologe ist nicht zu sprechen.
Auch der NSE Wert müsste doch öfter als nur einmal gemessen werden?
Wir sind schon am überlegen, ob es besser wäre ihn verlegen zu lassen.

In den Phasen wo er aufwacht, wirkt es schon so, als habe er eine geistige Behinderung. Er ist zwar wach, macht aber ungewöhnliche Gesichtsbewegungen und kann kaum auf Ansprache kommunizieren. Sein Blick und Ausdruck ist nicht mehr klug und wach so wie früher, sondern irgendwie ganz anders.
Oder kann es auch normal sein, dass ein Patient auch über längere Zeit so extrem verwirrt ist und nicht mehr kommunizieren kann und dass es später wieder besser wird?
Ich mache mir sehr große Sorgen um ihn.
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