Cardiophobie

Koronare Herzerkrankung, Hypertonie, Herzinfarkt, Stents, Herzkatheter, Blutverdünnung, Lungenembolie, Herzklappenfehler etc. Hier können auch EKGs befundet werden. Vgl. öffentliche FB-Gruppe "Smartwatch-EKG"

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Jansch91
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Cardiophobie

Beitrag von Jansch91 »

Hallo zusammen,
ich habe mehrere Fragestellungen und ich hoffe ich bin hier einigermaßen richtig.
einmal zu mir:
Männlich
Alter: 30
Größe:1.90m
Gewicht: 135kg
Nichtraucher

Diagnosen:
Hashimoto Tyreoditis
Morbus Meulengracht
Psoriasis
Bluthochdruck
Depression
Hypochondrische Störung

Medikamente:


L-Thyroxin 150 1-0-0-0
Ramipril 5mg 1-0-0-0
Bisoprolol 1,25mg 1-0-0-0
Guselkumab 100mg 1 Spritze alle 8 Wochen

Allergien:

Metamizol-Natrium

Problemstellung:

Ich leide seit ca. Ende 2019 an einer Angststörung. Diese begann mit einer Panikattacke inklusive Krankenhausaufenthalt. Zu dem Zeitpunkt war mir noch nicht bewusst, dass es sich um eine Panikattacke handelte.
Im Krankenhaus wurde eine hypertensive Entgleisung behandelt und mein Blutdruck eingestellt. Beim Hausarzt wurde der Blutdruck zuvor mit 140/90 als grenzwertig eingestuft und noch nicht behandelt. Mein damaliger BMI war mit 46 deutlich höher als jetzt. Die Mitpatienten sowie die Aussage eines Chefarztes, der mich mit Angst machen wohl zum abnehmen motivieren wollte, sind meiner Meinung nach der Anfang der Angstproblematik.
In der Folge dieses Aufenthalts steigerte sich die Frequenz der Krankenhaus- und Arztbesuche, da ich immer häufiger Angst bekam ein Herzproblem zu haben. Zusätzlich hatte ich mehrere neue Symptome wie Schmerzen im Brustbereich und linkem Arm sowie starke Unruhe und Angstzustände.

Eine Psychotherapie (60std. Depression) hatte ich leider gerade abgeschlossen, sodass keine Psychotherapeutische Aufarbeitung erfolgte und ich mich neu auf die Wartelisten setzen lassen musste.
Mein Psychiater verschrieb mir Sertralin. Da meine Angst mittlerweile sehr stark war, fürchtete ich bei diesem Medikament negative Folgen für mein Herz.
Ende 2020 versuchte ich dann Sertralin habe die Einnahme auf Grund von starken Nebenwirkungen(Schwindel, Übelkeit, Libidoverlust, Gefühl neben mir zu stehen) nach einem halben Jahr wieder beendet.

Anfang 2021 erfolgte eine Abklärung der Brustschmerzen durch einen Kardiologen.
https://share.icloud.com/photos/024z2tS ... 8D3hR40KLQ
Dieser konnte keine Ursache finden.

Mitte 2021 steigerte sich die Problematik so sehr, dass eine Akuteinweisung in eine psychosomatische Klinik erfolgte. Die Symptomatik besserte sich. Ebenfalls wurde hier erneut eine körperliche Untersuchung ohne Auffälligkeit vorgenommen.

Ende 2021 bekam ich Krankengymnastik durch die sich die Schmerzen im Brustbereich besserten. Zusätzlich wurde Ende Dezember 2021 nochmal eine ausführliche Untersuchung beim Kardiologen(LZ-EKG, Ultraschall, Belastungs-EKG) vorgenommen, ebenfalls ohne Auffälligkeiten.

In Folge dessen scheint sich meine Angst verlagert zu und es treten jetzt seltener Schmerzen im Brustbereich auf(Schnerzem im Armbereich noch vorhanden, Schmerzsymptomtik passt laut Hausarzt zu LWS-Syndrom), dafür Beinschmerzen, welche in Ruhe auftreten und bei Bewegung besser werden.

Maßnahmen die ich bereits selbst unternommen habe:
Bemühung um Psychotherapie, Beantragung einer Reha (Beginn 15.03), Steigerung Sport(Teilweise in Angstphasen nicht möglich —> Angst dem Herz zu schaden) und bessere Ernährung, dazu Abnahme von 175kg auf 135kg(Abnahme wird fortgesetzt), ebenfalls konnten die Blutdruckmediakamente gesenkt werden und mein Blutdruck ist jetzt sehr gut.



Aktuell komme ich mit der Angst etwas zurecht, in Angstsituationen muss ich jedoch ein EKG mit der Apple Watch schreiben. Dabei habe ich gestern folgende EKGs geschrieben, bei denen ich Angst habe, das hier eine ST-Hebung zu sehen sein könnte.
https://share.icloud.com/photos/0d4GbP ... oKiZzy29lg

https://share.icloud.com/photos/024gxO ... HYO6WUn2g


Dieses ist ein aktuelles von heute:
https://share.icloud.com/photos/084hDc ... c9fE977xow

Eine Fragestellung von mir ist daher ob bei den EKGs etwas auffällig ist, was abgeklärt werden muss ?

Fragestellung 2:
Gibt es Antidepressiva bei denen ich weniger Angst vor einer Auswirkung aufs Herz haben muss ? Bzw. Suche ich eine Strategie um mich doch auf diese Medikamente einzulassen.

Fragestellung 3:
Bei mir wurde Anfang 2019 die Psoriasis-Behandlung mit Guselkumab gestartet und die Angstproblematik begann ist eventuell ein Zusammenhang zwischen Biologica und Angsterkrankungen bekannt ?

Fragestellung 4:
Sollte ich nochmal eine Untersuchung der Schilddrüse durch einen Spezialisten vornehmen lassen ?

Vielen Dank im Voraus und
Liebe Grüße
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jaeckel
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Re: Cardiophobie

Beitrag von jaeckel »

Hallo Jansch91,

wie ist Ihr TSH-Wert? L-Thyroxin 150 ist eine hohe Dosierung und kann verantwortlich für Herzsensationen, Hitzewallungen, Extrasystolen, Nervosität und Angstattacken etc. sein.
Jansch91 hat geschrieben: 10.01.22, 15:34 Eine Fragestellung von mir ist daher ob bei den EKGs etwas auffällig ist, was abgeklärt werden muss ?
Nein. Das sieht alles gut aus. Das Herz ist abgeklärt. Ergebnis unauffällig.
Jansch91 hat geschrieben: 10.01.22, 15:34 Gibt es Antidepressiva bei denen ich weniger Angst vor einer Auswirkung aufs Herz haben muss ?
Müssen Sie nicht haben. Die Angst ist unbegründet. Ihr Herz verträgt das.
Jansch91 hat geschrieben: 10.01.22, 15:34 Zusammenhang zwischen Biologica und Angsterkrankungen
Nein.
Jansch91 hat geschrieben: 10.01.22, 15:34 Sollte ich nochmal eine Untersuchung der Schilddrüse durch einen Spezialisten vornehmen lassen ?
Wenn ich den TSH-Wert kenne, gebe ich Ihnen dazu einen Rat.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Klinische Akut- und Notfallmedizin
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)
Jansch91
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Re: Cardiophobie

Beitrag von Jansch91 »

jaeckel hat geschrieben: 10.01.22, 23:31 wie ist Ihr TSH-Wert? L-Thyroxin 150 ist eine hohe Dosierung und kann verantwortlich für Herzsensationen, Hitzewallungen, Extrasystolen, Nervosität und Angstattacken etc. sein.
Jansch91 hat geschrieben: 10.01.22, 15:34 Sollte ich nochmal eine Untersuchung der Schilddrüse durch einen Spezialisten vornehmen lassen ?
Wenn ich den TSH-Wert kenne, gebe ich Ihnen dazu einen Rat.
Vielen Dank schon mal für die vielen Antworten!

Mein TSH war am 27.12.: 1.58
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jaeckel
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Re: Cardiophobie

Beitrag von jaeckel »

Hallo Jansch91,

der TSH hat einen breiten Normwertbereich. Die Thyroxindosis soll sich nach Labor( also TSH) UND nach der Klinik (Symptomen) richten. Der zweite Halbsatz wird
oftmals ignoriert. Wenn man Herzsensationen, Hitzewallungen, Extrasystolen, Nervosität und Angstattackenhat, ist es besser den TSH-Zielwert individuell bei bis zu 4 anzustreben. Das bedeutete bei Ihnen das L-Thyroxin deutlich zu reduzieren (100 o. sogar nur 75 µg/Tag), ggf. auch sofort mal für 3 Tage zu pausieren und erst nach 3 Monaten eine Kontrolle des TSH mit obigem Zielwert zu machen. Falls Sie daran schrauben, wäre ich für eine engmaschige Rückmeldung dankbar.

Und noch eine Notiz am Rande: Natürlich verdienen wir Ärzte unser Geld mit medizinischen Dienstleistungen. Wenn wir einen kostenlosen Dienst wie hier anbieten, erwarten wir eine Wertschätzung. Wenn alle den Dienst nutzen und keiner den Dienst mit einer Spende unterstützt, wird er sicher früher oder später eingestellt werden. Bitte sorgen Sie nach wiederholter Nutzung mit uns dafür, dass ein solch nützliches ärztliches Engagement auch weiterhin stattfinden kann. Bitte fördern Sie das Deutsche Medizin Forum unverbindlich mit einem einmaligen kleinen Eurobetrag über PayPal!
Spenden-Link: https://www.paypal.com/donate?hosted_bu ... 6H78G7JBEW
Danke!
Auf diesem Weg möchten wir uns nochmals bei allen SpenderInnen und FörderInnen herzlich bedanken!
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
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Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)
Jansch91
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Re: Cardiophobie

Beitrag von Jansch91 »

jaeckel hat geschrieben: 11.01.22, 10:35 Hallo Jansch91,

der TSH hat einen breiten Normwertbereich. Die Thyroxindosis soll sich nach Labor( also TSH) UND nach der Klinik (Symptomen) richten. Der zweite Halbsatz wird
oftmals ignoriert. Wenn man Herzsensationen, Hitzewallungen, Extrasystolen, Nervosität und Angstattackenhat, ist es besser den TSH-Zielwert individuell bei bis zu 4 anzustreben. Das bedeutete bei Ihnen das L-Thyroxin deutlich zu reduzieren (100 o. sogar nur 75 µg/Tag), ggf. auch sofort mal für 3 Tage zu pausieren und erst nach 3 Monaten eine Kontrolle des TSH mit obigem Zielwert zu machen. Falls Sie daran schrauben, wäre ich für eine engmaschige Rückmeldung dankbar.

Und noch eine Notiz am Rande: Natürlich verdienen wir Ärzte unser Geld mit medizinischen Dienstleistungen. Wenn wir einen kostenlosen Dienst wie hier anbieten, erwarten wir eine Wertschätzung. Wenn alle den Dienst nutzen und keiner den Dienst mit einer Spende unterstützt, wird er sicher früher oder später eingestellt werden. Bitte sorgen Sie nach wiederholter Nutzung mit uns dafür, dass ein solch nützliches ärztliches Engagement auch weiterhin stattfinden kann. Bitte fördern Sie das Deutsche Medizin Forum unverbindlich mit einem einmaligen kleinen Eurobetrag über PayPal!
Spenden-Link: https://www.paypal.com/donate?hosted_bu ... 6H78G7JBEW
Danke!
Auf diesem Weg möchten wir uns nochmals bei allen SpenderInnen und FörderInnen herzlich bedanken!
Vielen Dank Herr Dr. Jäckel!

Ich habe morgen einen Termin bei meinem Psychiater und werde das mal bei ihm ansprechen.
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