Regelmäßige Auffrisch-Impfungen - schlecht für das Immunsystem?

Medizinische Fragen zu COVID-19 (Coronavirus), Infektiologie, Hygiene und Reisemedizin

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Esseker
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Regelmäßige Auffrisch-Impfungen - schlecht für das Immunsystem?

Beitrag von Esseker »

Hallo zusammen,

ich habe eine Person in meinem Umfeld, die sich nicht gegen Covid-19 impfen lassen will, aus verschiedenen Gründen.

Ein Grund aus ihrer Sicht ist, dass Impfungen das Immunsystem auf einen bestimmten Erreger "sensibilisieren" und jede
Impfung ein heftiger Eingriff in das Immunsystem sei, sodass es nach einiger Zeit (einigen Impfungen - sprich ein paar Jahren)
so emfpindlich sei, dass es anfängt bei einer kleinen Erkältung o.Ä. den Körper selbst anzugreifen und man wegen jeder
harmlosen Krankheit sofort flach liegt bzw. stationär behandelt werden müsse.

Das hat sie von einer benachbarten Ärztin erfahren.

Ich kenne mich mit Medizin nicht aus, aber es klingt alles sehr abwägig für mich, oder ist da etwas wahres dran?

Ich würde mich freuen über eine fachkundige Meinung zu diesem Thma, vorab vielen Dank für eine Antwort!

Grüße
Ess
Humungus
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Re: Regelmäßige Auffrisch-Impfungen - schlecht für das Immunsystem?

Beitrag von Humungus »

Natürlich ist das abwegig. Wollen Sie mit dieser Person überhaupt argumentieren? Mit jemandem mit Halbwissen zu reden kann sehr ermüdend sein, weil eben das Fundament für eine sachliche Diskussion fehlt. "Never argue with an idiot. He only drags you down to his level and beats you with experience" (M. Twain)

1. Das körpereigene System hat eine Identifikation. Quasi jede körpereigene Zelle trägt an der Oberfläche einen "Personalausweis" und wird als körpereigen identifiziert. So weiß das Immunsystem überhaupt, dass etwas Fremdes da ist: der Eindringling wird abgetastet und die Oberfläche nicht als körpereigen identifiziert. ALARM! Heißt: nur in seltenen Fällen wird der Körper sich selber angreifen, das ist der Komplex der Autoimmunerkrankungen. Diese werden aber nicht durch Impfungen ausgelöst.

2. Der Körper wird ständig mit Erregern konfrontiert. Durch die Atemwege, durch das Verdauungssystem und auch durch die Geschlechtsorgane dringen jeden Tag viele, viele körperfremde Strukturen ein. Diese werden beseitigt ohne dass wir es merken, beispielsweise durch Antikörper auf den Schleimhäuten. Eine Impfung bringt den Körper nicht stärker in Aufruhr.

3. So gut wie jeder Mensch hat schon Erkältungen miterlebt, bei denen man sich so richtig besch.ssen fühlt. Das ist für das Immunsystem echte Arbeit. Eine Impfung ist normalerweise nicht schwerwiegender, sondern eher milder. Fragen Sie Ihren Freund mal, ob er nicht Angst hat dass durch eine alltägliche Erkältung sein Immunsystem verrückt spielt und was er dagegen tut.

Ich persönlich würde Ihnen und Ihrem Freund ja raten mal ein gutes Lehrbuch zum Thema Immunsystem zu lesen. Das gibt es von Kinderniveau (kennen Sie noch die Kinderserie "Es war einmal - das Leben"?) über Populärwissenschaft bis hin zu Fachbüchern. DANACH macht eine Diskussion wirklich einen Sinn.

Übrigens, ganz prosaisch: selbst wenn eine oder mehrere Impfungen schädlich sein sollten - die Infektion mit dem Erreger, vor dem die Impfung schützen soll, ist IMMER wesentlich gefährlicher. Wer stirbt schon gerne mit einem Lächeln auf den Lippen (Tetanus, risus sardonicus), hängt an der Beatmung (Kinderlähmung) oder verzichtet gleich ganz aufs Atmen (Diphtherie)?
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