Behandlung Hypertonie per Renale Denervation der Niere sinnvoll?

Koronare Herzerkrankung, Hypertonie, Herzinfarkt, Stents, Herzkatheter, Blutverdünnung, Lungenembolie, Herzklappenfehler etc. Hier können auch EKGs befundet werden. Vgl. öffentliche FB-Gruppe "Smartwatch-EKG"

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Spejbl
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Behandlung Hypertonie per Renale Denervation der Niere sinnvoll?

Beitrag von Spejbl »

Ich habe mal wieder eine Fachfrage, diesmal gehts in den kardiologischen Bereich. Nämlich Hypertonie trotz Medikation.

Zur Behandlung meines Bluthochdrucks und Depression wurde mir verschrieben:

Medikament Dosis Früh Mittag Abend Nacht

Exforge (Amlop./Valsat.) 10/160 mg 0 - 1 - 0 - 0
HCT 25 mg 0 - 1 - 0 - 0
Nitrendipin 20 mg 1 - 0 - 1 - 0
Torasemid 5 mg 1 - 1 - 0 - 0
Bisohexal (Bisoprolol) 5 mg 1 - 0 - 1 - 0
Clonidin 75/1000 mg 2 - 0 - 0 - 0
Urapidil (Ebrantil) 60mg 1 - 0 - 1 - 0


Opripramol 50 mg 0 - 0 - 0 - 1
Sertralin 50 mg ½ - 0 - 0 - 0

Trotz Medikation geht der Blutdruck bei Messungen lediglich auf RR 150/90/50 (Hf)zurück.

Stellt sich die Frage nach Alternativen, zumal durch das Torasemid mir unerwünschte Begleiterscheinungen (z.B. Ständiger Harndrang, Unwohlsein und Verdauunsprobleme [Darm])auftreten.

Ich erinnere mich, daß mein Kardiologe mal eine Renale Denervation der Niere ins Gespräch brachte. Zumal der Cocktail, den ich nehme, schon erheblich ist. Was ja auch mit einigen Neben- und Wechselwirkungen einhergeht.

Kann eine Renale Denervation der Niere empfohlen werden, wann sollte man so etwas mal in Erwägung ziehen und ggf. durchführen? Wie lange sollte man warten um eine solche Maßnahme durchzuführen, auch in Anbetracht dessen, daß ich dieses Jahr Ende Mai einen urologischen Eingriff (transurethrale Resektion [TUR] der Prostata) drchführen ließ. Oder ist es besser, weiterhin einen solchen Mix dauerhaft zu sich zu nehmen?

Und vor Allem: Gibt es Risiken bei der Denervation? Und wenn ja, welche? Ist das Ganze Schmerzhaft und werden anästesistische Maßnahmen ergriffen (Narkose, Betäubung (ggf.örtlich), Spinalanästhesie)?

Für eine fachgerechte Antwort wäre ich dankbar.

Mit freundlichen Grüßen
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jaeckel
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Re: Behandlung Hypertonie per Renale Denervation der Niere sinnvoll?

Beitrag von jaeckel »

Danke für Ihre sinnvolle Frage. Meist gibt es viel Optomierungspotenzial bei der Hypertonieeinstellung. Die renale Denervation ist etwas aus der Mode gekommen, da die Ergebnisse nach anfänglicher Euphorie dann noch nicht so gut waren. Grundsätzliche Tipps:

a) Sie sollten die Standardmedikamente der ersten Wahl in voller Dosierung morgens früh einnehmen. In Ihrem Fall:
- Valsartan 320 mg 1-0-0
- Amlodipin 10 mg 1-0-0
- Bisoprolol 5 mg 1-0-1
b) Nur bei Herzinsuffizienz u. o. Niereninsuffizienz mit "Wassereinlagerungen" sind Schleifendiuretika (Torasemid) Mittel der Wahl. Dann gibt man wegen der langen Wirkdauer die Gesamtdosis einmalig morgens. Ansonsten ist HCT 25 mg ein guter Wirkstoff. Kommt man mit HCT nicht aus und gibt keine Kontraindikationen gegen Spironolacton, ist das dann unbedingt als nächstes hinzuzufügen. Es wirkt gegen das sog. "Aldosteron-Escape"-Phänomen.
c) 2 Wirkstoffe der gleichen Wirkstoffklasse (Amlodipin, Nitrendipin sind beides Kalziumantagonisten) würde ich vermeiden.
d) Reserve-Medikamente würde ich vermeiden, solange obiges nicht vollzogen ist. (Clonidin, Urapidil)
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Klinische Akut- und Notfallmedizin
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)
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Spejbl
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Re: Behandlung Hypertonie per Renale Denervation der Niere sinnvoll?

Beitrag von Spejbl »

Erst mal vielen Dank für Ihre Antwort. Also lasse ich das mit der Renalen Denervation der Niere. Wäre also lediglich das letzte Mittel.

Die Behandlung mit Schleifendiuretika (Torasemid) will ich eh runterfahren, sprich die Dosierung entweder minimieren oder gar absetzen, da ich ja außerdem das Thiazid-Diuretika HCT noch einnehme. Herzinsuffizienz u. o. Niereninsuffizienz mit "Wassereinlagerungen", weiß ich nichts davon, das wurde so bei mir nicht diagnostiziert. Meines Wissens nach lautet die Diagnose bei mir auf Essentielle arterielle Hypertonie.

Und bei der zusätzlichen Einnahme von Torasemid kommt es vor, daß ich alle 10 bis 15 Minunten auf die Toilette muß. Das wäre Minimum eine Einbuße an Lebensqualität, zumal damit Wege erledigen fast unmöglich wird. Außerdem verschlechtert sich das Allgemeinbefinden und es wirkt sich auf den Elektrolytehaushalt aus.

Die Einnahmen sind tageszeitlich vom Arzt so verordnet. Würde ich ohne Clonidin und/oder Ebrantil (Urapidil) auskommen, hätte mein Doc sicher die Medikation damit heruntergefahren. Bei der Ersteinstellung im KH (da war ich letztes Jahr im April in Erstbehandlung) wurde genau mit diesen Medikamenten begonnen. Aber über die Medikation kann man ja noch mal reden.

Wichtig ist, daß der Blutdruck Im Ruhen systolisch die 140 mmhg und diastolisch die 90 mmhg nicht übersteigt. Mit einem Puls von 50 (macht das Bisoprolol) kann ich leben.

Noch mals vielen Dank.
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