Netzhaut-OP, Glaskörperentfernung, Linsentausch

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Incantator
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Netzhaut-OP, Glaskörperentfernung, Linsentausch

Beitrag von Incantator »

Hallo ! Ich bin neu hier und möchte schildern was mir passiert ist und habe auch Fragen an euch.

Vor 5 Wochen hatte ich morgens plötzlich im rechten Augen eine Art Faden und viele schwarze Punkte gesehen. Lichtblitze habe ich keine gesehen. Wenige Minuten später konnte ich gar nichts mehr sehen. In der Augenambulanz untersuchte mich eine Ärztin, die sich nicht sicher war. Nach dem man mich dort ca. 6 Stunden hat sitzen lassen, hat eine weitere Ärztin zusammen mit der ersten Ärztin das Auge erneute untersucht. Beide redeten bei der Netzhautuntersuchung immer nur von einem "komischen Punkt". Man schickte mich nach Hause und ich sollte am nächsten Tag wieder kommen, wenn der Hauptoperateur da ist. Dieser erkannte im rechten (blinden) Auge in wenigen Minuten eine massive Netzhautablösung, Risse und Löcher. Im linken Auge erkannte er ebenfalls Risse, Löcher und Ablösungen. Die Netzhaut des linken Auges wurde mit Laser repariert.

Ich musste sofort dableiben und in ca. 30 Minuten lag ich im OP. Das rechte Auge wurde mit Lokalanästhesie operiert: Netzhaut, Entfernung des Glaskörpers, Linsentausch. Die Chirurgin sagte am Ende der OP, dass sie nicht garantieren kann, dass das Auge nicht erneut operiert werden muss. Nach 1 Nacht im Klinikum durfte ich nach Hause und musste am Folgetag zur Kontrolle. Bei einer Kontrolle ein paar Tage später wurden erneut Ablösungen festgestellt, die per Laser behandelt wurden. Seit dem liegt die Netzhaut an.

Mein Augendruck im operierten Auge ist mit 25-27 mmHg jedoch zu hoch. Bei den Tropfen zur Augendrucksenkung mit "20mg Dorzalamid+5mg Timolol" hatte ich Nebenwirkungen. Da dieses nicht reichte um den Druck zu senken, sollte ich zusätzlich 1x abends 1 Tropfen eines Medikaments mit dem Wirkstoff Bimatoprost nehmen. Auch hiervon hatte ich Nebenwirkungen und habe eigenmächtig beides abgesetzt. Liest man mögliche weitere schwere Nebenwirkungen bei längerer Anwendung, wird einem eh übel.

Fatal ist, dass die beiden Tropfen (eines mit dem Zusatz N) mit den Wirkstoffen Betamethason, Dinatriumphosphat, Neomycinsulfat, die ich nehmen sollte, den Augendruck erhöhen und laut Beipackzettel bei erhöhtem Augendruck nicht angewendet werden dürfen !

Nun hat sich leider eine Nahtstelle entzündet und ich soll erneut 5x tgl. die Tropfen mit dem Zusatz "N" nehmen.

Hat jemand Erfahrungen mit anderen, als den genannten Tropfen ? Wie ist es euch nach ca. 5 Wochen ergangen ?
Zuletzt geändert von Incantator am 16.05.21, 09:59, insgesamt 1-mal geändert.
Humungus
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Re: Netzhaut-OP, Glaskörperentfernung, Linsentausch

Beitrag von Humungus »

1. Das "eigenmächtige" Absetzen eines Medikaments ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ist ein Zeichen mangelndes Vertrauens. Sie sind der Meinung es besser zu wissen als Ihr Arzt. Dabei ist die Verordnung von Medikamenten sein täglich Brot, und er weiß auch, welche Nebenwirkungen es gibt. So übrigens auch bei der Verordnung von Steroiden. Übrigens reagiert nur ein Teil von Patienten mit Druckerhöhung auf Cortison - aber das stand wahrscheinlich nicht im Beipackzettel. Und was auch nicht drin stand ist, dass Steroide für die Behandlung von Reizzuständen in und um das Auge ausgesprochen wichtig sind, weil sie einen ausgezeichneten reizunterdrückenden Effekt haben. Das Auge ist ein Hohlkörper, und wenn sich dort eine Entzündung festsetzt geht sie nur schwer wieder heraus. Das heißt: einen Austausch von Steroiden durch eine Alternative sollte man sich sehr gut überlegen, insbesondere nach einer derart schwerwiegenden Operation, wie Sie sie hatten. Selbst, wenn sich der Innendruck für einige Zeit moderat erhöhen sollte, ist das akzeptabel. Übrigens sage ich nach einer Nezuhaut-OP gerne: besser Druck 30 als 0, denn der Druck hilft auch dabei die Natzhaut "anzudrücken". Und was ich noch den Patienten gerne sage: solche Augen sind wie Schwiegermütter - leicht reizbar und eingeschnappt. Die müssen erst einmal wieder zur Ruhe kommen. Und dabei hilft bei der Schwiegermutter ein Likör, und beim Auge Cortison.

2. Augeninnendruckerhöhungen nach schwerwiegenden Augenoperationen sind relativ häufig als Folge eines Reizzustandes und einer Verletzung der Blut-Kammerwasserschranke. Manchmal bleiben sie, oft aber gehen sie wieder weg. Das kann aber auch schon mal länger dauern. Nach vier Wochen ist es für ein Resüme viel zu früh.

3. Es ist immer sinnvoll über seine Sorgen mit dem Operateur zu reden. Der kennt schon tausende solcher Fälle und hat dementsprechend Erfahrungen. Das sollte der erste Weg eines beunruhigten Patienten sein.

Noch etwas: durch die Nennung der Handelsnamen von Medikamenten verletzen Sie Forenregeln. Sie sollten dies ändern und in den Wirkstoffnamen austauschen - den finden Sie in den Beipackzetteln und auf jeder deutschen Medikamentenverpackung.
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Incantator
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Re: Netzhaut-OP, Glaskörperentfernung, Linsentausch

Beitrag von Incantator »

"ist ein Zeichen mangelndes Vertrauens. Sie sind der Meinung es besser zu wissen als Ihr Arzt. Dabei ist die Verordnung von Medikamenten sein täglich Brot, und er weiß auch, welche Nebenwirkungen es gibt." .... Richtig, in diese Ärztin habe ich kein Vertauen, denn im persönlichen Gespräch schien sie von den bei mir auftretenden Nebenwirkungen (z.B. Augendruckerhöhung DURCH die genannten Tropfen) noch nichts gehört zu haben. Nur ist es leider in diesem Land nicht so einfach wie in DE innerhalb eines Quartals den Facharzt zu wechseln, außer man ist bereit den anderen Arzt dann privat zu bezahlen.

Ich habe soeben die Handelsnamen durch die Wirkstoffe ersetzt.
Humungus
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Re: Netzhaut-OP, Glaskörperentfernung, Linsentausch

Beitrag von Humungus »

Wenn ein Augenarzt nicht weiß dass Steroide den Augeninnendruck erhöhen, könnte Ihr Misstrauen fundiert sein, der Erstkontakt scheint ja auch nicht gerade glücklich gewese zu sein. Ich habe in Hinsicht auf Steroide gelernt: "In einer Woche Ulcus (Hornhautgeschwür), in einem Monat Glaukom, in einem Jahr Katarakt". Trotzdem sind Steroide nach intraokularen Operationen Standard, von dem man nur aus gutem Grund abweichen sollte. Typische Alternative sind nichtsteroidale Entzündungshemmer (beispielsweise Diclofenac, Ketorolac), die man bei mildem Verlauf und nicht so gravierenden Operationen (beispielsweise Katarakt-OP) nutzen kann. In Ihrem Fall ist aber unbedingt eine genaue Abwägung notwendig, sonst gehts im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge. Nehmen Sie wenn möglich Kontakt zum "Hauptoperateur" auf.
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Re: Netzhaut-OP, Glaskörperentfernung, Linsentausch

Beitrag von Feuerblick »

Vielleicht handelte es sich auch ganz einfach um eine junge Assistenzärztin im ersten Jahr, die eine „Steroidresponse“ (d.h. die Augeninnendruckerhöhung bei Steroidgabe) noch nie gesehen hatte. An diesem Punkt standen die meisten Augenärzte mal. Mangelnde Erfahrung zu Beginn der Ausbildung ist nichts Ungewöhnliches. Man geht nicht als fertiger Augenarzt aus dem Studium…

Da es aber einen Operateur und Oberärzte gab, hätte man zunächst mit diesen Kontakt aufnehmen müssen und die Bedenken besprechen. Diese hätten ganz sicher etwas zu Cortison und Ihrem Augeninnendruck zu sagen gehabt.
Die Augeninnendruckerhöhung auf Steroide ist selten, die Augeninnendruckerhöhung nach einer ausgedehnten Netzhaut-OP hingegen ist nicht so selten. Augentropfen einfach abzusetzen ohne Rücksprache mit behandelnden Ärzten ist keine gute Idee und kann im schlimmsten Fall ganz schlecht ausgehen. In aller Regel würde man eine moderate Druckerhöhung postoperativ tolerieren (schon gar bei einem Sehnerv, der nicht vorher durch ein Glaukom geschädigt wurde) und lieber zusätzlich drucksenkende Augentropfen geben statt das Cortison abzusetzen. Dafür gibt es (siehe Humungus) sehr gute Gründe. Das hätten Ihnen die zuständigen Oberärzte/Operateure sicher auch erklärt.

Sprechen Sie bitte dringend mit den behandelnden Ärzten!
Bitte stellen Sie Ihre Fragen nur, wenn Sie die Antwort auch wirklich wissen wollen und nicht Dr. Google vorziehen. ;-)
Incantator
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Re: Netzhaut-OP, Glaskörperentfernung, Linsentausch

Beitrag von Incantator »

Die Ärztin, die (anscheinend) nicht weiß, dass die genannten Medikamente den Augendruck erhöhen, ist eine niedergelassene Augenärztin. Ich hatte dort nach der OP vor wenigen Tagen den ersten Termin wegen der kleinen entzündeten Stelle. Vorher war ich mehrfach zur Kontrolle in der Klinik. Ich stimme zu, dass es am besten wäre den Operateur in der Klinik aufzusuchen, nur muss ich die genannte Ärztin hierfür um eine Überweisung bitten. Ansonsten müsste ich es privat bezahlen, was mir mittlerweile aber auch fast egal wäre.

Die genannte Entzündung der einen Nahtstelle, sieht aus wie ein Pickel mit 2 winzigen bläulichen Punkten drinnen. Vielleicht sah es aber schon viel länger so aus und ich habe es nur nicht bemerkt. Die erste Zeit nach der OP hatte ich nämlich große Probleme das Lid zu heben und das Auge war deshalb fast immer verschlossen. Schade, dass man hier keine Fotos hochladen kann.

Soweit danke für die Antworten.
Humungus
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Re: Netzhaut-OP, Glaskörperentfernung, Linsentausch

Beitrag von Humungus »

:mrgreen: die zwei bläulichen Punkte sind, wenn Sie in wirklichkeit violett und nicht blau sind, die Enden der Vicrylfäden, mit denen die Lederhaut oder die Bindehaut genäht wird. Die Fäden sind selbstresorbierend, fallen also nach einiger Zeit heraus. Nach 5 Wochen hätte das längst der Fall sein sollen. Sind die Fäden tatsächlich blau (!), handelt es sich um Prolene, ein nicht-resorbierbares Material. Dann sollte geprüft werden, ob die nicht nach 5 Wochen raus können. Na, da haben Sie ein Argument den Operateur wieder zu sehen...
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Re: Netzhaut-OP, Glaskörperentfernung, Linsentausch

Beitrag von Incantator »

Ich habe nochmal Makro-Fotos gemacht und auf dem Monitor reingezoomt. Die Punkte sind violett. Es sind laut Operateur und dieser Ärztin, bei der ich bisher einmal war, selbstauflösende Fäden. Also ist dieser runde, rote "Pickel" mit den violetten Punkten nichts anderes, als die Einstichstellen bei der OP. Komisch, dass die Ärztin dies als Entzündung deutet und mir augendrucksteigernde Entzündungshemmer verordnet. Ja, ich werde um eine Überweisung zum Operateur bitten, denn in diese Ärztin habe ich kein Vertrauen.
Incantator
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Re: Netzhaut-OP, Glaskörperentfernung, Linsentausch

Beitrag von Incantator »

Update:
Nach dem ich heute in der Klinik bei dem Arzt war, bei dem ich bisher am liebsten war und das größte Vertrauen habe, folgender Stand:

Die rötliche Stelle mit den beiden violetten Punkten ist keine Entzündung, sondern ein harmloses Granulom mit roten Äderchen. Also nichts was die Gabe von den Tropfen mit dem Zusatz N (Wirkstoffe siehe oben) rechtfertigt. Diese erhöhen u.a. den Augendruck ! Ich soll weiterhin sämtliche Tropfen weglassen. Die Operateurin hat das Auge ebenfalls untersucht.

Nachdem ich seit ein paar Tagen alle Tropfen eigenmächtig abgesetzt hatte, also auch die beiden Augendrucksenker, sind sämtliche Nebenwirkungen weg und der Augendruck lag heute sogar noch nach 4-maliger Gabe von pupillenerweiternden Tropfen wegen Netzhautuntersuchung im Normbereich !!!

Die Netzhaut liegt an. Es wurde lediglich eine Stelle nochmal per Laser nachgebessert. Sehnerv ist ok. Sehleistung des operierten Auges nach nur 5,5 Wochen = 80 %. Auf der inplantierten Linse hat sich aber ein Belag gebildet, den man später mal per Laser entfernen kann.
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