Blutwerte bei einem anderen Arzt bestimmen lassen ???

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hardy24
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Blutwerte bei einem anderen Arzt bestimmen lassen ???

Beitrag von hardy24 » 10.05.19, 16:16

Hallo zusammen,
ich habe mich angemeldet um eine Lösung für unser Problem zu finden. Erstmal eine kurze Erklärung um was es sich handelt. Wir wohnen in Süddeutschland da ich hier meinen Job noch 8 Jahre bis zur Rente ausüben muss, meine Frau hat leichten Zucker und geht einmal im Jahr zur Blutabnahme zum Hausarzt, sie ist nicht berufstätig. Nun haben wir vor 3 Jahren das Haus Ihrer Eltern in Brandenburg (ca.600km entfernt) geerbt und sind gerade am Renovieren und teilweise sarnieren.Um die Ruhe zu genießen, Handwerker zu beauftragen, das Haus lüften, Gartenarbeit erledigen wohnt sie nun ca. 6 Monate dort was ihr sichtlich gut tut. Nun das Problem, unsere Hausärztin besteht darauf das meine Frau alle 3 Monate nach Hause kommt um die Blutwerte zu bestimmen da sie sonst keine Medikamente mehr verschreiben kann. Wir haben vorgeschlagen das meine Frau in Brandenburg zum Arzt oder ins Krankenhaus geht um dort die Blutwerte bestimmen zu lassen und das Ergebnis an die Hausärztin weiterzuleiten, "Nein" das geht nicht so hieß es. Wir fragen uns warum das nicht gehen sollte ? Verdient sie durch diese Vorgehensweise nichts, bzw. kann sie so nichts über die Krankenkasse abrechnen ? Sie hat auch schon angedeutet das meine Frau aus der Kartei gestrichen wird, auf deutsch sie braucht hier nicht mehr erscheinen, wenn sie nicht alle 3 Monate zu Blutabnahme kommt. Ist das so ok. ? Was kann man in unserem Fall machen ? Wir freuen uns auf einige Antworten. Vielen Dank.

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Blutwerte bei einem anderen Arzt bestimmen lassen ???

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 10.05.19, 17:05

Guten Tag,
alle drei Monate in der Praxis erscheinen? Das sieht mir sehr nach pekuniären Gründen aus, denn immerhin bekommt ja jeder Arzt für besagte 3 Monate einen Krankenschein. Das ist natürlich für ihn von grundsätzlicher finanzieller Bedeutung und auch existentiell wichtig. Von dieser Seite her kann man das Vorgehen schon durchaus verstehen, aber nur unter diesem Aspekt. Eigentlich ist die Art und Weise schlichtweg menschlich allerunterste Schublade und so eine Praxis würde ich persönlich wechseln. Es stimmt durchaus, dass keine Medikamente verschrieben werden können, da ja die Dosis usw. je nach BZ-Werten angepasst werden muß. Das ist also schon korrekt. Aber die Drohung, Ihre Frau nicht mehr zu behandeln, ist einfach blamabel. Ihre Frau kann natürlich in Ihrem Heimatort einen Arzt aufsuchen-idealerweise den früheren Arzt- und dort die 6 Monate sich betreuen lassen. In ein Krankenhaus zu gehen, das funktioniert so nicht. Der Weg führt immer über den Hausarzt und auch nur dann, wenn ein konkreter Anlass hierfür besteht. Ferner kann das KH auch nicht so ohne weiteres ein Rezept ausstellen. Verfahren Sie so, wie Sie es in Ihrem Titel sagen.
""Nein" das geht nicht so hieß es"- natürlich geht das und allein Ihrer Frau zuzumuten, alle drei Monate die große Anreise zu tätigen, ist schon mehr als peinlich-mir fehlen einfach die entsprechenden Worte.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

hardy24
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Re: Blutwerte bei einem anderen Arzt bestimmen lassen ???

Beitrag von hardy24 » 10.05.19, 18:09

Guten Tag Herr Dr. Fischer,
danke für die informative Antwort. Das sich die Hausärztin mit der Medikamentenverschreibung korrekt verhält war uns klar, aber die Aussage das es nicht geht die Blutwerte von einem anderen Arzt bestimmen zu lassen ist uns unverständlich, aber auf Grund der Antwort von Ihnen das es ein finanzieller Aspekt ist, wird uns nun auch klar. Wir haben ihr aber erklärt das es für uns wirtschaftlich und finanziell nicht tragbar wäre für 10 Minuten Blutabnahme 1200km zu fahren. Wir bewirtschaften dort auch den Garten und in den warmen Monaten ist es wichtig das jemand vor Ort ist. Ich fahre alle 4 Wochen für eine Woche zu meiner Frau, ich bin ja auch nur an meinen Urlaubstagen dort und über 6 Monate den Urlaub verteilen ist auch nicht so einfach. Da ist es mir schlecht möglich nach einer Woche meine Frau wieder nach Brandenburg zu bringen.
Ich muss noch erwähnen das die Hausärztin die Praxis vor einem Jahr von unserem früheren Hausarzt übernommen hat da dieser leider verstarb. Durch Monate ohne Hausarzt sind natürlich viele Patienten zu einem anderen Arzt gewechselt, ich denke mal das dies auch noch ein Grund für dieses Verhalten ist.
In unserem Krankenhaus in Brandenburg gibt es noch ein Ärztehaus wo verschiedene Ärzte praktizieren, das meinte ich damit. Ein weiteres Problem wird sein das dort Hausärzte, Allgemeinärzte Mangelware sind, es haben sich dort nicht viele Ärzte angesiedelt bzw. sind durch ihr Alter bereits im Ruhestand und das dadurch die Kapazitäten ausgeschöpft sind was die Patientenaufnahme betrifft.
Wir werden uns auf jedenfall vor Ort erkundigen wie das mit der Versorgung für 6 Monate ist, denke aber das ein Hausarzt in Brandenburg und einer hier am Hauptwohnsitz unsere Ärztin nicht aktzeptieren wird.

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Blutwerte bei einem anderen Arzt bestimmen lassen ???

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 11.05.19, 06:43

Guten Morgen,
" denke aber das ein Hausarzt in Brandenburg und einer hier am Hauptwohnsitz unsere Ärztin nicht aktzeptieren wird."- dann rate ich zu einem Hausarztwechsel.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Rainer.
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Re: Blutwerte bei einem anderen Arzt bestimmen lassen ???

Beitrag von Rainer. » 12.05.19, 21:25

Hallo Hardy,

ich denke nicht, dass man das ohne irgendwelche Kenntnis des Diabetes bei deiner Frau der Ärztin Geldschneiderei vorwerfen kann. Bei Diabetikern ist es üblich, das HbA1c quartalsweise zu überprüfen. Im DMP ist das sogar vorgeschrieben, das ist es ja nicht ohne Grund. Mein erster Gedanke wäre deshalb, dass deine Ärztin sehr gewissenhaft ist.

Die Behandlung ablehnen, falls deine Frau nicht aller 3 Monate erscheint, darf sie natürlich nicht. Vielleicht hast du sie auch nur missverstanden und sie droht nicht die Löschung aus der Kartei, sondern das Abmelden vom DMP an. Daraus würden für deine Frau aber keine Nachteile entstehen. Dass sie keine Lösung für euer Problem anbieten kann, ist allerdings wirklich nicht schön. Ich würde mir eventuell einen neuen Hausarzt suchen, am besten gleich in Brandenburg. Bei anderen Gesundheitsproblemen braucht sie dort sowieso auch einen Anprechpartner. So lange es keine unterschiedlichen Auffassungen zur Diabetestherapie bei deiner Fau gibt, kann es auch mit 2 Ärzten gut funktionieren.

Was soll übrigens der "leichte Diabetes" bedeuten? Das klingt mir ein bisschen nach einem "auf die leichte Schulter genommenen Diabetes". Einen Diabetes kann man gut im Griff haben oder auch nicht. Hat sie iheren Diabetes gut im Griff? Wie hoch ist denn ihr Langzeitwert HbA1c? Eine quartalsweise Überprüfung dieses Wertes, wie es bei Diabetikern üblich ist, würde ich auf jeden Fall empfehlen.

Beste Grüße, Rainer
Typ2-Diabetiker, Diagnose 2002
HbA1c~6,0 mit LCHF-Ernährung

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