Schlechtes Ansprechen auf hohe ICSI-Stimu trotz gutem AMH

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Nachtschattengewächs
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Schlechtes Ansprechen auf hohe ICSI-Stimu trotz gutem AMH

Beitrag von Nachtschattengewächs » 21.01.19, 17:27

Hallo Herr Dr. Fischer,

ich (34) befinde mich gerade in der Stimulation meiner 3. ICSI und bin ziemlich enttäuscht. Mein AMH liegt bei 3,2 und dennoch ist es jedes Mal ein wahrer Kampf, bis wir überhaupt ein paar Eizellen bei mir herausbekommen. Im Antagonistenprotokoll vor ca. einem Jahr hatten wir ein völlig unregelmäßiges Wachstum. Am Ende nur 6 Eizellen: 1 Windei, 1 Eizelle überreif, 2 (fast) reif und 2 richtig reif. Die Qualität war immerhin gut, alle 4 (reifen und fast reifen) befruchtet. Am Ende 2 Blastos - keine SS. Danach folgte das lange Protokoll: 8 Eizellen, 6 davon leer, 2 blieben übrig in miserabler Qualität, 1 befruchtet - keine SS.
Nun, nach einem Jahr Pause und Gewichtszunahme ins Normalgewicht (vorher Untergewicht) hatte ich Hoffnung auf ein besseres Ansprechen der Eierstöcke. Wir haben stimuliert wie beim ersten Antagonisten-Versuch (150 Menogon+225 Pergoveris) - also schon eine ziemlich hohe Dosis. Cetrotide extra erst spät dazu. Dennoch heute (10. Stimulationstag) im Ultraschall wieder nur 5-6 Eizellen, wenn auch immerhin in ähnlicher Größe (10-13 mm). Östrogenwert mit 1100 bei der Follikelgröße in Ordnung, würde ich sagen.

Haben Sie eine Erklärung, warum meine Eierstöcke so furchtbar schlecht auf die Stimulation ansprechen? Ich stimuliere immer zwischen 14-16 Tage lang, Wachstum nur zäh und über die Hälfte aller Follikel, die im ersten Ultraschall noch zu sehen waren, wachsen später einfach nicht mehr weiter.

Ich überlege, ob ich den Zyklus abbrechen soll, weil ich so enttäuscht bin, dass trotz der Gewichtszunahme wieder nur so wenig Eizellen wachsen. Wer weiß, was von den gesichteten 6, später an reifen Eizellen und befruchteten am Ende noch übrig bleibt. Die Ärztin sagt aber (vermutlich zurecht), dass es die nächsten Male wohl auch nicht besser laufen wird. Eher schlechter, weil ich ja älter werde. Jetzt bereue ich, dass ich überhaupt ein Jahr gewartet habe. Mit niedrigem Gewicht hatte ich ja ähnliche Ergebnisse, aber immerhin waren meine Eizellen da noch jünger und vermutlich qualitativ hochwertiger (die 2 Blastos hatten immerhin A-Qualität).

Was würden Sie machen? Stehen die Chancen auf bessere Ergebnisse beim nächsten Versuch besser oder muss ich mich damit abfinden, dass meine Eierstöcke und Eizellen keine Lust auf die von mir erzwungene Stimulation haben?

Vielen Dank!

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Schlechtes Ansprechen auf hohe ICSI-Stimu trotz gutem AM

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 21.01.19, 17:52

Guten Abend,
derartige Fälle kenne ich, man gibt enorm hohe Dosen und erzielt kein nennenswertes Wachstum. Selbst die vorherige down-Regulation bringt dann nichts, ich glaube, dass es eher kontraproduktiv in derartigen Fällen ist. Man supprimiert ja FSH/ LH extrem in der Hoffnung, dann ein besseres Ansprechverhalten auf die Sprizen zu bekommen. Dem ist aber eben oftmals nicht so.
"Stehen die Chancen auf bessere Ergebnisse beim nächsten Versuch besser oder muss ich mich damit abfinden, dass meine Eierstöcke und Eizellen keine Lust auf die von mir erzwungene Stimulation haben?"- leider befürchte ich, dass auch weitere Versuche nicht den gewünschten Erfolg haben.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Nachtschattengewächs
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Re: Schlechtes Ansprechen auf hohe ICSI-Stimu trotz gutem AM

Beitrag von Nachtschattengewächs » 21.01.19, 18:40

Hallo Herr Fischer,

vielen Dank für Ihre schnelle und ehrliche Antwort! Zumindest tut es ein bisschen gut, mit diesem Problem kein Einzelfall zu sein (wenn wohl auch eher die Ausnahme). Vermutlich werde ich mich dann wohl damit abfinden müssen, zur "schlecht ansprechenden Minderheit" zu gehören. Es ist natürlich trotzdem total enttäuschend, weil man dem recht guten AMH ja doch gedacht hätte, dass Chancen auf Kryos bestehen. Somit werde ich nun voraussichtlich "nur" die 3 ICSI-Versuche der Kasse haben und keine zusätzlichen Kryos.

Haben Sie zufällig bei derartig schlecht-ansprechenden Frauen einen Zusammenhang zur SS-Chance machen können? Also haben Frauen, die schlecht auf externe Hormone ansprechen, generell auch eine schlechtere SS-Chance, weil der Körper auch schlechter auf die eingesetzten Eizellen anspricht? Oder hängt die SS-Chance ausschließlich von der Qualität der eingesetzten Eizellen ab?

Sehr merkwürdig finde ich übrigens, dass ich bei wesentlich milderer Stimulation (1-2 Ampullen Menogon) während der Inseminationen eine ähnlich hohe, teilweise sogar höhere Follikelzahl (7-9 Follikel) hatte. Diese Follikel wuchsen allerdings Querbeet: Ein paar nach den ersten Stimulationstagen, dann plötzlichen schossen ein paar neue mit rasantem Wachstum dazu, dann tauchten wieder ein paar kleinere auf.... Mein Arzt war deshalb damals optimistisch, dass bei höherer Stimulation auch mehr von den antralen Follikel mitwachsen - bei mir scheint eher das Gegenteil einzutreten (je höher ich stimuliere, desto weniger Follikel kommen dabei heraus).
Oder scheint es eher so zu sein, dass die Querbeet-Follikel während der Inseminationen bloß Zysten/Windeier waren, die am Ende eh nicht brauchbar gewesen wären?

Liebe Grüße

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Schlechtes Ansprechen auf hohe ICSI-Stimu trotz gutem AM

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 22.01.19, 08:32

Hallo,
maßgebend ist lediglich die Qualität der Eizellen. Andererseits aber bedeutet ein erschwertes Ansprechen nicht automatisch, dass keine SS zustande kommt. Problem ist hierbei, dass eben die meisten Paare nach einigen Versuchen IVF aufgeben. Ich würde empfehlen, wenn Sie noch einen Zyklus ICSI "durchziehen" wollen, zuvor kein Protokoll zu verwenden, weder ein langes, noch ein kurzes o.ä.
"Oder scheint es eher so zu sein, dass die Querbeet-Follikel während der Inseminationen bloß Zysten/Windeier waren, die am Ende eh nicht brauchbar gewesen wären?"- so etwas beobachtet man relativ oft und stellt gleichzeitig auch eine Gefahr dar. Erstens sind die dann plötzlich auftauchenden und rasch wachsenden Follikel " minderwertig", an diesen darf man sich nicht orientieren, zweitens besteht die Gefahr eines gefährlichen Überstimulierungssyndroms beim Auslösen mit HCG. Erst durch die Gabe von HCG passiert dieser manchmal bedrohliche Zustand, den jeder, der sich mit der Materie befasst, kennt.
Es ist auch eine Kostenfrage , falls Ihre Krankenkasse nicht mehr weitere Kosten übernimmt, bleibt noch der Weg mit HMG-Injektionen, evtl. mit Insemination-je nach Spermienbefund. Das ist dann keine IVF, leider sind aber die Ampullen recht teuer.
Grüße Dr. Fischer
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Nachtschattengewächs
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Re: Schlechtes Ansprechen auf hohe ICSI-Stimu trotz gutem AM

Beitrag von Nachtschattengewächs » 22.01.19, 18:20

Hallo Herr Fischer,

danke für die ausführliche Erklärung! Sie haben Recht, dass auch wir auf Grund der hohen Kosten höchstens noch eine Selbstzahler-ICSI durchführen könnten. Da hofft man natürlich sehr, dass es bei den wenigen Versuchen klappt.
Ihre Idee, ggf. noch Inseminationen mit HMG durchzuführen, finde ich aber sehr gut und bedenkenswert. Das werde ich mit meinem Mann auf jeden Fall besprechen, wenn auch diese ICSI wieder scheitert. Gerade, wenn bei mir ja eh kaum eine vernünftige Eizellzahlzustande kommt und, weil das Spermiogramm meines Mannes nur gering eingeschränkt ist, stehen die Chancen bei mehreren Inseminationen vielleicht gar nicht unbedingt schlechter, als bei einer weiteren ICSI (Abwägung auf Grund der Kosten).

Vielen Dank für Ihre stetige Unterstützung und Hilfe!

Viele Grüße und einen schönen Abend wünscht Nachtschattengewächs

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