Amenorrhoe. Ursache, Gewicht und Behandlung

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hello07
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Amenorrhoe. Ursache, Gewicht und Behandlung

Beitrag von hello07 » 20.11.18, 20:05

Guten Abend,

Seit dem Absetzten der Pille Ende August'18 wegen Kinderwunsch habe ich meine Periode nicht bekommen. Keine Eisprung (Ovulationstests). Hab die Pille mit 13 wegen schlechter Haut bekommen (Akne) und somit 15 Jahre genommen. Das erste mal meine Periode hab ich mit 11 Jahren bekommen. Es wurde daraufhin ein Blutbild (vor 6 Wochen) gemacht. Welches folgende Ergebnisse ergab (keine Auffälligkeiten): 

Estradiol: 61 pg/ml (Refernz 30 - 300)
Prokalin: 5.5 ng/ml (Ref. )
Lh: 5.2 (Ref. 2-100)
Fsh: 7.8 mIU/ml (Ref. 2-20)
AMH: 3.82 ng/ml (Ref. 0.13 -4.5)
Testo.: 0.4 ng/ml (Ref. 01-0.6)
SHBG: 123 nmol/l (Ref. 15.8-144)
Dihydrotesto.: 466 pg/ml (leicht erhöht, Referenz: 24-368)
Progesteron 0.1

Im Ultraschall konnten mehr Bläschen festgestellt werden als \"normal\", aber nicht so viele wie bei Pco.
Gebärmutterschleimhaut am ZT 70 bei 4mm. Mittlerweile bin ich am ZT 90.

Größe und Gewicht: 170cm, 52.8 kg.

Frauenärztin meint 3 kg mehr und dann regel sicht alles von selbst.
Mönchspfeffer nehme ich seit 8 Wochen.

Schilddrüse wurde neu eingestellt (Dosierung von 75 Thyronajod auf 50/75 im Wechsel), da der TSH unter 0.06 lag. Mittlerweile nehme ich sogar nur noch 50.

Wie beurteilen Sie die Werte? Ist das Östrogen und Progesteron zu niedrig?
Was kann die Ursache der Amenorrhoe sein? Die Schilddrüse o. doch PCO? Kann die Amenorrhoe am Gewicht liegen (esse normal)?
Mein Frauenarzt überwies mich bereits in Kinderwunschzentrum. Diese machen aktuell ein neues Blutbild. Wollen dann die Periode auslösen und dann Clomifen geben. Wie erfolgversprechend ist die Vorgehensweise bei Amemorrhoe? Muss bei einer Gebärmutterschleimhaut von 4mm vorher die Periode ausgelöst werden oder kann direkt mit Clomifen begonnen werden?
Ist die Therapie überhaupt sinnvoll oder gibt es auch eine andere Möglichkeit?
Vielen Dank.

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Amenorrhoe. Ursache, Gewicht und Behandlung

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 21.11.18, 10:13

Guten Tag,
eine Postpillamenorrhoe ist gar nicht so selten und darf auf keinen Fall beunruhigend wirken. Lesen Sie hierzu meinen alten Berichte.
Mit der Gewichtszunahme sehe ich das etwas anders. Mit einem BMW von 18, 34 liegen Sie noch im Grenzbereich und ich sehe hier nicht die Ursache. PCO liegt nicht vor, die Schleimhaut ist natürlich mit 4 mm deutlich zu niedrig, obwohl das Estradiol ausreichend erscheint. Das ist aber ein Trugschluß, weil es dennoch über diese Zyklusdauer viel zu niedrig ist. Progesteron ist deshalb niedrig, weil es zu keinem Eisprung kam-was ja auch zum Zyklusbild passt. Mönchspfeffer hat eine sehr schwache Gestagene Wirkung und nützt herzlich wenig in Ihrem Fall. Problematisch ist nur die mangelnde Follikelreifung ( = Bläschen) wegen des niedrigen Estradiols.
Es gibt jetzt mehrere Möglichkeiten:
:arrow: die Ursache abklären, ist aber völlig unnötig, denn es liegt eine hypothalamisch-hypophysäre Störung vor, die momentan keiner Abklärung bedarf und höchstwahrscheinlich der Pilleneinnahme zu schulden ist.
:arrow: Wollen Sie einen raschen Zyklus wieder haben, zumindest mal diesen Zyklus beenden um dann zu sehen, was passiert, kann man 2 mg Estradiol tgl. oral einnehmen über die Dauer von 14 Tagen, danach nur mit einem Gestagen weitermachen für ebenfalls 14 Tage. Dann absetzen, einige Tage später kommt normalerweise die Periode. Ferner kann man noch am 12. Tag der Estradioleinnahme einen Ultraschall machen zur Beurteilung der Endometriumhöhe und der Follikelreifung.
Letztere Vorgehensweise würde ich so bei Ihnen vorschlagen, da ich eine gewisse Sorge heraus höre.
All dies müsste aber auch Ihr Frauenarzt wissen, solide Hormonkenntnisse sind unerlässlich und eine Überweisung in ein Kinderwunschzentrum wäre zunächst nicht nötig gewesen. Kommt nach Erzielen der Periode im neuen Zyklus kein Eisprung zustande oder stellt sich wieder eine Amenorrhoe ein, dann kann mit Clomifen begonnen werden. Ich würde aber zunächst für diesen einen Zyklus dem Körper eine Chance geben, bevor ich forsch mit Clomifen beginnen würde. Theoretisch hätte man auch bei diesen besagten 4 mm gleich mit Clomifen beginnen können ( es gibt ja auch den sogenannten Clomifentest ( das wäre die obige erste Möglichkeit gewesen), bevorzuge aber Weg 2.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

hello07
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Re: Amenorrhoe. Ursache, Gewicht und Behandlung

Beitrag von hello07 » 21.11.18, 12:06

Guten Tag Herr Dr. Fischer.

Vielen Dank für die sehr ausführlichen und aufschlussreich Informationen.
Ich habe bereits vorab in Ihren alten Berichten gestöbert und dort auch schon wertvolle Informationen erhalten.

Leider hat mein Frauenarzt Ihre vorgeschlagene Vorgehensweise gar nicht in Betracht gezogen. Ich war bei zwei Ärzten (Zweitmeinung). Bei der ersten hieß es abwarten und Gewicht erhöhen, beim zweiten -> Kinderwunschklinik. Ich werde dort (nächster Termin im Dezember) aber diese Vorgehensweise einmal zur Sprache bringen. Einen Frauenarztermin werde ich zeitnah leider nicht bekommen und die Medikamente sind verschreibungspflichtig.
Wirken die Östrogen und Gestagen Medikamente dann wie die Pille nur nicht verhütend? Wie groß sind Ihrer Erfahrung nach die Erfolgschancen, dass sich der Zyklus nach solch einer Medikamentengabe wieder einstellt? Reicht in der Regel einfach nur dieser "Anschubser"?

Sollte es danach wieder nicht klappen und Clomifen nötig werden:

Bedeutet der Clomifentest, dass bei einer Störung des Hypothalamus oder der Hypophyse, Clomifen evtl gar nicht anschlägt? Was wäre danach das Mittel der Wahl?

Freue mich auf Rückmeldung.

Vielen Dank.

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Amenorrhoe. Ursache, Gewicht und Behandlung

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 21.11.18, 12:31

Guten Tag,
"Wirken die Östrogen und Gestagen Medikamente dann wie die Pille nur nicht verhütend"- kann man nicht vergleichen, da:
:arrow: 10 fach schwächer ( daher keine Verhütung)
:arrow: keine kontinuierliche Gabe wie in der " Pille", sondern sequentiell, wie es auch die Natur vorsieht.
In der Tat reicht es oftmals aus, mit dieser Behandlung den Zyklus wieder " anzuschubsen".
Bedenken Sie, dass es jetzt erst drei Monate seit dem Absetzen her ist, diese Art Amenorrhoe kann in wenigen Fällen 9 Monate und länger betragen.
Clomifen wird mit Sicherheit anschlagen , wenn obiges Vorgehen nicht anschlägt, in Form eines Testes wird er bei einer Postpillamenorrhoe nicht benötigt. Da kann man ohne Umschweife gleich mit Clomifen therapieren, um eine Follikelreifung zu erzielen. Also nochmals:
1. Noch etwas Geduld 2-3 Monate.
2. Dann Estradiol und Gestagen sequentiell
3. Danach bei Mißerfolg gleich auf Clomifen umstellen ( vorher Ultraschall/ Schwangerschaftstest, habe schon erlebt, dass plötzlich eine SS vorlag).
Grüße Dr. Fischer
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hello07
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Re: Amenorrhoe. Ursache, Gewicht und Behandlung

Beitrag von hello07 » 22.11.18, 21:21

Vielen Dank für die sehr ausführlichen und hilfreichen Antworten. Bin jetzt nicht nur besser informiert, sondern auch ein wenig beruhigt. Man ist schon besorgt, wenn der Körper nicht mal das "Einfachste" - nämlich eine Periode zu bekommen kann. Dank Ihnen kann ich das ganze nun besser nachvollziehen und werde die möglichen Hilfen bei meinem nächsten Besuch in der Praxis ansprechen.

Angelus Noctis
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Re: Amenorrhoe. Ursache, Gewicht und Behandlung

Beitrag von Angelus Noctis » 22.11.18, 23:29

Was kann die Ursache der Amenorrhoe sein
Jahrelange Schädigung des Körpers durch künstlich zugeführte Hormone.
Ist die Therapie überhaupt sinnvoll oder gibt es auch eine andere Möglichkeit?
Abwarten. Man kann nicht 15 Jahre lang den Körper ruinieren und dann erwarten, dass in wenigen Monaten wieder alles nach Plan läuft.
Der Fischer.

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Amenorrhoe. Ursache, Gewicht und Behandlung

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 23.11.18, 09:24

Hallo Angelus Noctis,

auch wenn Ihre Aussagen stimmen mögen, so sollten Sie doch etwas einfühlsamer sein und Ihre Wortwahl behutsamer aussuchen. Ihr Beitrag klingt doch sehr verletzend.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

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