Amenorrhoe, Clomifen?

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elisabethantonia
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Amenorrhoe, Clomifen?

Beitrag von elisabethantonia » 15.11.18, 13:19

Hallo,

ich bin selber Dermatologin und habe leider das Gefühl, dass meine Gynäkologin hinsichtlich meines speziellen Problems nicht weiterkommt.


Ich bin 37 Jahre alt und habe einen knapp 2-jährigen Sohn, der immer noch gelegentlich (nachts) gestillt wird. Viele Versuche ihn komplett abzustillen sind gescheitert - auch meine Abwesenheit über einige Tage hat da nichts ändern können.
Seit der Entbindung habe ich immer noch eine Amenorrhoe, die ich aber mittlerweile nicht mehr auf das Stillen zurückführe. Ich bin ansonsten völlig gesund, SD und Körpergewicht opB.

Auch vor der Schwangerschaft hatte ich leider über ca. 2 Jahre meine Periode nicht (evtl. im Sinne einer post-pill Amenorrhoe). Auch in den Jahren zuvor hatte ich immer mal wieder die Pille über ca 1 Jahr nicht genommen und hatte darunter keinen Zyklus. Vor dem Beginn der Pille mit ca. 18 Jahren hatte ich einen ganz normalen Zyklus.

Wie unser Sohn trotzn der Amenorrhoe entstehen konnte, ist uns ein Rätsel.
Wir hätten jetzt trotzdem sehr gerne ein zweites Kind und ich bin mir unschlüssig wie man in einer solchen Situation weiter verfahren könnte.
Was meinen Sie?

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Amenorrhoe, Clomifen?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 15.11.18, 15:17

Guten Tag,
bei Ihnen scheint eine hypophysär-hypothalamische Störung vorzuliegen. Näheres würde eine entsprechende Hormonanalyse aussagen können-incl. Prolactinbestimmung und Bestimmung der Androgene. Allerdings würde sich vermutlich in der Therapie auch nichts ändern, falls tatsächlich eine derartige Störung vorliegen sollte. Allerdings ist m.E. eine Hormonanalyse trotzdem angebracht.
Es ist also durchaus möglich, eine Behandlung mit Clomifen zu beginnen. Übliche Dosierung 50 mg von ZT 3-7 oder 5-9. Dann ab ZT 10 natürlich Ultraschall zur Beurteilung der Follikel und der Endometriumhöhe. Messen der Basaltemperatur ( darüber habe ich viel geschrieben), evtl. Gestagengabe nach dem Eisprung ( kein Progesteron, was sehr gern gegeben wird, sondern Dydrogesteronl, welches keinen thermogenetischen Einfluß hat). Über die Clomifentherapie existieren von mir sehr viele Beiträge- bei Bedarf einfach heraussuchen.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

elisabethantonia
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Re: Amenorrhoe, Clomifen?

Beitrag von elisabethantonia » 15.11.18, 23:30

Guten Tag Herr Dr. Fischer,

vielen Dank für die Antwort. Sehen Sie große Probleme bei Clomifen und dem oben beschriebenen gelegentlichen Stillen in der Nacht? In der Stillzeit ist ja sowieso alles kontraindiziert, aber er würde ja bei einem "natürlichen" Zyklus auch ggf. Hormone in einer sehr geringen Dosis bekommen.

Wird die US-Kontrolle in der Regel vom niedergelassenen Gynäkologen durchgeführt oder machen das nur spezialisierte Praxen?


Vielen Dank und freundliche Grüße

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Amenorrhoe, Clomifen? Hormontherapie?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 16.11.18, 09:19

Guten Tag,
für die Therapie mit Clomifen sehe ich keine Probleme bzw. Kontraindikationen. Es könnte evtl. sein, dass die Milchproduktion weniger wird.
Die gynäkologische Endokrinologie ist ein sehr wichtiges Gebiet in unserem Fach. Sie umfasst ja:
:arrow: Kinderwunschbehandlung
:arrow: Antikonzeption
:arrow: Hormonersatztherapie im Klimakterium/Postmenopause
:arrow: Gynäkologische Onkologie
Leider wird diese Sparte nicht in einem Maß beherrscht, wie es wünschenswert wäre. Wenn Sie meine Beiträge hierzu lesen, stellen Sie fest, dass ich hier sehr oft Kritik in der Behandlung bzw. dem fehlenden Wissen anmelden muß. Die Gründe sind vielschichtig.
Ein gut ausgebildeter Frauenarzt, der sich in der Endokrinologie auch selbst durch eigene Weiterbildung ein Wissen angeeignet hat, sollte durchaus in der Lage sein, eine Clomifentherapie und auch eine Therapie mit HMG-Präparaten durchzuführen zu können. Hierzu gehört aber auch die Bereitschaft, die Therapie -in diesem Fall die Ultraschallkontrollen- auch am Wochenende zu machen.
Spezialisierte Praxen wären lediglich die Zentren, die eine IVF-Genehmigung haben ( habe ich auch). Ihre Inanspruchnahme wäre aber m.E. erst der letzte Schritt für Frauenärzte mit soliden Kenntnissen in Endokrinologie, wenn es IVF-Maßnahmen bedarf.
Grüße Dr. Fischer
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elisabethantonia
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Re: Amenorrhoe, Clomifen?

Beitrag von elisabethantonia » 20.11.18, 14:38

Sehr geehrter Herr Dr. Fischer,

vielen Dank für die ausführliche Antwort.
In welcher Praxis sind Sie tätig? Ich konnte leider nichts finden. Ich würde ggf. gerne Ihre Behandlung in Anspruch nehmen.

Freundliche Grüße

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Amenorrhoe, Clomifen?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 20.11.18, 17:28

Guten Abend,
seit 10 Jahren bin ich im vorzeitigen Ruhestand, da ich nicht mehr mit gutem Gewissen meine Patientinnen unter den schon damaligen schlimmen Umständen behandeln wollte und konnte. Eine Medizin bzw. eine Betreuung nach den Vorstellungen der Krankenkassen und auch der KV geht zu Lasten der Patienten. Wenn man unter dem Druck von Budget u.a. steht, macht es keine Freude mehr und das Engagement bleibt über kurz oder lag auf der Strecke. Darunter leidet dann die Versorgung der Patienten und somit war es Zeit für mich, den berühmten weißen Kittel an den Nagel zu hängen.
Da ich aber immer noch große Liebe zu dem Beruf und zur Gynäkologie empfinde, ist das Forum hier eine schöne und wertvolle Bereicherung für mich.
Grüße Dr. Fischer
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Clomifen

Beitrag von elisabethantonia » 12.05.19, 10:39

Sehr geehrter Herr Dr. Fischer,

bei mir wurde jetzt erstmalig mit 37 Jahren ein PCO-Syndrom als Auslöser meiner (seit insgesamt quasi bestimmt 17 Jahren) bestehenden Amenorrhoe diagnostiziert. Ich hatte in teils mehrjährigen Pillenpausen nie einen normalen Zyklus sondern nur Blutungen im Rahmen der regulären Pillenpausen. Bislang war immer von einer "post-pill Amenorrhoe" gesprochen worden. Ich war und bin sehr schlank, hatte nie Hirsutismus oder Akne und auch nie erhöhte Testosteronwerte. Zudem ist mein Homa-Index sehr niedrig. Ich nehme seit Kurzem 50 µg L-Thyorx ein, weil mein TSH knapp über 2 war.
Da wir uns jetzt ein zweites Kind wünschen - das erste ist ohne einen zuvor bestehenden Zyklus entstanden- lasse ich mich auf Ihren Rat hin mit Clomifen behandeln.
Meine Gynäkologin ist keine Spezialistin auf diesem Gebiet, spricht aber alles sehr gewissenhaft mit einem bekannten Kinderwunschzentrum ab.
Aufgrund meines AMH-Werts (liegt über 5), hat sie mir erstmal 5 Tage 25 mg Clomifen verordnet. Drei Tage nach der letzten Clomifeneinnahme sah man im Ultraschall leider nur Follikel mit ca. 0,9 cm, das Endometrium war mit 4 mm auch dünn. Sie will mir jetzt in Abhängigkeit vom Laborwert (den ich am Montag Mittag bekomme) gleich nochmal 5 Tage Clomifen verordnen in der gleichen Dosierung, damit der letzte Zyklus nicht "umsonst" war und man quasi jetzt auf die bereits bestehenden Follikel "aufbauen" kann.
Wie sehen Sie prinzipiell die Erfolgschancen von Clomifen? Oder ist es möglich, dass ich einfach nicht auf Clomifen anspreche?

Ich danke Ihnen ganz herzlich für Ihre Antwort.

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Amenorrhoe, Clomifen?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 12.05.19, 12:16

Guten Tag,
eigentlich ist es nicht üblich, einen Clomifenzyklus zu verlängern, er sieht immer nur 5 Tage Dauer vor. In Ihrem Fall wäre das eine große Ausnahme. Sinnvoller wäre es, im neuen Zyklus mit 50 Mikrogramm zu beginnen und zusätzlich noch 2 mg Estradiol als Tbl. zu geben, da ja Clomifen auch leider einen geringen antiöstrogenen Effekt hat. Grundsätzlich sehe ich mit Clomifen durchaus gute Chancen. Es gibt ja diverse Kombinationen, so könnte man z.B. in Ihrem Fall mit einigen Spritzen HMG den momentanen Zyklus durchaus weiter führen.
Grüße Dr. Fischer
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