Eine Behörde macht Industriepolitik

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Eine Behörde macht Industriepolitik

Beitrag von PR » 12.09.18, 17:39

Man muss sich das mal bildlich vorstellen. Da hockt in der Presselstraße 19, in trostloser Umgebung irgendwo am Schtuergerter Nordbahnhof, ein OberSoFA, der nach wie vor damit angibt, dem `schland die Arzneimittelpreise diktieren zu können. Für alles, was so jeden Tag massenhaft gebraucht und „auf Kasse“ verordnet wird.

Ah, Oh, Kaka heisst die Behörde. Wer ihr vorsitzt und sie leitet, das verrät sie so einfach nicht. Dem hab ich deshalb den Kosenamen Graufrosch gegeben, dem OberSoFA. So sieht der halt aus.

Sein Diktat der Arzneimittelpreise erfolgt mittels „Rabattvertrag“ mit dem jeweiligen Hersteller. Das ist wörtlich zu nehmen, denn die meisten Arzneimittel“hersteller“ „stellen“ ihre Arzneimittel tatsächlich nur noch „her“ ins `schland. Alles Andere, insbesondere die Produktion, erfolgt längst und ganz überwiegend in einer jeweils einzigen Küche in Fernost. Brennt die mal ab oder hat sonst ein Problem – nu, dann kannste halt mal ein paar Monate alles, was so jeden Tag an Medi gebraucht wird, im `schland nicht kaufen.

Die AOK Ihre Gesundheizkasse will das so, und es ist nur eine Frage der Zeit, wie lange das wohl noch so bleiben darf. Ich glaub, es gibt hier einen Augenoptiker, der dazu mehr sagen könnte.

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Barnie Geröllheimer
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Re: Eine Behörde macht Industriepolitik

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 13.09.18, 09:57

Nö, nicht wirklich.
Der Oppicker weiß nur, dass in Frankreich ein Medikament erhältlich war, das es hier in D etliche Monate nicht gab. Wie ich soeben sehe, ist es wieder lieferbar, aber der Großhandel hat es noch nicht vorrätig.
Wenn eine Hexenküche in Fernost abgefackelt wäre, gäbe es den Mangel wohl weltweit. Und ein Rabattvertrag ist auch nicht ursächlich für einen Küchenbrand.

Offiziell hieß es, der Wirkstoff sei nicht verfügbar gewesen. Es würde mich interessieren, ob er deshalb "nicht verfügbar" gewesen ist, weil man sämtliche Bestände in die USA verbracht hat, wo man ein Vielfaches dessen erlösen kann, was das Medi in Europa abwirft.

Es sind aber etliche Medikamente nicht erhältlich. Das BfArM dokumentiert den Mangel schön auf einer Webseite. Nur kann der Oppicker nicht sagen, ob das mit Rabattverträgen zusammenhängt. Er traut aber der Pharmabranche jede Schweinerei und den Kassen jede Dämlichkeit zu, z.B. keine Vertragsstrafen für Nichtverfügbarkeit vereinbart zu haben.

Humungus
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Re: Eine Behörde macht Industriepolitik

Beitrag von Humungus » 13.09.18, 18:31

Diese Liste ist bei weitem nicht umfassend! In der Augenheilkunde fehlen zurzeit zig Medikamente, und zwar keine seltenen Exoten, sondern ALLTAGSMEDIKAMENTE.
Augenarzt? Flatrate. Für nur 18 Euro all you can (tr)eat, ein ganzes Quartal lang! DAS ist heutige Gesundheitspolitik.

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Die Rabattverträge, Barnie, sind ursächlich

Beitrag von PR » 13.09.18, 22:38

für den fast völligen Rückzug der "chemischen" Pharmaindustrie aus Deutschland. Mit allen Folgen.

Die WHO hatte zu meinen Entwicklungshelferzeiten eine etwa zweihundertfünfzig Positionen lange Liste mit weltweit unverzichtbaren Medikamenten. Der Großteil davon davon war hierzuland entwickelt und auch ewig lang produziert worden. Heut keines mehr.

Die in der Stuttgarter Rabatzzentrale ausgeheckten Verträge sind auch klipp und klar ursächlich für den ungewöhnlich schweren Verlauf der Grippesaison 17/18. Die kranken Kassen wollten den von der STIKO empfohlenen tetravalenten Impfstoff nicht zahlen und hatten Lieferverträge nur für einen trivalenten mit ganz unzureichendem Antigenmuster.

Personelle oder sonst irgend welche Konsequenzen bei Kassens haben die tausende von Grippetoten nicht nach sich gezogen.

Die Behörde scheint auch in Bevölkerungspolitik machen zu wollen, ah oh Kaka.

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