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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Dr. Titel
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 Betreff des Beitrags: Dr. Titel
BeitragVerfasst: 26.11.11, 11:02 
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Registriert: 30.09.04, 20:04
Beiträge: 294
Hallo zusammen,

ich bin noch nicht mit dem Studium fertig und arbeite mehr schlecht als recht an einer klinischen Dr.Arbeit . Mein Betreuer ist zwar nett, kümmert sich aber nicht wirklich um meine Belange. Der Chef formal als Dr.-Vater auf dem Papier.

Regelmässig habe ich Sinnkrisen wegen dieser Promotion.
Brauche ich das wirklich ? Für mein Ego eigentlich nicht.

Frage ich Leute aus meinem oder auch anderen Semestern weshalb sie eine Dr.Arbeit machen hört man oft:
"Das gehört halt dazu" oder "Man wird sonst nicht ernst genommen" oder "Die Patienten halten einen dann nicht für einen richtigen Arzt" und am häufigsten hört man "Eventuell steht einem das mal in der Karriere im Weg und wenn Du an der Uni bleiben willst, kommst nicht drum herum."

Nur die wenigsten promovieren weil Sie gerne forschen möchten. Das sind natürlich alles nur meine persönlichen Erfahrungen.

Irgendwie nervt dieses System aber gewaltig. Die einzige Motivation für eine Promotion kann m.E. nur Interesse an einem Thema sein.
Ich fühle mich als Medizinstudent dazu gezwungen zu promovieren, irgendwie machen es ja alle und es scheint ja tatsächlich zum Karrierehindernis werden zu können.

Ich möchte zum Beispiel gerne hier an der Uniklinik bleiben,weil mir eine bestimmte Abteilung gefällt (habe dort länger famuliert) und man auch von den jüngeren (und älteren) Assistenzärzten viel gutes hört. Nun könnte mir ein fehlender Titel im Weg stehen. Warum? Macht mich das zu einem schlechteren Arzt?


In einer angegeliederten Klinik treibt es der neue Chef auf groteske Weise auf die Höhe - er möchte, dass alle Oberärzte PD werden/sind.

Wie sehen das die Foren-Mitglieder ?
Gehört die Promotion eben dazu ? Wenn ja warum ?
Finden Sie das "System" so in Ordnung ? Macht das alles soviel Sinn?
Warum ist das nur in der Medizin so ausgeprägt ?

Ich bin auf Ihre Meinungen gespannt!

Viele Grüße

Lizard

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Hinweis unter Bezug auf §7(3) der Berufsordnung für Ärzte:
Mein Beitrag ist eine Stellungnahme, die auf den vorliegenden Angaben beruht. Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Dr. Titel
BeitragVerfasst: 26.11.11, 13:54 
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Registriert: 15.09.04, 16:41
Beiträge: 14354
Wohnort: Raum Düsseldorf
Hallo,

ich habe keine Dr.-Titel und habe ihn auch nie gebraucht. Auch ich habe eine Arbeit angefangen, nahezu vollendet, brachte aber nicht die Ergebnisse, die der Chef gerne haben wollte, "umschreiben" wollte ich aber nicht.

Meinen Patienten ist das egal, viele reden mich mit Herr Dr. an, viele auch nur mit meinem Namen, das reicht mir. Wenn ich mal einem Patienten sage, dass ich keinen Dr.-Titel habe, kommt meist als Antwort "Ist mir egal, solange sie ein guter Arzt sind". Nur ganz selten kamen bisher mal negative Kommentare, und die meist hier im Forum, wenn ich mal wieder leidenschaftlich mein Lieblingsthema vertreten habe. Dann etwa "der kann ja gar keine Ahnung haben, der hat ja nicht einmal einen Titel". Wer so argumentiert, kann eh aus meinem Dunstkreis verschwinden. :wink:

In der Uni Düsseldorf haben nicht alle Assistenten eine Promotion, aber im Rahmen ihrer Ausbildung arbeiten sie daran, man muss ihn also nicht zwingend vorher haben. Ein Chefarzt eines peripheren Krankenhauses, der seine Oberärzte alle zu PDs machen will, hat für mich nicht alle Tassen im Schrank und lebt weltfremd. Denn in Zeiten abnehmender Ärztezahlen wird er so nach kurzer Zeit gar keine Oberärzte mehr haben, zumal sich die PDs dann sicher bald auf Chefarztpositionen bewerben werden. Und in manchen Kliniken meiner Umgebung haben nicht einmal die Oberärzte noch eine Promotion.

Und noch etwas: Je mehr ein Arzt wissenschftlich tätig ist, desto weniger Erfahrung hat er am Patienten. Denn auch sein Tag hat nur 24 Stunden. Ich würde mich beispielsweise nie von einem Professor operieren lassen, denn die haben Ihre OP-Zahlen auf dem Papier. In der Uni Ddf. ging mal das Gerücht, dass man erst als Oberarzt operieren darf, bis dahin allenfalls mal assistieren kann. Und trotzdem waren sie alle Facharzt und hatten bescheinigte OP-Zahlen.

Ich hab in der Inneren mit zwei Chefs arbeite müssen. Der erste, Dr. med., war bei einer Reanimation innerhalb von drei Minuten beim Patienten, egal wo er war. Der zweite, Professor, hat es nicht einmal in 20 Minuten geschafft, und das sogar bei einem Privatpatienten.

Mit anderen Worten: Für mich zählt nicht der Titel, sondern die Einstellung und das Können. Und langsam spricht sich das auch bei Patienten rund.

_________________
Alles Gute
Ralf Tillenburg
Facharzt für Allgemeinmedizin
http://www.praxis-tillenburg.de


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 Betreff des Beitrags: Re: Dr. Titel
BeitragVerfasst: 26.11.11, 14:14 
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Registriert: 10.09.07, 14:30
Beiträge: 4839
Ich habe eine Arbeit angefangen und wieder abgebrochen, als ich merkte, dass sie fast identisch schon von einem dafür besser qualifizierten Institut durchgeführt wurde. Der Prof. war eine Veröffentlichungsmaschine, die Betreuer eigentlich desinteressiert.

Die zweite Arbeit habe ich dann schon im AiP begonnen, sie war praxisorientiert, Probanden hatte ich mehr als genug und ich gewann wirkliche Erkenntnisse. Mein Doktorvater hielt mich in einer Phase, in der alles gammelte, urplötzlich straff am Zügel, so dass ich fertig machen "musste". Diese Arbeit habe ich nie bereut. Und das ist auch meine Erkenntnis: mach es Spaß und stimmt die Betreuung, macht man auch weiter.

Über den Nutzen kann man streiten. Wie Herr Tillenburg schon sagte, spielt die Promotion im Alltag keine große Rolle mehr, weil der Ärztemangel wählerisches Verhalten reduziert. (Der Chef einer Uniklinik machte in meiner arztreichen Zeit für eine Chance im Bewerbungsverfahren die Bedingung, dass sämtliche Prüfungen mit "sehr gut" absolviert waren. Entsprechende Theorieidioten hat er auch geerntet, und den Ruf einer Uni ruiniert.) Die Patienten lassen sich teilweise noch blenden, der Effekt sinkt aber. Und dieser Prozess wird sich fortsetzen - zum Glück.

In der Industrie, der Beamtenlaufbahn und eventuell auch den Unikliniken könnte es anders aussehen.

Ich würde sagen: wer "an der Front" arbeiten will, kann die Promotion vergessen. Er sollte, will er doch wissenschaftlich arbeiten, sich etwas aussuchen, was ihm liegt und eventuell mit seiner Tätigkeit verbunden werden kann. Und: Vorsicht mit Auskünften von Kommilitonen. Denen fehlt manchmal der Draht zur Realität.

@Tillenburg: ein PJ-Kollege fragte mal einen unfallchirurgischen Chefarzt, ob er Professor sei. "Nein", sagte der, "ich bin richtiger Arzt!"

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 Betreff des Beitrags: Re: Dr. Titel
BeitragVerfasst: 26.11.11, 18:55 
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Registriert: 30.09.04, 20:04
Beiträge: 294
Vielen Dank für die bisherigen Meinungen. Ich liege anscheinend mit meinen Ansichten nicht ganz falsch.
Evtl. wäre es sinnvoller in seinem zukünftigen Fach etwas mit Engagement zu bearbeiten anstatt irgendetwas halbwegs interessantes nur um dem Gruppenzwang nachzugeben.
Fast immer stehe ich mit meinen Ansichten bzüglich Promotion ziemlich alleine da denn
viele meiner Kommilitonen sind der Meinung "Arzt ohne Dr. geht nicht". Also Promotion, egal wie.

Humungus hat geschrieben:
In der Industrie, der Beamtenlaufbahn und eventuell auch den Unikliniken könnte es anders aussehen.

Ich würde sagen: wer "an der Front" arbeiten will, kann die Promotion vergessen. Er sollte, will er doch wissenschaftlich arbeiten, sich etwas aussuchen, was ihm liegt und eventuell mit seiner Tätigkeit verbunden werden kann. Und: Vorsicht mit Auskünften von Kommilitonen. Denen fehlt manchmal der Draht zur Realität.


Ich sehe mich eher an der Front ;)
Nunja, da in meiner "Zielabteilung" im Januar ein neuer Chef kommt bin ich mal gespannt ob der etwas neues mitbringt.

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Mein Beitrag ist eine Stellungnahme, die auf den vorliegenden Angaben beruht. Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Dr. Titel
BeitragVerfasst: 26.11.11, 20:07 
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Beiträge: 1114
Also ich finde, wer es haben will, bitte. Ich habe auch Respekt vor jedem, der sich die Muehe macht, aber das Vorhandensein oder auch Nichtvorhandensein eines Titels sagt zum Glueck nichts über die Qualitaet des Arztes aus. An der deutschen Uniklinik an der ich mit dem Studium angefangen habe, wurde mir erzaehlt, dass man es nur mit Doktortitel zum Oberarzt schaffen koennte, entsprechend eifrig waren die Kommilitonen dabei, sich schon kurz nach dem Physikum Gedanken ueber ihr Dissertationsthema zu machen und mit den Dozenten gut auf zu sein. Das hat mich damals schon rein gar nicht tangiert, denn ich habe so das Gefuehl, je weiter man in der Klinikhierarchie nach oben klettert, desto mehr mutiert man zum Schreibtischhengst und Ambitionen in die Forschung oder Lehre zu gehen, hatte ich auch nie. Mir wuerde da richtig was fehlen, da ich die Arbeit am und mit dem Patienten einfach zum gluecklich sein brauche. Klar waere das Gehalt etwas besser, wenn man aufsteigen wuerde, aber mir ist Spass an der Arbeit viel wichtiger, als ein BMW-Jahreswagen, um es mal klischeehaft zu sagen. Fuer mich macht es keinen Unterschied, ob mein Arzt einen Titel hat, oder nicht, ich moechte ernst genommen und gut behandelt werden. Das sind Faktoren, die nichts mit der Promotion zu tun haben. Ein Titel sagt mir persoenlich nur: aha, der hat sich viel Arbeit gemacht, scheint fleissig gewesen zu sein. Mit der sozialen und fachlichen Kompetenz eines Arztes (oder Menschen allgemein) hat das gar nichts zu tun. Wenn ich promoviere, dann weil ich es will und nicht, weil meine Kommilitonen das wollen oder es einfach als "Muss" angesehen wird. Ist meine Behandlung besser, nur, weil ich eine Urkunde an der Wand zu haengen habe? Besser fuers Ego vielleicht, aber an der Qualitaet meiner Arbeit wuerde sich sicher nichts aendern. :)

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 Betreff des Beitrags: Re: Dr. Titel
BeitragVerfasst: 27.11.11, 00:09 
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Beiträge: 291
Jetzt, wo in eineinhalb Wochen diese dumme mündliche Prüfung ansteht, wünschte ich mir fast, ich hätte es nicht gemacht. Die macht mich ganz wahnsinnig; kann mich nach einem anstrengenden Tag einfach nicht mehr richtig aufraffen oder konzentrieren; und das obwohl ich nur PJ bin. Ausgerechnet jetzt ein Leistungsknick.

Wie ist denn bei Ihnen die mündliche Prüfung gelaufen? Stimmt es wirklich, dass da kaum wer durchfällt? Wovor muss man sich besonders in Acht nehmen, vor allem in Ulm? Wie detailliert sind die Fragen hier normalerweise?

Würde mich über jeden Rat freuen. Danke!

Dass man es vielleicht nicht braucht, ist ein anderes Thema; nur gibt es sicher zig Dinge in unserem System, die man noch viel weniger braucht. Allerdings habe ich momentan den Kopf nicht frei darüber nachzudenken; muss das jetzt durchziehen, und hoffe, dass es keine Katastrophe gibt; kennen Sie jemanden, der bei der mündlichen Prüfung durchgefallen ist? Diese Prüfungsangst macht mich wahnsinnig...


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 Betreff des Beitrags: Re: Dr. Titel
BeitragVerfasst: 27.11.11, 06:41 
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Bei mir war die mündliche Prüfung eigentlich keine, wobei Ansätze vorhanden waren:
- der Doktorvater unterhielt sich mit mir über meine Zukunftspläne, und wir redeten über die Doktorarbeit
- ein Co-Gutachter fragte mich etwas zu Glaukomoperationen (er war Chef der Augenabteilung), ließ es aber dann schnell sein, weil ich auch zum Zeitpunkt der Prüfung Facharzt war und operierte. Meine Doktorarbeit ging auch über Augen, es war also keine Falle.
- der zweite Co-Gutachter (ein Hirnphysiologe im Helmholtz-Institut) fragte mich etwas zu Wahrnehmungsstörungen bei Gehirnschädigungen, das Thema war zwei Wochen zuvor im SPIEGEL beschrieben worden.

Es gehen immer wieder Schreckensmitteilungen durch die Prüflingswelt ("Hast Du gehört...?"). Natürlich kann nahezu jeder "rausgeprüft" werden. Das werden aber die gewaltigen Ausnahmen sein. Ich gehe davon aus, dass da der Prüfer mit dem Doktorvater eine Rechnung zu begleichen hat. Im Allgemeinen wird das Rigorosum milde verlaufen, meist ist ja für den Prüfling das Staatsexamen noch relativ frisch. Ein Prüfer wird schon deshalb eher Dinge fragen, bei denen er selber sattelfest ist, damit er sich nicht blamiert. Ich halte es für sinnvoll, seine eigene Arbeit zu kennen (es soll da ja Ausnahmen geben, nicht ;) ) und zu wissen, woran der Prüfer gerade arbeitet.

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 Betreff des Beitrags: Re: Dr. Titel
BeitragVerfasst: 27.11.11, 19:03 
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Beiträge: 291
Danke für Ihre Antwort!

Natürlich kennt man die Grundsätze seiner Arbeit noch, aber wenn man weit über 100 Studien zitiert hat und die Abgabe Anfang des Jahres war, kann man sich doch nicht mehr an jede davon erinnern. Auch nicht an Zahlen, selbst wenn man sie selbst berechnet hat. Höchstens eben noch Methoden und Grundsätzliches zur Arbeit. Hoffe, dass nicht mehr gefragt wird. An meiner Uni sind es halt vier Prüfer, von denen ich zwei nicht wirklich kenne. Wobei dahingestellt ist, inwiefern sie Zeit hatten alles so genau durchzulesen; meist haben das Leute in solchen Positionen ja nicht.
Staatsexamen hatte ich leider noch nicht; deshalb ist die letzte mündliche Prüfung auch schon ewig her, was einen Teil der Angst erklären mag. Ich hasse mündliche Prüfungen.

Andererseits wäre es ohne Titel auch nicht so schlimm; einfach kein Namensschild tragen und keiner merkts. Über relevante Therapien entscheiden darf man ja auch ohnehin erst, wenn man schon ein paar Jahre dabei ist. Wie das PJ zeigt ist jeder Anfänger sowieso nur Fliegenfutter.


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 Betreff des Beitrags: Re: Dr. Titel
BeitragVerfasst: 27.11.11, 20:55 
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Beiträge: 3313
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mercedes, warum studieren sie eigentlich? Wenn doch alles so schlecht ist, ein Arzt ohne akademischen Titel so minderwertig ist, warum werden sie dann nicht was anderes? Klempner werden immer gesucht, oder Elektriker. Obwohl, auch Gesellenpruefungen haben einen muendlichen Teil, das ist dann wohl auch nichts fuer sie.

Ich selbst hatte im PJ sehr viel zu tun, habe in der Orthopaedie Station selbst gefuehrt (okay, die kleinste in der Abteilung und der Oberarzt kam jeden Tag vorbei und hat alles wichtige mit mir besprochen), auf Innere hatte ich "meine" Zimmer, fuer die verantwortlich war. In der Orthopaediezeit hat das Labor und das Roentgen meine Unterschrift fuer "Standarduntersuchungen" akzeptiert, da mein Chefarzt dafuer gesorgt hatte; nur fuer groessere Sachen wie CTs oder aussergewoehnliche Untersuchungen brauchte ich die Unterschrift eines Arztes auf dem Schein.

Sind ihre Probleme vielleicht hausgemacht? Zeigen sie ihre negative Einstellung nicht nur im Forum, sondern auch im PJ? Oder musste es fuer's Prestige unbedingt die renommierte Uniklinik sein?

Sie werden im Lauf ihres Berufslebens noch oft Situationen haben, die ihnen nicht zusagen. Muendliche Pruefungen ziehen sich durch das Berufsleben wie ein roter Faden. Wenn sie dann endlich keine Pruefungen mehr haben, sie so abgehoben sind, dass sie auch keine regelmaessigen Auffrischungskurse mehr absolvieren muessen - dann werden sie ihre Arbiet, na ja, eher die Arbeiten ihrer Assistenten auf Kongressen vorstellen. Das ist wie muendliche Pruefung, nur mit mehr Leuten, die einen kritisch beobachten.

Wenn es ihnen jetzt schon schwerfaellt, ihre eigenen Ergebnisse zu praesentieren und sich einer muendlichen Pruefung zu stellen, wollen sie dann wirklich weitermachen? Ist Medizin wirklich das richtige fuer sie?

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And God promised men that good and obedient wives would be found in all corners of the earth.


Then she made the world round and laughed and laughed and laughed...


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 Betreff des Beitrags: Re: Dr. Titel
BeitragVerfasst: 27.11.11, 22:14 
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Beiträge: 1114
Hallo mercedes,

wo liegt denn das Problem? Fuehlen Sie sich nicht als richtige Aerztin, wenn der Titel fehlt? Diese Sorge ist unbegruendet, wenn Sie selbstsicher auftreten und gute Arbeit leisten, interessiert das doch niemanden. Die Angst vor Pruefungssituationen muessen Sie ueberwinden, denn im Alltag ist jede Behandlung eine Art Pruefung. Die Patienten werden immer genau gucken, was Sie tun (oder auch nicht tun) und sich dann ein Bild von Ihrer Kompetenz machen. Wenn Sie da in Schweissausbrueche verfallen, weil Sie bestimmte Aeusserungen oder Handlungen rechtfertigen muessen, dann bekommen Sie ein echtes Problem.
Aufregung vor einer Pruefung ist natuerlich normal, aber auch nur bis zu einem gewissen Punkt. Schliesslich haben Sie alles, worum es dort geht, gelernt und erarbeitet. Und selbst, wenn Sie mal was vergessen wird man Sie nicht den Krokodilen vorwerfen, sondern bei kleineren Fehlern / Luecken mit gezielten Fragen auf das Thema zurueckhelfen.

Zitat:
Über relevante Therapien entscheiden darf man ja auch ohnehin erst, wenn man schon ein paar Jahre dabei ist.

Wenn Sie "Glueck" haben ist das so. Je nach Fachrichtung kann man sich aber auch als blutjunger Anfaenger auf einmal mit Situationen konfrontiert sehen, in denen Sie binnen Sekunden ueber das Leben Ihres Patienten zu entscheiden haben. Da fragt keiner nach der Berufserfahrung, Arzt ist Arzt. Das Personal wird u.U. eine Entscheidung erwarten, die nicht bis zum Eintreffen des Oberarztes warten kann. Und ob Sie es glauben oder nicht: genau das sind die Situationen, in denen man am Meisten lernt!

Zitat:
Wie das PJ zeigt ist jeder Anfänger sowieso nur Fliegenfutter.

Kann man so pauschal nicht sagen. Man ist nunmal noch kein fertiger Arzt und deshalb in seinen Taetigkeiten und seinen Entscheidungsspielraeumen beschraenkt, aber je nach Klinik und Team kann man es durchaus auch zum vollwertigen Teammitglied / Kollegen schaffen. Ich wuerde das nicht so schlecht sehen.

Zitat:
Andererseits wäre es ohne Titel auch nicht so schlimm; einfach kein Namensschild tragen und keiner merkts.

Wenn Sie dich dem Patienten vorstellen, dann faellt es natuerlich auf. Aber wie gesagt, der Titel sagt nichts ueber die Qualifikation aus. Und mir selbst waere ein gruendlich arbeitender junger Arzt deutlich lieber, als jemand, der mit wehendem Kittel ins Zimmer fliegt und sich mir als "Privatdozent Dr. XY" vorstellt. :wink:

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 Betreff des Beitrags: Am schwierigsten ist es,
BeitragVerfasst: 28.11.11, 00:36 
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Wohnort: Lörrach
seiner eigenen Umgebung den Doktortitel abzugewöhnen.

Am einfachsten war es doch im westafrikanischen Busch: es gibt in der Frankophonie keinen docteur außer dem Docteur, das ist - im Unterschied zum traditionellen guérisseur - schlicht der Arzt.

Aber was hab ich mir in den vier Kliniken, in denen ich davor und danach als Approbierter war, den Mund fusslig geredet, bis endlich der Titel von der Namens- und Dienstzimmerplakette war.
Damals noch war ich "ohne" bloß ein Exot.

Nicht schlecht gestaunt hab ich über die neue Etagentafel im Aufzug bei uns im Ärztehaus. Ja nö, die machen wir jetzt nicht neu, hat siebenundfünzig Euronen gekostet, befand der Hausverwalter.

Nur meiner neuen 400-Euro-Teilzeithelferin muss ich es wirklich noch abgewöhnen. Die sagt, nachdem sie für mich die Anamnese vor-aufgenommen hat, noch immer: der Doktor kommt gleich...

Ansonsten: heut selektiert mir ohne weiteres Zutun meine Freiheit vom Titel genau die Patientinnen, die zu mir passen.

Geschrieben hab ich im Leben eh genug. Weiß drum gut, wieviel Arbeit es ist, eigenes Gripsprodukt schlüssig u n d flüssig in Dokumentform zu bringen, und hab in solchen Fällen alle Achtung.

PR

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Von Fremdinteressen freie an Patienteninteresse orientierte eigene Meinung.
99 2988 015 Die Nummer zur Sicherheit


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 Betreff des Beitrags: Re: Dr. Titel
BeitragVerfasst: 30.11.11, 18:18 
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Passenderweise :

http://www.marburger-bund.de/mb-zeitung ... -11/15.php

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 Betreff des Beitrags: Re: Dr. Titel
BeitragVerfasst: 30.11.11, 20:57 
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Beiträge: 291
So dumm es klingen mag, aber mein Vater würde durch alle Wolken fallen; will sogar mitkommen, weil es so ein "Meilenstein" sei. Irgendwie macht mir das gerade eben Angst.

Die Arbeit daran war eigentlich ganz nett, wir waren eine super Arbeitsgruppe und mein Betreuer hat mich sehr gefördert. Sicher war es oft auch ein Durchbeißen, aber man lernte eine andere Seite kennen als im Studium, konnte Dinge auch hinterfragen, anstatt sie nur immer kritiklos pauken zu müssen wie gewohnt.

Wie kommen Sie übrigens auf Klemptner? Oder dass ich der Medizin an sich allzu kritisch gegenüberstünde? Gibt es "die Medizin"? Im Grunde sieht die doch für jeden ganz anders aus, und jeder entscheidet sich dementsprechend auch für eine andere Nische.

Ich weiß auch nicht warum so viele um die Promotion herumstreiten. Abgesehen davon, dass zwei Arbeiten erheblich in den Anforderungen differieren können und null Vergleichbarkeit herrscht, merken die Leute ja nichtmal wer promoviert hat und wer nicht. Ohne, aber auch mit, Namensschild erledigt sich das meist von selbst. Eigentlich interessiert nur, wer bereit ist die unangenehmen Dienste zu übernehmen, Chef ebenso wie Mitarbeiter. Der Mensch, der mich am meisten beeindruckte, war ein anästh. Oberarzt; nicht promoviert(wo Sie das so sehr zu interessieren scheint), aber sowohl praktisch als auch theoretisch genial. Ihm habe ich auch zu verdanken, dass zumindest ein Tertial richtig gut lief und sogar lehrreich war.

Aber muss man immer einen Grund haben, etwas zu machen? Mein Betreuer hat mir sehr viel Zuspruch und Selbstvertrauen gegeben, und ich durfte einige interessante Leute durch ihn kennenlernen.
Und ist es nicht legitim, nach einem langen Tag frustriert und zu kaputt zu sein, um sich auf eine bald anstehende Prüfung vorzubereiten? Und dementsprechend eben auch Angst zu haben? Darf man das vor Prüfungen nicht mehr? Falls nicht, dann bitte ich Sie meine unreife Lebenseinstellung zu entschuldigen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Dr. Titel
BeitragVerfasst: 30.11.11, 21:22 
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Registriert: 10.09.07, 14:30
Beiträge: 4839
Überlegen Sie, welchen Eindruck es macht, wenn ein "Zuschauer" bei der Prüfung ist, und wie ein Prüfer darauf reagiert!

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 Betreff des Beitrags: Re: Dr. Titel
BeitragVerfasst: 08.12.11, 21:37 
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Beiträge: 291
Vielen Dank für Ihre beruhigenden Worte und Ratschläge!

Ich bin allein hingegangen, und es lief wirklich gut, hätte nie gedacht, dass es so locker wird. Sie hatten also Recht.

Die Panik wird sich aber wahrscheinlich mit der nun langsam anstehenden Examensvorbereitung nochmal erneut einstellen...wahrscheinlich muss man diese Labilität aber ablegen, wenn man den Klinikalltag dauerhaft aushalten will...


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