Wer darf Akkupunktur?

Moderator: DMF-Team

Johannes62
Topicstarter
DMF-Mitglied
Beiträge: 55
Registriert: 26.11.23, 12:17

Wer darf Akkupunktur?

Beitrag von Johannes62 »

Ich will voraussetzen, dass ich mich noch nie mit Akkupunktur behandeln ließ.

Ich hatte vor 30 Jahren eine Freundin, deren Vater aus Ostasien kam und hier in Deutschland eine Praxis betrieb, in der Akkupunktur angeboten wurde. Er hatte auch einen medizinischen Abschluss nach westlichem Muster.

Als mir anfangs auf dem Praxisparkplatz immer wieder die vielen Autokennzeichen aus völlig anderen Regionen Deutschlands auffielen, zum Teil 400-500 km entfernt, da fragte ich meine Freundin nach dem Grund. Sie meinte, ihr Vater habe wegen der Akkupunktur sehr oft Nachfragen von überall her, die durch Mundpropaganda bisheriger Patienten entstanden seien. Sie meinte, ihr Vater sei da therapeutisch sehr erfolgreich, was ich aber nicht überprüfen konnte.

Ich fragte schließlich meine Freundin, ob er auch zu seinen Patienten so grobschlächtig sei. Sie bejahte es, meinte, er ginge bei Akkupunktur sehr technokratisch vor, sehe sich nicht als Psychologe, der dafür da sei, dass sich seine Patienten bei ihm ausheulten.

Ich sagte zu ihr ironisch, dann wird sein Erfolg sicher kein Placeboeffekt sein.

Er hatte Akkupunktur noch in seinem Heimatland studiert und meinte, dort durfte man keine Patienten mit Akkupunktur behandeln, wenn man nicht 6 Jahre Akkupunkturstudium nachweisen konnte.

Ein abgeschlossenes Medizinstudium nach westlichem Muster bringe in der Praxis sehr wenig in Sachen Akkupunktur, weil beide Ansätze sehr unterschiedlich sind. Er praktiziert beides.

Wie viele Jahre Studium Akkupunktur muss man aktuell eigentlich in Deutschland nachweisen können, um damit bei der Kasse abrechnen und um überhaupt Akkupunktur praktizieren zu können?
Dr.med.Holger Fischer
DMF-Moderator
Beiträge: 14489
Registriert: 31.01.07, 15:01
Wohnort: 73061 Ebersbach/ Fils

Re: Wer darf Akkupunktur?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer »

Hallo,
um eine Akupunktur über die gesetzlichen Krankenkassen abrechnen zu können, muß man approbierter Arzt sein und zudem eine Zusatzqualifikation gegenüber der kassenärztlichen Vereinigung nachweisen. Ferner muß ein zwingender Grund für diese Behndlung vorliegen.
Akupunktur bei einem Heilpraktiker werden von den Kassen noicht übernommen. Näheres findet man im Internet.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.
Johannes62
Topicstarter
DMF-Mitglied
Beiträge: 55
Registriert: 26.11.23, 12:17

Re: Wer darf Akkupunktur?

Beitrag von Johannes62 »

Hallo,

meine Frage war ja eher in der Richtung, wie lange eine solche Ausbildung dauert,
ob es mehrere Jahre sind oder nur ein paar Wochenendseminare.
Es ging mir nicht darum, welche Indikationen eine Abrechnung per Kasse voraussetzen.

Johannes
Dr.med.Holger Fischer
DMF-Moderator
Beiträge: 14489
Registriert: 31.01.07, 15:01
Wohnort: 73061 Ebersbach/ Fils

Re: Wer darf Akkupunktur?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer »

Über die Modalitäten bzw. EWeiterbildung usw. gibt es im Internet reichlichst Informationen, hier ein Beispiel:
https://www.daegfa.de/Ausbildung/Grunda ... Grundkurse
Sie müssen also mindestens eine Approbation als Arzt haben, also 6 Jahre Medizinstudium, anschließend- je nach Bundesland- eine mehrjährige Facharztausbildung sowie dann die Kurse zur Weiterbildung Akupunktur.
Die kassenrechtlichen Dinge habe ich erwähnt, damit Sie sehen können, dass der Weg zum Praktizieren der Akupunktur auch wesentlich rascher geht, wenn man Heilpraktiker wird-alles klar jetzt?
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.
Johannes62
Topicstarter
DMF-Mitglied
Beiträge: 55
Registriert: 26.11.23, 12:17

Re: Wer darf Akkupunktur?

Beitrag von Johannes62 »

Herzlichen Dank, Herr Dr. Fischer, Ich nahm einfach an, dass ich selbst als Laie eher lange suchen muss, um das zu finden, was Sie mir jetzt dankenswerterweise in einem link präsentierten. Mir ging es hier nicht um eine Heilpraktikerdebatte, das ist ein völlig anderes Thema, sondern um die Seriosität der deutschen Akkupunkturausbildung, die zu einer Kassenabrechnung berechtigt. So wie ich Ihren Link deute, ist das dann stundenmäßig doch eher das Niveau von ein paar Wochenendseminaren, was die Aussage des asiatischen Vaters meiner damaligen Freundin verständlich macht, dass in Deutschland Akkupunktur eher als eine spezielle Form der Scharlatanerie betrieben wird, wo Therapieerfolge deshalb meist dem Prinzip Placebo folgen. Mir wäre das als Patient auch zu delikat.
Dr.med.Holger Fischer
DMF-Moderator
Beiträge: 14489
Registriert: 31.01.07, 15:01
Wohnort: 73061 Ebersbach/ Fils

Re: Wer darf Akkupunktur?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer »

Mitnichten ist das Scharlatanerie, wenn auch asiatische Ärzte die TCM sicherlich besser beherrscgen mögen. Von Akupunktur vrstehe ih zu wenig und kann dazu nichts weiter sagen, aber die erforderliche Zusatzbezeichnung macht man nicht an ein paar Wochenenden:

https://www.daegfa.de/Ausbildung/Grunda ... Grundkurse
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.
Antworten Thema auf Facebook veröffentlichen Thema auf Facebook veröffentlichen