Immer neue Keime, Möglichkeit der Entlassung?

Moderator: DMF-Team

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Erin
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Immer neue Keime, Möglichkeit der Entlassung?

Beitrag von Erin »

Guten Abend,
ich bin 81 Jahre alt und uog mir am 11. 12. durch einen Sturz einen Oberschenkelhalsbruch und Oberschenkelbruch zu, wurde operiert und kam am 19. 12. auf die Geriatrie des Krankenhauses. Die Wundheilung ist abgeschlossen, die Beweglichkeit einschließlich Treppensteigen weitgehend wiederhergestellt.
Am 21. 12. wurde der Blasenkatheter gezogen, am 22. 12. stellte man im Urin einen Keim fest, der mit einem Antibiotikum behandelt wurde.
Am 27. 12. war der Keim verschwunden, gleichzeitig hatte ich einen neuen Keim im Urin. Auch der wurde mit einem Antibiotikum behandelt.
Am 2. 1. war der Keim verschwunden,. Jetzt fand man einen neuen Keim, aber nur im Blut, der mit einem neuen Antibiotikum bekämpft wurde.
Der Keim ist nicht ansteckend!!
Am 6. 1. sagte man mir, der Keim sei noch immer da.. Jetzt probiert man ein weiteres, starkes Antibiotikum aus,
Der Arzt ist nicht bereit, mir die Namen der Keime und der Antibiotika zu nennen.
Ein Ende dieser endlosen Keim-Geschichte ist nicht abzusehen. Der Arzt sagte, es könne durchaus sein, dass ich noch in einem Monat oder sogar in einem Jahr hier liege.
Auf Anfrage teilte mir meine Krankenkasse (privat) mit, dass sie die Kosten bald nicht mehr zu übernehmen bereit sei. Die Behandlung des Sturzes sei abgeschlossen, die Keime habe ich mir erst im Krankenhaus zugezogen. Ich müsse jetzt gegen das Krankenhaus klagen, damit man mir die weitere Behandlung bezahlt.
Meine Fragen:
- Wie kann ich den Arzt dazu bringen,, mir die Namen der Keime und Antibiotika zu nennen?
- Kann ich mich auf eigene Kosten und auf eigene Verantwortung entlassen lassen? Mein Hausarzt ist bereit, die Anschlussbehandlung zu übernehmen? Mein Cousin ist Rechtsanwalt und meinte, ich könne das machen.
- Kann eine Privatkasse sich weigern, die durch die Keime entstandene Behandlung zu bezahlen?Kann ich egen das Krankenhaus klagen?
Herzlichen Dank für Ihre Antworten!
Erin
blackylein
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Re: Immer neue Keime, Möglichkeit der Entlassung?

Beitrag von blackylein »

Sie können auch einfach das Krankenhaus verlassen. Es ist ja kein Gefängnis.
Spätestens beim 2. Keim hätte ich den Doc so festgenagelt, dass er alles sagt. Oder den Oberarzt kommen lassen.
Erin
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Re: Immer neue Keime, Möglichkeit der Entlassung?

Beitrag von Erin »

Danke für Ihre Antwort.
Der Arzt ist der Chefarzt der Station. Wer sollte ihn zwingen, mir Auskunft zu geben?
Wenn ich das Krankenhaus auf eigene Verantwortung verlasse, zahlt meine Privatkasse die Kosten für eventuelle Folgebehandlungen nicht. Das habe ich heute auf Anfrage erfahren.
Ich bin so verzweifelt!
Ich werde aber trotz allem das Krankenhaus verlassen.
Erin
Dr.med.Holger Fischer
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Re: Immer neue Keime, Möglichkeit der Entlassung?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer »

Guten Abend,
Gemäß § 630g BGB ist jeder Patient berechtigt, Einsicht in seine Patientenakte – in die Originalakte – zu nehmen. Schließlich soll der Patient darüber in Kenntnis gesetzt werden, wie mit seiner Gesundheit umgegangen wird und welche Diagnosen bzw. Prognosen sich daraus ergeben.
Sie können also die Akten einsehen! Falls es im Krankenhaus erworbene Keime sind ( nosokomiale Infektion), kann man den Krankenhaustäger im Fall von Schäden haftpflichtig machen, dass unhygienisch an Ihnen aber gearbeitet wurde oder unhygienische Zustände herrschen, ist sehr schwer zu beweisen. Da ja u.U. eine antibiotische Fortsetzung erfolgen muß, ist es natürlich sowieso zwingend, dass der nachbehandelnde Arzt die Art des Erregers kennt-was aus den Laborbefunden ersichtlich ist.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.
Erin
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Re: Immer neue Keime, Möglichkeit der Entlassung?

Beitrag von Erin »

Guten Abend,
vielen Dank für Ihre klare Antwort. dass ich alle Akten einsehen kann.
Da Blut und Urin bei Einlieferung keimfrei waren, habe ich die Keime im Krankenhaus bekommen. Da es schwierig sein wird nachzuweisen, dass unsauber gearbeitet wurde, kann ich das Krankenhaus nicht verklagen.
Wenn meine Krankenkasse sich weigert, alle durch die Keime entstandenen Kosten zu zahlen (z. B. langer Aufenthalt hier), muss ich alles selber zahlen. Kann ich das verhindern?
Ich werde mich wahrscheinlich auf eigene Verantwortung selber entlassen. Mein Hausarzt übernimmt die weitere Behandlung (Medizin etc.).
Gehe ich Recht in der Annahme, dass das Krankenhaus mir zwar Angst machen kann, was alles mit mir passieren kann, dass man aber mich nicht gegen meinen Willen hier festhalten. kann?
Kann das Krankenhaus im Falle meiner Selbstentlassung sich weigern, die Akten herauszugeben?
Herzlichen Dank für eine Antwort.
Erin
Brigitte Goretzky
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Re: Immer neue Keime, Möglichkeit der Entlassung?

Beitrag von Brigitte Goretzky »

Erin hat geschrieben: 09.01.23, 23:05 Kann das Krankenhaus im Falle meiner Selbstentlassung sich weigern, die Akten herauszugeben?
Das Krankenhaus wird sich weigern, die Akten herauszugeben.
Sie haben ein Einsichtsrecht, darunter wird heute im Allgemeinen verstanden, dass die Akte auch kopiert werden sollte, aber die Originalakte verbleibt im Krankenhaus. Der Behandler muss Akten seiner Patienten für mindestens 10 Jahre aufbewahren, gäbe er die Akte dem Patienten mit, könnte diese Pflicht nicht mehr erfüllen.
Sie können auch nicht darauf bestehen, dass Sie eine Kopie ihrer Akte bei Entlassung bereits in die Hand gedrückt bekommen. Zum einen fehlt dann meist noch der Entlassungsbericht, manchmal stehen auch Laborergebnise noch aus, zudem muss jemand Zeit haben die Kopie anzufertigen.

Viele Grüße
B. Goretzky
And God promised men that good and obedient wives would be found in all corners of the earth.


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Erin
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Re: Immer neue Keime, Möglichkeit der Entlassung?

Beitrag von Erin »

Herzlichen Dank für diese klare Auskunft.
Das bedeutet also, dass wenn ich mich selbst entlasse mein Hausarzt keine Kenntnis erhält, welche Medikamente ich benötige.
Das ist ein großes Risiko, das ich dann ringehe, zumal ich jeden Tag 11 verschiedene Tabletten bekomme, darunter auch Antibiotika.
Die Alternative zur Selbstentlassung ist dann nur das Warten auf die reguläre Entlassung (die nach Auskunft des Arztes noch Monate oder sogar mehr als ein Jahr dauern kann). Das zahlt meine private Krankenkasse nicht, und ich müsste mein Haus verkaufen.
Es ist ein Teufelskreis, aus dem es für mich kein Entrinnen gibt.
Viele Grüße, Erin
Dr.med.Holger Fischer
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Re: Immer neue Keime, Möglichkeit der Entlassung?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer »

Guten Tag,
üblicherweise händigt ein Krankenhaus bei Entlassung- auch bei Selbstentlassung- einen zumindest vorläufigen Arztbrief dem Patienten aus zur Weitergabe an den Hausarzt, ist aber evtl. von KH zu KH unterschiedlich. FBitten Sie einfach den Stationsarzt nach einem Entlassbrief. Auch bei Privatpatienten wird der Entlassbrief oft vom Stationsarzt erstellt, nicht vom Ober/Chefarzt. Für eine unmittelbare Anschlußbehandlung-gerade bei Einnahme von Antibiotika- ist natürlich der Arztbrief essentiell.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.
Erin
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Re: Immer neue Keime, Möglichkeit der Entlassung?

Beitrag von Erin »

Vielen Dank für Ihre Auskunft.

Viele Grüße, Eri
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