Können sich Keime entgegen der Fließrichtung eines Wasserstrahls bewegen?

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tralisss
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Können sich Keime entgegen der Fließrichtung eines Wasserstrahls bewegen?

Beitrag von tralisss »

Hallo zusammen,

ich habe eine durchaus ernstgemeinte Frage, weiß allerdings nicht so recht, wo ich diese fragen kann, also versuche ich es hier einmal. Die zentrale Frage ist: "Können sich Keime entgegen der Fließrichtung eines Wasserstrahls bewegen?"

Ich saß heute im Hotel beim Frühstück und habe mir Kaffee aus Kaffeekannen in eine Tasse eingegossen und mich währenddessen gefragt, wie hygienisch es für die Mitmenschen eigentlich ist, sich Kaffee in eine bereits gebrauchte Tasse nachzugießen. Könnten theoretisch Krankheitserreger aus meiner Tasse rückwärts in die Kaffeekanne gelangen und so den Kaffee in der Kanne für alle anderen Menschen verderben? So, wie elektrischer Strom vom Elektrozaun auf den Körper überspringen kann, müssten doch auch Keime bei einem durchgehenden Wasserstrahl rückwärts wandern können? Mein Hintergedanke ist, dass es bekanntlich die Gefahr gibt, wenn man zu dicht (unter 10 cm) am Elektrozaun steht und diesen anpinkelt, einen Stromschlag zu bekommen: https://landlebenleben.de/mythos/mythos ... n-pinkeln/ .

Wie sieht es dann bei öffentlichen Toiletten aus? Dann müssten beim Pinkeln Keime von der Toilette über den Urinstrahl bis zum Körper gelangen können?

Ich würde mich auch sehr über Links zu Quellen oder medizinischen Seiten freuen, falls es so etwas gibt. Die Frage geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Vielen Dank! 😂
blackylein
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Re: Können sich Keime entgegen der Fließrichtung eines Wasserstrahls bewegen?

Beitrag von blackylein »

Bakterien und Viren können nicht springen.
wenn man die Tasse unter die Ausgießvorrichtung stellt oder hebt, und diese keinen Kontakt zur Kanne hat, passiert da gar nichts.
Wenn jedoch jeder die gebrauchte Tasse an der Ausgießvorrichtung anlehnt, kann an dieser Stelle eine Kontamination passieren.
Jedoch dürften die Viren und Bakterien die heißen Temperaturen des Kaffees nicht lange überlegen.
blackylein
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Re: Können sich Keime entgegen der Fließrichtung eines Wasserstrahls bewegen?

Beitrag von blackylein »

Wobei diese Bakterien noch nicht in der Umgebung nachgewiesen worden, die für die normale menschlichen Lebensweise entspricht. Wir sind in der Regel nicht in heißen Tiefseequellen oder Erdöllagerstätten unterwegs. Dazu benötigen diese Bakterien meistens einen hohen Salzgehalt.
Niemand2000
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Re: Können sich Keime entgegen der Fließrichtung eines Wasserstrahls bewegen?

Beitrag von Niemand2000 »

Dazu benötigen diese Bakterien meistens einen hohen Salzgehalt.
Also möglichst salzarm würzen :ironie:
Parasympathikus
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Re: Können sich Keime entgegen der Fließrichtung eines Wasserstrahls bewegen?

Beitrag von Parasympathikus »

Hallo,

ich würde das ähnlich wie "blackylein" sehen. Auch wenn zumindest Bakterien manchmal eigene Fortbewegungsmechanismen haben, werden diese Winzlinge gegen das literweise Gefälle einer Flüssigkeit keine große Chance haben. Die Kontaminationsfrage ist also rein hypothetischer Natur - durch ungünstige Bedingungen nicht gänzlich ausgeschlossen, aber in der gelebten Praxis wahrscheinlich ohne Relevanz. Die meisten Keime müssen zudem noch eine bestimmte Mindestkonzentration erreichen, um sich erfolgreich in einem Wirt vermehren zu können.

Bei der Frage scheint auch eine gewisse Infektionspanik mitzuschwingen, an der die oft sehr grenzwertige Kommunikation während der Coronapandemie nicht ganz unschuldig sein dürfte. Sie unterstellt die Notwendigkeit, sich dauerhaft und exzessiv vor jedem Erreger schützen zu müssen. Diese Notwendigkeit besteht jedoch nicht. Wenngleich es uns bei grassierenden Epi- und Pandemien allen gut zu Gesicht steht, entsprechend vorsichtig und rücksichtsvoll zu sein, ist eine generalisierte Hysterie vor Keimen aller Art völlig unbegründet.

Zum einen tragen wir Menschen bereits kiloweise Bakterien in uns, deren Existenz für uns sogar lebenswichtig ist. Auch Pilze und Viren können in uns leben, ohne uns zwingend krank zu machen. Irgendwann müssen diese Erreger also bei jeden in den Körper gelangt sein, ohne dass wir etwas dagegen tun konnten und wollten.

Zum anderen ist es unser unabänderliches Schicksal, dass sich das Immunsystems bei seiner Konstitution immer wieder mit mehr oder weniger pathogenen Erregern anstecken muss, um uns letztlich vor ihnen und ihren noch gefährlicheren Verwandten zu schützen. Einen Teil dieses Schutzes können (etablierte) Schutzimpfungen leisten, den größten Teil jedoch unser Körper selbst. Deswegen ist eine Denke in Richtung "Homo hygienicus", die in feuchte Träumen mancher Gesundheits"experten" über ein dauerhaftes Leben mit Schutzmasken und sozialer Distanz entstand, eher lebensgefährlich als lebensverlängernd. Dass z.B. aktuell die Kinderkliniken langsam in eine Triage-Situation durch massenhaft schwer verlaufende Grippe-, RSV- und sonstige Atemwegsinfektionen rutschen, könnte seine wesentliche Ursache in Nachholinfektionen durch den Corona-Infektionsschutz haben. Vereinfacht gesagt stellt sich uns also gar nicht die Frage, wie wir uns nachhaltig vor Keimen schützen können, sondern ob wir sie uns alle auf einmal oder in evolutionsgemäß vorgegebenen Zyklen reinziehen.
Viele Grüße

Parasympathikus
Brigitte Goretzky
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Re: Können sich Keime entgegen der Fließrichtung eines Wasserstrahls bewegen?

Beitrag von Brigitte Goretzky »

Parasympathikus hat geschrieben: 02.12.22, 20:41 Deswegen ist eine Denke in Richtung "Homo hygienicus", die in feuchte Träumen mancher Gesundheits"experten" über ein dauerhaftes Leben mit Schutzmasken und sozialer Distanz entstand, eher lebensgefährlich als lebensverlängernd.
:daumenhoch

Man merkt einigen Experten in ministerialen Positionen halt immer wieder an, dass sie den ärztlichen Beruf nie ausgeübt haben. Die "Expertise" ergibt sich eher aus einem Studium der Wirtschaftslehre im Gesundheitswesen an einer ausländischen Universität in einem Staat mit einem völlig anderen Gesundheitswesen. Wie in anderen Bereichen auch, sind Studienabsolventen ohne praktische Erfahrung im jeweiligen Wirtschaftszweig halt nur Experten in der Theorie.
And God promised men that good and obedient wives would be found in all corners of the earth.


Then she made the world round and laughed and laughed and laughed...
tralisss
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Re: Können sich Keime entgegen der Fließrichtung eines Wasserstrahls bewegen?

Beitrag von tralisss »

blackylein hat geschrieben: 02.12.22, 11:41 Bakterien und Viren können nicht springen.
wenn man die Tasse unter die Ausgießvorrichtung stellt oder hebt, und diese keinen Kontakt zur Kanne hat, passiert da gar nichts.
Alles klar! Danke Dir! Ich musste an Bakterienkulturen in Petrischalen denken und wie sich diese ausbreiten und hatte mich gefragt, wie schnell das passieren kann, wenn etwa ein Wasserstrahl durchgängig ist. Bei zähflüssigen Substanzen, wie Honig, der auf ein angebissenes Stück Brot geträufelt wird, könnte demnach eher etwas passieren? Oder fließt der Honig immer noch zu schnell, als dass sich Bakterien so schnell entlang des Honigstrangs aufwärts ausbreiten können?
Niemand2000 hat geschrieben: 02.12.22, 12:18 Also möglichst salzarm würzen
:zuprosten
Parasympathikus hat geschrieben: 02.12.22, 20:41 Auch wenn zumindest Bakterien manchmal eigene Fortbewegungsmechanismen haben, werden diese Winzlinge gegen das literweise Gefälle einer Flüssigkeit keine große Chance haben.
Gilt das auch fürs Pinkeln an öffentlichen Toiletten? Fließt der Urin schnell genug, dass sich keine Keime auf den Weg nach oben machen können?
Parasympathikus hat geschrieben: 02.12.22, 20:41 Die meisten Keime müssen zudem noch eine bestimmte Mindestkonzentration erreichen, um sich erfolgreich in einem Wirt vermehren zu können.
Ahhh, danke! Das ist interessant.
Parasympathikus hat geschrieben: 02.12.22, 20:41 Bei der Frage scheint auch eine gewisse Infektionspanik mitzuschwingen, an der die oft sehr grenzwertige Kommunikation während der Coronapandemie nicht ganz unschuldig sein dürfte.
Ein wenig vielleicht, aber es ist nicht so, dass ich mir ernsthaft Sorgen mache. Ich habe mir die Frage nur aus reiner Neugier gestellt, weil mir dieses Beispiel vom Anpinkeln eines Elektrozauns einfiel und ich neugierig war, wie das analog bei Keimen aussieht. Also, keine Panik von meiner Seite aus, sondern naturwissenschaftliches Interesse.
Parasympathikus hat geschrieben: 02.12.22, 20:41 Zum anderen ist es unser unabänderliches Schicksal, dass sich das Immunsystems bei seiner Konstitution immer wieder mit mehr oder weniger pathogenen Erregern anstecken muss, um uns letztlich vor ihnen und ihren noch gefährlicheren Verwandten zu schützen.
Das stimmt, so habe ich das auch im Kopf und übertreibe es hygienemäßg definitiv nicht!
Parasympathikus hat geschrieben: 02.12.22, 20:41 Vereinfacht gesagt stellt sich uns also gar nicht die Frage, wie wir uns nachhaltig vor Keimen schützen können, sondern ob wir sie uns alle auf einmal oder in evolutionsgemäß vorgegebenen Zyklen reinziehen.
Das ist mal eine schöne Zusammenfassung. Danke Dir für Deine ausführliche Antwort! :daumenhoch
tralisss
Topicstarter

Re: Können sich Keime entgegen der Fließrichtung eines Wasserstrahls bewegen?

Beitrag von tralisss »

Danke für Eure Antworten, Leute! 😊
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