Gibt es analog zur Magersucht auch "Trinkstörungen" ?

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Chris72L
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Gibt es analog zur Magersucht auch "Trinkstörungen" ?

Beitrag von Chris72L »

Hat jemand schonmal Erfahrungen gemacht mit Teenagern, die bei normalen Essgewohnheiten extrem wenig trinken (auch nach mehrfacher Erinnerung) ?
Vor allem jetzt bei kalter Witterung. Im Sommer ist es etwas besser.

Unsere Tochter ist 17, groß, schlank, trinkt meist morgens vor der Schule einen Kakao oder Milchkaffee, und dann in der Regel bis zum Mittagessen nichts mehr. Die Trinkflasche kommt fast jeden Tag wieder voll zurück nach Hause (teilweise mit der Erklärung "habe ich zwischendurch in der Schule wieder aufgefüllt", nur weshalb ist die Flasche dann randvoll...? Wenn ich nachfülle, habe ich doch Durst und trinke auch noch was davon).

Auch nachmittags / abends zuhause ändert sich daran wenig. Zum Mittagessen ein Glas Wasser (teilweise nur 0.2L), dann manchmal den ganzen Nachmittag nichts bis zum Abendessen. Sie nimmt zwar ein Glas Wasser mit auf's Zimmer, aber das bleibt dann oft bis Abends voll.

Mag sein, dass es eine Art "Rebellieren" gegen ihre Mutter ist, die ganz im Gegenteil dazu bewußt viel trinkt (bestimmt 2 Liter Wasser am Tag, plus 2-3 Kaffees und abends vielleicht noch ein Bier), und unsere Tochter natürlich auch entsprechend nachdrücklich immer wieder zum Trinken ermahnt.

Wir haben versucht ihr klarzumachen, dass wenig trinken
a) schlecht für die Konzentration ist
b) Pickel in der Pubertät auch nicht unbedingt verbessert
c) auf Dauer die Nieren schädigen kann
etc...

Sie argumentiert einfach nur, dass sie keinen Durst hat.

Irgendeine Idee dazu...? Körperanalyse-Waage die den Wassergehalt im Körper mißt? Sollte man vielleicht mal eine Urinprobe beim Urologen untersuchen lassen, ob sie tatsächlich zu wenig trinkt?

Danke euch,
Christian
Zerox
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Re: Gibt es analog zur Magersucht auch "Trinkstörungen" ?

Beitrag von Zerox »

Hallo Christian,

ich weiß nicht, ob man da gleich von Trinkstörungen reden und Vergleiche zu einer psychischen Erkrankung wie Magersucht ziehen sollte.

Als Teenager habe ich in dem Alter deiner Tochter auch sehr wenig getrunken, weil ich keinen Durst hatte und subjektiv vom Körpergefühl her nicht viel trinken konnte; mein Hausarzt hat meine geringe Trinkmenge nach ein paar Untersuchungen seinerzeit moniert. Bei mir stand im Vordergrund, dass es in meiner Familie mehrere Verwandte mit Niereninsuffizienzen gegeben hat und meine Nierenwerte wohl auch nicht so toll waren; hatte immer zu hohe Eiweißwerte etc. - wobei das auch vom Sport kam. (Außerdem hatte ich eine Unterfunktion der Schilddrüse bzw. Hashimoto).

Ich habe mich dann eine Weile dazu gezwungen, täglich zumindest 1,5 - 2,0 l Wasser zu trinken. War keine schöne Zeit und hat nicht gerade zur Freude am Trinken beigetragen. Besonders im Winter wenn es eh kalt war, habe ich so wie deine Tochter noch weniger runterbekommen. Zumal auch die Schultoiletten sehr eklig waren bei uns damals und ich dann ziemlich jede Pause auf Toilette musste. Außerdem habe ich oft auch bei Zimmertemperatur gefroren durch die Unterfunktion bzw. mich unwohl gefühlt, weshalb mir erst recht nicht nach Trinken (und teils auch Essen) war. Andererseits wollte ich auch keine vermeidbare Nierenschädigung riskieren.

Später hat es sich bei mir eingependelt, so dass ich pi mal Daumen insgesamt über den Tag verteilt genug trinke, ohne mich dazu zwingen zu müssen. Durch die Behandlung der Unterfunktion ist es auch etwas besser geworden, sowohl mit dem Durstgefühl, als auch mit dem Appetit. Vieltrinker werde ich aber sicher nicht mehr. Ich komme auf etwa 1,5 l; an manchen Tagen mehr, an manchen weniger. Krampfhaft 2 l pro Tag zu trinken, würde ich nicht noch mal wiederholen wollen. Mir geht es definitiv besser damit, darauf zwar ein wenig zu achten, mich aber nicht bzgl. der Trinkmenge zu stressen. Da ist mir auch egal, was überzeugte Vieltrinker predigen. Zum Teil wird aus dem Vieltrinken ja ein richtiger Hype gemacht (bezieht sich nicht auf dich).

Ich denke so wie mit dem Essen ist die Trinkmenge letztlich individuell verschieden. Man kann sicher einerseits „verlernen“, ausreichend zu trinken oder hat aus anderen Gründen zu wenig Durst, da sollte man schon mittelfristig gegensteuern, aber letztlich ist es imho auch nicht sinnvoll, die Signale des Körpers zu übergehen, und sich täglich eine bestimmte Menge reinzuschütten, nur weil irgendwer das als vermeintlich ideale Trinkmenge für jeden Körper deklariert.

Man kann es sich aber sicher im Alltag einfacher machen, ausreichend zu trinken:
Ich habe zB in meiner Wohnung immer Getränke in meiner Nähe und nehme mir auch zur Arbeit eine 0,5 l Flasche Cola für den Tag mit. Wir bekommen zwar auch Getränke gestellt, aber bei mir steht die Wasserflasche dann doch viele Tage bis Wochen kaum angerührt in meinem Büro; die Cola trinke ich dagegen über den Tag. Abends bin ich etwa gegen 18/19 Uhr Zuhause und trinke dann nochmal im Laufe des Abends Cola, Wasser oder vereinzelt Tee. Mit süßen Getränken wie zuckerfreier Cola finde ich es einfacher, als nur mit Wasser auf eine angemessene Trinkmenge zu kommen.Kohlensäurehaltige Getränke bekomme ich kaum runter; deshalb entferne ich die Kohlensäure vorher aus der Cola bzw. warte, bis das meiste weg ist.
Morgens kann ich kaum was trinken (auch nicht essen), ich muss mich da oft ein wenig überwinden; meinem Körper ist das noch zu früh. Ich spüle dann nur die Tabletten mit etwas Wasser (oder manchmal Cola) runter.

Mir hätte es nicht geholfen, wenn meine Eltern mich bzgl. der Trinkmenge auch noch kontrolliert bzw. regelmäßig ermahnt hätten; das wäre eher kontraproduktiv gewesen.

Wenn deine Tochter bereits sehr viel Wasser über die Nahrung aufnimmt (zB über Gemüse), trägt das übrigens auch zur „Trinkmenge“ bei.

Es schadet sicher nicht, wenn ihr Hausarzt sie mal untersucht. Da sie fast volljährig ist, sollte sie das aber selbst regeln bzw. mittragen. Letztlich muss sie selbst wissen, ob ihr das mit dem Trinken und etwaigen gesundheitlichen Problemen wichtig genug ist oder nicht.
Chris72L
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Re: Gibt es analog zur Magersucht auch "Trinkstörungen" ?

Beitrag von Chris72L »

Danke, Zerox, für den persönlichen Erfahrungsbericht!
Lebendurst
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Re: Gibt es analog zur Magersucht auch "Trinkstörungen" ?

Beitrag von Lebendurst »

Ich bin 46 und kein Teenager mehr aber ich trinke trotzdem nicht. Ich vergesse es zu tun und wenn ich dran denke wehrt sich etwas Vehement dagegen. Ich spüre wie meine Rache austrocknet, und alles weh tut und innerlich entsteht eine Art brennende Hitze als hätte ich grad Säure getrunken ich spüre Druck auf mein Herz meine Müdigkeit der Schmerz im ganzen Körper etc. Aber ich kann mich nicht überwinden Wasser zu trinken es ist immer ein Kampf bis ich ein Schluck Wasser trinke
Es ist so nicht normal aber ich weiß nicht was mit mir los ist und warum ich mich verdursten lasse
Lebendurst
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Re: Gibt es analog zur Magersucht auch "Trinkstörungen" ?

Beitrag von Lebendurst »

Ich kann mehrere Tage kein Wasser trinken und trotz Anzeichen von Wassermangel wie Trockner Rache Kopfschmerzen Müdigkeit viel mehr schmerzen als sonst, Erschöpfung etc. Kann ich mich trotzdem nicht überwinden ein Schluck Wasser zu trinken
Wasser trinke ich meist nur wie Medikamente also überhaupt nicht gerne
Die einzige Flüssigkeit die ich manchmal nehme ist ein alkoholfreies Bier aber auch dafür muss ich mich die letzte Zeiten dazu zwingen
Tee kriege ich nicht runter

Es fühlt sich wie eine große depressive Antriebslosigkeit an obwohl es mir psychisch ziemlich gut geht und ich mehr unternehme und mir mehr Ruhe gönne… ich fühle mich sorglos aber die Müdigkeit durch zu wenig Wasser macht mich zu schaffen manchmal…

Ich würde es sogar Trinkstörung oder Trinkanorexie nennen. Aber sowas gibt es nicht oder?
Es ist das gleiche Gefühl wie mit mein binge Eating
Etwas in mir hat mich immer gezwungen Zuviel zu essen auf eine Art wie eine Selbstbestrafung durch Zuviel essen und jetzt fühlt es sich an wie selbst Bestrafung durch verdursten, etwas hält mich zurück, gesunde Flüssigkeit zu mir zu nehmen…

Ich hatte auch Schwierigkeiten ans frische Luft zu gehen und habe mich manchmal monatelang in der Wohnung eingesperrt aber dafür habe ich schon Lösungen gefunden wie ich trotzdem raus gehen kann aber meine Sorge gilt jetzt dem Wasser das ich auch beim besten Willen nicht trinke 😵

Ich esse genug und habe immer mehr Lust nach salziges, spüre auch den Durst aber ich trinke dazu tagelang so gut wie nichts

Kennt jemand auch sowas?
Habt ihr ein Tipp was ich tun könnte um mich zum trinken mehr zu motivieren?

Ein kleiner Glas Wasser steht seit vorgestern auf mein Nachttisch aber wenn ich ihn zur Mund nehme schaffe ich kaum ein Schluck davon runter

Mein Kopf weißt Wasser ist gut mein Körper schreit nach Durst aber irgendwas in mir wehrt sich vehement dagegen und davor fühle ich mich soooo ohnmächtig 😵

Bin um jeden Tipp sehr dankbar aber ich habe schon sehr viel ausprobiert 🙈 nur intravenös funktioniert weil ich das nicht bin die trinken muss sondern es geschieht dann von alleine
Ich bin auch sicher wenn jemand mir ein Glass Wasser in die Hand drücken würde und zuschauen wie ich es hinunter schlucke wäre es auch gar kein Problem

Ich brauche mit 46 so zu sagen ein Trinksitter oder Trinkpolizist😅 verrückt oder? 🤷‍♀️

Der Spruch
Ich bringe der Gaul am Wasser aber saufen musst er selbst scheint bei mir nicht zu funktionieren 😞
Ich bin bis jetzt auf fremde und externe Einwirkung angewiesen und dort liegt mein Challenge 😅 intravenös kann ich mir selbst nicht verpassen und ein Trinkpolizist oder Trinksitter habe ich nicht
Auch meine Uhr die mich dran erinnert was zu trinken bleibt wirkungslos zurzeit bei mir 😞

Mir ist dauerhaft noch keine richtige Lösung aufgefallen wie ich mich selbst zum trinken überlisten kann 🤔 irgend einer Idee wie ich das verändern kann?
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