Unsicher nach Ablation

Koronare Herzerkrankung, Hypertonie, Herzinfarkt, Stents, Herzkatheter, Blutverdünnung, Lungenembolie, Herzklappenfehler etc. Hier können auch EKGs befundet werden. Vgl. öffentliche FB-Gruppe "Smartwatch-EKG"

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Brechenko
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Unsicher nach Ablation

Beitrag von Brechenko »

Guten Tag,

zuerst möchte ich ein paar Worte über mich verlieren. Ich bin 36 Jahre alt, verheiratet, Vater von 2 Töchtern. Ich komme aus Sachsen-Anhalt und bin im öffentlichen Dienst tätig.

Im März diesen Jahres habe ich mich mit dem Corona-Virus angesteckt. Einen Tag ging es mir schlecht (Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen). Ab dem zweiten Tag bis zur Genesung hatte ich dann keine weiteren Beschwerden. Ich bin dann, nach erfolgreicher Freittestung wieder arbeiten gegangen ohne erkennbare Probleme.

Ca. 2 Wochen nach der Corona-Erkrankung lag ich zuhause auf dem Sofa und schaute TV als mein Puls plötzlich unkontrolliert hoch ging. Der Puls pendelte sich dann bei ca. 80-100 Schlägen die Minute wieder ein. Auch im Ruhezustand. Am nächsten Morgen wurde es nicht merklich besser und mir wurde kurzzeitig dazu noch schwindelig. Nach einem Gespräch mit meiner Frau entschied ich mich einen Kardiologen zu kontaktieren und einen Termin zu vereinbaren. Glücklicherweise konnte ich schon eine Stunde nach dem Gespräch vorbeikommen. Dort wurde dann ein EKG geschrieben und festgestellt das ich Herzrhythmusstörung habe. Es wurde dann noch Blut abgenommen und ein Ultraschall gemacht. Meine Kardiologin telefonierte dann auch mit einer Klinik um mir schnellstmöglich einen OP-Termin zu organisieren. Ich wurde dann erstmal 2 Wochen krank geschrieben. In dem 2 Wochen hatte ich keine körperlichen Beschwerden. Ich bin dann wieder zu meiner Kardiologen um mich gesund schreiben zu lassen damit ich wieder arbeiten gehen konnte. Bei dem Termin wurde erneut ein EKG geschrieben was i.O. war, zudem teilte meine Ärztin mir mit das ich eine leichte Herzmuskelentzündung hatte laut Blutbild. Es wurde erneut Blut abgenommen um zu erkennen ob die Entzündung noch vorhanden ist oder zurückgegangen ist. Am nächsten Tag rief mich meine Ärztin an und teilte mir mit das die Blutwerte i.O. sind und ich wieder, bis zur OP arbeiten gehen könne. Bis zur OP hatte ich keinerlei weitere Beschwerden oder Probleme.

Am 07.05. war es dann soweit und ich wurde stationär im Krankenhaus aufgenommen. Am 1. Tag erfolgte ein Herz-Echo. Am 2. Tag dann ein CT und im Anschluss die Ablation. Am 3. Tag dann noch eine Magenspiegelung und Röntgen. Alles verlief reibungslos und ich konnte am Nachmittag des 3. Tages entlassen werden.

Ich bin dann wieder zu meiner Kardiologen um mich krankschreibung zu lassen. Ich hatte in dieser Zeit kleinere Probleme wie leichte Schwindelanfälle und ab und an ein leichten Druck in der linken Brust. Ansonsten war soweit alles i.O.

Nach den 2 Wochen Krankschreibung bin ich wieder arbeiten und die erste Woche verlief ohne nennenswerte Probleme. Leider begann ab der zweiten Woche die ganzen Probleme. Gleich am Montag wurde mir sehr schwindelig auf Arbeit sodass ich zu unserem Arzt vor Ort gegangen bin um meinen Blurdruck überprüfen zu lassen. Dieser war sehr hoch (den genauen Wert habe ich nicht mehr im Kopf). Zudem sagte er das dass Herz "unryhtmisch" schlägt und ich solle sofort zu einem Arzt. Ich rief bei meiner Kardiologen an, diese war leider im Urlaub sodass ich in die Notaufnahme gefahren wurde. Auf dem Weg dorthin ging es mit immer schlechter vom Kreislauf her. Dort angekommen wurden die üblichen Tests gemacht wie EKG und Blutentnahme. Nach kurzer Zeit ging es mir besser und ich wurde nach ca. 4 Stunden wieder entlassen.
Ich bin dann am Nachmittag des selben Tages zu meinem Hausarzt mit dem Brief aus dem Krankenhaus. Dort wurde empfohlen ein Langzeit-EKG und ein Langzeit-Blutdruck zu machen. Zudem ein Lungenfunktionstest (seit der Corona-Infektion habe ich ein wenig Probleme mit der Lunge. Ich kann manchmal nicht richtig tief Luft holen. Ich habe selber das Gefühl das da die letzten Prozent fehlen). Am Dienstag zu Mittwoch wurde dann der Langzeit-Blutdruck Test gemacht. Am Mittwoch als mir das Gerät wieder abgenommen wurde im Anschluss gleich ein Lungenfunktionszest. Bei der Auswertung ergab dann das der Lungenfunktionstest nicht wirklich schön war aber noch keine Veranlassung gab zur Beunruhigung. Mein Hausarzt empfahl mir natürlich mit dem Dampfen aufzuhören (ich habe jahrelang geraucht und bin seit ca 5 Jahren auf E-Zigarette umgestiegen). Die Auswertung des Langzeit-Blutdruckes ergab das der Tagesdurchschnitt i.O. war ich aber 2-3 Ausreißer nach oben hatte. Einmal um 17 Uhr, wo ich keine körperliche Belastung hatte, lag der Blutdruck bei 190 und um 2 Uhr, wo ich geschlafen habe bei 180 (den zweiten Wert habe ich jetzt nicht mehr im Kopf). Mein Hausarzt verschrieb mir dann ein leichtes Mittel gegen Bluthochdruck und gab mir eine Tabelle mit wo ich Morgens und Abends meinen Blutdruck selbstständig kontrollieren und dokumentieren sollte.
Von Donnerstag zu Freitag war dann das Langzeit-EKG an der Reihe bei meiner Kardiologen die dich aber noch im Urlaub befand und die Auswertung in der darauffolgenden Woche vornahm. Das Ergebnis habe ich gestern, den 15.07. bekommen und es war o.B. und ohne Anzeichen das die Herzrhythmusstörung wieder aufgetreten ist. Ich habe dann das nächste Langzeit-EKG im September.

Nun zu meiner eigentlichen Frage da es mir gestern sehr schlecht ging. Ich hatte von morgens an leichte Schwindelgefühle und gegen 14 Uhr ging mein Puls plötzlich auf 150 ohne körperliche Anstrengungen. Ich setzte mich dann um meinen Blutdruck zu messen und mein Puls ging plötzlich von 150 auf 80 runter. Das Blutdruckmessgerät zeigte mir dann in 2 Messungen Herzrhythmusstörungen an. Am Abend der Messung bei der ersten Messung wieder Herzrhythmusstörung. Der Blutdruck war aber am gesamten Tag völlig in Ordnung. Auch Abends im Bett hatte ich nochmal das Gefühl des "Herzstollperns"

Die Blutdruckmessung mache ich nun seit 10 Tagen und der Wert ist, sowohl morgens als abends immer im guten Bereich.

Mein Puls messe ich dauerhaft durch meine Uhr, eine Huawei Watch GT 2.

An Medikamenten nehme ich folgende ein:

Seit der OP

Eliquis Apixaban 5 mg - morgens und abends
Colchicin Ysat 0,5 mg - morgens und abends
Pantoprazol 40 mg - morgens

Und seit dem Bluthochdruck

Candesartan 4 mg - morgens

Die Ärzte sagten mit das ich die Colchicin und die Pantoprazol 6 Wochen nach der OP absetzen könne was nächsten Donnerstag soweit wäre. Den Blutversünner und den Blutdrucksenker soll ich erstmal für 3 Monate nehmen.

Ich mache seit ca. 10 Tagen wieder regelmäßig Sport. Zum einen ein wenig Kraft. Da mache ich alle 2 Tage 120 Liegestütze und verschiedene Übungen an der Klimmzugstange. Immer ohne Probleme. Zur Ausdauer schwimme ich nahezu jeden Tag und gehe auch ab und an mal laufen. Auch dies ohne jegliche Probleme.

Was mich beunruhigt ist, die OP ist jetzt über 5 Wochen her und ich habe, wie beschrieben ab und an mal Tage an denen es mir nicht wirklich gut geht. Von leichten Schwindelgefühl bis hin zum Unwohlsein. Wie lange nach der OP können den noch die Herzrhythmusstörung auftreten und ab wann kann man beurteilen ob die Ablation erfolgreich war und keine erneute notwendig ist? Meine Bedenken sind deshalb weil ich nächsten März zur Lebzeitverbeamtung anstehe und ich Angst habe das ich diese nicht erhalte.

Ich habe auch aufgehört zu dampfen und nehme zur Unterstützung nicorette Kaugummu 4 mg. So ca. 8 Kaugummis am Tag was auch sehr gut klappt seit einer Woche.

Sorty für den langen Text und ich bedanke mich schonmal im voraus für die Antworten.

LG und schönes WE
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jaeckel
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Re: Unsicher nach Ablation

Beitrag von jaeckel »

Hallo Brechenko,

viele Kardiologen wären bei einer im Zusammenhang mit Corona aufgetretenen Rhythmusstörung/Herzmuskelentzündung bei einem 36-Jährigen zurückhaltender mit einer Ablation gewesen.

Grundsätzlich kann es nach einer Ablation ca. 3 Monate lang zu Rhythmusstörungen durch Verheilung der gesetzten Narben geben.

Auch Blutdruckspitzen einer 24-h-Blutdruckmessung können bei normalen Durchschnittswerten normal sein.

Wenn ein Langzeit-EKG ok war und die Herzbeteiligung ausgeheilt ist, brauchen Sie ggf. gar keine Medikamente mehr.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Klinische Akut- und Notfallmedizin
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)
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