Grauer Star und anstehende OP mit Kunstlinsen

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dora
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Re: Grauer Star und anstehende OP mit Kunstlinsen

Beitrag von dora »

hallo Tanja,

ich freue mich mit dir dass nun doch alles gut geworden ist.
Besorge dir eine richtig gute Sonnenbrille, ich brauche die immer wenn die Sonne scheint.

Alles Gute weiterhin.
:lol:
geis
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Re: Grauer Star und anstehende OP mit Kunstlinsen

Beitrag von geis »

Hallo.Ich bin neu hier, habe das gleiche Problem. Wie ist es gelaufen mit der op. ? Gruß Geis
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Grauer Star und anstehende OP mit Kunstlinsen - voll Durchbl

Beitrag von Glotzblock »

Hallo Geis,

die OP ist prima gelaufen, ich sehe wie ein Adlerauge ;-).

Grüße
Tanja
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Grauer Star und anstehende OP mit Kunstlinsen - ein Erfolg

Beitrag von Glotzblock »

Hallo Zusammen,

ich hatte nun den letzten postoperativen Termin bei meinem Augenarzt. Weitere Termine zur Kontrolle erst in 3 Monaten.
Aber ich wollte hier sozusagen meinen Abschlussbericht schreiben :-).

Alles prima.
Nach meiner Operationsreise bin ich nun endlich klar sehend.
Mein tägliches Leben bestreite ich brillenfrei. Dank einer leichten Kurzsichtigkeit arbeite ich am PC (Zoom 125%) und mit langen Armen auch beim Lesen brillenfrei.
Dennoch habe ich mir gestern eine Officebrille bestellt, leider bei Schielmann, da das der Rahmenpartner meines Arbeitgebers ist. Wobei ich mit meiner +1,5 Dioptrien Lesebrille von der Stange auch gut zurecht komme, nur hübsch ist sie nicht ;-).
Meine dort gemessenen Werte sind nun

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Jeder Morgen ist für mich ein Geschenk. Meine Ausgangswerte vor der OP waren ja so schlecht, dass ich ohne Sehhilfe nicht am leben teilnehmen konnte. Und jetzt bin ich praktisch brillenfrei.
Da die Linse im rechten Auge ca. 1mm zu weit hinten sitzt, habe ich bei Dunkelheit noch ein wenig Restirritationen durch Lichtkreise wie Riesenräder im rechten Augenwinkel. Durch das Einsetzen der AddOn Linse, welche ein wenig größer ist und den Linsenrand fast abdeckt, sind diese weniger geworden und behindern mich nicht. Das Gestell auf der Nase mit den schweren und vergrößernden Gläsern, oder die trockenen Augen durch Kontaktlinsen war wesentlich schlimmer.
Meine Entscheidung zu den monofokalen Linsen scheint die Richtige gewesen zu sein, wenn ich andere Leidensgeschichten lese.
Ich klopfe jetzt dreimal auf Holz, wenn jetzt nicht noch irgendwelche Spätfolgen passieren, war das die beste Entscheidung in meinem Leben und ich bin dankbar, dass Ärzte, Medizin und Forschung das möglich machten.

Ganz klare glückliche Grüße
Tanja
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Grauer Star und anstehende OP mit Kunstlinsen - voll Durchbl

Beitrag von Glotzblock »

Hallo Zusammen,

wieder sind drei Monate vergangen und ich war zur Nachuntersuchung.

Es ist alles prima, Linsen sitzen nach wie vor da wo sie vorher auch schon saßen.
Am rechten Auge keine Verbesserung der Riesenräder, ich muss hier wohl warten bis ich uralt eine kleine Dunkelpupille habe ;-).
Linkes Auge ist top.
Ansonsten keine Beschwerden, keine trockenen Augen etc.

Im Dezember habe ich wieder einen Kontrolltermin und werde berichten.

Sonnige Grüße
Tanja
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Grauer Star ade

Beitrag von Glotzblock »

Hallo Zusammen,

ich habe mir leider eine leichte Bindehautentzündung am linken Auge zugezogen und hatte eine wirklich verwirrende Messung bei meinen Freunden von Schielmann bei der Überprüfung meiner Officebrille.

Da man mir dort "ein" Dioptrien mehr auf dem rechten Auge in die + Richtung verpassen wollte, bin ich vorsorglich zu meinem Augenarzt gewackelt. Hätte ja jetzt bei meinem Glück auch noch sein können, dass die Linse in meinem rechten Augen sich nun doch nach vorne bewegt, durch Heinzelmänchen oder den Verwachsungsprozess.

Aber nein, alles prima. Die Linse sitzt nach wie vor im Auge, ohne Bewegung.
Die Schielmänner sind einfach richtig gute Messleute :evil:

Ich habe jetzt ein völlig perfekte Ausmessung meines Augenarztes bekommen und werde die Officebrille nun genau nach diesen Werten machen lassen. Wäre mein Arbeitgeber nicht vertraglich an Schielmann gebunden, würde ich dort keine Fuß mehr hineinsetzen.

Ansonsten alles prima mit den Äuglein, kein Nachstar in Sicht. Die Lichtkreise in Dunkelheit am rechten Auge durch den Linsenrand werden auch weniger. Also ich nehme es weniger wahr, wahrscheinlich hat das Gehirn keine Lust mehr.

Allen einen klaren Blick, und schöne Sommertage,
Viele Grüße
Tanja
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Re: Grauer Star und anstehende OP mit Kunstlinsen

Beitrag von Skygirl777 »

Ich weiß, das ist nun schon eine Ewigkeit her... Dennoch würde mich sehr interessieren, wie es weitergegangen ist? Gab es nochmal eine OP? Sind die Werte stabil geblieben?

Ich bin auch weitsichtig und erwäge diesen Schritt.

Danke und liebe Grüße
Skygirl
Parasympathikus
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Re: Grauer Star und anstehende OP mit Kunstlinsen

Beitrag von Parasympathikus »

Hallo skygirl777,

bei mir ist die (Star-)OP zwar erst ein knappes Jahr her und laut Befundbericht auf beiden Seiten "komplikationslos" im ersten Anlauf verlaufen. Kernkatarakt in Verbindung mit bzw. durch sehr hohe Moypie - da sich nun mit Mitte 50 die Fernsicht sehr dynamisch verschlechterte, war die OP angezeigt.

Aus meiner angelesenen und letztlich mit der OP gemachten Erfahrung würde ich jedoch, wenn "nur" die Weitsichtigkeit das Problem ist, zumindest dafür einer (IOL-)Staroperation sehr zurückhaltend gegenüberstehen. Oder generalisierter gesagt, nur weil die Kasse diese OP (bei Indikation) bezahlt, bleibt es ein mit diversen Risiken und Nebeneffekten behafteter Eingriff und ist es kein Allheilmittel für Visusprobleme aller Art. Aus dem Bericht von "Glotzblock" geht das eigentliche Problem des "Ausbaus" der körpereigenen Linse schon sehr eindrucksvoll hervor.

Es wird leider oft nur im Kleingedruckten erwähnt, dass -neben der wenig vorhersehbaren Verschiebung komplexer Mechanismen im Augeninneren- eben nicht weniger als ein zentrales Bestandteil des Auges entfernt wird. Und damit auch die komplette Fähigkeit der Akkomadation, also der Nah-/Fern-Anpassung: Hatte man vorher eine altersbedingte Akkomodationsstörung, hat man danach gar keine Akkomodation mehr. Hatte man vorher eine Weitsichtigkeit, hat man hinterher entweder immer noch eine Weitsichtigkeit oder aber eine Kurzsichtigkeit. Beides gleichzeitig lässt sich, abgesehen von teuren und oft unbefriedigenden Experimenten mit sog. Multifokallinsen, prinzipbedingt nicht mit der klassischen Hinterkammerlinse korrigieren.

Normalerweise strebt man postoperativ eine leichte Kurzsichtigkeit (um -2 dpt) an, um halbwegs brillenfrei die Kurzdistanz zu bedienen und auch in der Ferne ohne Brille nicht ganz blind zu sein. Dies ist dann, nachdem sich die Werte stabilisiert haben, aber ein Fixzustand. Der, wie auch der Bericht zeigt, selbst mit der besten Vordiagnostik nicht garantiert werden kann.

Als ehemals stark Kurzsichtiger hatte ich, trotz des Katarakts, eine in wahrsten Sinne des Wortes lupenreine Nahsicht. Auch die Computerarbeit war, wenn man nur dicht genug am Screen saß, entspannt. Gewonnen habe ich nach der OP einen (korrigierten) Fernvisus von über 90 Prozent, welcher vorher bei nur noch ~40 Prozent lag. Das ist zwar durchaus bemerkenswert.

Bis heute jedoch ist es mir aber nach der OP nicht gelungen, jemals wieder vernünftig im Nahbereich zu sehen. Und zwar auch nach diversen Anläufen mit Gleichtsicht-und Computerbrillen. Wäre ich beruflich Feinmechaniker, müsste ich diesen Beruf definitiv aufgeben. Ich schleppe seither immer drei Brillen mit mir herum: Die Fernbrille, die Arbeitsplatzbrille und eine starke Plusbrille für "Friemelarbeiten". Derartige Spannweiten sind mit nur einer Gleitsichtbrille einfach nicht umsetzbar.

Dazu gekommen ist ein offenbar OP-bedinger Astigmatismus ("Hornhautverkrümmung"), der in den Brillen berücksichtigt werden muss. Aus den geplanten -2 dpt sind schlussendlich -4 dpt (+Astigmatismus) geworden. Und die intentionell zu beseitigende Blendempfindlichkeit durch die Linsentrübung ist einer anhaltenden Blendempfindlichkeit durch den stärkeren Lichteinfall gewichen, so dass ich sogar noch eine vierte Brille, nämlich eine Fernbrille mit Sonnengläsern habe (UV/Blau-Filter sowieso).

Danach, ob ich mit lesender und computerbetonter Arbeit mein Geld verdiene, hatte mich vorher leider weder der Augenarzt noch der Operateur gefragt. Hätte man letztlich wohl auch nur durch eine höher voreingestellte Kurzsichtigkeit ändern können, was dann wieder eine dicke Minusbrille und starke Verkleinerung bewirkt hätte. Allerdings hätte ich den Eingriff dann ggf. noch bis zur Pensionierung verschoben.
Viele Grüße

Parasympathikus
Humungus
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Re: Grauer Star und anstehende OP mit Kunstlinsen

Beitrag von Humungus »

In dem Beitrag befinden sich mehrere korrekturbedürftige Aussagen:

1. Bei einem "Normalpatiienten" - also einem mit Altersstar - ist die Akkomodation bereits vor der OP durch das Alter und durch die Katarakt kaum oder gar nicht mehr vorhanden.

2. Normalerweise ist die Zielrefraktion 0. Nur bei vorher deutlich Kurzsichtigen wird eine Restkurzsichtigkeit angestrebt. Für einen vor der OP Normalsichtigen wäre das aber ein grober Fehler.

3. Der durch die Operation dazukommende ("induzierte") Astigmatismus sollte nicht höher als eine halbe Dioptrie sein. Bei einem zusätzlichen Astigmatismus von 2 Dioptrien wäre meiner Meinung nach eine intensive Ursachensuche angesagt! Im Gegenteil: durch die Verwendung astigmatismuskorrigierender linsen ("torische IOL") kann ein vorbestehender Astigmatismus ausgeglichen werden.

4. Zwar ist die Lichtempfindlichkeit nach der OP höher als bei einem Patienten mit gesunder, klarer eigener Linse, aber sie ist immer nich deutlich niedriger als bei einem Kataraktpatienten.

Womit Sie allerdings sehr recht haben, Parasympathikus, ist, dass eine Katarakt-OP keinesfalls als Allheilmittel für Fehlsichtigkeit angesehen werden sollte. Es ist und bleibt eine Operation mit Risiken und Nebenwirkungen. Vor Operateuren, die die Konsequenzen niicht erwähnen, sollte man sich hüten, insbesondere wenn sie teure Sonder-IOL verkaufen wollen. Bei einer kosmetischen Indikation ist der Aufklärungsbedarf wesentlich höher als bei einer medizinischen Indikation.
Augenarzt? Flatrate. Für nur 18 Euro all you can (tr)eat, ein ganzes Quartal lang! DAS ist heutige Gesundheitspolitik.
Parasympathikus
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Re: Grauer Star und anstehende OP mit Kunstlinsen

Beitrag von Parasympathikus »

Hallo humungus,

ja, da haben Sie sicher recht. In Punkt 1.) und 2.) habe ich individuelle Tatsachen wiedergegeben, da ich mit einst Hochmyopie und relativ jungem OP-Alter wohl nicht als "Normalpatient" zähle. Sollte ich den Eindruck erweckt haben, dass das für alle gilt, muss ich mich entschuldigen.

Zu Punkt 3.) muss ich konkretisieren, dass bereits vorher ein leichter Astigmatismus bestand, der sich durch die OP im Wert ungefähr verdoppelt hat. Ein Einsatz von torischen Linsen wurde mir nicht angeboten. Im Nachhinein habe ich irgendwo gelesen, dass man bestehenden Astigmatismus wohl sogar durch eine gezielte Schnittführung positiv beeinflussen kann. Auch das schien dem Operateur keine Option gewesen zu sein.

Zu 4.) Sowohl in der Literatur als auch bei Befragungen von Patienten nach Star-OP wird die (anhaltend) erhöhte Lichtempfindlichkeit als "häufig" angegeben. Je nachdem, was man für Vorbedingungen und Vergleichsmaßstäbe heranzieht, wird man sicher zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Fakt ist letztlich, dass die erhöhte Lichtempfindlichkeit für mich subjektiv leider extrem nervig ist. Man sieht zwar sehr scharf, aber eben so, als habe man die Helligkeit an einem Bildschirm auf 100% hochgedreht. Das Sehen ist damit sehr anstrengend.

Widersprüchlich sind darüber hinaus die Literaturangaben, inwieweit die nun volle Durchlässigkeit der Kunstlinsen ein Risiko für Netzhautschäden darstellt, d.h. ob ein in die Linsen oder in die Brille eingearbeiteter "Blaulicht"-Filter medizinisch sinnvoll ist bzw. gewesen wäre. Vielleicht haben Sie da Erfahrungen?

Kurzum sind wir uns in der Kernaussage wohl einig, dass jeder vorher wissen sollte, auf was er/sie sich einlässt und was, neben den OP-Risiken, noch alles passieren kann. Mir wurden zwar wider Erwarten keine teuren Sonderlinsen etc. angeboten, dafür aber machte mir die OP insgesamt eher den Eindruck einer Massenabfertigung, und zwar von der Erstuntersuchung über die Narkose bis zur Nachsorge. Im Nachhinein kann ich zumindest für mich selbstkritisch festhalten, dass ich mich da vorab zu wenig informiert und zu sehr auf die (retrospektiv leider unzureichenden) Informationen des Operateurs verlassen habe. In einem zweiten Leben würde ich mir da eine andere Praxis suchen :)
Viele Grüße

Parasympathikus
Humungus
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Re: Grauer Star und anstehende OP mit Kunstlinsen

Beitrag von Humungus »

Erneut: ein Astigmatismus nach der Operation, der um 2 Dioptrien höher ist als der vorher bestehende, muss eine Ursache haben.

zu den Studien habe ich eine Frage: wurden die Antworten mit denen der Patienten vor der OP verglichen? Und: handelt es sich bei dem Studienkollektiv um vorher "Linsengesunde" oder Patienten mit Grauem Star? Eine Kunstlinse bricht das Licht mit wesentlich weniger Streuung als eine getrübte Linse, so dass die Blendungsempfindlichkeit durch die OP sinkt - wenn man nicht gerade aus rein kosmetischen Gründen eine klare Linse operiert.

Ach ja, die Sache mit dem Blaufilter. Da gab es mal einen massiven Hype. Mal aus dem Nähkästchen geplaudert: der größte Linsenhersteller in Deutschland hatte lange Zeit ein Problem mit der Klarheit seiner Linsen (googlen Sie ruhig mal nach glistenings). Der Blaufilter hat das geschickt kaschiert. Das Argument, ein Blaufilter würde die Makula schützen, ist diskutabel, andererseits aber wird der Zirkadianrhythmus durch einen Blaufilter gestört. Und: warum sollte man einen Patienten NACH einer OP zu einem farbfalschen Sehen wie VOR der OP zwingen wollen? Ich persönlich halte nichts von Blaufilterlinsen und setze sie ausschließlich ein, wenn das Partnerauge schon damit versehen ist. Besonders witzig finde ich, wenn ein Operateur auf einem Auge eine Linse mit und auf dem anderen eine ohne Blaufilter gewählt hat. Das ist für mich ein klarer Kunstfehler. Dass ein UV-Filter notwendig ist (und Linsen ohne keine Zulassung in Europa erhalten) ist unbestritten. Übrigens stellt der größte Hersteller seine Linsen auch wieder in klar her. Die Macht des Marktes...oder verbessertes Material?
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Thema Lichtempfindlichkeit nach Katarakt-OP

Beitrag von Parasympathikus »

Hallo humungus,

wegen dem Astigmatismus werde ich noch mal nachhaken.

Bezüglich der Lichtempfindlichkeit habe ich nicht alles Recherchematerial aufgehoben, besonders nicht die reichhaltigen populärwissenschaftlichen Funde in Foren und Patientenwebsites. Aber u.a. eine prospektive Studie innerhalb einer Dissertation aus 2021 fand ich recht aufschlussreich (https://www.db-thueringen.de/servlets/M ... slauer.pdf, S. 55ff.). Während vor der OP "nur" 24% über Lichtempfindlichkeit klagten, waren es zehn Jahre nach der OP immerhin 54% (der Augen)! Die Gütekriterien limitierend wirkt, dass das untersuchte Patientenkollektiv recht klein ist, die jeweilige OP-Indikation nicht genannt wird und ausschließlich mit dem Femtolaser operiert wurde. Auch Drittvariablen hätte man m.E. durch eine nichtbehandelte Kontrollgruppe ausschließen müssen - die Lichtempfindlichkeit könnte ja z.B. auch durch natürliche Alterungsprozesse der Netzhaut innerhalb der zehn Jahre eingetreten sein.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Mir liegt nichts dran, dieses Phänomen in der Masse zu beweisen. Mir wäre es lieber, wenn es nicht existieren würde und auch ich nicht davon betroffen wäre. Aber ich habe diese Photophobie nun mal. Vor der OP waren es eher nächtliche Blendeffekte bei Gegenverkehr, nach der OP ist es tagsüber immer schmerzhaft zu hell. Ich glaube nicht, dass es ein Problem der Lichtbrechung ist, denn wie Sie ja schreiben ist die Kunstlinse optisch wesentlich präziser als die 55 Jahre alte, getrübte Naturlinse. Meine hier laienhafte Vermutung ist, dass es vielleicht Individuuen gibt, bei denen die Sehzellen oder die nachgeschaltete neuronale Verarbeitung anhaltend nicht mit den neuen Helligkeitsinformationen klarkommen. Möglicherweise sind Blendeffekte und Lichtempfindlichkeit zwei völlig getrennt zu behandelnde Sachverhalte?

Ich danke Ihnen sehr für die Stellungnahme zum "Blaufilter". Mein Optiker hat die Wichtigkeit dessen in der Brille so eskaliert, als ob ich ansonsten in einem Jahr blind bin. Bringt pro Brille ja auch einen Füffi mehr :wink: . Wenn ich mir den unschönen Gelbton (der zudem nichts an der Lichtempfindlichkeit ändert) jetzt so anschaue, dann würde ich den auch nicht dauerhaft in der Linse verbaut haben wollen. Gelbstichig habe ich lange genug gesehen.

Noch interessanter finde ich Ihre Information, dass alle Linsen standardmäßig einen UV-Filter haben. Ich war bislang davon ausgegangen, dass da gar nichts drin ist. Aus der Patientenkarte geht das nicht hervor. Drum hatte ich auch den Blaufilter in die Brillen genommen, um quasi UV-Basisschutz plus die paar nm drüber zu haben. Nun habe ich einmal in die Linsenbeschreibung auf der Herstellerseite geschaut, und siehe da: "Asphärische Vorderfläche, aberrationsfrei, 360°-Linsenepithelzellbarriere,
HD-Optik, hydrophiles, glisteningfreies Acrylat, UV-Blocker" :daumenhoch
Viele Grüße

Parasympathikus
Humungus
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Re: Grauer Star und anstehende OP mit Kunstlinsen

Beitrag von Humungus »

Hier eine Studie die das beschreibt was ich sage: https://jamanetwork.com/journals/jamaop ... act/640019

Vorübergehend kann die Lichtempfindlichkeit nach der OP erhöht sein, es sollte sich aber eigentlich normalisieren. Auch hier wäre eine Suche nach der Ursache sinnvoll. Typisch sind gestörter Tränenfilm nach der OP, weiterhin erweiterte Pupile (evtl. nach mechanischen Maßnahmen), Reizzustände. Bei solchen Problemen würde ich eher zu einer Brille mit phototropen Gläsern als zu einem Blaufilter raten.

UV-Filter sind in IOLs schon spätestens seit den frühen 90ern Pflicht. Man erkannte, dass der natürliche UV-Schutz durch die eigene Linse nach der Cat-OP weg ist. Und UV-Licht hat eine andere Qualität als Blaulicht. Darum müssen in Deutschland auch alle Sonnenbrillen einen UV-Filter haben - weil sich die Pupille durch sie erweitert.

Aber da habe ich noch eine schöne Geschichte über diesen IOL-Anbieter mit den Glistenings: vor einigen Jahren wurden die Vertragsbedingungen für die Kassenärzte für ambulante Cataract-OPs neu verhandelt. Und urplötzlich stand da ein verpflichtender UV-Filter mit einer Wellenlänge von XY nm. Witzigerweise war das genau der Filter dieses Herstellers, während alle anderen Hersteller klarer IOLs ihren Filter einen Tick tiefer setzten. Folge wäre gewesen, dass ausschließlich die Linsen dieses Herstellers in Deutschland implantiert werden dürfen. Von heute auf morgen!!!

Können Sie sich vorstellen, was bei den Linsenherstellern los war? Ein Aufschrei ging durch die Industrie, und der nämliche Hersteller musste akut im Krankenhaus behandelt werden...Bauchmuskelzerrung vom vielen Lachen. Die Proteste waren dermaßen intensiv, dass die Regelung erst einmal vorübergehend ausgesetzt wurde und dann still und leise verschwand.

Na? Wen hat dieser Hersteller womit geschmiert? War ein echt guter Versuch ein Monopol aufzubauen.
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Scharlatan
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Re: Grauer Star und anstehende OP mit Kunstlinsen

Beitrag von Scharlatan »

Die Erfahrungsberichte sind sehr wertvoll; Vielen Dank an "Glotzblock" und "Parasympathikus".

@ Parasympathikus
Gewonnen habe ich nach der OP einen (korrigierten) Fernvisus von über 90 Prozent, welcher vorher bei nur noch ~40 Prozent lag. Das ist zwar durchaus bemerkenswert.
Rein informativ gedacht, nachfolgend ein erhellender Artikel zu der "Sehschärfebestimmung nach Europäischer Norm"
https://www.uniklinik-freiburg.de/augen ... aerfe.html

Viele Grüße
Barnie Geröllheimer
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Re: Thema Lichtempfindlichkeit nach Katarakt-OP

Beitrag von Barnie Geröllheimer »

Parasympathikus hat geschrieben: 07.08.22, 02:58 Meine hier laienhafte Vermutung ist, dass es vielleicht Individuuen gibt, bei denen die Sehzellen oder die nachgeschaltete neuronale Verarbeitung anhaltend nicht mit den neuen Helligkeitsinformationen klarkommen. Möglicherweise sind Blendeffekte und Lichtempfindlichkeit zwei völlig getrennt zu behandelnde Sachverhalte?
Hier der physikalische Hintergrund von Streulicht und Blendung in diesem Zusammenhang
https://de.wikipedia.org/wiki/Mie-Streuung

Ich kenne die optische Qualität der Single-Vision-IOLs nicht, aber diese Linse wird ja wohl in einen Linsensack eingesetzt, der nicht perfekt am Implantat anliegt. Von Inhomogenitäten des Linsensackes selbst mal ganz abgesehen....
Parasympathikus hat geschrieben: 07.08.22, 02:58 Ich danke Ihnen sehr für die Stellungnahme zum "Blaufilter". Mein Optiker hat die Wichtigkeit dessen in der Brille so eskaliert, als ob ich ansonsten in einem Jahr blind bin. Bringt pro Brille ja auch einen Füffi mehr :wink: . Wenn ich mir den unschönen Gelbton (der zudem nichts an der Lichtempfindlichkeit ändert) jetzt so anschaue, dann würde ich den auch nicht dauerhaft in der Linse verbaut haben wollen. Gelbstichig habe ich lange genug gesehen.
Hier haben Sie den richtigen Riecher gehabt. Ich biete diese Blaufilter nur noch in Ausnahmefällen an.
Es geht dabei aber nicht um die Verringerung von Blendeffekten, sondern um anhaltende "ungesunde" Belastung der Rezeptoren in der Makula. Inwieweit diese -über das Auge aufgenommenen - blauen Wellenlängen dann wieder den Melatoninhaushalt manipulieren, halte ich für unbewiesen. Fakt ist aber auch, dass Hardcore-Nerds die Gelbverschiebung des Seheindruckes am PC-Monitor oder Smartphone oft als angenehm empfinden.
Humungus hat geschrieben: 07.08.22, 08:22 Aber da habe ich noch eine schöne Geschichte über diesen IOL-Anbieter mit den Glistenings: vor einigen Jahren wurden die Vertragsbedingungen für die Kassenärzte für ambulante Cataract-OPs neu verhandelt. Und urplötzlich stand da ein verpflichtender UV-Filter mit einer Wellenlänge von XY nm. Witzigerweise war das genau der Filter dieses Herstellers, während alle anderen Hersteller klarer IOLs ihren Filter einen Tick tiefer setzten. Folge wäre gewesen, dass ausschließlich die Linsen dieses Herstellers in Deutschland implantiert werden dürfen. Von heute auf morgen!!!
Das ist ein wunderschönes Beispiel für die Beliebigkeit von Regeln. In den 70ern wurden Versicherungsklassen für Motorräder an der Motorleistung festgemacht. Und was für ein Zufall: die Klasse mit der "krummen" Leistung von 27 PS und die 50 PS-Klasse bildeten die Leistungen der damaligen BMW-Motorräder ab. Meine 250er Suzuki hatte dummerweise 32 PS. Natüüürlich hat Suzuki sie danach für D sofort gedrosselt auf den Markt gebracht. :wink:
Ich glaube, manchmal gibt es im Leben nicht genug Steine
Forrest Gump
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