Verwirrtheit nach Schlaganfall und Koma

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christian1983
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Verwirrtheit nach Schlaganfall und Koma

Beitrag von christian1983 »

Hallo liebes Forum,

mein Vater erlitt in Narkose während einer Bronchoskopie eine Luftembolie im Gehirn. Luft wurde vom Herzen durch verschiedene Gehirnareale gepumpt und hat an einigen Stellen Verschlüsse verursacht die im Prinzip mehreren, kleinen Schlaganfällen gleichen. Geschehen ist dies am 01.12.2021. Nacht 6 Tagen im Koma (nicht künstl.) erwachte er und erhielt zuerst die Diagnose "Locked-In Syndrom". Es stellte sich jedoch nach einigen Tagen heraus, dass er doch in der Lage ist mehr als nur seine Augen zu bewegen. Er wurde weiter intensivmedizinisch versorgt bis er am 22.12.2021 in eine örtliche Neurologieklinik kam und dort auch mit der Früh-Reha begann.
Er ist heute in folgendem Zustand: Er kann sich kaum bewegen. Der linke Arm und das rechte Bein bewegt er so gut wie gar nicht. Die Bewegung des rechten Armes bzw. des linken Beines werden stetig besser. Bereits auf der Intensivstation nach Entfernen des Tracheostoma konnte er wieder ganz normal sprechen. Jetzt kommt das "Aber": Er ist in hohem Maße verwirrt, hat Halluzinationen, vertauscht oft rechts und links, bringt Vergangenheit und Gegenwart durcheinander. Er erkennt ihm bekannte Personen und kann in aller Regel auch die jeweiligen Verbindungen klar benennen. Manchmal weiß er wo er sich befindet, manchmal denkt er aber auch er wäre ganz normal zuhause. Oft passieren für ihn zwei völlig konträre Dinge quasi zeitgleich. Meine Mutter, seine Frau verstarb vor zwei Jahren. Er weiß das. Jedoch kann es sein, dass er seinem Bettnachbarn erzählt dass seine Frau vor zwei Jahren verstorben ist, sich dann aber direkt zu mir umdreht und fragt ob ich Mutter mitgebracht habe. Es ist also irgendwie alles gleichzeitig real für ihn. Manchmal erzählt er recht haarsträubende Wahnvorstellungen betreffend Parallelwelten und Gestorbene die zurückgekommen sind. Und erst gestern unterhielt er sich in meinem Beisein mit einer Person im Zimmer welche nicht da war. Und obwohl sein Kurzzeitgedächtnis an sich zu funktionieren scheint, er erinnert sich zB wenn ich ihn besuche und am Vortag jemand anderes da war genau wer das war. Er erinnert sich auch an Gespräche. Wenn ich ihm was zum zweiten Mal erzählen sagt er mir, dass ich ihm das schon gesagt habe. Also obwohl er das alles erinnern kann scheint er sich nicht daran zu erinnern wo er sich befindet. Er erzählt mir dann er wäre gestern zum Frühstück bei Bekannten gewesen oder wäre Einkaufen gewesen. Also alles Dinge die er derzeit einfach unmöglich machen kann.

Und so sehr man die Fortschritte bei der Motorik beobachten kann, so bleiben sie doch was das neurologische betrifft aus. Es wird nicht merklich besser. Es ist mal schlimmer mal weniger schlimm aber grundsätzlich sind es m. E. schwere Wahnvorstellungen, Halluzinationen und absolute Desorientierung. Auf Nachfrage an Ärzteschaft und Pfleger hört man nur, da könne man nichts machen, da muss man einfach abwarten. Das diese Antwort unbefriedigend ist sollte jedem klar sein.

Für meine aktuelle Frage evtl, nicht so relevant, aber zudem wurde bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert. Hierfür die ursprüngliche Bronchoskopie in deren Verlauf es zu Komplikationen kam. Da seit über einem Monat keine Behandlung erfolgen konnte ist der Krebs natürlich gewachsen. Sein Zustand lässt aber derzeit noch keine Krebsbehandlung zu. Daher ist einfach bei seiner Reha auch Eile geboten, denn noch kann man was gegen den Krebs tun.

Ich erhoffe mir unter Berücksichtigung der Forenregeln natürlich keine Ferndiagnose, aber ich brauche Anleitung und Hilfe wie ich dem ganzen Herr werden soll. Die Ärzte untereinander sprechen sich nicht ab. Würde ich nicht ständig intervenieren hätte man sich bis heute auch noch kein Bild über seinen Krebs gemacht. Jetzt soll er am 17.01. in die Anschlussreha. Ich frage dann wie es denn mit der Krebsbehandlung aussieht und bekomme als Antwort, ja wenn wir das vorher nicht hinbekommen müssen wir das nach der Reha machen. Also nochmal wieder 4 Wochen unbehandelter Krebs.... naja soviel wollte ich dazu gar nicht schreiben.

Ich mache mir Sorgen wegen seinem mentalen Zustand und hoffe auf Erfahrungen oder Tipps wie ich daran mitarbeiten kann, dass er wieder er selbst wird.

Vielen Dank und liebe Grüße
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jaeckel
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Re: Verwirrtheit nach Schlaganfall und Koma

Beitrag von jaeckel »

Es handelt sich um ein Delir, das es bei vielen intensivmediznischen Krankheiten als Begleitsymptomatik gibt. Ein Delir ist in der Regel reversibel, kompliziert aber den Verlauf erheblich. Brillen, Hörgeräte, Radio, Vorlesen, auch auf der Intensivstation für Tag-Nacht-Rhythmus sorgen, kann das Delir positiv beeinflussen.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Klinische Akut- und Notfallmedizin
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)
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