Meine "CPPS" Erkenntnisse

Chronische Beckenbodenschmerzen, Urogenitalsyndrom- Beckenbodenmyalgie, Prostatitis

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zickzack
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Meine "CPPS" Erkenntnisse

Beitrag von zickzack »

Mittlerweile ist wahrscheinlich keiner von den "alten Hasen" hier im Forum noch da. Auch Olaf Urban ist irgendwann spurlos verschwunden, wie ich gesehen habe... Aber wie auch immer: Nach über 15 Jahren mit mehr oder weniger starkem "CPPS" und etlichen Untersuchungen bin ich mir nun bei einigen Dingen sicher, die zumindest meine eigene Diagnose betreffen. Vielleicht hilft es ja auch dem einen oder anderen von euch weiter:

1. Verspannungen im Beckenboden sind nicht das Problem, von daher ist der Begriff "CPPS" eigentlich nicht zutreffend. Eine "Prostatitis" ist es aber auch nicht. Ein Physiotherapeut, der sich mehrere Sitzungen lang mit meinem Problem auseinandergesetzt hat, hat alle Muskeln, die in Frage kommen, durchgetestet und keiner davon war verspannt. Die ganze Triggerpunktgeschichte, die nach dem anfänglichen Antibiotika-Wahn bis heute als der neue Heilsbringer gehandelt wird, führt bei mir also zu nichts.

2. Das Problem liegt im Darm. Der Physiotherapeut hat eine stark erhöhte Schmerzempfindlichkeit des Darms festgestellt. Ich weiß natürlich, dass ich Darmprobleme habe und habe schon alles probiert, was dem Darm so helfen könnte. Außer Verdauungshilfen wie Leinsamen oder das Weglassen von Fruktose (Fruktose-Intoleranz wurde festgestellt), hat aber nichts wirklich geholfen und das Problem konnte nicht wirklich beseitigt werden.

3. Die Probleme des Darms wirken sich auf umliegende Körperteile aus. Der Physiotherapeut vermutet, dass es ausstrahlende Schmerzen sein könnten, die im Darm liegen. Ich vermute eher, dass der Darm dadurch, dass er permanent aufgebläht und öfter etwas verstopft ist, tatsächlich physisch auf Blase und Prostata drückt. Bei der Blase bin ich mir absolut sicher, denn den Blasendruck merkt man ja ganz einfach, weil man einfach öfter Pinkeln muss als "normale" Leute. Und der Dauerdruck auf die Prostata äußert sich nach meiner Vermutung eben durch die bekannten CPPS Symptome (Ziehen/Brennen in den Hoden, Harnröhre, rote Stellen/gereizte Haut auf der Eichel).

4. Die Psyche ist nicht der Auslöser für die CPPS Schmerzen, denn dazwischen liegt in jedem Fall der Darm. Ich kann natürlich nicht ausschließen, dass die Psyche und die Darmbeschwerden irgendwie zusammenhängen, denn da gibt es ja eine mittlerweile anerkannte Verbindung ("Darm-Hirn-Achse"). Es könnte aber auch sein - und das vermute ich - dass hauptsächlich körperliche Defekte die Darmbeschwerden auslösen.

5. Ein Haupttrigger ist Sex. Das ist natürlich sehr bitter. Aber es ist logisch, denn die Prostata vergrößert sich dabei und gerät dadurch umso mehr unter Druck durch den aufgeblähten, verstopften Darm. Ich kann immerhin damit leben, wenn ich es nicht übertreibe und nicht mehrmals hintereinander Sex habe. Einmal pro Tag scheint gerade noch so zu gehen ohne dass die Beschwerden zu heftig werden.

6. Der andere Haupttrigger ist klassisches Krafttraining. 2007 und 2019 verlief es genau gleich. Das waren meine Fitnessstudio Phasen. Spätestens nach ein paar Wochen ließ es sich nicht mehr ignorieren. Das waren auch die stärksten CPPS-Phasen in meinem Leben. Vor allem Übungen, die Druck auf den Bauch und den Rücken ausüben, waren problematisch. Zuerst hatte ich dann Crunches und Situps weggelassen. Aber auch das so oft empfohlene Planking war schädlich. Auch die Beinpresse und der Rückenstrecker haben Probleme gemacht. Was sollte ich also noch machen? Nur noch Brustpresse und Latzug und ein bisschen Laufband? Das wurde mir dann auch zu sinnlos und ich habe es komplett gelassen. Bei Male bin ich dadurch erstmal wieder in ein tiefes Loch gestürzt.
"Normaler" Sport wie Laufen oder Volleyball macht übrigens keine Probleme.
Vor Kurzem habe ich allerdings EMS Training für mich entdeckt (Krafttraining durch Strom). Bisher gibt es keine ernsthaften Beschwerden. Bei einigen Übungen habe ich einen Schmerz im Beckenbodenbereich gespürt und dem Trainer sofort gesagt: Runterdrehen oder Übung weglassen. Das werde ich jetzt erstmal weitertesten. Ich hoffe sehr, dass ich so doch noch eine Möglichkeit gefunden habe, regelmäßig Krafttraining zu machen ohne auf Dauer starke Beschwerden zu bekommen. Denn kräftige Bauch- und Rückenmuskulatur ist ja nicht nur schön, sondern auch gesundheitlich wichtig, wenn man ständig am Schreibtisch sitzt. Wünscht mir Glück...
wasismitdu
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Re: Meine "CPPS" Erkenntnisse

Beitrag von wasismitdu »

Hallo !

Ich leide nun schon bestimmt seit 15 Jahren an Prostatitis oder aber CPPS
Vor 15 Jahren hatte ich mal eine Bakterielle Version, bekam unmengen Antibiotika , dann gings auch weg , aber seither kommt immerwieder eine
Prostatitis oder CPPS zurück ( Lt Arzt keine Bakterien ) . Mal für ein Paar Tage, dann wieder für Monate gar nicht, dann wieder Beschwerden über 2-3 Monate hinweg .... ganz unterschiedlich.
Ich habe wirklich ALLES probiert an Ärzten, Schlauer bin ich nicht geworden.
Ich habe zudem immer wieder mal Probleme mit dem Rücken ( Schmerzen im Lendenwirbel ) , Die Schmerzen strahlen oft aus in die Harnröhre , dann wieder in die Oberschenkel , in die Leiste etc etc.
Zudem hatte ich schon 3 Leistenbrüche, also sehr schlechtes Bindegewebe.
Aktuell habe ich seit gut 8 Wochen wieder Schmerzen und weis nicht genau woher ....
CPPS ?
Es fühlt sich an wie ein Golfball im Hintern , Unterbauch sticht etwas .... ....
Ich hätte gerne Kontakt zum Austausch mit jemandem der auch daran leidet und sich darüber unterhalten will, bzw einen Austausch über Therapie Erfolge etc ...
Wäre nett wenn sich jemand meldet.

Auch probiert habe ich mal Bioresonanz , Psychofarmaka etc .... wirklich gebracht hat das alles nichts , zudem hat man auch schon mal Rheuma vermutet, wurde aber nie nachgewiesen , ebenso hat man mal von Fibromyalgie gesprochen ....
thomas.
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Re: Meine "CPPS" Erkenntnisse

Beitrag von thomas. »

Das Einzige was mir wirklich geholfen hat ist die Triggerpunkttherapie. Ähnliche Beschwerden wir Du hatte ich auch, jedoch ständig und nicht abwechselnd. Wichtig ist, dass man wirklich alle Triggerpunkte aufspürt: Im Becken und die äußerlichen. Bei mir war es der Adduktor Magnus welcher immer wieder Triggerpunkte gebildet hat und deshalb das ganze Schmerzgeschehen aufrecht erhalten hat.

Das Thema Darm spielt, aus meiner persönlichen Sicht, überhaupt keine Rolle und wird absolut überbewertet (besonders von der Heilpraktikerschiene).
Manueldöring
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Re: Meine "CPPS" Erkenntnisse

Beitrag von Manueldöring »

Liest sich teilweise so als läge das CPPS im Rahmen einer viszeralen Hypersensitivität vor.

Ist ein Reizdarmsyndrom bekannt?

Evtl. die Schmerzempfindlichkeit des Darms mit Balonbarostat klären und dann gegebenenfalls mit TCAs therapieren, falls nicht bereits erfolglos versucht.
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