Augenmigräne

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Dagmar
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Augenmigräne

Beitrag von Dagmar »

Liebe Forengemeinde,

ich hatte in diesem Jahr bereits 6x Augenmigräne. Es fängt an mit Flimmern, dadurch Sehstörungen ca. 20-30 Minuten und danach kommen die Kopfschmerzen. Wenn ich bei den ersten Anzeichen eine 600er Ibu einwerfe. Dauern die Schmerzen auch vielleicht nur 30-60 Minuten und nicht länger. Vor diesem Jahr hatte ich Augenmigräne 1-2x im Jahr. Ich nehme sonst aber keine Schmerzmittel.

Ich bin Anfang 50 und in den Wechseljahren. Gegen die starken Schwitzattacken tags und nachts nahm ich im letzten Jahr ein Präparat mit Traubensilberkerze (Cimicifuga), was prima half. Da nun die Menopause da ist, aber das Schwitzen seit einigen Wochen wieder schlimmer wird, nehme ich wieder ein Präparat mit Traubensilberkerze. Es hilft. Was ich meine: mein Körper arbeitet an seinem Hormonhaushalt.
Zurzeit habe ich auch emotional Stress, was auch ein Auslöser einer Augenmigräne sein kann.
Recherchiert habe ich, dass eine Augenmigräne zwar eine tempöräre Zirkulationsstörung ist, jedoch nicht weiter bedrohlich.

Bedrohlich finde ich nur den massiven Anstieg der Attacken, die auch mal an zwei oder drei Tagen hintereinander auftreten können. Da stimmt doch etwas nicht.
Ich habe aber keine Symptome, die auf eine Netzhautablösung schließen lassen (lt. Internet).

Meinen planmäßigen Augenarzttermin habe ich erst Anfang August, weil ich Kurz- und Weitsichtig bin und stark trockene Augen habe.
Staruntersuchung war bisher ohne Bedenken.

Mache ich mir zuviele Sorgen wegen Nichts oder sollte ich mich um einen schnellen Termin beim Augenarzt kümmern?
-Nutze das Leben ständig-du bist länger tot als lebendig.-
Feuerblick
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Re: Augenmigräne

Beitrag von Feuerblick »

Bei einer solchen Zunahme der Attacken sollte zeitnah eine neurologische Abklärung erfolgen, um anderweitige Gefäß- und/oder Durchblutungsprobleme auszuschließen. Auch der Blutdruck sollte kontrolliert (ggf. Langzeit-Blutdruck-Messung) werden.
Der Augenarzt hilft da nur wenig, da es sich zwar um eine Augensymptomatik handelt, die Ursache aber nicht im Auge liegt.
Bitte stellen Sie Ihre Fragen nur, wenn Sie die Antwort auch wirklich wissen wollen und nicht Dr. Google vorziehen. ;-)
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jaeckel
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Re: Augenmigräne

Beitrag von jaeckel »

Liebe Dagmar,

etwa 4,5 % aller Vorstellungen in der Notaufnahme passieren wegen Kopfschmerz.
Davon haben nur 1% eine gefährliche Diagnose. Die wesentliche Herausforderung eines Notfallmediziners ist es, die seltenen, z.T. lebensbedrohlichen Kopfschmerzsyndrome wie Subarachnoidalblutung, arterielle Dissektionen, Riesenzellarteriitis oder zerebrale Venenthrombosen zu erkennen und entsprechend zu behandeln. Hierzu befragen und untersuchen wir die Patienten, bei Notwendigkeit machen wir auch eine Bildgebung (CT) und weitere Untersuchungen. Wir unterteilen in typischen primären Kopfschmerz und sekundären Kopfschmerz. Zusätzlich suchen wir nach sog. "Red Flags" = Warnsymptomen. Bei absolut typischer Anamnese und Diagnosekriterien einer Migräne, wie Sie sie schildern, erfolgt üblicherweise keine weitere Abklärung. Von daher ist Ihre Frage
Dagmar hat geschrieben: 11.04.21, 15:34 Mache ich mir zuviele Sorgen wegen Nichts oder sollte ich mich um einen schnellen Termin beim Augenarzt kümmern?
berechtigt. Aus der Entfernung kann aber natürlich keine sichere Einordnung erfolgen. Und eine Blutdruckmessung, wie der Kollege vorgeschlagen hat, ist sicher ein guter Rat.

Warnsymptome bzw. "red Flags" als Hinweis auf eine mögliche gefährliche Kopfschmerzursache wären:
  • Plötzlicher beginnender Kopfschmerz (insbesondere Donnerschlagkopfschmerz)
  • Schwerer oder progredienter Kopfschmerz
  • Neuer oder veränderter Kopfschmerz
  • Fokale neurologische Ausfälle außer typische Migräneaura
  • Enzephalopathisches Bild (Vigilanzminderung, Wesensveränderung)
  • Meningismus und/oder Fieber
  • Systemische Erkrankungen, insbesondere Malignome oder Immunsuppression wie „Human-immunodeficiency-virus“(HIV)-Infektion
  • Lageabhängige Kopfschmerzen
  • Beginn nach körperlicher Anstrengung, Husten oder Niesen
  • Schwangerschaft/Wochenbett
  • Papillenödem
  • (Retro)orbitale Schmerzen mit autonomen Symptomen
  • Alter >50 Jahre
Quellen und Literaturtipps:
  • C. J. Schankin, A. Straube, C. L. Bassetti, U. Fischer: Kopfschmerz in der Notaufnahme. Nervenarzt 2017 · 88:597–606, Springer Medizin Verlag GmbH
  • T. Fleischmann, C. Hohenstein (Hrsg): Klinische Notfallmedizin Band 1, Urban & Fischer 2020.
  • M. Bolognese, L.-B. Lakatos, A. von Hessling, M. Christ, M. Müller: Lebensbedrohliche nichttraumatische Kopfschmerzsyndrome in der Notfallmedizin, Notfall Rettungsmed 2019 · 22:645–660, Springer Medizin Verlag GmbH
  • S. Evers: Häufige Kopfschmerzerkrankungen, CME 2016:13 (6): 09–17, Springer Medizin Verlag 2016
  • O. Kastrup, J. Becker: Kopfschmerzen - Wann wird es gefährlich? DNP – Der Neurologe & Psychiater 2019; 20 (5), Zertifizierte Fortbildung
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Klinische Akut- und Notfallmedizin
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)
Dagmar
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Re: Augenmigräne

Beitrag von Dagmar »

Vielen Dank für die Antworten.
Ich werde das nächste Mal Blutdruck messen.
Die Red Flags Symptome sind es wohl eher nicht.
Ich werde auch nicht in die Notambulanz gehen. Das mache ich nur bei Notfällen.
Den neurologischen Aspekt (guter Hinweis) werde ich zu Hause klären, denn mein Vati ist Neurologe.
Danke auch für die Literaturtips.
Dagmar
-Nutze das Leben ständig-du bist länger tot als lebendig.-
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