Polarität von Extrasystolen

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gr77
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Polarität von Extrasystolen

Beitrag von gr77 »

Hallo,

mir liegt ein 12-Kanal EKG vor mit Linksschenkelblock, üLT, Puls ca. 96. Der RS-Komplex zeigt in Ableitung I keine Q-Zacke und ist ca. 0,16s breit. In Ableitung II und III ist er negativ (-1 bis -1,5mV). Die T-Wellen sind in allen drei Ableitungen an diesen Stellen positiv. Es zeigen sich jedoch zwei aufeinanderfolgende ventrikuläre Extrasystolen, (ca. 0,1s breit), die jedoch positiv sind. Deren T-Wellen sind hingegen negativ. Hat dieses Detail eine Relevanz? Wie ist das zu erklären?
In V3-V5 sind hingegen alle T-Wellen negativ (auch die der Extrasystolen).

downcase
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Re: Polarität von Extrasystolen

Beitrag von downcase »

hallo,

die polarität der t-wellen ist folge des vektors der repolarisation des myokards. unter physiologischen bedingungen läuft diese v.a. von epikardial nach endokardial ab, da die depolarisation von endokardial nach epikardial läuft. dies wiederum ist dadurch bedingt, dass das erregungsleitungssystem, von dem aus das myokard aktiviert wird, endokardial verläuft. depolarisation und repolarisation verlaufen also mehr oder weniger in entgegengesetzter richtung, was die entstehung funktioneller reentrys unwahrscheinlicher macht. da es sich um entgegengesetzte vorgänge handelt, die in entgegengesetzer richtung ablaufen, ist hierbei in den meisten ableitungen die t-welle konkordant zum qrs-komplex. dies gilt v.a. für die wilson-ableitungen. bei einem linksschenkelblock wird der linke ventrikel (und damit der größte anteil des myokards) aber nicht über das his-purkinje-system (hps) aktiviert und damit nicht streng von endokardial nach epikardial. somit ist der vektor der repolarisation dem der depolarisation nicht mehr unbedingt entgegengesetzt. die folge ist, dass in der regel nun t-wellen zum qrs diskordant sind, d.h. ihre polaritäten sind entgegengesetzt. bei ves hängt der ablauf der depolarisation und damit auch die polarität des qrs in erster linie vom ursprungsort ab, der im ventrikelmyokard praktisch überall sein kann (obwohl manche lokalisationen häufiger betroffen sind, als andere. auch hier wird das myokard nicht über das hps aktiviert und die aktivierung verläuft damit nicht unbedingt von endokardial nach epikardial. für die repolarisation gilt ähnliches wie beim lsb. auch bei ves sind damit diskordante endstrecken häufig bzw. typisch.
aus der polarität der t-wellen bei derart verändertem aktivierungsmuster des myokards lassen sich daher nur schwer schlussfolgerungen ziehen.

grüße

downcase

downcase
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Re: Polarität von Extrasystolen

Beitrag von downcase »

hallo,

die polarität der t-wellen ist folge des vektors der repolarisation des myokards. unter physiologischen bedingungen läuft diese v.a. von epikardial nach endokardial ab, da die depolarisation von endokardial nach epikardial läuft. dies wiederum ist dadurch bedingt, dass das erregungsleitungssystem, von dem aus das myokard aktiviert wird, endokardial verläuft. depolarisation und repolarisation verlaufen also mehr oder weniger in entgegengesetzter richtung, was die entstehung funktioneller reentrys unwahrscheinlicher macht. da es sich um entgegengesetzte vorgänge handelt, die in entgegengesetzer richtung ablaufen, ist hierbei in den meisten ableitungen die t-welle konkordant zum qrs-komplex. dies gilt v.a. für die wilson-ableitungen. bei einem linksschenkelblock wird der linke ventrikel (und damit der größte anteil des myokards) aber nicht über das his-purkinje-system (hps) aktiviert und damit nicht streng von endokardial nach epikardial. somit ist der vektor der repolarisation dem der depolarisation nicht mehr unbedingt entgegengesetzt. die folge ist, dass in der regel nun t-wellen zum qrs diskordant sind, d.h. ihre polaritäten sind entgegengesetzt. bei ves hängt der ablauf der depolarisation und damit auch die polarität des qrs in erster linie vom ursprungsort ab, der im ventrikelmyokard praktisch überall sein kann (obwohl manche lokalisationen häufiger betroffen sind, als andere. auch hier wird das myokard nicht über das hps aktiviert und die aktivierung verläuft damit nicht unbedingt von endokardial nach epikardial. für die repolarisation gilt ähnliches wie beim lsb. auch bei ves sind damit diskordante endstrecken häufig bzw. typisch.
aus der polarität der t-wellen bei derart verändertem aktivierungsmuster des myokards lassen sich daher nur schwer schlussfolgerungen ziehen.

grüße

downcase

gr77
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Re: Polarität von Extrasystolen

Beitrag von gr77 »

Hallo,

vielen Dank für diese ausführliche und gut verständliche Antwort!

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