Erhöhte Leberwerte - was bedeutet das?

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Carsten2009
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Erhöhte Leberwerte - was bedeutet das?

Beitrag von Carsten2009 » 13.10.19, 09:53

Hallo,

ich bin männlich, Mitte 30, rauche nicht und trinke nur wenig und zu besonderen Anlässen. Bei mir besteht das Problem, dass meine Leberwerte oft erhöht sind. Bisher war dies immer ein Zufallsbefund. Die Werte waren dann auch wieder rückläufig, sind aber oft zu hoch. Beschwerden habe ich keine. Da dies häufiger vorgekommen ist, habe ich anfang des Jahres nun einen Fibroscan machen lassen. Der Befund war normal. Anhand der Blutwerte und des Scans hat der Arzt auch allerhand Erkrankungen ausgeschlossen, ohne aber eine Erklärung zu finden. Ich sollte es weiter beobachten lassen, was ich bis letzte Woche als mir anlässlich eines MRTs wegen einer orthopädischen Sache Blut abgenommen wurde, vernachlässigt habe. Hintergrund der Blutabnahme waren die Nierenwerte wegen des Kontratsmittels fürs Mrt. Auf meinen Wunsch wurden die Leberwerte auch noch bestimmt. Nierenwerte waren ok.

Meine aktuellen Leber- Blutwerte sind wie folgt:

Got 40/Serum U/l (Referenz soll kleiner 40 sein)
GPT 57/Serum U/l (Referenz soll kleiner 50 sein)
GGT 132/Serum U/l(Referenz soll kleiner 60 sein)
Gldh 39.1/Serum U/l (Referenz soll kleiner 6,4 sein)

Ap war im Normalbereich. Billrubin ebenfalls.

Es gibt keinen bemerkten Infekt, kein Alkoholexszess und auch keine Medikamente, die das erklären könnten. Ich werde auf jedenfall nächste Woche zum Arzt gehen, bin nun aber über das Wochenende trotzdem sehr beunruhigt. Insbesondere der Gldh Wert macht mir Sorgen. Doktor google sagt mir, dass dieser nur bei einer sehr schweren Leberschädigung erhöht ist.

Kann vlt irgendjemand fachkundiges mir etwas dabei helfen das einzuordnen? Eine Ferndiagnose will ich nicht. Nur was das bedeuten kann. Und ob 39,1 sehr hoch ist usw. Wie alarmierend sind diese Werte. Und bedeutet die gldh Erhöhung, dass meine Leber nun auf jedenfall schwer geschädigt ist?

Vg und vielen Dank für eure Antworten

Carsten

jaeckel
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Re: Erhöhte Leberwerte - was bedeutet das?

Beitrag von jaeckel » 13.10.19, 11:01

Hallo Carsten,

die Kombination aus GGT- + GLDH-Erhöhung würde man am häufigsten einem Alkoholkonsum anlasten. Wenn Sie das sicher ausschließen, sollte man weiter fahnden. So kann z.B. ein Hochdruck im "kleinen Kreislauf" (Lungenhochdruck bei Lungenerkrankung/Lungenembolie) einen venösen Rückstau in die Leber bedingen und dort auch die GLDH erhöhen.
Carsten2009 hat geschrieben:
13.10.19, 09:53
anlässlich eines MRTs wegen einer orthopädischen Sache
Welche Beschwerden liegen denn vor und nehmen Sie dafür gelegentlich Medikamente ein?
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
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Carsten2009
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Re: Erhöhte Leberwerte - was bedeutet das?

Beitrag von Carsten2009 » 13.10.19, 12:03

Hallo Herr Dr. Jaeckl,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Ich habe leichte Probleme mit dem Handgelenk, die beim MRT abgeklärt werden sollten. Ich nehme keinerlei Medikamente ein. Alkohol habe ich letztmals am 28 September getrunken. Die Werte sind vom 8. Oktober.

Am 28. September habe ich sicherlich etwas zu viel getrunken (in dem Sinne, dass ich gut betrunken war. Ich wusste aber immer noch wer und wo ich bin und was ich tue). Davor habe ich eigentlich gar nicht und danach definitv nichts getrunken. Kann da noch ein Zusammenhang bestehen? Ich hätte jetzt gedacht, dass es zu lange her ist.

Seltsam ist auch, dass meine Leberwerte eben bereits häufiger zu hoch waren, obwohl ich in meinem Freundes- und Benanntenkreis mit Abstand am Wenigsten trinke.

Ansonsten habe ich Normalgewicht und esse häufig Fleisch (ernähre mich also sicher nicht am aller gesündesten).

Mit der Lunge hatte ich bisher noch nie Probleme. Ich fühle mich auch aktuell sehr fit. Würde die von Ihnen angesprochene Lungenproblematik denn symptomlos sein?

Ist der Gldh Wert bei mir eigentlich sehr hoch? Ich kann als Laie irgendwie nicht einschätzen wie bedrohlich das nun ist.

Vg und Danke

Carsten

Carsten2009
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Re: Erhöhte Leberwerte - was bedeutet das?

Beitrag von Carsten2009 » 13.10.19, 12:26

Oder habe ich bzgl. des Themas Alkohol und Leber da falsche Vorstellungen? Die Anlässe, bei denen ich mich stark betrinke sind selten. Alkohol konsumiere ich wenig. Alleine gar nicht und selbst wenn andere trinken, trinke ich oft nicht. Wenn ich mal feiern gehe wie am 28 September kann es allerdings vorkommen, dass ich mich betrinke. Ist 28 September noch so nah dran gewesen, dass die Leber das ggf noch nicht komplett verarbeitet hat?

jaeckel
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Re: Erhöhte Leberwerte - was bedeutet das?

Beitrag von jaeckel » 13.10.19, 17:40

Wenn Sie jetzt wissen, dass Ihre Leber empfindlich ist, können Sie natürlich etwas steuern und Exzesse meiden. Die Empfindlichkeit für Alkohol ist von Mensch zu Mensch sehr variabel.
Carsten2009 hat geschrieben:
13.10.19, 12:03
Ist der Gldh Wert bei mir eigentlich sehr hoch? Ich kann als Laie irgendwie nicht einschätzen wie bedrohlich das nun ist.
Dass er überhaupt solange erhöht bleibt, ist ungewöhnlich und man darf daher nichts übersehen, was asymptomatisch einen chronischen Schaden verursacht.
Carsten2009 hat geschrieben:
13.10.19, 12:03
Würde die von Ihnen angesprochene Lungenproblematik denn symptomlos sein?
Zwar gibt es symptomlose Lungenembolien. Aber wenn es eine Rückstauungsproblematik gäbe, wäre das eher nicht symptomlos. Gab es denn mal Schwellungen, OPs am Bein, extrem lange Flugreisen oder Phasen mit kankheitsbedingter Bettlägrigkeit?
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

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Carsten2009
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Re: Erhöhte Leberwerte - was bedeutet das?

Beitrag von Carsten2009 » 13.10.19, 17:57

Hallo Herr Dr. Jaeckl,

also kommt der hohe Gldh Wert eher nicht vom Alkohol bzw wenn ja ist das nach mehr als einer Woche auch nicht normal richtig?

Ich hatte 2018 etwa 2 Wochen lang einen bislang ungeklärten Infekt bei dem beide Lymphknoten in der Leistengegend schmerzhaft geschwollen waren mit Fieber. Im Zuge dessen sind erhöhte Leberwerte als Zufallsbefund festgestellt worden. Der Infekt ist vollständig abgeklungen. Man hat nicht rausgefunden was es war. Geschlechtsktankheiten (Hiv, Hepatitis, Chlamydien etc wurde alles ausgeschlossen) und waren ohnehin unwahrscheinlich.

Der Infekt ist vollständig abgeklungen und seitdem habe ich die Leberwerte mehrmals überprüfen lassen. Die Ergebnisse waren schwankend. Tendenziell waren die Werte aber zu hoch. Wobei auch immer mal wieder rückläufig.

Seit diesem Infekt habe ich keine Probleme. Mache regelmäßig Sport (Fußball) und fühle mich fit. Keine Schwellungen an den Beinen, keine Betrlägrikeit. Nichts. Ende August bin ich 2 mal 11 Std geflogen. Hatte aber danach keine Probleme. Hätte ich nicht die Werte nehmen lassen, würde ich mir um meine Gesundheit tatsächlich überhaupt keine Sorgen machen.

Auch der Fibroscan Anfang des Jahres hat ergeben, dass alles normal ist. Der Arzt riet mir dazu die Werte 6 Wochen später nochmal kontrollieren zu lassen. Aber ich bin ehrlich: Dies habe ich versäumt. Aber da die Werte jetzt ca 8 Monate später wieder oder vlt immer noch erhöht sind, mache ich mir nun doch Sorgen.

Gldh wurde bislang allerdings -soweit für mich ersichtlich- noch nie gemessen, was mich etwas wundert. Gehört dieser Wert nicht zu den Standardwerten, wenn man ein Leberleiden abklären will?

Offenbar scheint mit meiner Leber irgendetwas nicht zu stimmen. Oder gibt es Fälle, bei denen die Leberwerte chronisch und ohne Krankheitswert erhöht sind? Welche diagnostischen Möglichkeiten bis auf eine Leberbiopsie gibt es denn noch, um herauszufinden was da nicht stimmt. Ich habe irgendwie keine Lust alle 6 Wochen zum Arzt zu rennen, die Werte nehmen zu lassen, festzustellen, dass ich mich gut fühle aber die Werte nicht gut sind und dann ohne Befund nach Hause zu gehen. Das beeinträchtigt auch meine Lebensqualität, da ich mir extreme Sorgen mache.

P.S. Kleiner Nachtrag: Ich habe leider erst einen Termin in einer Woche bekommen. Reicht das oder sind die Werte so hoch, dass ich mich besser vorher bei irhendeinem anderen Arzt durchchecken lasse?

jaeckel
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Re: Erhöhte Leberwerte - was bedeutet das?

Beitrag von jaeckel » 15.10.19, 16:28

Carsten2009 hat geschrieben:
13.10.19, 17:57
Reicht das oder sind die Werte so hoch, dass ich mich besser vorher bei irhendeinem anderen Arzt durchchecken lasse?
Das sollte reichen. Die engmaschigen Kontrollen sind wahrscheinlich von zweifelhaften Nutzen.
Carsten2009 hat geschrieben:
13.10.19, 12:26
Oder habe ich bzgl. des Themas Alkohol und Leber da falsche Vorstellungen?
Ggf. ja. Jeder Mensch hat eine unterschiedliche Verträglichkeit.
Seriöse Quelle: http://www.laborlexikon.de/Lexikon/Infoframe/g/GLDH.htm
Sie sollten Alkohol komplett meiden. Sind denn alle Arten der Hepatitis ausgeschlossen worden? Vgl.
http://www.laborlexikon.de/Lexikon/Abbi ... atitis.htm
Alles Gute!

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Re: Erhöhte Leberwerte - was bedeutet das?

Beitrag von Carsten2009 » 15.10.19, 23:20

Vielen Dank erneut für Ihre Antwort,

ich bin nun etwas beruhigter. Momentan trinke ich gar kein Alkohol. Mir fällt verzichten darauf glücklicherweise nicht wirklich schwer. Schade wäre nur, wenn ich wirklich dauerhaft gar kein Alkohol mehr trinken dürfte. Wer es mal ausprobiert hat: Es ist gesellschaftlich tatsächlich nicht anerkannt. Man wird super schräg angeschaut und ist direkt als Spaßbremse verschrien. Ich weiß wovon ich rede, da ich erst Ende 20 damit angefangen habe überhaupt zu trinken. Ist die Leber vlt deshalb besonders sensibel?

Ob alle Formen der Hepatitis ausgeschlossen wurden weiß ich tatsächlich nicht. Ich werde es am Montag erfragen.

Kommt es in der ärztlichen Praxis häufiger vor, dass man einfach keine Ursache für die erhöhten Werte findet? Geht man dann von einem unbekannten genetischen Leiden aus?

jaeckel
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Re: Erhöhte Leberwerte - was bedeutet das?

Beitrag von jaeckel » 20.10.19, 11:02

Carsten2009 hat geschrieben:
15.10.19, 23:20
Man wird super schräg angeschaut und ist direkt als Spaßbremse verschrien.
Das kann ich nicht bestätigen, da ich aus dienstlichen Gründen (ehrenamtlicher Leitender Notarzt 7/24) in meiner Freizeit meist keinen Alkohol trinke. Gesundheitliche Gründe sollten eine hohe Akzeptanz genießen.
Carsten2009 hat geschrieben:
15.10.19, 23:20
Kommt es in der ärztlichen Praxis häufiger vor, dass man einfach keine Ursache für die erhöhten Werte findet? Geht man dann von einem unbekannten genetischen Leiden aus?
Ja, es kommt häufiger vor. Meist hat man eine Vermutung. Die Sensibilität vieler Patienten zum Thema Alkohol, gesunder Ernährung, Einnahme freiverkäuflicher Arzneimittel, Doping im Freizeitsport ist oftmals bescheiden. Hinzu kommen Umwelt- und Pharma-Skandale...
Vgl. https://www.akdae.de/Arzneimitteltherap ... /index.php
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