Östrogenmangel und Überschuss gleichzeitig?

Moderator: DMF-Team

Antworten
IrisHupfer
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 7
Registriert: 09.07.19, 12:41

Östrogenmangel und Überschuss gleichzeitig?

Beitrag von IrisHupfer » 09.07.19, 12:56

Sehr geehrter Herr Dr. Fischer,
Ich habe mich gerade angemeldet, weil ich Panik schiebe und nirgendwo im Netz eine Antwort finde. 57 Jahre alt, Magenkrebs vor 11 Jahren überstanden, ein Eierstock wurde vor 10 Jahren entfernt. Jetzt beim Frauenarzt wegen Schmerzen in der Scheide. Feststellung einer massiven Östrogenmangel-Entzündung mit blutiger Schleimhaut. Nach Östrogentherapie gestern Kontrolle gehabt mit Utraschall, und nun wird eine stark aufgebaute Gebärmutterschleimhaut festgestellt, 0,9 cm. Der Eierstock macht aber gar nichts, und die Scheide leidet an Östrogenmangel. Ich versteh das einfach nicht, ich kann doch nicht gleichzeitig zuviel und zu wenig Östrogen haben? Mir macht das Angst, kann mein Frauenarzt sicher sehen, das es Schleimhaut ist oder kann das auch ein Krebs sein? Er meinte, man kann abwarten. Ich soll in 3 Monaten wieder kommen und dann würde ich ein Hormon zum Abbluten bekommen, wenn es mehr wird. Er meinte noch, das läge an meinem Übergewicht, ich wiege bei 1,71 m etwa 78 kg.
Sehen sie das auch so gelassen? Vielen Dank!

Dr.med.Holger Fischer
DMF-Moderator
Beiträge: 12414
Registriert: 31.01.07, 15:01
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)

Re: Östrogenmangel und Überschuss gleichzeitig?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 10.07.19, 07:54

Guten Morgen,
in IHrem Alter ist ja eine Scheidentrockenheit mangels Östrogenen völlig normal. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie nur noch einen einzigen Eierstock haben, da Sie sowieso in der Postmenopause sind, d.h. dass die letzte Periode einige Jahre zurück liegt. So ist jedenfalls der Normalfall. Eine aufgebaute Schleimhaut mit 9 mm tritt nur dann auf, wenn man Östradioltabletten zu hoch dosiert und dann keine Gestagentabletten gibt zum erforderlichen Abbau. Auf diese Weise entstehen auch die Endometriumhyperplasien, darüber habe ich sehr viel geschrieben hier. Ich darf also annehmen, dass Sie Tbl. erhielten, die Sie oral einnehmen mußten. Bei Scheidentrockenheit mangels Östrogenen ist es aber üblich, Ovula o.a. nur lokal zu geben, also in die Scheide einlegen. Grund: hierbei wird keine Endometriumschleimhaut aufgebaut, es wirkt also nur lokal. Man gibt hierzu auch nicht das Estradiol, sondern das viel schwächere Östriol.
Sie können also nicht gleichzeitig zu viel oder zu wenig Östrogene haben, Fakt ist, dass physiologischerweise zunächst ein Mangel besteht, aber dann durch -so klingt es aus der Ferne für mich- durch falsch dosierte Hormongabe ein Zuviel entstand. Krebs entsteht nicht so einfach aus einer Verdickung, wichtig ist nur dass man Ihnen zum Abbluten über 10 Tage ein Gestagen gibt, somit kann eine unnötige Ausschabung vermieden werden. Ich verstehe absolut nicht, warum Sie 3 Monate warten sollen. Man sollte Ihnen jetzt schon die Gestagentbl. geben. Wirklich übergewichtige Frauen neigen zu einem Östrogenüberschuß, dann baut sich manchmal das Endometrium hoch auf- habe ich alles beschrieben und ist im Archiv zu finden. Diese Frauen haben aber dann meist keine Scheidentrockenhaut. Die Aussage klingt für mich ja fast so, als wenn nicht die Östrogengabe ( zur Bekämpfung der Scheidentrockenheit) schuld sei, sondern das angebliche Übergewicht, das aber so schlimm nun auch nicht ist. Das würde ja bedeuten, dass Sie schon früher diese Verdickung gehabt hätten, die dann oft eben auch entsprechende Blutungsstörungen macht u.a. Wenn Sie in früheren Ultraschallaufnahmen ( in den letzten 1-2 Jahren) keine Verdickung haben, ist also das geringe Übergewicht nicht die Ursache. Da passt einiges nicht so recht zusammen, ist aber nicht weiter schlimm, jetzt das Gestagen verschreiben lassen, 10-12 Tage nehmen ( wie es die Natur auch so macht) und dann kommt es zu einer mehrtägigen Blutung einige Tage nach der letzten Tbl.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

IrisHupfer
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 7
Registriert: 09.07.19, 12:41

Re: Östrogenmangel und Überschuss gleichzeitig?

Beitrag von IrisHupfer » 10.07.19, 10:13

Sehr geehrter Herr Dr. Fischer,
Vielen Dank, Sie haben mir sehr geholfen, es besser zu verstehen. Allerdings liegen Sie falsch, ich habe noch nie ein Östrogenpräparat genommen. Sie haben mir damit aber auch erklärt, was da bei mir vorliegt, scheint höchst ungewöhnlich zu sein. Zumindest weiß ich nun, warum mein Arzt einige Andeutungen machte, die mich so beunruhigten. Ich meine jetzt, er meinte es wohl so, daß er weil es so seltsam ist, mir vorläufig kein Medikament zum Abbluten geben mag.
Im letzten Ultraschall vor 2 Jahren war die Schleimhaut normal. Allerdings habe ich 40 kg abgenommen vor einigen Jahren. Wegen meinem jetzigen Übergewicht schien es mir auch total unlogisch. Aber vielleicht wegen dem Hungerstoffwechsel damals und jetzt wieder satt essen, dass da einfach was wieder angesprungen ist? Meine Mutter hat bis sie 56 war, menstruiert, bei mir hörte es tatsächlich genau mit der Gewichtsabnahme auf mit 52.

Sie haben mir geholfen, weil ich nun sehe, da ist echt was komisch. Das habeich wohl gefühlt aus den Andeutungen meines Arztes, und das machte mir so Angst. Ich werde bald nochmal hingehen und mit ihm reden, was jetzt richtig ist. Herzlichen Dank für die Beruhigung!

IrisHupfer
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 7
Registriert: 09.07.19, 12:41

Re: Östrogenmangel und Überschuss gleichzeitig?

Beitrag von IrisHupfer » 10.07.19, 10:53

Eine ganz kurze Zusatzfrage noch, nachdem ich ihre sämtlichen Beiträge zum Thema gelesen habe: Sie haben einmal geschrieben, auf Frauen in der Postmenopause mit verdickter Schleimhaut UND Diabetes müsse man besonders aufpassen. Das trifft bei mir leider auch zu, die HBA1C-Werte liegen aber in der Regel im annehmbaren Bereich bei etwa 6,5 -7, nur die Wundheilung ist bei mir manchmal etwas langsamer.
Inwiefern muss man wegen dem Diabetes noch mehr aufpassen? Vielen Dank !

Dr.med.Holger Fischer
DMF-Moderator
Beiträge: 12414
Registriert: 31.01.07, 15:01
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)

Re: Östrogenmangel und Überschuss gleichzeitig?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 10.07.19, 17:37

Guten Tag,
Sie haben aber doch geschrieben, dass Sie ein Östrogenpräparat gegen die Scheidentrockenheit erhielten! Wie war der Name, oral oder lokale Anwendung, Dauer, Estriol oder Estradiol?
Das HbA1C liegt m.E,. doch etwas zu hoch. Diabetiker neigen gelegentlich zu einer Endometriumhyperplasie ( Risikofaktorerhöhung etwa 2-3 fach), in Kombination mit Adipositas ( und evtl. Hypertonie) noch mehr erhöht. Daher rate ich dringend, bei derartiger Konstellation mindestens 1x/ Jahr das Endometrium zu kontrollieren. Ein seriöser Frauenarzt sollte diesen US eigentlich gratis machen und nicht als IGEL-Leistung anbieten.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

IrisHupfer
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 7
Registriert: 09.07.19, 12:41

Re: Östrogenmangel und Überschuss gleichzeitig?

Beitrag von IrisHupfer » 11.07.19, 09:23

Sehr geehrter Herr Dr. Fischer,
Das Östrogenpräparat habe ich nur 14 Tage vaginal eingenommenl(Gy...flor), ich denke, es heisst Estriol ,damit der vaginale Ultraschall gemacht werden konnte. Ohne war es zu schmerzhaft, und es blutete vorher schon so etwas.
Danke auch für die Information zum Diabetes. Mein Arzt war glaube ich einfach selber erst einmal überrascht, weil die Schleimhaut so hoch ist bei mir. Aber dann erklärt sich das vielleicht doch durch den Diabetes und mein Übergewicht. Ich habe gestern beschlossen, noch weiter abzunehmen, bis ich Normalgewicht habe und werde auch den Hausarzt ansprechen, ob wir den Zucker noch besser eingestellt bekommen.
Eigentlich meine ich schon, einen guten Frauenarzt zu haben. Den vaginalen Ultraschall hat er immer ohne IGEL gemacht, weil er auch sagte, als Diabetiker ,und meine Mutter hatte Brustkrebs, brauche ich den. Es war nur so verwirrend, weil ich erst ein Medikament brauchte für den vaginalen Schall, weil die Scheide derart trocken und blutig war. Und dann kommt drei Wochen danach eine hohe Schleimhaut bei raus.
Nochmal Danke, ich bin jetzt zumindest ruhiger und habe es so langsam verstanden. Habe nächste Woche nochmal Termin beim Gyn ausgemacht, und kümmer mich um die paar Kilo Fett, die ich noch zuviel habe. Toll, dass man hier mal fragen kann.

Dr.med.Holger Fischer
DMF-Moderator
Beiträge: 12414
Registriert: 31.01.07, 15:01
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)

Re: Östrogenmangel und Überschuss gleichzeitig?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 11.07.19, 17:35

Guten Tag,
Gyno... enthält eine sehr geringe Menge von Estriol mit 0,03 mg und ist somit definitiv nicht die Ursache für die Endometriumverdickung, das passiert erst bei einer Dosierung von 6 mg ! Alles Gute!
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

IrisHupfer
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 7
Registriert: 09.07.19, 12:41

Re: Östrogenmangel und Überschuss gleichzeitig?

Beitrag von IrisHupfer » 27.07.19, 16:06

Sehr geehrter Herr Dr. Fischer,
So langsam klärt sich alles, will kurz berichten: Es hat sich herausgestellt, das ich bei einem aktuellen HBa1c von 6,3 zeitweise Blutzucker bis 520 hatte nach dem Essen. So richtig begreife ich das nicht, aber sie hatten also richtig gelegen, es ist der Diabetes. Und mein guter Frauenarzt auch, der sagte mir jetzt, er hat von Anfang an gedacht, da stimmt was nicht. Weil es ja tatsächlich aussah wie zuviel Östrogen in der Gebärmutter und viel zu wenig in der Scheide. Mein Arzt meint jetzt, vermutlich war die Scheide eher von dem hohen Zucker so massiv entzündet. Es sind nämlich nun auch sehr hohe Zuckerwerte im Urin festgestellt worden, und eine Blasenspiegelung ergab eine entzündete Blasenwand.
Nun versuche ich, den Zucker in den Griff zu kriegen und warte auf einen Termin bei einem Endokrinologen. Denn trotz vernünftiger Nahrung, ich habe bereits abgenommen und esse kohlehydratarm, rutscht der Wert nach dem Essen immer wieder in grausige Höhen. Was sich nicht zeigt am HBA1c. Mein Frauenarzt hat gesagt, unter diesen Umständen ist es jetzt nicht notwendig, abbluten zu lassen oder eine Ausschabung zu machen. Wir können ein Vierteljahr warten, evtl. geht die Schleimhaut sogar von alleine weg, wenn der Zucker okay ist. Ich hatte es nämlich angefangen mit Fam.., aber bekam am zweiten Tag Heulkrämpfe. Die Ernährungsumstellung ist halt auch schon hart für mich. Und OP derzeit ist nicht gut, sagte mein Arzt.
Nochmal danke, und freundliche Grüße!

Dr.med.Holger Fischer
DMF-Moderator
Beiträge: 12414
Registriert: 31.01.07, 15:01
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)

Re: Östrogenmangel und Überschuss gleichzeitig?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 27.07.19, 17:26

Guten Tag,
3 Monate warten kann man vertreten. Es ist aber eher anzunehmen,dass selbst bei dann gut eingestelltem Diabetes die Verdickung von allein nicht verschwindet. 9 mm ist nicht so dramatisch. Persönlich hätte ich aber eher Ihnen ein Gestagen zum Abbluten gegeben. Eine OP ( Ausschabung) wäre sowieso absolut unnötig- da stimme ich Ihrem FA zu. Hba1C sagt Ihnen lediglich etwas über den Verlauf der letzten Wochen, er sagt nichts aus über ganz aktuelle Werte wie z.B. nach dem Essen.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Antworten