Rezidivierender Mammaabszess

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Feuerdrache
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Rezidivierender Mammaabszess

Beitrag von Feuerdrache » 12.02.19, 18:50

Hallo zusammen,

ich stehe vor meiner dritten Vollnarkose-OP in acht Monaten aufgrund eines chronisch rezidivierenden Mammaabszesses und kurz vor dem Verzweifeln.
Eckdaten:
Ich bin 42 Jahre alt, die erste OP war letzten Sommer und die zweite vor 2 Monaten. Beide mit dem klassischen Verfahren der Abszessspaltung, Inzision und Gegeninzision, Lascheneinlage und anschließender Wundspülung. Nach der ersten OP sollte ich nach dem Laschenzug nicht mehr spülen. Bereits 2 Wochen nach der ersten OP bildete sich erneut eine verhärtete Abszesskapsel, aus der oberen Inzisionsnarbe entleerte sich spontan Eiter. Im Krankenhaus wurde gespült und ich wurde mit einem Antibiotikum weggeschickt. Zyklusabhängig reifte der Abszess, öffnete sich spontan, sowohl die Kapsel, als auch die Eitermenge wurden immer geringer. Dann war kurz Ruhe. Der Abszess reifte im Dezember innerhalb von 2 Tagen zu einem akuten Geschehen, wieder Krankenhaus und die zweite OP. Dieses mal habe ich fast 4 Wochen gespült bis die Wunde zu war. Allerdings kam sobald die untere Inzisionsstelle zu war, die Spüllösung aus der Mamille, bin wieder ins KH, sollte weiterspülen mit Spülkanülen, die sollte ich alle 3 Tage im KH holen. Beim nächsten mal sahte eine andere Ärztin nein, die Wunde soll jetzt nicht mehr gespült werden und heilen. Habe dann noch 2 Tage gespült, die Wundtasche war ca. 1 cm tief und habe aufgehört. Dann am Tag des Abklingens der Menstruation wieder akute Rötung und Schwellung. Allgemein ist das Geschehen Zyklusabhängig und der ist inzwischen wiederum völlig aus dem Takt?
Ich kann doch nicht schon wieder eine Vollnarkose bekommen? Wie soll das weitergehen?

Im Internet werden Alternativen zur klassischen Spaltung genannt, Fistelgänge entfernen, Brustwarze veröden, minimal invasiv... in meinem KH gibt es laut Nachfrage nur die Abszeßspaltung...

Bisher wurde nur bei der ersten OP eine bakterielle Untersuchung gemacht.

Was ist mit den besagten Alternativen? Das KH sagt, es gibt nur diese eine, meine Frauenärztin auch.
Was übernimmt die Krankenkasse?
Gibt es keine ambulante Lösung?
Muss es immer Vollnarkose sein? ( Das KH sagt "ja")
Wo finde ich einen Spezialisten für Mammaabszeße?
Müssten nicht die Hormone untersucht werden?
Müsste nicht bei jeder Op der Erreger ermittelt werden und spezifisch behandelt werden auch über die OP hinaus?
Eine große Wundhöhle hinter der Mamille, soll die gespült werden oder nicht?
Wie groß ist so das durchschnittliche Intervall zwischen den Rezidiven?
Ist das alles normal?

Fragen über Fragen reihen sich... die Verzweiflung steigt...

Gruß

Feuerdrache

PS Ich habe die Forenregeln gelesen. Aber der link unter "Beantworten Sie diese Fragen in Ihrem Beitrag!" führt zu keinen Fragen. Sollten noch Informationen fehlen, hol ich dies dann selbstverständlich nach.

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Rezidivierender Mammaabszess

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 13.02.19, 09:36

Hallo,
Abszeßrezidive kommen vor, allerdings relativ selten. Zu Ihren Fragen:
Der übliche Weg ist immer eine großzügige Abszeßspaltung, nicht nur eine kleine Inzision mit Einlage einer Lasche.
Eine derart klassische Operationübernimmt natürlich die Krankenkasse.
Abszeßspaltungen können auch ambulant durchgeführt werde, aber in einer kurzen Vollnarkose. Derartige Eingriffe habe ich selbst ambulant durchgeführt.
Einen " Spezialisten" hierfür gibt es nicht- das kann jeder erfahrene Operateur ( Frauenarzt oder Chirurg).
Sie schreiben zwar, dass es zyklisch auftritt, das kann ich mir trotz Spezialisierung auf Hormone nicht erklären, da Ursache immer eine bakterielle Entzündung ist ( meist Staphylokokken und hierfür spezielle Antibiotika). Es gibt durchaus zyklusabhängiges Auftreten z.B. bei Herpes, da während der Periode eine veränderte Immunlage besteht. Daran kann man aber nicht viel ändern und eine Hormonbestimmung erscheint mir nicht erforderlich zu sein.
"Allgemein ist das Geschehen Zyklusabhängig und der ist inzwischen wiederum völlig aus dem Takt?"- das sollten Sie zur besseren Einschätzung genauer erklären.
Erreger sollten schon ermittelt werden- auch wenn es meist besagte Staphylokokken sind- vor allem sollte eine Resistenzbestimmung erfolgen ( welche Antibiotika besonders gut wirken). Die Antibiotikabehandlung geht dann -je nach Medikament- bis zu 1 Woche. Wundhöhlen sollte man tgl. spülen.
"Wie groß ist so das durchschnittliche Intervall zwischen den Rezidiven?
Ist das alles normal? Normal ist das natürlich nicht, ´Rezidive sollten eigentlich überhaupt nicht mehr auftreten aber sie sind unterschiedlich, geht von einigen Monaten bis zu 1 Jahr. Vielleicht berichten ja hier noch einige Frauen über ihre Erfahrungen.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Feuerdrache
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Re: Rezidivierender Mammaabszess

Beitrag von Feuerdrache » 13.02.19, 17:05

Hallo Herr Dr. Fischer,

vielen Dank für Ihre Antwort.
Im Arztbrief steht "Therapie: Abszessspaltung mittels Inzision und Gegeninzision mit Lascheneinlage..."
Sie schreiben:
Der übliche Weg ist immer eine großzügige Abszeßspaltung, nicht nur eine kleine Inzision mit Einlage einer Lasche.
Worin unterscheidet sich eine kleine von einer großen Abszessspaltung? Die Narben der letzten OP sind oben und unten (12 Uhr und 6 Uhr) am Mamillenrand ca. 1cm groß.
Mir wurde gesagt die Erreger können sich in das Drüsengewebe zurückziehen (einleuchtend), daher würde aber, kausal gedacht, eine reine Abszessspaltung nicht helfen. Ist das soweit richtig?
Zum Zyklus laut Zykluskalender:
Bis einen Monat vor der ersten OP (Sommer 2018) immer regelmäßig, im 21 -23 Tage Intervall über 3 Tage. Dann ein Monat vor der OP war erst der Zyklus normal, fing aber nach einem Tag Pause wieder an, keine Schmierblutung sondern genauso stark wie am Anfang. Dann kam die erste OP (Juni) und etwa 2 Wochen verspätet ein normaler Zyklus. Im September am Tag der ersten Blutung ein Rezidiv. Im Oktober 2 Tage eine schwache Regelblutung, eine Woche später eine verlängerte, über 6 Tage lang. Im November eine schwächere aber längere Regelblutung. Dann Mitte Dezember die zweite OP und eine fast 2 Wochen verspätete normale Regelblutung. Wieder einen Tag Pause um dann erneut 5 Tage aufzutreten. Janaur keine und jetzt Anfang Februar, hörte die Regelblutung nach 2 Tagen abrupt auf und das erste Rezidiv seit der Dezember-OP.
Als ich nach einer Antibiose nach der OP im Dezember fragte, hieß es das Blutbild habe keine Anhaltspunkte dafür gegeben.

Also müsste ich für die nächste OP die besagte Resistenzbestimmung "verlangen" und wenn die dann sagen es sei nicht nötig? Gibt es irgendwo einen Standard oder eine Leitlinie? (Gleich anderes KH suchen? Doch einen Chirurgen suchen?)
Als Erreger kommt laut Internet auch die Aktinomykose vor. Ich halte Schafe und Ziegen. Wie häufig wird dieser Erreger in solchen Fällen gefunden? Käme dieser in Frage, würde dann eine Antibiose auch helfen?

Für das nächste Mal (möge es sich noch hinauszögern lassen), müsste man bei 1 cm tiefen Wundtaschen auch noch weiter spülen?
Die Angst um den Arbeitsplatz in der Probezeit und ich hatte mich so gefreut die Stelle zu kriegen, dass ist zum verzweifeln.
Ich versuche zusammen zu fassen und nicht die Fassung zu verlieren.
Also das Rezidiv nach der ersten OP war nach 2- 3 Wochen, je nachdem, ob man das Auftreten der Symptome oder die Abszessentleerung als Anhaltspunkt nimmt. Dieses mal nach einem Monat mit dem Anhaltspunkt der Rötung und Schmerzhaftigkeit.
Ist das richtig, dass diese Intervalle im Vergleich überdurchschnittlich kurz sind? Das kleine Blutbild im Dez. war in Ordnung, trotz des akuten Geschehens. Sollte ich vorsichtshalber beim Hausarzt ein großes machen lassen?
Oder kann man eher davon ausgehen, dass schlicht der Erreger nicht ausgeschaltet wurde?

Meine Frauenärztin ist bis nächste Woche in Urlaub, die Vertretung hat mir ein Antibiotikum gegen den üblichen verdächtigen Hautkeim gegeben, mir die Uniklinik (130km) empfohlen und hat am Freitag zu. Sie sagte nach dem Ultraschall (2,1 X 1,3 cm Ausmaße), dass es vielleicht mit der Antibiose in Griff zu kriegen ist. Sie hätte es auch eröffnet fand es sei aber nicht soweit. Seit dem Schallen ist es jetzt wieder gewachsen, roter und die Narbe fängt an sich nach oben zu wölben...eine Frage der Zeit bis es sich wieder entleert.
Das Antibiotikum wird mir heute Abend von der Apotheke gebracht. In das hießige KH will ich jetzt vorerst nicht. Fühle mich etwas ausgeliefert. Sollte es aufgehen, wie kann ich das Sekret "bergen" ? Ich habe sterile Spritzen und kleine Zahnarztspülkanülen, ich würde, falls es zu den Öffnungszeiten aufgeht, das Sekret aufsaugen und der Vertretung morgen bringen, hat das Sinn?
Wenn es aufgeht und da ich nicht ins hießige KH will, soll ich dann spülen und offen halten, bis am Montag die behandelnde Frauenärztin da ist und ich um eine Überweisung, in die von der Vertretung empfohlenen Uniklinik, bitten kann?


Gruß und Dank
Feuerdrache

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Rezidivierender Mammaabszess

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 13.02.19, 17:50

Guten Abend,
"Oder kann man eher davon ausgehen, dass schlicht der Erreger nicht ausgeschaltet wurde? ". so erscheint es mir jedenfalls. Aktinomykose als Ursache halte ich für extrem unwahrscheinlich, zudem kommen sie beim Menschen oft vor ohne Beschwerden zu verursachen. Nur mittels Erreger/Resistenzbestimmung sind sie festzustellen. Das ist wichtig, weil eben nicht immer zwingend die Aerobier Staphylokokken und Streptokokken vorliegen können, sondern durchauas auch die Anaerobier und gegen die hilft dann nur ein spezielles zusätzliches Antibiotikum.
1 cm große Inzisionen könnten je nach Abszeßvolumen ausreichend sein, jedenfalls sollten sie so groß sein, dass man mit dem Zeigefinger die gesamte Abszesshöhle austasten kann. Persönlich würde ich eher eine 2 cm lange Incision bevorzugen
Oftmals empfiehlt sich zusätzlich zu dem Antibiotikum ein Antiphlogistikum wie z.B. Diclofenac,
" das Blutbild habe keine Anhaltspunkte dafür gegeben. "- das kommt vor, entbehrt aber nicht einer gezielten Antibiose.
"Ist das richtig, dass diese Intervalle im Vergleich überdurchschnittlich kurz sind?"- allerdings und spricht dafür, dass eben noch Erreger im Gewebe vorlagen.
Ein großes BB bringt gegenüber dem kleinen BB bei dieser Art von Infektion keine wesentlich bessere Information.
" Sollte es aufgehen, wie kann ich das Sekret "bergen" ? Ich habe sterile Spritzen "- hervorragend, in die Öffnung mit der Spritze gehen, den Eiter aufziehen, eine Kappe auf die Spritze und damit zum Hausarzt gehen und um E/R-Bestimmung bitten! Ob die Vertretung das veranlasst-ich glaube eher nicht.
"Wenn es aufgeht und da ich nicht ins hießige KH will, soll ich dann spülen und offen halten, bis am Montag die behandelnde Frauenärztin da ist und ich um eine Überweisung, in die von der Vertretung empfohlenen Uniklinik, bitten kann?"- so könnte man verfahren.
Ihr Krankheitsbild nennt sich strenggenommen: Mastitis nonpuerperalis mit Abszessbildung.
Grüße Dr. Fischer
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Re: Rezidivierender Mammaabszess

Beitrag von Feuerdrache » 13.02.19, 18:52

Hallo Herr Dr. Fischer,

ich danke Ihnen für den Austausch.
Gut dann werde ich abwarten wie es morgen weitergeht. Einen Plan zu haben macht es leichter. Vielleicht habe ich ja gerade das richtige AB. Es weglassen traue ich mich nicht, auch wenn ich es vielleicht umsonst einnehme. Jedenfalls werde ich auf die Untersuchung des Eiters bestehen und hoffe auf eine kompentente Uni-Klinik.

Falls es Nachts oder am Freitag nachmittag bzw. erst am Wochenende aufgeht, wie kann ich das Sekret dann bis Montag aufbewahren im Sinne von richtig lagern?
Ich nehme derzeit 400er IBU 2x tgl., ist das ausreichend als Antiphlogistikum?
Die Zyklusunregelmäßigkeiten sind dann auf den Beginn der Wechseljahre zurückzuführen bzw. nicht relevant?

Gruß und Dank
Feuerdrache

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Re: Rezidivierender Mammaabszess

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 14.02.19, 08:27

Hallo,
lassen Sie den Eiter einfach in der sterilen Spritze, jdoch vorn verschließen. Ibu 2x 400 mg ist zu wenig. Sie brauchen 3-4 mal 400 mg. Wenn Sie einen robusten Magen haben, benötigen Sie bei kurzer Einnahme ( unter 1 Woche) nicht zwingend Pantoprazol als Magenschutz.
"Die Zyklusunregelmäßigkeiten sind dann auf den Beginn der Wechseljahre zurückzuführen bzw. nicht relevant?"- da sehe ich momentan keinen Handlungsbedarf.
Grüße Dr. Fischer
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Re: Rezidivierender Mammaabszess

Beitrag von Feuerdrache » 14.02.19, 16:22

Hallo Herr Dr. Fischer,

ich bin heute nach der Arbeit zum Hausarzt, es war dann auch offen als ich dort ankam. Der hat gesagt ich soll ins KH damit. Das bin ich dann auch, dort musste ich über die Notaufnahme und der Arzt wollte erst kein Abstrich machen, ich bat ihn nach zu sehen und sich zu überzeugen das bisher bei keiner OP eine gemacht wurde. Geschafft... er hat einen Abstrich genommen und sich über das System beschwert, weil das eigentlich die HAusärzte oder Frauenärzte machen sollten und auch bezahlt bekommen und er nun einen sterilen Raum versauen muss in dem nachher Schwangere untersucht werden. Danach hat er noch die Wundhöhle gespült. Ich soll jetzt weiter spülen aber ohne Kanüle nur mit dem Spritzenkonus - mal sehen wie das morgen wird und ob ich den Konus überhaupt rein kriege, die Öffnung ist nicht sehr groß.
Der Plan ist nun ambulant im KH den Abszess bzw. den Rest wieder zu bereinigen und dann in einem entzündungsfreien Intervallen einen größeren Gewebekeil in einer größeren plastischen OP zu entfernen. Da würde mich nun wiederum Ihre Meinung interessieren, ist das jetzt nicht ein zu großes Besteck? Ist das richtig, dass die aktuelle Wundhöhle chirurgisch gesäubert werden MUSS? Lohnt sich nicht ein Versuch mit dem richtigen AB um Ruhe rein zu kriegen und dann die große geplante OP (falls nötig)?

Gruß und Dank
Feuerdrache

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Re: Rezidivierender Mammaabszess

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 14.02.19, 17:17

Hallo,
dass der Klinikarzt nicht begeistert war, das wundert mich nicht. Es ist wirklich Aufgabe eines Niedergelassenen, einen Abszeß zu therapieren. Geld bekommt man dafür aber nicht bei Kassenpatienten, denn das ist quasi schon mit dem ersten Besuch abgegolten. Alle weiteren Behandlungen macht man sozusagen umsonst- außer bei Privatpatienten. Sie waren wohl in einer gynäk. Ambulanz. Da sollten mindestens zwei Räume vorhanden sein, damit man den Raum nicht kontaminiert. Andererseits ist das Risiko nicht besonders groß und wird total überschätzt. Keine Sorge vor einer voreiligen Operation. Zuerst muß in der Tat die Abszeßhöhle sauber und keimfrei sein, dann kann man eine Art kleine Quadrantenresektion machen, das bedeutet nichts weiter, als dass man " großzügig" im Gesunden die Abszeßkapsel entfernt. Die dann resultierende Wundhöhle darf Sie nicht erschrecken, die Haut über der Excision ist dann in sich zusammen gefallen und es imponiert wie eine große Delle. Das füllt sich aber im weiteren Verlauf von einigen Wochen wieder mit Gewebe. Ferner wird keine Lasche eingelegt sondern für einige Tage eine Saugdrainage. Die älteste Pat. bei der ich dies anlässlich eines Brustkrebses machte, war 81 Jahre!!- und das Ganze auch noch ambulant.
"Ist das richtig, dass die aktuelle Wundhöhle chirurgisch gesäubert werden MUSS? Lohnt sich nicht ein Versuch mit dem richtigen AB "- ja, das ist riochtig und erfolgt ja momentan auch. Da wir jetzt endlich eine E/R- Bestimmung haben, wird auch gemäß dem Antibiogramm dann das richtige Antibiotikum gewählt. Dann könnte man in der Tat abwarten, ob wieder ein Rezidiv auftritt. Dann kann man immer noch die größere Excision durchführen. " Groß " ist sie aber allemal nicht.
Grüße Dr. Fischer
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Re: Rezidivierender Mammaabszess

Beitrag von Feuerdrache » 14.02.19, 20:55

Hallo Herr Dr. Fischer,

nein...der Arzt war überhaupt nicht begeistert... Er konnte erst nicht verstehen, warum ich keine weitere Abszessspaltung morgen machen will - aber letztendlich nach viel hin und her rief er die Schwester rein und hat den Abszess ausgestrichen, den Abstrich gemacht und gespült. Schmerzfrei war es natürlich auch nicht, schließlich macht man das sonst ja auch unter Narkose...
Meine Frauenärztin hat nicht mal sterile Spülkanülen, wollte die Laschen damals nicht ziehen und hat auch nur ein Behandlungszimmer und ich musste zu den Untersuchungen meine Pflaster selbst mitbringen, weil sie die Größe in steril nicht hatte. Spülen musst ich ja auch selbst. Die Vertretung wollte heute nicht und der HA auch nicht. Schonmal drei Niedergelassene die nicht mitspielen.
Wenn aber von den Niedergelassenen keiner die hygienischen Voraussetzungen (Sterilisator etc.) gewährleistet, dann bleibt ja nur das Krankenhaus und die werden nicht dafür bezahlt? Ich verstehe das einfach nicht... wo soll man dann hin ohne weggeschickt zu werden?
Sie waren wohl in einer gynäk. Ambulanz.
Nein, im staatlichen (es gibt noch welche) Kreiskrankenhaus. Ich hatte zuvor im KH auf Station angerufen, für eine Überweisung hätte ich 50 km Umweg machen müssen, ich bin dann über die Notfallambulanz gleich zur Station weitergeleitet worden und wurde dann auf Station im Untersuchungszimmer behandelt.


Wie wird bei einer kleinen Quadrantenresektion mit den MIlchdrüsen umgegangen? Bleiben die wie sie sind oder enden die dann einfach stumpf im Gewebe? Was ist wenn diese Sekret bilden?
Ich hatte nach dem Abstillen (vor 11 JAhren) bei den gynäkologischen Untersuchungen beim Austreichen immer grünlichen Sekret aus der Mamille, mal mehr mal weniger, dieser wurde zytologisch untersucht und es gab keinen Handlungsbedarf.
Es scheint also auch ein Sekretstau als Nährboden einer bakteriellen Infektion möglich zu sein, ist das richtig?
Ich habe auch bis zu einem halben Jahr vor ersten OP ein Möchspfefferpräparat genommen, sollte ich das wieder nehmen?

Herzlichen Dank für die Möglichkeit all diese Fragen einfach stellen zu können und zudem noch wertvolle Antworten zu erhalten.

Gruß
Feuerdrache

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Re: Rezidivierender Mammaabszess

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 15.02.19, 07:13

Guten Morgen,
ja, das meine ich, in einer Ambulanz in einer Klinik, also nicht beim Niedergelassenen.
"Meine Frauenärztin hat nicht mal sterile Spülkanülen, wollte die Laschen damals nicht ziehen und hat auch nur ein Behandlungszimmer und ich musste zu den Untersuchungen meine Pflaster selbst mitbringen, weil sie die Größe in steril nicht hatte. Spülen musst ich ja auch selbst. Die Vertretung wollte heute nicht und der HA auch nicht. Schonmal drei Niedergelassene die nicht mitspielen"- was sind das denn für Verhältnisse! Das ist ja ein Armutszeugnis.
Spülen Sie mit einer Spritze, die entweder 5 ml oder 10 ml fasst. kleinere taugen nicht. Spülen Sie 2x/Tag mit Wasserstoffsuperoxid aus der Apotheke und setzen Sie ohne Kanüle die Spritze direkt in das " Loch". Achtung: es spritzt und schäumt, also unbedingt ein Handtuch unter die Brust legen.
" enden die dann einfach stumpf im Gewebe? Was ist wenn diese Sekret bilden?"- ja, Sekret wird nicht gebildet.Mönchspfeffer hat lediglich eine sehr schwache gestagenähnliche Wirkung und wird- wenn überhaupt- in der zweiten Zyklushälfte bei kleinem Gestagenmangel genommen.
Grüße Dr. Fischer
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Re: Rezidivierender Mammaabszess

Beitrag von Feuerdrache » 15.02.19, 19:24

Guten Abend Herr Dr. Fischer,

ich vermute, dass der Mangel an der ländlichen Umgebung und der dünnen Ärztdecke hier im Osten liegt - aber ich habe auch keine Vergleichsmöglichkeit.

Ich kenne H2O2 noch von früher aber im KH hieß es, es würde die Wundheilung stören und ich solle es nicht nehmen.
Ich habe auch in Erinnerung, dass danach mit NaCl gespült wurde, damit die Wundheilung nicht gestört wird und habe damals keine schlechten Erfahrungen gemacht.
Weshalb wird es eigentlich kaum mehr eingesetzt?
Ich denke auch das es vor Ort "sauberer" macht. Wieviel %ig sollte das Wasserstoffsuperperoxyd sein und muss ich danach auch mit NaCl spülen?

Heute morgen habe ich nur mit NaCl gespült, nur mit dem Spritzenkonus und 10ml NaCl. Es kam klar raus aber eben auch wieder zur Brustwarze raus.

Das Pantoprazol muss ich mir morgen noch holen...ist doch verschreibungsfrei oder?

Vielen Dank und lieben Gruß
Feuerdrache

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Rezidivierender Mammaabszess

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 16.02.19, 08:10

Guten Morgen,
es ist leider etwas in Vergessenheit geraten, man nimmt 3 % Wasserstoffperoxid. Sie können ja-wenn Sie es wollen- nach 1 Std. mit NaCl nachspülen. Besser wäre aber dann schon ein richtiges antiseptisches Mittel. Pantoprazol 20/40 mg ist m.E. nicht rezeptpflichtig.
Grüße Dr. Fischer
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Re: Rezidivierender Mammaabszess

Beitrag von Feuerdrache » 16.02.19, 18:28

Hallo Dr. Fischer,

ich habe das Peroxyd 3%ig geholt.
Es ist also einfach nicht mehr modern? Manchmal steigt man da einfach nicht mehr durch...und ist entsprechend verunsichert - aber der Sache zugewandt.
Im Netz ist es Allheilmittel - im KH sagt man es stört die Wundheilung.
Ehe ich es an dieser sensiblen Stelle anwende noch die Frage, weshalb es aus der Mode kam?
Pharmapolitik oder evidente Gründe?
Auf der Peroxydflasche steht, es sollte verdünnt (5 - 10fach) werden und nicht in geschlossenen Körperhöhlen angewendet werden. Der Apotheker sagte unverdünnt. Jetzt bin ich wiederum gespannt was Sie sagen:
Verdünnen? Wenn ja, wieviel verdünnen und mit wieviel insgesamt spülen? Kann ich es mit NaCl verdünnen oder gibt es da Wechselwirkungen?
Nicht verdünnen? Wenn nein, mit wieviel ml purem Peroxyd kann ich spülen?
Was sind die jeweiligen Vor- und Nachteile?

Auch wenn ich um jeden kompetenten Rat sehr dankbar bin, um eine gesetzliche Verischerung froh bin und die freie Marktwirtschaft diesen Bereich noch nicht kannibalisiert hat, ist es wirklich ein Armutszeugnis, dass es ehrenamtlich Tätige sind, die bereit sind einem die Informationen zu geben, mit denen man das Gefühl hat, nicht machtlos ausgeliefert zu sein und Entscheidungen mittragen zu können, welche die eigene Gesundheit betreffen.

Lieben Dank und Gruß
Feuerdrache

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Rezidivierender Mammaabszess

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 17.02.19, 08:21

Hallo,
"Pharmapolitik oder evidente Gründe? "vermutlich weder noch. Es wurde einfach von den angeblich besseren Desinfizientien wie z.B. Povidonjod, Octenisept , Kaliumpermanganat u.a.. verdrängt- etwa seit Mitte 1980. Bei 3 % wird es nicht verdünnt. Es hat dank seiner sauerstofffreisetzenden Wirkung eine oxidierende und desinfizierende Wirkung. Es schäumt und verfärbt die Abszeßhöhle kurzzeitig etwas weißlich. Die Menge der Spülflüssigkeit richtet sich nach der Wundhöhle. Eine Menge um 5 ml dürfte schon angebracht sein. Danach mit NaCl nachspülen.
Grüße Dr. Fischer
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