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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Nieren- und Leberversagen, DIC, Sepsis
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BeitragVerfasst: 01.09.18, 17:43 
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Liebes Forum,

seit dem Tod meiner besten Freundin auf der Intensivstation quälen mich medizinische Fragen. Der Text ist recht lang. Ich bin wirklich verzweifelt, weil ich Erklärungen suche und die ganzen Bilder nicht aus dem Kopf bekomme.

Es begann damit, dass sie während des essens plötzlich desorientiert wirkte und fast das Bewusstsein verlor. Zudem fiel ihr das Essen aus dem Mund. Ich rief den Rettungsdienst. Als der eintraf, hatte sie zudem Sprachprobleme (unverständliche Aneinanderreihung von Silben) und konnte auch Gegenstände nicht benennen. Nach insgesamt ca. 40 Minuten war sie wieder völlig klar. Sie brachten sie ins Krankenhaus.

Das CT vom Kopf war unauffällig. Da die Symptome auch schon weg waren, wurde darauf dann gar nicht mehr eingegangen. Aber es fiel ein Kreatinin von 3,6 auf und sie wurde aufgenommen.

Vorbekannt bei ihr war eine Leberzirrhose CHILD A. Zudem hatte sie 10 Tage zuvor über eine Nacht hinweg sehr hohes Fieber, Schüttelfrot und sehr schnellen Puls und seitdem fortbestehend Kurzatmigkeit und Schwäche. Dazu kamen extreme Rückenschmerzen. Durch ein Missverständnis mit der Hausarztpraxis nahm sie dann über 1 Woche zu viel NSAR.

Die Ärzte meinten, die Nierenwerte seien durch die NSAR bedingt. Zudem habe sie zu wenig getrunken (es kam das extrem heiße Wetter dazu).

Schon am 2. Tag fiel mir ihr Nasenbluten auf und sie bekam riesige Hämatome am ganzen Körper (bestimmt 10 cm groß).

Röntgenbild der Lunge war unauffällig. So wurde sie erstmal 2 Tage nicht behandelt, da Wochenende war. Außer dass sie hochdosiert Schmerzmittel bekam.

Montags wurde bei der Visite gesagt, die Entzündungswerte seien extrem hoch. Sie bekam Breitbandantibiotika.

Mir fiel extrem auf, dass sie seit der ¨ Attacke¨ vor der Aufnahme Wortfindungsstörungen hatte. Sie fand die Wörter nicht, wählte die falschen Wörter und sagte sehr oft ïch weiß auch nicht...¨, ¨wie soll ich jettzt sagen...¨. Das Schlimme war, dass ich das täglich der Pflege und auch den Ärzten mitteilte und immer kam, das könne nicht sein - wenn sie sie ansprächen, reagiere sie adäquat... so sah sie erst am 5. Tag (!) überhaupt einen Neurologen.

Am 5. Tag waren diese Wortfindungsstörungen dann plötzlich weg. Der Kreatinin auf 2,1 runter, die Entzündungswerte besser. Sie sollte am 6. Tag entlassen werden, da ihre Werte besser waren und sie auch klar war und kräftiger.

Da erfuhr ich beiläufig, dass sie schon seit 2 Tagen schwarzen Stuhl habe. Ich begleitete sie zur Toilette und war geschockt - die ganze Kloschüssel voller dunkelrotem bis schwarzem Blut... es wurde kein Arzt geholt, da es Freitag Abend war - bis ich so deutlich wurde, dass dann irgendwann einer kam - dann ging es schnell. Innerhalb einer halben Stunde war die Intensivärztin da und sie kam auf Überwachungsstation.

Inzwischen blutete sie auch aus dem Magen.

Schon 2 Tag vorher sagte der Stationsarzt, ihre Blutplättchen würden immer weiter in den Keller gehen - das würde man ja auch an den ganzen Blutergüssen sehen. Inzwischen waren es keine normalen Hämatome mehr, sondern sie war am ganzen Körper blutunterlaufen (riesige rot-lilafarbene Areale, riesige blaue Flecken). Man reagierte aber nicht! Erst auf der Überwachung bekam sie Blutkonserven und etwas zur Blutverdickung.

Angeblich hatte sie seit Aufnahme täglich Kochsalz-Infusionen bekommen, was aber definitiv nicht stattfand! Sie wurden ¨vergessen¨. Zudem bekam sie - trotz der schlechten Blutverdünnung - bis zum 5. Tag Heparinspritzen!

Selbst als der Hb-Wert unter 6 (!) ging, handelte man nicht!
Über Nacht kam sie auf Intensiv... und entwickelte ein hepatorenales Syndrom. Die Niere schied immer weniger aus. Die Leberfunktion verschlechterte sich auch drastisch und dann las ich in ihrer Akte auch, dass sie eine Sepsis hat (von der wurde mir nichts gesagt - ich muss erwähnen, ich hatte eine Vollmacht).

Sie lagerte so viel Wasser ein, dass sie fast die ganze Breite des Bettes einnahm. Der Infektherd konnte nicht gefunden werden. Auch das MRT von Bauch und Rücken war normal. Nachdem auf der Normalstation das AB abgesetzt wurde, bekam sie dort ein neues.

Sie hatte bis vor einem Jahr über 2 Jahre hinweg offene Beine. sie wurde 3x wöchtl. zuhause gewickelt und sie waren zu. Auf Station wurde das nicht fortgeführt und so hatte sie nach 1 Woche 5 offene Stellen an einem Bein und es sah sehr schlimm aus! Ich sagte mehrmals, kann es nicht sein, dass dort der Infektionsherd ist? Nein, das könne es nicht... es war aber feuerrot und es sah aus, als würde das Gewebe absterben.

3 Tage nach Übernahme auf Intensiv wurde zuerst ihr eines Bein, dann beide Beine blau.. sie hatte schon am letzten Tag auf Normalstation extreme Schmerzen im Bein... sie taten es ab... erhielt aber trotz ihrer schlechten Nieren- und Leberfunktion einen Cocktail aus Schmerzmitteln. Inzwischen halfen nicht mal mehr Opiate plus NSAR und andere...

Aus dem Grund wurde sie ins künstliche Koma gelegt und am nächsten Tag teilte man mir mit, nun habe sie auch noch ein DIC-Syndrom und alles in allem sehr sehr schlechte Überlebenschancen.

Schon am nächsten Tag verfärbten sich auch ihre Zehen und Hände blau, das Wasser im Körper trat über die Haut überall aus, sie hatte Wasser in der Lunge und im Bauch.

Durch das DIC-Syndrom bekam sie massivste innere Blutungen. Sie machten noch eine Magenspiegelung (erst am vorletzten Tag! Ich weiß nicht, warum sie die Blutungen, die ja eindeutig aus dem Magen-Darm-Trakt kamen, nicht direkt versuchten zu stillen?) und mussten mehrere Clips verwenden. Dann fing sie auch noch an in der Lunge zu bluten, was sie dann versuchten, per Bronchoskopie zu stillen... letztendlich starben ihre Gliedmaßen regelrecht ab.

Das Ganze ist an Albtraum wirklich nicht zu überbieten.

Meine Fragen, die mich so quälen...:

Kann man ein DIC-Syndrom nicht sofort erkennen im Blut, wenn der Patient schon solche massiven Gerinnungsprobleme hat? Hätte man es nicht auf Normalstation schon sehen müssen? Und wenn (das hohe Fieber, Schüttelfrost, Entzündungswerte) ein Infekt ersichtlich ist und zusätzlich Leber- und Nierenprobleme?

Es quält mich, nicht zu wissen, was zuerst da war - das Nierenproblem durch zuviel NSAR? Der Infekt? Oder entwickelt sich ein DIC dann erst sekundär?

Und noch eine Frage. Ich bekomme diese furchtbaren Bilder nicht mehr aus dem Kopf. Als sie ins künstliche Koma gelegt wurde, war ich einige Stunden danach bei ihr - sie hatte die Augen auf, bewegte sie auch seitlich hin und her - schaute aber ins Leere. Aber als ich mit ihr sprach, weinte sie plötzlich und sie reagierte sehr eindeutig auf meinen Händedruck - mehrmals! Mit normaler Kraft! Außerdem hatte sie durch den Beatmungsschlauch ja den Mund offen und sie bewegte nonstop ihre Zunge! Ich habe daraufhin 3 Ärzte gefragt dort, ob das normal gewesen sei - alle 3 waren völlig irritiert bis peinlich berührt - und wichen mir aus. Ich habe solche Horrorfilme im Kopf, dass sie noch bei Bewusstsein war und alles mitbekam, aber sich nicht bemerkbar machen konnte!?

Vielleicht kann mir zumindest jemand die letzte Frage beantworten.

Liebe Grüße


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BeitragVerfasst: 02.09.18, 12:53 
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DMF-Moderator

Registriert: 20.05.07, 09:00
Beiträge: 2302
Hallo Anna1970,

was Sie da beschreiben, ist für Angehörige natürlich furchtbar mit anzusehen. Mal ganz unabhängig davon, wer wann wie gehandelt hat - ich würde Ihnen raten (sofern nicht schon geschehen), sich an Ihren Hausarzt zu wenden, damit Sie Unterstützutzung bei der Bewältigung dieser schlimmen Situation bekommen.

Sie berichten schon recht ausführlich, trotzdem war niemand von uns vor Ort und kannte die Patientin / hatte Einblick in Befunde / weiß welche Medikamente wann in welcher Dosierung verabreicht wurden.
Warum hatten Sie denn eine Vollmacht für Ihre Freundin? War das eine reine Vorsichtsmaßnahme, oder gab es gesundheitliche Gründe?
Welches NSAR wurde denn im Vorfeld in welcher Menge genommen und wie lautete die eigentliche Empfehlung des Hausarztes? Gab es vielleicht bereits eine Einschränkung der Nierenfunktion?

Wenn Sie tatsächlich auch eine medizinrechtliche "Aufklärung" des Falls wünschen, sollten Sie zuallererst ganz formlos telefonisch im Archiv der Klinik um Einsicht in die Akte bitten. Sie müssen dann wahrscheinlich die Vollmacht und ihren Personalausweis vorlegen. Kopien der Akte stehen Ihnen zu. Mit diesen wenden Sie sich am besten an einen Fachanwalt für Medizinrecht. Der kann die Möglichkeiten / Chancen mit Ihnen besprechen.


Gruß
Die Anästhesieschwester


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BeitragVerfasst: 02.09.18, 13:51 
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Administrator

Registriert: 15.09.04, 10:49
Beiträge: 7403
Wohnort: Bad Nauheim
Hallo Anna,
Anna1970 hat geschrieben:
Meine Fragen, die mich so quälen...:
Kann man ein DIC-Syndrom nicht sofort erkennen im Blut, wenn der Patient schon solche massiven Gerinnungsprobleme hat?

Ja, kann man: siehe DIC-Score!
Anna1970 hat geschrieben:
Hätte man es nicht auf Normalstation schon sehen müssen?

Man sieht nur, was man kennt. Ein intensivmedizinisch unerfahrener Arzt mag eine DIC (zu) spät erkennen, weil er es noch nie gesehen hat. Übrigens wird auch bei einer DIC (sofern es eine war) Heparin eingesetzt.
Anna1970 hat geschrieben:
sie hatte die Augen auf, bewegte sie auch seitlich hin und her - schaute aber ins Leere

Bei der Beatmungstherapie auf Intensiv versucht man lt. modernen Leitlinien die Pat. nur so tief, wie unbedingt nötig zu sedieren. Damit haben sie statistisch bessere Chancen.
Anna1970 hat geschrieben:
Ich habe solche Horrorfilme im Kopf, dass sie noch bei Bewusstsein war und alles mitbekam, aber sich nicht bemerkbar machen konnte!?

Die Sorge ist unbegründet. Es erfolgt regelmäßig eine Analogsedierung bestehend aus einem potenten nicht nierenschädlichen Schmerzmittel und einem Sedativum, das eine Art dämmrige Tiefenentspannung bewirkt.
Anna1970 hat geschrieben:
Aber als ich mit ihr sprach, weinte sie plötzlich und sie reagierte sehr eindeutig auf meinen Händedruck - mehrmals!
Eine kurzfristige Erweckbarkeit ist bei richtiger Dosierung der Analogsedierung gegeben, das Erwecken ist aber in der Akutphase nicht hilfreich.
Sie haben mein Mitgefühl und Beileid bei Ihrem schweren Verlust.
Anästhesieschwester hat geschrieben:
eine medizinrechtliche "Aufklärung" des Falls

Das wird erfahrungsgemäß kein befriedigender Weg sein. Selbst wenn ein Gutachten nahelegen sollte, dass man bei früher und konsequenter Diagnostik und Therapie den tragischen Verlauf hätte abwenden können, gelingt der Nachweis eines schuldhaften Verhaltens meist nicht.

_________________
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)


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