Destruktive Entwicklungen im Gesundheitswesen

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Destruktive Entwicklungen im Gesundheitswesen

Beitrag von PR » 10.11.15, 13:15

http://www.buerger-initiative-gesundhei ... 0-2015.pdf

So seh ich das seit meinem allerersten Eintrag hier am 27.03.05, 23:51 .

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Barnie Geröllheimer
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Re: Destruktive Entwicklungen im Gesundheitswesen

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 10.11.15, 15:13

Ich bezweifle, dass Sie als Arzt etwas davon hätten, wenn Sie die Zahlen kennen würden.
Auch wenn man Grund hätte, den einen oder anderen Ausgabenposten zu kritisieren, wird es immer stärkere Interessenvertretungen geben, die dann das evtl. Ersparte für sich reklamieren.

Z.B. die Ärztefunktionäre, die Sie ja auch mit viel Geld finanzieren.

Für einen groben (und nicht ganz neutralen) Überblick... (pdf-Link)

Timmie2
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Re: Destruktive Entwicklungen im Gesundheitswesen

Beitrag von Timmie2 » 10.11.15, 15:26

PR hat geschrieben:http://www.buerger-initiative-gesundhei ... 0-2015.pdf
So seh ich das seit meinem allerersten Eintrag hier am 27.03.05, 23:51 .
Das glaube ich Ihnen sofort, leben sie doch von denselben Sponsoren.... Nicht überall wo Patientenvertretung drauf steht, ist auch Patientenvertretung drin.

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eine gewisse Stereotypie

Beitrag von PR » 10.11.15, 17:35

und Perseveranz der Gedanken ist Ihnen ja nicht abzusprechen, was timmiezwoo ?

Ich hab eine Sponsorin. Die ist Studiendirektorin im Ruhestand. Ohne sie hätte ich meinen Arbeitsplatz im Leben nicht innerhalb von 25 Jahren amortisieren können.

Alles Andere zum Thema spielt sich in Ihrer nicht ganz blütenreinen Phantasie ab. Capisce ?

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mandel
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Re: Destruktive Entwicklungen im Gesundheitswesen

Beitrag von mandel » 10.11.15, 19:26

Barnie Geröllheimer hat geschrieben:Ich bezweifle, dass Sie als Arzt etwas davon hätten, wenn Sie die Zahlen kennen würden.
Auch wenn man Grund hätte, den einen oder anderen Ausgabenposten zu kritisieren, wird es immer stärkere Interessenvertretungen geben, die dann das evtl. Ersparte für sich reklamieren.
Doch und genau das ist der Punkt. Man kennt zwar die Kosten in der groben Verteilung (wieviel Arztpraxen insg. Krankenhäuser, ambulante Pflege usw. - aber nur insg.) und weiß, sie steigen immens. Es wird bemängelt, das Deutsche Gesundheitssystem sei ineffektiv. Aber um da gegenzusteuern müsste eben auch die genaue Aufschlüsselung transparent sein. Es scheint schon so, das einige wenige Bereiche einen Großteil der Kosten produzieren und wenn man etwas ändern möchte muss man auch genau da ansetzen. Beispiele für Ausgaben im Gesundheitswesen, die nicht wirtschaftlich und nicht notwendig wären, würden mir viele einfallen.. .

Das nächste Problem: Die Kassenversicherten haben vollen Leistungsanspruch, nicht gedeckelt... aber die Erstattung ist gedeckelt. Das ist ein Prinzip, das nicht funktionieren kann. Und wenn dann im Endeffekt der Arzt noch Regress fürchten muss, obwohl der Patient den Anspruch hat - dann wird es übel. Regresse werden zudem über Jahre zurück eingefordert. Leistungen nachträglich abrechnen geht max.. 4 Jahre.

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Re: Destruktive Entwicklungen im Gesundheitswesen

Beitrag von Timmie2 » 10.11.15, 20:49

mandel hat geschrieben:Das nächste Problem: Die Kassenversicherten haben vollen Leistungsanspruch, nicht gedeckelt... aber die Erstattung ist gedeckelt. Das ist ein Prinzip, das nicht funktionieren kann.
Was meinen Sie denn genau mit vollem Leistungsanspruch und wie hätten Sie es denn gerne? Behandlung bis zu einer gewissen Summe gedeckelt, Zuzahlung zu jeder Leistung oder gar gleich die Abschaffung des Solidarsystems?

Christianes Herz
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Re: Destruktive Entwicklungen im Gesundheitswesen

Beitrag von Christianes Herz » 10.11.15, 23:47

Die Antwort des BVA:
"... ist es dem Bundesversicherungsamt aber auch nicht möglich, die erbetenen Auskünfte ohne weiteres zu erteilen, weil Daten in einer auf Ihre detaillierten Fragestellungen spezifisch zugeschnittener bzw. selektierten Fassung hier nicht vorliegen. Diese müssten eigens recherchiert werden, was für uns einen unvertretbaren hohen Aufwand bedeutet..."

Fehlt Personal? Fehlt Geld? Was heißt "unvertretbarer hoher Aufwand"? Das BVA sagt jedenfalls damit nicht, dass die Beantwortung der gestellten Fragen, nicht zu seiner Rechtsaufsicht gehört. Das hätte ich jetzt angenommen, dass soetwas wie "nicht zuständig" gekommen wäre.

Ich drück dem Herrn Candidus alle meine Daumen, dass er durchdringt.

Frdl. Grüße
Christiane

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Re: Destruktive Entwicklungen im Gesundheitswesen

Beitrag von Timmie2 » 11.11.15, 07:07

Christianes Herz hat geschrieben:Ich drück dem Herrn Candidus alle meine Daumen, dass er durchdringt.
DVGP: "Bürger-Initiative" oder doch Ärzte- und Pharma-Lobbyist?

mandel
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Re: Destruktive Entwicklungen im Gesundheitswesen

Beitrag von mandel » 11.11.15, 08:17

Timmie2 hat geschrieben:
mandel hat geschrieben:Das nächste Problem: Die Kassenversicherten haben vollen Leistungsanspruch, nicht gedeckelt... aber die Erstattung ist gedeckelt. Das ist ein Prinzip, das nicht funktionieren kann.
Was meinen Sie denn genau mit vollem Leistungsanspruch und wie hätten Sie es denn gerne? Behandlung bis zu einer gewissen Summe gedeckelt, Zuzahlung zu jeder Leistung oder gar gleich die Abschaffung des Solidarsystems?
Es kann jedenfalls nicht sein, das Patienten den Anspruch auf jedes Medikament, jede Behandlung haben aber die Ärzte mit ihrem Privatvermögen zahlen müssen wenn sie zu einem gewissen Teil über dem Durchschnitt der Vergleichsgruppe liegen. Es geht noch nicht einmal darum, das nicht jede Leistung erstattet wird, sondern auch die Verordnungen eingefordert werden. Ärzte, die bereit sind über dem Durchschnitt Pflegeheime zb. zu versorgen werden bitter bestraft (lohnt sich finanziell nicht und deswegen haben viele keine Lust und dazu ist die Versorgung finanziell bzgl. des Budgets aufwendig). Gehen diese dann soweit und sagen, wir machen keine Hausbesuche mehr, bitte alle Patienten mit Transportschein in die Praxis bringen - DANN wird es richtig teuer. Solidaritätsprinzip heißt jedenfalls nicht das es auf dem Rücken einzelner abgewälzt wird.

Muss man gleich immer eine Lösung haben um sagen zu dürfen was nicht gut läuft? Ehrlich dazu ist das System zu undurchschaubar um von Außen gleich DIE Lösung haben zu können.

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Die Einheitlichkeit des Rechts

Beitrag von PR » 11.11.15, 12:33

ist im 'schland nicht mehr gegeben. Bürgerliche Grundrechte werden im Sondergesetz SGB V massiv ausgehebelt, darüber befinden Sondergerichte. Es ist eine Bananenrepublik.

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dora
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Re: Die Einheitlichkeit des Rechts

Beitrag von dora » 11.11.15, 13:10

PR hat geschrieben:ist im 'schland nicht mehr gegeben. Bürgerliche Grundrechte werden im Sondergesetz SGB V massiv ausgehebelt, darüber befinden Sondergerichte. Es ist eine Bananenrepublik.

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wobei man doch oft hört, dass unser System noch recht gut wäre ?

Barnie Geröllheimer
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Re: Destruktive Entwicklungen im Gesundheitswesen

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 11.11.15, 15:14

mandel hat geschrieben:
Barnie Geröllheimer hat geschrieben:Ich bezweifle, dass Sie als Arzt etwas davon hätten, wenn Sie die Zahlen kennen würden.
Auch wenn man Grund hätte, den einen oder anderen Ausgabenposten zu kritisieren, wird es immer stärkere Interessenvertretungen geben, die dann das evtl. Ersparte für sich reklamieren.
Doch und genau das ist der Punkt. Man kennt zwar die Kosten in der groben Verteilung (wieviel Arztpraxen insg. Krankenhäuser, ambulante Pflege usw. - aber nur insg.) und weiß, sie steigen immens. Es wird bemängelt, das Deutsche Gesundheitssystem sei ineffektiv. Aber um da gegenzusteuern müsste eben auch die genaue Aufschlüsselung transparent sein. Es scheint schon so, das einige wenige Bereiche einen Großteil der Kosten produzieren und wenn man etwas ändern möchte muss man auch genau da ansetzen. Beispiele für Ausgaben im Gesundheitswesen, die nicht wirtschaftlich und nicht notwendig wären, würden mir viele einfallen.. .
Gut, dann dröseln wir das doch mal auf... Sie, respektive die Ärzteschaft, wollen keine gesetzliche Einheitskasse, aber bei Kassenpluralismus sollen alle dasselbe kosten und dasselbe leisten. Es waren die Schwarzen und Gelben, die gemeint haben, Kassen müssten in "Wettbewerb" zueinander stehen. Ich habe mich in diesem Punkt schon damals mit MdLs der FDP deshalb angelegt, bin also ein erklärter Gegner dieses Pseudowettbewerbs.
Aber WENN man schon meint, Kassen müssten und sollten gegeneinander konkurrieren, dann darf man sich auch nicht darüber wundern, wenn die eine Kasse das Geld "sinnvoller" und die andere weniger sinnvoll ausgibt.
Als (beim Geldverteilen zu kurz kommender) Leistungserbringer Ausgaben der Kassen bewerten zu wollen, MUSS zwangsläufig scheitern, da Sie sich berechtigerweise vorhalten lassen müssen, nicht neutral zu bewerten........, mal ganz abgesehen davon, dass ich noch immer der Ansicht bin, dass hier das Pferd von der falschen Seite aufgezäumt wird.
Sie alle, die sie an der Front tätig sind, sollten zu allererst mal Ihren Funktionärsballast über Bord werfen, von dem Sie sich sowieso nicht vertreten fühlen und der Sie einen Haufen Geld kostet!
mandel hat geschrieben:
Das nächste Problem: Die Kassenversicherten haben vollen Leistungsanspruch, nicht gedeckelt... aber die Erstattung ist gedeckelt. Das ist ein Prinzip, das nicht funktionieren kann. Und wenn dann im Endeffekt der Arzt noch Regress fürchten muss, obwohl der Patient den Anspruch hat - dann wird es übel. Regresse werden zudem über Jahre zurück eingefordert. Leistungen nachträglich abrechnen geht max.. 4 Jahre.
Das ist (für den Arzt) nur ein Pseudoproblem, denn er vergibt einfach keine Termine mehr, wenn er befürchten muss, sein Budget zu überschreiten. So wird es ja auch in der Augenarztbranche alljährlich zum Jahresende gehandhabt.
Ich kann kaum glauben, dass jemand denkt, er könne durch Kritik oder veranlasste Maßregelung der GKV an der Ausgabenstruktur für sich etwas gewinnen.
Und das in einer Zeit, in der den Kassen "Wettbewerb" oktroyiert wurde...
Lassen Sie doch Ausgaben Ausgaben sein und vertrauen darauf, dass mal eine Kasse auf den Trichter kommt, mit Sonderleistungen (bezahlte IGeL) nach Mitgliedern Ausschau zu halten!
Für die Augenoptik hat sich auch etwas getan. Es gibt inzwischen wieder ein paar Kassen, die einen Zuschuss zu einer Sehhilfe bezahlen.
mandel hat geschrieben: Solidaritätsprinzip heißt jedenfalls nicht das es auf dem Rücken einzelner abgewälzt wird.
Muss man gleich immer eine Lösung haben um sagen zu dürfen was nicht gut läuft? Ehrlich dazu ist das System zu undurchschaubar um von Außen gleich DIE Lösung haben zu können.
Richtig, solidarisch zu sein heißt in diesem Falle, dass der eine für den anderen helfend eintritt. Das brächte mich jetzt leicht wieder zu meinem Lieblingsthema, wer die Arztpraxen denn tatsächlich am Leben hält....GKV oder PKV? Aber an dieser Stelle verzichte ich darauf.

Es nützte nichts, wenn man monieren könnte, dass hie und da einzelne Kassen "sinnlos" Geld verplempert haben, statt es niedergelassenen Ärzten zu zahlen, denn verglichen mit den Einsparmöglichkeiten bei Ausgaben für Arzneien, Heil- und manchen Hilfsmitteln wären das Peanuts.

Nur traut sich keiner an die Pharmabranche ran, die -nebenbei bemerkt- Ärzten so manches Zubrot ermöglicht hat.

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Das Thema war:

Beitrag von PR » 11.11.15, 15:42

die kranken Kassen agieren seit Jahrzehnten illegal. Nicht nur grundgesetzwidrig sondern auch SGB-widrig.
Aber niemand und nichts hält sie auf.
Auch die genau dafür geschaffene und bezahlte staatliche Aufsicht nicht.

Und nu soll diese Aussage deswegen falsch sein, weil dem Einen die Nase des Herrn Candidus nicht passt,
und dem Anderen zufolge die Ärzte sich an den Privaten dumm und dusslich verdienen ?

Wassndass für ne Argumentation ?

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Re: Destruktive Entwicklungen im Gesundheitswesen

Beitrag von mandel » 11.11.15, 16:04

Barnie Geröllheimer hat geschrieben: Nur traut sich keiner an die Pharmabranche ran, die -nebenbei bemerkt- Ärzten so manches Zubrot ermöglicht hat.
Meinetwegen gerne....

Nebenbei mal bemerkt - wissen Sie eigentlich/bemerkten Sie eigentlich wie viele Unterstellungen bei Ihnen mitschwingen? Ärzte schließen wegen Budget, lassen sich von der Pharmaindustrie sponsern oder bestechen, bereichern sich an Privaten und bevorzugen diese...

Ohne jetzt dazu Stellung zu nehmen. Diejenigen, die von Regressen massiv getroffen werden, sind solche, die eben so nicht arbeiten. Ist das nun fair? Die ganze Schuld den Krankenkassen zugeben ist genauso falsch, wie sie auf die Leistungserbringer abzuwälzen.

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Re: Destruktive Entwicklungen im Gesundheitswesen

Beitrag von mandel » 11.11.15, 16:26

Zur Frage wieso unser Gesundheitssystem gelobt wird:

1. wir haben ein Gesundheitssystem und das mit sehr langer Tradition - die Grundstrukturen lassen sich bis ins Mittelalter zurückführen. Und wenn man sich nur mal die USA anschaut - so können wir doch eigentlich darauf stolz sein, das es ein Gesundheitssystem gibt - was für uns doch sehr selbstverständlich ist.
2. im Vergleich zu anderen Ländern ist man in Deutschland sehr gut versorgt. Ja es wird viel geklagt was noch besser ginge - aber faktisch, wenn man mal in andere Länder schaut, steht man ganz gut da.

Das Problem sind die Kosten...

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