Zwei Fallbeispiele

Theoretische Grundlagen, Philosophie, Kritik

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doratheexplorer
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Zwei Fallbeispiele

Beitrag von doratheexplorer » 28.05.12, 13:56

Fall 1:
Heilpraktiker (ehemaliger Arzt mit entzogener Approbation)
rät einer Mutter keine Fiebersenkenden Medikamente zu geben, bei einem bekannten Fieberkrampf-Kind. Kind landet aufgrundessen weitere 4 male im Krankenhaus.
Und behauptet auch noch, dass die Fieberkrämpfe von den Tetanus-impfungen ausgelöst werden. Daher wird das Kind ab da auch nicht mehr geimpft gegen NICHTS.

Fall 2:
Anderer Heilpraktiker rät Mutter keine Antibiotika, Fiebersenker und Schmerzmittel ihrem eh schon schwerkranken Kind zu geben. Kind fiebert Tage über 40-41 Grad. Und der Rat übers TELEFON des Heilpraktikers lautet Kind zudecken damit der Körper die Krankheit noch besser besiegen kann. Kind verfällt, Reanimation und 8 Wochen Intensiv-station Aufenthalt.

Sind echte Beispiele...
Es scheint leider so, dass Heilpraktiker für ihr Handeln nicht haften müssen???
Ich bin sprachlos.

Lg Dora

Humungus
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Re: Zwei Fallbeispiele

Beitrag von Humungus » 28.05.12, 14:24

doratheexplorer hat geschrieben:Sind echte Beispiele...
Ja, gute Beispiele für Mütter, die ihren Menschenverstand wohl irgendwo verloren haben müssen, wenn sie ihr Kind einem Scharlatan anvertrauen und dessen Aussagen Vertrauen schenken. Ich sehe das Verhalten solcher Heilpraktiker und Mütter mittlerweile als gelebte Evolution.
Es scheint leider so, dass Heilpraktiker für ihr Handeln nicht haften müssen???
Doch, müssen sie. Jeder Einzelfall kann daraufhin genau untersucht werden (vom Hörensagen werden solche Dinge meist verfälscht). Strafrechtlich (§§222 und 229 StGB) und zivilrechtlich (§§611ff und 823 BGB) steht genug zur Verfügung.
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Re: Zwei Fallbeispiele

Beitrag von doratheexplorer » 28.05.12, 14:32

Hallo,

nur wo kein Kläger da kein Richter richtig?
Die Mütter vertrauen weiterhin auf ihren Guru !!
Das ist unglaublich!

doratheexplorer
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Re: Zwei Fallbeispiele

Beitrag von doratheexplorer » 28.05.12, 14:52

Hallo,

Dann bleibt nur zu hoffen, dass die Krankenkasse doch irgendwann einen Riegel dazwischen schiebt, wenn andauernd dokumentiert wird Jegliche Behandlungsmöglichkeiten abgelehnt-Kind verfällt-Intensivstation, da es nicht zum ersten mal passiert ist. Oder das Problem löst sich "leider" damit, dass das Kind eben verstirbt, aufgrund von Globuli und Co!

Lg Dora

Humungus
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Re: Zwei Fallbeispiele

Beitrag von Humungus » 28.05.12, 14:56

doratheexplorer hat geschrieben:...nur wo kein Kläger da kein Richter richtig?
Selbstverständlich. Selbst ein Offizialdelikt müsste erst einmal den Ermittlungsbehörden zur Kenntnis gebracht werden, damit diese aktiv werden.
Die Mütter vertrauen weiterhin auf ihren Guru !!
Wie ich oben sagte: gelebte Evolution. Die Dummen sterben eher. Dass man solche Kinder aus normalen Kindergärten ausschließt halte ich für eine Selbstverständlichkeit.
Das ist unglaublich!
Ein Zitat von Albert Einstein: "Zwei Dinge sind unendlich: das Weltall und die menschliche Dummheit. Beim Weltall bin ich mir nicht ganz sicher."

Die Krankenkasse verhindert solches Tun nicht, weil jeder Mensch Herr seines eigenen Handelns ist. Sonst müssten ja viele andere Verhaltensweisen auch sanktioniert werden. Tätig werden könnten die Erziehungsbehörden, wie dies bereits in schweren Fällen stattfand. Eine Kindswohlgefährdung kann verhindert werden, wenn das Sorgerecht entzogen wird. Allerdings ist das recht schwierig. Und wieder müssen diese erst einmal von den Zuständen erfahren.
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doratheexplorer
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Re: Zwei Fallbeispiele

Beitrag von doratheexplorer » 28.05.12, 15:07

Hallo

ja das ist schon richtig, jeder kann mit seinem Körper machen was er möchte, aber da es Kinder sind.. Die können leider noch nicht selbst Einfluss darauf nehmen, ob bis zur Reanimation gewartet wird, bis etwas passiert. Richtig da wäre wohl eher das Jugendamt der Ansprechpartner.

Wobei die Krankenkassen inzwischen ja manche Sachen nicht mehr bezahlen (z.B Krankenhaustransport aufgrund von selbst herbeigeführter Alkoholintoxikation) ist schon ein Schritt in die richtige Richtung.

Meiner Meinung nach ist es unterlassene Hilfeleistung bei der man auch noch zusehen muss und wenns dann brenzlig wird soll man die Situation retten und am Ende ist man dann auch noch schuld wenn man das Kind nicht zurueckholen kann. Da bin ich mir sicher, dass genau solche Eltern dann ganz schnell sind mit einer Klage gegen Ärzte und Pflegepersonal.

Mhhh das eine Kind geht in einen normalem Kindergarten :-( weiss zwar nicht wie das geht ohne komplette Impfungen, aber da hat wahrscheinlich die Vorlage eines Nachweises gereicht, dass das Kind die Erst-Impfungen erhalten hat...

Lg Dora

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Re: Zwei Fallbeispiele

Beitrag von dora » 28.05.12, 19:05

wenn erwachsene Patienten wegen ihrer Erkrankungen zum Heilpraktiger gehen, dann ist es ihre Entscheidung und sie müssen mit dem Resultat leben.
Kein Verständnis habe ich für Leute die mit ihren Kindern ( speziell in den geschilderten Fällen ) zum Heilpraktiker gehen. Diese Patienten gehören m.E. nur in die Hände vom HA oder Kinderarzt.

Natürlich müssen Heilpraktiker für ihre Handlungen haften. Mich stört nur dass die Eltern nicht zur Verantwortung gezogen werden, speziell wenn man berücksichtigt welche schlimmen Folgen eine unterlassene Impfung haben kann.

doratheexplorer
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Re: Zwei Fallbeispiele

Beitrag von doratheexplorer » 28.05.12, 20:52

Hallo Dora,

das sehe ich ganz genauso! Es ist nicht nur das Leben von Kindern bzw. die Gesundheit die aufs Spiel gesetzt wird sondern auch Tausende von EURO in diesem einen Fall z.B. was wiederum die ganze Gemeinschaft tragen muss. Da zweifelt man manchmal wirklich ob man im richtigen Beruf gelandet ist.

Lg

Adromir
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Re: Zwei Fallbeispiele

Beitrag von Adromir » 28.05.12, 22:50

Ich will jetzt nicht alle HPs über einen Kamm scheren, aber bei Heilpraktikern gibt es zwei große Probleme:

1. die fehlende, qualifizierte Ausbildung
Es gibt zwar Schulen für HPs, aber die können sich ihren Lehrplan selbst zusammen schustern, da es weder einheitliche Richtlinien zur Ausbildung gibt, bzw. überhaupt eine Ausbildungspflicht. Da dürfen dann Personen mit einem als laienhaft zu bezeichnenden medizinischem Wissen Menschen behandeln und das mit Kompetenzen, die fast denen eines Arztes gleichkommen.

2. In diesen Fällen viel problematischer: Heilpraktiker unterliegen keiner Dokumentationspflicht. Es ist für den Patienten unglaublich schwierig einen Behandlungsfehler nachzuweisen.

Ich find das irgendwie Wahnsinn, daß so etwas in unserem heutigen Gesundheitssystem überhaupt möglich ist, zudem das Heilpraktikergesetz als Übergangsgesetz gedacht war, um den wildwüchsen der "Volksheiler" einhalt zu gebieten.

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Re: Zwei Fallbeispiele

Beitrag von Kämpferin » 11.10.12, 21:22

Ich halte nicht viel von Ärzten, aber bei Kindern hört der Spaß auf. Man weiß auch schon instinktiv, das man ein Kind bei hohem Fieber es nicht bis zum Hals zu deckt. Warum denkt die Mutter so? Wie ist es bei Glaubensrichtungen? Wie kann man ein Kind sterben lassen, weil man keine Butübertragung als Mutter oder Vater will ?
Manche Dinge kann ich nicht verstehen.

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Re: Zwei Fallbeispiele

Beitrag von sonya » 09.01.14, 22:24

Kämpferin hat geschrieben:Ich halte nicht viel von Ärzten, aber bei Kindern hört der Spaß auf. Man weiß auch schon instinktiv, das man ein Kind bei hohem Fieber es nicht bis zum Hals zu deckt. Warum denkt die Mutter so? Wie ist es bei Glaubensrichtungen? Wie kann man ein Kind sterben lassen, weil man keine Butübertragung als Mutter oder Vater will ?
Manche Dinge kann ich nicht verstehen.

Ich muss euch da zustimmen, wenn jemand mit Kindern so etwas macht dann ist die Sache sehr ernst!

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