Diabetes Vorhersage-Methoden ...

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Helmes63
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Diabetes Vorhersage-Methoden ...

Beitrag von Helmes63 » 04.02.09, 09:21

Sehr geehrte Forenteilnehmer,

... kann die Wahrscheinlichkeit an einer Diabetes zu erkranken von einem Internisten
bzw. Hausarzt ernsthaft prognostiziert werden ?! Meine Schwester die eine entsprechende
Fachausbildung zur Diätassistentin macht meinte, dass man aus dem Bauchumfang
hier eine Ableitung machen kann, die eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent bein-
haltet.

In diesem Zusammenhang hätte ich überdies gerne gewußt, ob Übergewicht oder
Korpulenz überhaupt als maßgeblicher Faktor angesehen wird. Ich habe vielmehr
die Vermutung, dass die Verwertung der NÄhrstoffe bei der Entstehung von Diabetes
neben einem erhöhten Zuckerkonsum der entscheidende Faktor ist.

Hans Reuter
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Beitrag von Hans Reuter » 04.02.09, 15:11

Das Risiko einen T2-Diabetes zu entwickeln ist abhängig von der genetischen Disposition (Großeltern, Eltern, Onkels und Tanten) und Umweltfaktoren, z.B. Überernährung.
Ob speziell Süssigkeitenverzehr eine Rolle spielt, ist nicht belegt.

Bei genetischer Disposition kann jedoch in vielen Fällen die Manifestation weit hinausgeschoben oder verhindert werden durch ausgewogene Ernährung und ausreichende körperliche Aktivitäten.
Die Unempfindlichkeit gegen Insulin (Insuliresistenz) ist ein wichtiges Kriterium in allen Phasen dieser Stoffwechselstörung. Das Risiko kann eingeschätzt werden durch Feststellung des

a) abdominalen Übergewichtes (Bauchfett)
b) gestörten Blutfettstoffwechsels
c) Bluthochdrucks
d) abnormen Nüchternblutzuckers.
Mit freundlichen Grüßen
Hans Reuter

hjt
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Beitrag von hjt » 05.02.09, 10:50

Dass Typ2 einen großen erblichen Anteil habe, ist nicht mehr als eine statistische Vermutung. Wo einer diagnostiziert wird, werden im näheren Verwandtschaftsumfeld noch weitere entdeckt, wenn man da nachfragt. Dass woanders weniger bis keine entdeckt werden, kann auch darauf zurück zu führen sein, dass man ohne einen diagnostizierten Fall nirgends untersucht bzw. weiter nachfragt. Hinzu kommt, dass Typ2 erst seit gut 30 Jahren definiert ist und erst seit gut 10 Jahren routinemäßig bei Blutuntersuchungen danach geschaut wird. Ein aussagefähiges Register gibt es nicht, und bislang ist auch noch kein Gen o.ä. nachgewiesen, das den Typ2 eindeutig auslöst.

Wenn Typ2 von zu vielen Süßigkeiten käme, müsste er noch viel mehr mit Brot und allem aus Mehl und Kartoffeln und Reis verursacht werden, denn die Stärke in diesen Grundnahrungsmitteln ist verdauungstechnisch nichts anderes als Zucker. An der Glukose im Blut, die dann beim Typ2 oft zuviel ist, lässt sich nicht mehr nachweisen, ob sie aus Vollkornbrot oder einem Schokoriegel stammt.

Der Bauchumfang wird gerne als Indikator für die Neigung zum Typ2 genommen, denn er ist einfach zu sehen. Dabei müsste man eigentlich unterscheiden zwischen dem innerbäuchlichen Fett, das die inneren Organe umgibt und sich wie ein schwangerer Bauch fest und prall anfühlt und dem äußeren, das man als Schwimmgürtel so schön wulstig greifen kann. Nur vom innerbäuchlichen Fett weiß man, dass es den Insulinbedarf erhöht, den man dann auch Resistenz nennt und für Typ2 verantwortlich macht. Aber wer unterscheidet schon beim Bauchumfang zwischen innerem und äußerem Fett? Und wenigstens die Hälfte aller Dicken hat nie einen auch nur entfernt auffälligen Blutzucker-Verlauf!

Konkret stehen die meisten stoffwechselgesunden Menschen mit einem Nüchtern-Blutzucker bis um 80 mg/dl auf. Wer mit 126 und mehr aufsteht, ist nach gültiger Definition Diabetiker. Von jedem Wert dazwischen kann man selbstverständlich auf die mit dem Wert zunehmende Nähe zur Diagnose Diabetes schließen, und wer damit auffällt, rückt darauf im Rahmen von spätestens 10 Jahren auch zuverlässig vor.
AAAber es gibt auch diagnostizierte Diabetiker, die nüchtern noch deutlich unter der Diagnosedefinition aufstehen, aber bei denen der viel zu hohe Blutzucker zuerst immer nach dem Essen eintritt. Die werden mit dem Nüchtern-BZ meistens viel zu lange für völlig gesund gehalten. Das liegt daran, dass der Test für nach dem Essen gute 2 Stunden dauert, also aufwändiger ist. Dafür muss man eine festgesetzte Menge Zuckerwasser trinken, und wenn dann nach 2 Stunden 201 und mehr mg/dl gemessen werden, gilt das als Diabetes.

Interessant dabei: völlig stoffwechselgesunde Menschen messen bei diesem Test nach 2 Stunden wieder um 80 mg/dl. Also auch hier ein weites Niemandsland zwischen gesund und Diagnose Diabetes, und sogar viele Ärzte bezeichnen dieses Niemandsland als gesund, obwohl mehr als 1 von 10 Betroffenen darin schon diabetische Komplikationen wie Augen- und Gefäß- und Nervenschäden entwickeln. Deswegen ist zwar seit 2002 als Prädiabetes definiert, wenn 2 Stunden nach dem Zuckerwasser 141 und mehr gemessen werden, aber der gilt einstweilen nicht als behandlungsbedürftig, und es gibt dafür auch noch keine Leit- oder Richtlinien.

Zusammengefasst lässt sich schreiben, dass zwischen dem gesunden Blutzucker-Verlauf und den als diabetisch definierten Verlaufspunkten eine weite Spanne liegt und dass die Wahrscheinlichkeit, in weniger langer Zeit auf Diagnose Diabetes vorzurücken, mit der Annäherung an diese Punkte zunimmt.

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Beitrag von I-user » 13.02.09, 13:09

Hans Reuter hat geschrieben:Das Risiko einen T2-Diabetes zu entwickeln ist abhängig von der genetischen Disposition (Großeltern, Eltern, Onkels und Tanten) und Umweltfaktoren, z.B. Überernährung.
Ob speziell Süssigkeitenverzehr eine Rolle spielt, ist nicht belegt.
Gilt das nicht auch für Typ 1?
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Hans Reuter
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Beitrag von Hans Reuter » 13.02.09, 17:39

Im weitesten Sinne ja, wenn man z.B. virale Infekte zu Umweltfaktoren zählt.
Insgesamt jedoch unklar.
Mit freundlichen Grüßen
Hans Reuter

hjt
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Beitrag von hjt » 13.02.09, 18:21

In der Schwangerschaft werden Einflüsse durch den mütterlichen Organismus in Bezug auf den Fötus auch als Umwelteinflüsse gewertet. Ein Schwangerschaftdiabetes ist z.B. für das Kind ein Umwelteinfluss.

I-user
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Beitrag von I-user » 13.02.09, 18:42

Ok, danke für die Antworten.
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