durch "fehldiagnose" tot?

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Peno1
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durch "fehldiagnose" tot?

Beitrag von Peno1 » 04.01.09, 08:13

Hallo zusammen.

In der Nacht vom 30.12.08 zum 31.12.08 ist mein Großvater (83 Jahre) eine Treppe (12 stufen) hinuntergestürzt. Er hatte eine Platzwinde an der Ferse woraufhin meine mutte mit ihm in die notaufnahme fuhr. Dort behandelte man die Platzwunde. Er klagte dennoch über schmerzen.
Dann gab man ihm ein paar Spritzen und schickte ihn nachhause.

man hatte komplett auf das röntgen verzichtet und auf die frage ob er zur Beobachtung da bleiben solle bekeam man ein Nein als Antwort.

Zuhause legte er sich dann hin.
Als man nach Stunden feststellte das er ohnmächtig sei ruften wir direkt den Notdienst am abend des 31.12.08 an. Mein Großvater wurde dann mit dem Helikopter abgeholt.

Im Krankenhaus stellte man Hirnblutungen fest.
Er wurde direkt operiert.
Am 02.01.09 starb er da man die maschienen aus stellte.

Nun meine Fragen:

Kann man den 1. Arzt dafür verantwortlich machen?
Hätte man nicht wenigstens Röntgen müssen bei einem 83 jährigen mann?
Warum wurde er nicht zu Kontrolle da gelassen?

Bitte gebt mir Antwort ... :cry:

Izzy
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Beitrag von Izzy » 04.01.09, 09:14

Zuallerst möchte ich mein Bedauern über Ihren Verlust ausdrücken und Ihnen und Ihrer Familie Kraft für die kommende Zeit wünschen.

Eine Beurteilung über ein mögliches Fehlverhalten des Arztes oder des sonstigen Personals lässt sich per "Ferndiagnose" natürlich nicht machen. Der Grund warum der Arzt gewisse Maßnahmen oder Diagnostische Mittel nicht durchgeführt hat lässt sich genauswenig aus der Ferne beurteilen wie ohne genaue Kenntnis des Patienten und der Anamnese (Krankengeschichte) im Umkehrschluß nötige Maßnahmen ableiten lassen oder zu äußern was man selbst getan oder vermutet hätte.

Ich denke das beste wäre, damit Sie Antworten auf Ihre Fragen und Zweifel erhalten, dass Sie den Arzt in einem persönlichen und nach möglichkeit sachlichem Gespräch auf Ihre Fragen ansprechen.
Sollte dieses Gespräch für Sie keine Klärung bringen, können Sie danach die Stationsleitung oder Krankehausleitung zu einem Gespräch bitten.

Das wäre zumindest das was ich tun würde.
Hier ist das Internet zu Ende. Bitte Alt+F4 drücken.

Peno1
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Beitrag von Peno1 » 05.01.09, 21:06

zu aller erst wollt ich mich für ihre schnelle beantwortung der fragen bedanken!!!
ebenfalls ein großes dankeschön für die kraft die sie uns wünschen.

ABER:
ist es nicht die pflicht eines arztes sich über die Krankengeschichte des patienten zu infomieren?
dazu war mein großvater auch alkoholiger.
und ich bin trotzallem der meinung das ein 83 jähriger nach einem sturz von 12 stufen zum röntgen geschickt werden sollte.

ich persönlich fahre schon seit jahren skateboard und bin schon oft umgeknickt aus sicherheitsgründen bin ich zum arzt gegangen.
erzählte ihm das es beim auftreten weh tut und das ich umgeknickt bin.
zu mehr kam ich nicht da ich direkt zum röntgen geschickt worden war.

so wurde ich schon ca. 12 mal unnötig zum röntgen geschickt.
(im selben krankenhaus andere ärzte)

ich frage sie... warum ein 83 jähriger mann NICHT?

blackylein
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Beitrag von blackylein » 05.01.09, 21:14

Wusste der behandelnde Arzt im Krankenhaus von dem Unfall?
Wurde er darauf hingewiesen, wieviele Stufen es waren, die Ihr Großvater gestürzt ist? Wenn ein Patient mit einer Wunde am Fuß kommt, ist es für einen Arzt noch lange nicht ersichtlich, daß ein größerer Sturz dahinter steckt. Und wenn Alkohol im Spiel war, kann es gut sein, daß der Arzt dachte, es sei eine Bagatelle gewesen.

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Beitrag von Dr. A. Flaccus » 05.01.09, 21:19

Lieber Peno1,

auch von mir zuerst einmal herzliches Beileid.

Zur Sache möchte ich sagen, daß es in der Tat schwierig ist, vom PC aus darauf zu antworten.

Wenn Ihr Großvater im Rahmen der Befragung (Anamnese) und Untersuchung keine Hinweise auf Kopfverletzungen gezeigt hat, dann war es auch nicht notwendig, zu röntgen.

Es ist auch nicht notwendig, einen wachen Patienten ohne neurologische Ausfälle (Hinweise auf Kopfverletzungen) im Krankenhaus zu behalten.

Aber wie gesagt: Wir wissen nicht, was wirklich im Krankenhaus geschah.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. A. Flaccus
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Peno1
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Beitrag von Peno1 » 05.01.09, 21:53

danke

im krankenhaus wurde angegeben worden das er die stufen gestürzt ist.
deswegen verwundert mich das ja so!

und hätte man ihn übernacht dabehalten wäre er eventuell noch am leben da dort ärztliche kenntnisse vorhanden sind und diese hätten schneller bemerkt das er ohnmächtig wurde als wir und es hätte schneller gehandelt werden können.

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Beitrag von VK-Retter » 08.01.09, 14:37

Also, vorausgesetzt der Arzt hat den vollen Umfang des Traumamechanismus erfahren und die C2-Anamnese, bzw ggf. akute Alkoholisierung wurde erwähnt, dann wäre bei einem solchen Pat. laut der New Orleans Kriterien (Pat. >60 jahre, Drogen- oder Alkoholintoxikation) sogar ein CCT angesagt...
Aber: Es ist ja nicht gesagt das der Arzt auch alle Informationen erfahren hat die er benötigt hätte (bzw. diese die "echten" Infos waren) - auch auf Nachfrage.
Gerade bei alten Menschen und bei (chronisch) Suchtkranken kommt es nämlich häufig zu einer sowohl wissentlichen, als auch unwissentlichen Verzerrung der Realtät und damit auch der Geschehnisse.
Man sieht, eine Ferndiagnose ist schwer bis unmöglich.
Ich würde ebenfalls das Gespräch suchen - allerdings nicht alleine, sondern am besten in Begleitung eines anderen (neutralen, oder besser noch befreundeten) Arztes, bzw eines Anwalts mit Fach- und/oder Interessenschwerpunkt Medizinrecht. Es kann sonst leicht zu Missverständnissen kommen - oder aber auch zu Ausflüchten/Ausreden von Seiten des "begfragten" Arztes, die so nicht erkannt oder wiederlegt werden können.
Außerdem ist es nie sinnvoll sich mit einem pot. zukünftigen Gegner in einem Rechtsstreit ohne Anwalt zu unterhalten, da jede Äußerung eine falsche sein kann...
Quid pro quo?

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Beitrag von blackylein » 08.01.09, 18:37

Selbst wenn der Arzt ein Röntgen des Schädels, und evtl sogar am gleichen Abend noch ein CCT gemacht hat, heißt das noch lange nicht, daß die Blutung zu dem Zeitpunkt auch schon sichtbar war.
Blutungen können auf Röntgenbildern nicht gesehen werden. Darauf sieht man nur die knöchernen Verletzungen.
Und eine Blutung kann sehr langsam verlaufen, dh, sie braucht sehr oft Stunden wenn nicht gar Tage, bis sie auf CCT-Bildern sichtbar sind.
Kann es aber andererseits auch möglich sein, daß Ihr Großvater eine weitere medizinische Behandlung verweigerte?

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Beitrag von VK-Retter » 09.01.09, 20:07

Na, ein CCT selber erkennt natürlich keine Blutung, aber ein guter und geübter Diagnostiker wie es der begutachtende Radologe ja sein sollte dürfte auch beginnende Blutungen erkennen... dafür ist es ja da...
bei einem seeeeeeeeeehr langsam fortschreitenden Ödem können wir uns ja noch streiten, aber bei einer in einem Trauma ursächlichen Blutung die final verläuft, da bin ich mir doch recht sicher das da zu erkennen ist. (Vom Fall unabhängig)
Quid pro quo?

Thomas H.
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Beitrag von Thomas H. » 11.01.09, 14:42

Hallo Peno1,

auch von mir ein herzliches Beileid.

Ich kann Ihre Frust und die eventuellen Reaktionen gut verstehen.

Entgegen der Meinung einiger meiner Vorredner sehe ich es als Pflicht des Arztes an im Rahmen seiner Anamnese (Patientenbefragung) Ursache der Verletzung heraus zufinden.

Hätte er dies getan sollte er anhand des Unfallhergangs durchaus auf die Idee kommen, schwerwiegendere Verletzungen auszuschließen.

Ich bin kein Arzt, daher kann ich Ihnen nicht die genauen Indikationen ("Auslöser") für die verschiedenen bildgebenden Verfahren nennen. Auch denke ich, ist Ihnen an einer medizinischen Diskussion, wie sie hier gerade beginnt, kaum gelegen.

Zu Ihrer ersten, vielleicht viel wichtigeren Frage. Haben Sie das Gefühl, dass der Arzt sich eines Fehlverhaltens schuldig gemacht hat, dann sollten Sie sich ernsthaft gedanken über die Konsequenzen machen. Die Überlegung, ob der Arzt nun "schuld" war an der Situation, brauchen Sie sich nicht zuzumuten. Dies ist Aufgabe der Staatsanwaltschaft, und ggf. des Gerichts.

Suchen Sie sich ggf. Unterstützung durch einen erfahrenen Rechtsanwalt.

Überlegen Sie gut, ob Sie das zur Anzeige bringen, denn letztendlich wird das Ihren Verlust nicht verringern, und die Möglichkeit die Situation, den Verlust, irgendwann hinter sich zu lassen wird sich auf lange Zeit verschieben.

Ich hoffe Ihnen etwas geholfen zu haben.

Mit freundlichem Gruß

Dr. Ch. Erbschwendtner
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Beitrag von Dr. Ch. Erbschwendtner » 11.01.09, 23:16

Hallo Peno1 !

Auch von meiner Seite möchte ich Ihnen viel Kraft in dieser schweren Zeit und Antworten auf all Ihre Fragen wünschen.

Ungeschehen machen können diese das Ereignis nicht, vielleicht helfen sie jedoch zu einem besseren Verständnis desselben und damit zu einer entsprechenden Bewältigung.

Aus der Ferne kann sicher niemand diese Fragen realistisch beantworten, dazu fehlt einfach das Detailwissen zu dem Ereignis.

Sollten Sie konkrete Fragen haben, werden wir versuchen diese unter obigen Aspekt zu beantworten.

Wegen der Entwicklung der Diskussion habe ich den Beitrag in das "geschlossene" Fachforum verschoben. (siehe PM)

mit freundlichen Grüßen

Erbschwendtner
Dr.Ch. Erbschwendtner
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