Vielleicht könnt ihr mir helfen.....

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Evchen35
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Vielleicht könnt ihr mir helfen.....

Beitrag von Evchen35 » 20.10.08, 17:17


error6
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Beitrag von error6 » 21.10.08, 00:04

Hier der original Text:
Hallo,
ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Mein Mann(Alkoholiker seit 4 Wochen trocken)hatte 2006 einen Schlaganfall mit Herzstillstand. Linseitig gelähmt. Konnte dann wieder mit Stock laufen.Defi implatiert bekommen. Jetz im Februar diesen Jahres fing der Defi wieder an zu schocken. Insgesamt 36 Entladungen vom 03.02.08 bis 10.06.08. Sein Zustand verschlechterte sich immer weiter, da er immer weiter auch trank. Nur Schnaps und das nicht wenig.Es wurde eine hepatische Enzophalophatiie diagnostiziert. Ammoniakspiegel liegt immer bei 60 bis 70 Prozent. Gamma GT bei 3,6. Laufen und aufstehen kann er auch nicht mehr und nässt ein. Multiinfarktdemenz. War September 08 auch in der geschlossenen wegen Halluzinationen und so weiter. Er trinkt seit 4 Wochen nicht mehr, nimmt auch alle Medikamente. Er friert auch(selbst bei 30 Grad Aussentemperatur)und empfindet alles was er anfasst als eiskalt und das gedächtnis , da red ich gar nicht drüber. Unser 5 jähriges kind hat mehr Verstand. Ist das alles die Folge der Leberzirrhose(Stadium B) und der hepatischen Enzophaletie? Schaden die ganzen Medikamente nicht der Leber noch mehr?Ich bin verzweifelt, denn so richtig aufklären tut weder Krankenhaus noch der Hausarzt.
wird dies noch schlimmer? Oder kann es helfen, das er kein Alkohol mehr trinkt? Aber er nimmt auch so kaum Flüßigkeit zu sich. Keine 250 ml am Tag.

Für ehrliche Antworten bin ich sehr dankbar

LG Evchen


Hallo,
das hört sich mehr als schlimm an.
Ich kann keine Diagnose stellen, aber die Erfahrung
deutet auf das Korsakow-Syndrom hin.
Du brauchst alle Kraft, denn in diesem Fall
ist eine Besserung wohl nicht zu erwarten.
Gruß
error6
Lies dies mal durch, auch dieses Kälteempfinden ist
hier beschrieben...

Evchen35
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Beitrag von Evchen35 » 05.11.08, 08:37

Ich weiß einfach nicht weiter. Er soll keinen Alkohol mehr trinken, ist mir klar. Aber ich wollte das er einen stationären Entzug macht. Ärzte sagen, das ist sinnlos wegen der sehr weit fortgeschrittenen Demenz. Krankenkasse lehnte darauf hin auch ab. Toll. Ach das schaffen sie schon zu Hause. ICH SCHAFFE ES ABER NICHT!!! Ich bin doch kein Arzt. Könnt ihr euch vorstellen wie er bettelt und was er mir alles für Versprechungen macht? Ich halte das nicht mehr aus. WAs kann ich machen???

LG Evchen

AnnettLoewe
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Beitrag von AnnettLoewe » 05.11.08, 10:17

Hallo Evchen,
Herr Tillenburg hat recht.
An den Gehirnproblemen infolge der Alkoholabhängigkeit lässt sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nichts mehr ändern.
Sie sollten schnellstens eione Pflegestufe beantragen und dann überlegen, ob Sie das mit Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes schaffen können.
Ich persönlich halte jedoch die psychischen Belastungen für Sie und Ihr Kind, die da noch auf Sie zukommen, für zu hoch. Und stellen Sie sich mal vor, SIE würden in der gegenwärtigen Situation ernsthaft krank werden. Dann könnten Sie weder für Ihren Mann noch für Ihr Kind da sein.
Sie wollten gerne eine ehrliche Antwort?

Ich an Ihrer Stelle würde versuchen, einen Pflegeplatz für Ihren Mann zu finden. Das kann auch durchaus besipielsweise in einer Demenz-WG sein.
Regelmäßigen besuchen und gemeinsamen Aktivitäten (soweit das noch möglich ist) steht das ja nicht entgegen, aber Sie und Ihr Kind wären entlastet.
Natürlich wird ER das wahrscheinlich nicht wollen. Versuchen Sie es zunächst mit Überzeugungsarbeit in Ihrem und im Interesse des Kindes!
Sie können beim zuständigen Amtsgericht beantragen, dass eine rechtliche Betreuung für ihn eingerichtet wird, die Sie auch selbst übernehmen können.
Sie könnten ihn dann notfalls auch gegen seinen Willen unterbringen lassen.

Möglicherweise schaffen Sie gemeinsam den Entzug, aber da sich der Zustand Ihres Mannes dadurch nicht wesentlich wird bessern können, müssen Sie überlegen, wie Sie sich selbst eine Perspektive für Ihr eigenes Leben erhalten. Die Pflegetätigkeit mit einem Demenzkranken, der , wie ich annehme, auch aggressiv wird, wenn nicht alles nach seinem Willen geht, raubt Ihnen allein auf Dauer die Kräfte!
Sie haben ein eigenes Leben und müssen vor allem Ihr Kind schützen!
Denken Sie in Ruhe darüber nach und denken Sie dabei nicht nur an das Wohl Ihres Mannes!

Herzliche Grüße,
Annett Löwe

dora
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Beitrag von dora » 05.11.08, 20:14

hallo Evchen,

was die Beiden vor mir geschrieben haben ist absolut richtig.
Hie kannst du mal nachlesen, wie es einer Frau in ähnlicher Situation erging :

http://www.medizin-forum.de/phpbb/viewt ... 01&start=0

machs dir nicht so schwer wie sie :!:

Gruß dora

error6
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Beitrag von error6 » 07.11.08, 13:58

Auch meine ehrliche Antwort?
Lass ihn fallen, es ist aus.
Es gibt Frauen, die Ihren Mann trotz allem lieben
und nicht im Stich lassen wollen.
Aber auch hier klappt das meist nicht, schon garnicht,
wenn Kinder im Haushalt sind.
Es ist verdammt schwer, aber es wird nicht ander vonstatten gehen.
Wenn die Krankheit fortschreitet, und das wird sie,
wird er bald auf dem geistigen Level eines Neugeborenen sein.
Wenn überhaupt.
Mach unbedingt die räumliche Trennung, alleine der Kinder wegen.
Dieser shit Alkohol. mein Gott, was richtet der an.....
Alles Gute,
:) error6

oderland
noch neu hier
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Beitrag von oderland » 14.11.08, 04:17

Hallo Evchen,

was sie jetzt durchmachen ist die Hölle. Seit 17 Jahren leite ich ein Selbsthilfeprojekt für Alkoholiker, das ich damals aus eigener Betroffenheit mit Freunden gegründet habe.

In den Jahren habe ich viele solcher oder ähnlicher Fälle erlebt. Das Ende ist grausam. Sie werfen gleich mehrere Probleme auf.
Immer wieder mußte ich erleben, dass Menschen, die mit dem Genuß von Alkohol aufgehört haben, viel zu wenig trinken, was zu ernsten Folgeerkrankungen, wie Arterienverkalkung führt. Alkohol ist so etwas, wie ein Blutverdünner und wenn der wegfällt und dafür nicht mindestens 2 Liter Wasser (ohne Kohlensäure) am Tag getrunken werden, kommt es zur Verdickung des Blutes, die Adern zu den Beinen, dem Herzen oder dem Kopf verstopfen. Die Folgen sind die sogenannte "Schaufensterkrankheit", Herzinfarkt oder Schlaganfall. Alles das erlebe ich immer wieder bei meinen Männern, auch lange nachdem sie keinen Alkohol mehr trinken.
Wenn Ihr Mann nur 250ml Flüssigkeit am Tag zu sich nimmt, kann das Problem nur schlimmer werden. Zu einer Entgiftung gehört die Einsicht, ausreichend Flüssigkeit (Waser) zu sich zu nehmen.
Aus der Ferne läßt sich der Zustand Ihres Mannes nicht wirklich beurteilen. Nach dem Entzug kann sich der Gesundheitszustand auch schnell bessern.
Wenn die Schäden aber bereits nicht mehr reparabel sind, ergibt sich eine Frage, die hier durchaus zu einem Aufschrei führen könnte.
Warum muß Ihr Mann den Entzug durchkämpfen, wenn seine Lebenserwartung so gering ist, wie es aus Ihrer Schilderung hervorgeht?
Sie können ihm und vor allem sich selbst, unter bestimmten Umständen, viele Probleme ersparen, wenn Sie ihm kontrollierte Mengen Alkohol geben. Das habe ich sogar vor Jahren in einem Krankenhaus erlebt, wo die Ärzte die Alkoholbehandlung einer Frau für aussichtslos hielten und die Krankenschwestern immer einen Schnaps brachten, wenn die Patientin wieder zu schreien anfing.
Andererseits habe ich bei einem meiner Männer erlebt, der bereits unanspechbar auf der Wachstation lag und der von den Ärzte schon abgeschrieben war, wie er sich erholt hat und danach noch 3 Jahre trocken weiter lebte.
Richtig ist natürlich, dass Sie unbedingt an sich und vorallem an Ihr Kind denken müssen. Kein Kind kommt unbeschadet aus einer solchen Familiensituation, selbst wenn man das nicht gleich merkt. Aber das ganze Drama sollte es nicht erleben müssen.
Sie selbst müssen sehr aufpassen, dass Sie an der Situation nicht zerbrechen. Letztlich ist Ihr Mann für seinen jetzigen Zustand selbst schuld und das verpflichtet Sie nicht, Ihr Leben und das Ihres Kindes aufzugeben.
Vor drei Jahren habe ich meine damalige Lebensgefährtin verloren. Sie ist elend an den Folgen ihres Alkoholgenusses verstorben. Obwohl ich Sie rund 10 Jahre vom Alkohol fern halten konnte und alle Möglichkeiten gehabt hätte, ihr zu helfen, war es mir am Ende doch nicht mehr möglich. Wenn jemand mit diesem, letztlich zum Tode führenden, Lebenswandel nicht aufhören will, kann ihm keiner mehr helfen.
Das mit dem Verlassen Ihres Mannes ist so eine Sache. Viele von uns können das nicht, obwohl es richtig wäre. Da kann Ihnen kein Mensch wirklich raten. Das müssen Sie selbst entscheiden, gerade hinsichtlich Ihres Kindes. Egal, wie Sie sich entscheiden, für Sie ist es die einzig richtige und mögliche. Wichtig ist, dass Sie danach ohne Schuldgefühle weiterleben.
Ein Rat zum Schluß. Suchen Sie sich schnell Hilfe. Es gibt Gruppen für Angehörige von Alkoholikern, wo Sie Menschen treffen werden, die Ihre Probleme kennen und die ihnen weiterhelfen können.

Ich wünsche ihnen alles Gute und das Sie die Kraft haben das Problem zu lösen.

Oderland

dora
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Beitrag von dora » 14.11.08, 08:42

hallo oderland


Wenn die Schäden aber bereits nicht mehr reparabel sind, ergibt sich eine Frage, die hier durchaus zu einem Aufschrei führen könnte.
Warum muß Ihr Mann den Entzug durchkämpfen, wenn seine Lebenserwartung so gering ist, wie es aus Ihrer Schilderung hervorgeht?
Sie können ihm und vor allem sich selbst, unter bestimmten Umständen, viele Probleme ersparen, wenn Sie ihm kontrollierte Mengen Alkohol geben.

genau sowas hab ich vor Jahren bei einem Bekannten auch erlebt, und kann sagen, dass das damal gut so war ( ffür alle Beteiligten ).

Was du schreibst ist richtig und auch ich würde der Frau vorschlagen sich unbedingt bei einer Selbsthilfegruppe Hilfe und Rat zu holen.

Gruß dora

error6
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Beitrag von error6 » 14.11.08, 11:31

Absolut richtig!
Das mit dem Blutverdicken habe ich aber bisher noch nie gehört...
Mal nachschlagen, aber ansonsten ein wirklich guter Beitrag, der die
Problematik auf den Punkt bring.
Zum Thema Alkohol im Krankenhaus:
Ein Bekannter von mir, Alkoholiker, lag wegen einer Kleinigkeit
im KH. Die Ärzte bemerkten natürlich seinen Zustand, Tremor usw.
und er bekam auf Nachfrage der Menge täglich 4-6 Flaschen Bier.
Man wollte einfach behandeln, was Sache war, aber nicht
noch einen Entzug mit ihm machen.
Das wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen.
:) error6

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