Ist das das Endstadium ? Familie hat Angst

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vwkaefer
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Ist das das Endstadium ? Familie hat Angst

Beitrag von vwkaefer » 04.09.08, 17:03

Seit Jahren bekomme ich hautnah mit, wie ein Freund sich mit Alkohol ruiniert, und das seit ca 15 Jahren.....alle Krankenhausaufenthalte, Entzüge - alles umsonst, er fängt immer wieder an. 1 Kasten Bier pro Tag läuft durch, mal mehr, mal weniger. Pankreatitis, Leberzirrhose, vor 3 Monaten Magengeschwür, Diabetes, Fettstühle mit teilw. Inkontinenz - seine Frau hat alles durch mit ihm. Heute nun wurde er, schwer alkoholisiert, aggressiv, schrie sinnlose Beschuldigungen seiner Fam. entgegen und rannte dann zum Hausarzt, da er sich freiwillig in seine Entzugsklinik einweisen lassen wollte. Auch in der Praxis randalierte er, gebrauchte schlimmste Ausdrücke, sodass ihn die Ärztin sofort in die Psychiatrie einwies.
Da er früher anders war, liebt ihn seine Familie auf eine Art immer noch und hat nun Angst, dass er sein Endstadium erreicht, er ist 56 Jahre alt und schwer gezeichnet. Als ich ihn letzte Woche sah, bin ich erschrocken, er ißt schon monatelang nichts mehr und trinkt nur Alkohol.
Am Wochenende kümmer ich mich um die Familie, aber was soll ich ihnen sagen ? Für mich persönlich ist es ein Wunder, dass der Mann nach diesem exzessiven Mißbrauch noch lebt, aber das will ich ja so auch nicht sagen. Wo kann sich die Familie etwas Rat und Hilfe holen ? Sozialpsychiatrischer Dienst ? AA waren sie schon, haben nur eine kleine Gruppe am Ort, ist nicht sooo hilfreich.
Entschuldigung, ist lang geworden, aber ich bin auch sehr erschüttert.
LG vwkaefer

error6
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Beitrag von error6 » 06.09.08, 14:41

Für mich persönlich ist es ein Wunder, dass der Mann
nach diesem exzessiven Mißbrauch noch lebt,

Hi!
Das Wunder wird nicht mehr sehr lange anhalten.
Der Körper macht diese Exzesse lange Jahre mit.
Wenn es dann aber wie von Dir geschildert abläuft,
ist das Ende erfahrungsgemäß nicht mehr weit weg.
Ob die AA klein ist oder wie auch immer, nützlich ist diese
Gruppe in jedem Fall. Ihr müsst es einfach in Anspruch nehmen, euch
bleibt echt keine Zeit mehr.
Ich sehe in Deinem Bericht so viele Ähnlichkeiten, die den Missbrauch
ausmachen, dass ich Dir wirklich, auch hier über`s I-Net, keinerlei
Hoffnung machen kann, so gerne ich auch wollte.
Aber noch lebt der Mann und nun liegt es alleine an ihm selbst,
es vielleicht doch noch zu schaffen.
Du und die Familie könnt da recht wenig zu beitragen, es
ist einzig und allein der Betroffene, der etwas bewirken kann.
Dieses renitent werden lässt m.E. auf auf ein bald eintretendes
Delir schließen.
Tausende Fälle fangen so an und genauso viele enden
tragisch gleich.
Ich hoffe, dass sich vielleicht doch noch einiges positiv
verändert. Nimm es mir nicht übel, dass ich so
pessimistisch bin, aber es hört sich wirklich schrecklich
an.
:) error6

vwkaefer
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Beitrag von vwkaefer » 06.09.08, 16:24

Danke für Deine Antwort - ich sehe es ja genauso......nur die Familie will es noch nicht wahrhaben. Habe heute mit ihnen geredet und versucht, ein bißchen Kraft zu vermitteln. Ich habe den nötigen Abstand und seh es wohl realistischer. Ich werde nächste Woche mit der Ehefrau mal zu den AA hingehen, sie selber ist schrecklich kraftlos und verzweifelt. Der Kampf geht ja schon so lange. Sie hielt immer eisern zu ihm und gestern brüllte er sie an, er wisse, dass sie ihn seit Jahren betrügen würde, ich könnte........ :( Ich habe ihr immer gesagt, ER muss SELBER wegkommen wollen, sonst ists für die Katz. Sie meinte aber immer noch, sie könnte ihm helfen.
Es ist schlimm, zusehen zu müssen, wie sich jemand buchstäblich zu Tode trinkt, besonders seine Kinder leiden, auch wenn sie schon so gut wie erwachsen sind.
LG vwkaefer

dora
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Beitrag von dora » 06.09.08, 16:57

hallo

Den Schilderungen nach denke ich auch dass das hier das Endstadium ist.

Versuche deiner Freunding klar zu machen, dass sie ihm weder helfen kann, noch daran schuld ist.

Sieh mal hier sind ein paar Links oben aus dem Forum :

http://www.medizin-forum.de/phpbb/viewtopic.php?t=29704

Gruß und alles Gute
dora

error6
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Beitrag von error6 » 06.09.08, 20:45

Du schreibst, die Kinder sind fast erwachsen.
Das heißt, sie haben ihre ganze Kindheit zusehen müssen,
wie der Vater sich kaputtsäuft.
Da wird ein unsagbares Trauma zurückbleiben.
Aber daran denken die Alkis ja nicht, ist nunmal so.
Warum hat die Frau das geduldet und sich nicht
dagegen gewehrt?
Wenn ich dann höre:
Ja der war früher doch ganz anders und die Liebe usw. .
Alles gelogen, meistens.
Niemand findet den Dreh aus dem Trott und so wachsen Kinder
eben mit dem Alkohol auf.
Schönen Abend noch, falls es heute jemand liest,
:) error6

vwkaefer
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Beitrag von vwkaefer » 07.09.08, 07:37

Hallo error6, auch hier sprichst Du mir aus der Seele. Ich selber hab es in den 70er Jahren geschafft, mich von einem hoffnungslosen Alkoholiker zu trennen, DAS wollte ich meinen Kindern nicht antun ! Was hab ich versucht, dieser Frau das zu vermitteln, dass sie das ihren Kindern nicht antun kann. Das einzige, was ich dem Mann noch "zugute" halten kann, ist, dass er nie "assi" war - also sogenannte gute Familie, er wurde auch nie aggressiv, grölte rum oder oder was man sonst so kennt. Deswegen sind die ja auch wegen seiner plötzlichen Aggressivität so fertig. Gutbürgerlich :( mit reichlich Alk war er, kurz beschrieben. Beide Kinder sind Gottseidank gut geraten, nur, wie es drinnen aussieht..... beide trinken keinen Tropfen Alkohol, Gottseidank.
Die Frau war einfach wohl immer zu schwach, hatte Panik, die Kinder alleine aufzuziehen, leider gibts solche immer noch genug.....
LG vwkaefer

Alma
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Beitrag von Alma » 07.09.08, 09:44

Hallo,

ich schleiche mich hier mal mit ein.

Schön, dass du dich um die Freundin kümmerst und hier konnte schon einmal ein ähnlich geschilderter "Fall" von dir gelesen werden.
http://www.medizin-forum.de/phpbb/viewtopic.php?t=47864

Bei der aufkommenden Aggressivität und überhaupt wegen der Co-Abhängigkeit benötigt die Familie dringend professionelle und psychologische Unterstützung. Das exzessive Trinken hat Auswirkungen auf das Leben, die hinzukommende Aggressivität könnte zu den Folgeschäden "eingeordnet" werden.

Deine Freundin ist nicht verantwortlich für das, was der alkoholkranke Mann macht. Sie hat keine Schuld an dem exzessiven Trinken.
Hinweise auf Hilfsangebote wurden mitgeteilt. Sie und die Kinder benötigen dringend weitere Unterstützung in ihrem Leben.
Sie sollten sich bitte helfen lassen.
Die weiteren Schritte müssen sie allerdings selbst tun :!:

Gruß und viel Kraft
Alma

vwkaefer
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Beitrag von vwkaefer » 07.09.08, 15:24

Hallo Alma, ja es gab wirklich schon so einen Fall - dieser Mann lebt nicht mehr.
Stimmt - sind viele Parallelen, aber wie wohl in vielen Alk-"Karrieren". Ich habe mich auch lange in unserer Stadt bei einem "Frauentelefon" um Frauen in Notlagen gekümmert, 90% waren Frauen von Alks- ich konnte das dann nicht mehr machen. Ich bin jedesmal an die Decke gegangen, wenn Frauen geschlagen wurden, man sich unsägliche Mühe gegeben hat, sie da rauszuholen, in Frauenhäuser geschafft, Jobs besorgt, Kinder untergebracht, auf Ämter begleitet - und dann sind die Frauen wieder zu diesen Typen zurückgekrochen. Ich hätte die Frauen schütteln können - weil sie dann irgendwann wieder mit blauen Flecken (und schlimmerem) im Krankenhaus landeten. Ich werde meine Geschlechtsgenossinnen da nie verstehen.
Meine Freundin hat diese Woche schon einen Termin bei einem Psychologen, sie wird auch wegen der Kinder mit ihm sprechen - die Ursache allen Übels ist ja momentan aufgeräumt......hoffentlich noch ne Weile, damit sie mal durchatmen kann.
LG vwkaefer

Alma
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Beitrag von Alma » 07.09.08, 16:57

Hallo vwkaefer,

mir sind diese traurigen Begebenheiten auch sehr gut bekannt.
Da hilft kein schütteln, weil diese Frauen in einer Abhängigkeit stehen.
Leider "wachen" sie erst auf, wenn sie so gedemütigt oder zusammengeschlagen worden sind, dass sie sich von dem gewalttätigen Partner trennen.
Die Verletzungen sind dann aber schon so tief, dass das wiederum weitreichende Folgen für die Misshandelten hat.

Dir, Deiner Freundin und deren Kindern wünsche ich für die nächste Zeit alles Gute, viel Kraft und Zuversicht.

LG
Alma

vwkaefer
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Beitrag von vwkaefer » 07.09.08, 18:40

Danke für Deine netten Worte.
Meiner Freundin gebe ich sie gerne weiter, sie kanns brauchen.
Liebe Grüße von vwkaefer

error6
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Beitrag von error6 » 08.09.08, 13:32

Ich wünsche Euch auch alles erdenklich Gute,
:) error6

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