selbsthilfegruppen

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kaia
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selbsthilfegruppen

Beitrag von kaia »

Hallo,

ich habe vor 1,5 jahren einen medikamentenentzug hinter mich gebracht, war danach auch in einer entwöhungsbehandlung. jetzt habe ich mich mal nach einer selbsthilfegruppe umgeschaut, und es gibt fast nur welche für entweder nur drogen oder hauptsächlich alkohol, wo dann vielleicht mal ein medikamentenabhängiger drin ist.

ich kann mich aber absolut nicht mit alkoholabhängigen identifizieren. irgendwie ist das doch ne völlig andere art von sucht.

welche erfahrungen macht ihr? dies ist ja ein alkoholboard. wie sieht es aus, wenn in euren selbsthilfegruppen auch medi-abhängige sind?

lg kaia
Alida Prahm
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Beitrag von Alida Prahm »

Liebe kaia,
letztendlich ist Einstieg, Sucht und Ausstieg von der psychischen Seite gleichzustellen. Im körperlichen Entzug unterscheiden sich die Süchte allerdings. Der Medikamententzug dauert länger. Medikamentenabhängigen geht es nicht viel anders als Alkoholabhängigen in der Nachfolgezeit des köperlichen Entzuges. Die Alkoholiker dürfen auf keinen Fall mehr diesen Stoff zu sich nehmen und sollten immer beim Einkauf darauf achten, welche Inhalte die Ware hat.

Der Medikamentabhängige kann über ein offenes Gespräch mit seinem Arzt Alternativmedizin unter Kontrolle zur Einnahme des Arztes erhalten.

Bei beiden Suchtlinien ist immer eine Verhaltensänderung nötig.

Im übrigen ist letztendlich die Alkoholsucht keine andere Art von Sucht als die Medikamentensucht. Beides sind stofflich gebundene Süchte, ebenso wie Drogen. Bei allen Suchtformen ist grundsätzlich die Seele erkrankt. Und an diese Wurzel muss jeder Suchtkranke heran, um mit seiner Abhängigkeit leben zu lernen und umgehen zu können.

Von daher sind die Ratschläge, die hier gegeben werden, sehr oft auch für andere Suchtkranke relevant.

Zurzeit besteht noch keine Rubrik "Drogen- und Medikamentenabhängigkeit". Die Erweiterung des Suchtforums ist allerdings intern im Gespräch.

Du kannst Dich aber auch unter "Hilfelinks" einklinken und an die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren schreiben, wenn Du möchtest. Ansonsten wäre es sehr hilfreich, einfach hier reinzuschauen und die Tipps und Ratschläge für Deine Suchtveranlagung umsetzen.

Ich hoffe, ich konnte Dir helfen.

Liebe Grüße
Alida
Mit freundlichem Gruß
Alida Prahm
Moderation Brennpunkt Alkohol
kaia
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Beitrag von kaia »

hallo Alida,

danke für deine antwort.

klar sind beides stoffgebundene süchte.
aber ein großer unterschied ist zum beispiel, dass man mit alkohol häufiger konfontiert wird, ein modul in der entwöhnungsbehandlung war z.b. der Umgang mit Trinkaufforderungen. das fällt bei medis ja komplett weg.
ein anderer punkt... ich nehme nur noch die verordneten medis (an die anderen würde ich durch meine ärztin auch gar nicht drankommen, da müsste ich schon weiter planen), ganz ohne geht es eben nicht. aber was mir schwer fällt ist, sie in der richtigen dosis zu nehmen, besonders wenn es abends zur nacht ist, oder wenn ich tagsüber so die nase voll vom tag habe und nur noch schlafen möchte, schaffe ich es oft nicht.

lg kaia
Alida Prahm
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Beitrag von Alida Prahm »

Hallo,
das sehe ich nicht ganz so, denn die Schulhöfe sind voll mit Tablettenschieberei. Aber ich habe auch nicht vor, hier zu diskutieren, was schlimmer oder anders an einer anderen Sucht ist. Das ist nicht der Sinn einer Selbsthilfe.

Welche Formen von Therapien hast Du denn schon mitgemacht? Es gibt doch Verhaltenstherapien, die Dir helfen, besser durch den Tag zu kommen, um die Gedankenwelt von einer Medikamenteneinnahme abzulenken und dann sofort etwas anderes zu tun, als zur Tablette zu greifen.

Diese Form der Verhaltenstherapie ist langwierig, denn es gehört eine kompromisslose Selbstanalyse dazu, die diszipliniert durchgehalten werden sollte.

Würde mich über Antwort freuen.

Liebe Grüße
Alida
Mit freundlichem Gruß
Alida Prahm
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kaia
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Beitrag von kaia »

Hallo Alida,

es ging mir mit Sicherheit auch nicht darum zu diskutieren, welche Sucht schlimmer ist als die andere. da ist jede für sich schlimm genug.

ich habe (leider) schon viele therapien gemacht, letztes jahr war ich in der entwöhnungsbehandlung, war verhaltenstherapeutisch. dieses jahr in ner tagesklinik (schwerpunkt borderline, keine sucht) und ambulant bin ich auf der suche nach einer verhaltenstherapeutin.
habe davor auch schon therapien gemacht, aber das thema sucht war nie vorrangig, ist auch danach erst so richtig gravierend geworden.

naja, und was eine selbsthilfegruppe angeht, da bin ich eben auch noch auf der suche. habe auch telefonnummern hier liegen, konnte mich aber noch nicht überwinden, dort auch anzurufen... :roll:

lg kaia
Alida Prahm
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Beitrag von Alida Prahm »

Hallo kaia,
eine Selbsthilfegruppe für Medikamentenabhängigkeit ist nicht leicht zu finden, aber Du kannst es ja mal unter dieser Kontaktadresse versuchen:

Selbsthilfe für Medikamentenabhängige und deren Angehörige

BLAUES KREUZ IN DER EVANGELISCHEN KIRCHE (BKE)
Bundesverband e.V.
Julius-Vogel-Straße 44
44149 Dortmund
Tel.: 0231 / 586 41 32
Fax: 0231 / 586 41 33
Internet: www.blaues-kreuz.org
E-mail: bke@blaues-kreuz.org

Aber meistens sind es gemischte Selbsthilfegruppen.

Vielleicht hilft Dir ja das Schreiben bei uns weiter, denn wie gesagt: Die Ausgangsprobleme jeder Sucht liegen immer psychischen Bereich, deshalb ist bei einer Therapie die Sucht selbst auch nicht ausschlaggebend, sondern Dein Verhalten in bestimmten Situationen Dir gegenüber und wie Du es ändern kannst.

Liebe Grüße
Alida
Mit freundlichem Gruß
Alida Prahm
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das ist nur ein theoretisches problem

Beitrag von polarbear »

ich arbeite in einer fachklinik für suchtkranke jugendliche.
lange hat sich im suchbereich die mär gehalten dass verschiedene süchte zu unterschiedlich sind um zusammen behandelt werden zu können.
dem ist aber real nicht so. klar weisen leute mit unterschiedlichen suchtstoffen auch unterschiede auf...dennoch gleicht sich auch viel.
und ein (oft sehr dynamischer) drogenabhängiger kann von einem (oft sehr gemächlichen oder weniger dynamischen) alkoholabhängigen oft profitieren und umgekehrt.
wichtig ist aus meiner sicht eher die altersstruktur, dass jemand da hineinpasst. eine 20jährige in einer gruppe von 55-jährigen ist sehr vielk problematischer als zwei 20 jährige , der eine alkoholiker der andere drogenabhängig.
es ist keine kunst in den rachen des drachen zu steigen...die kunst ist wieder herauszukommen ;)
Alida Prahm
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Beitrag von Alida Prahm »

@polarbär,

das sehe ich genau so. Allerdings gibt es auch da Ausnahmen. Ich habe junge Menschen kennengelernt, die eine "ältere" Gruppe bevorzugen, weil sie dort ein wenig den "Eltern"-ersatz finden. Letztendlich ist es ausgesprochen wichtig, dass jeder "seine" Gruppe findet, in der er Vertrauen und Halt findet. Sucht ist genzenübergreifend im Alter und in der sozialen Schiene und macht vor nichts halt. Und wenn sich hier die Generationen miteinander verstehen, fände ich das gut.

Von den "Alten" lernen die "Jungen" und Sucht ist Sucht. :wink:

Danke für den Beitrag.

Liebe Grüße
Alida
Mit freundlichem Gruß
Alida Prahm
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polarbear
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klar wer profitieren...

Beitrag von polarbear »

liebe alida

wer WILL , kann immer profitieren, selbst in der schrägsten selbsthilfegruppe oder therapiegruppe, ist meine beobachtung ;). ich hab mal von nem recht bekannten therapeuten gelesen, dass er immer so froh ist dass sich seine klienten TROTZ ihm entwickeln. die sog. *nachbeelterung* ist natürlich, wenn sie gelingt ein toller aspekt, zumal viele süchtige jüngere menschen aus suchtfamilien kommen und es cool finden wenn leute im alter ihrer eltern trocken oder clean sind.
nur, ich weiss nicht wie ich es richtig formuliere, dass es niemand in den verkehrten hals bekommt...bei der alt/jung kombination sind auch gewisse untiefen vorhanden, z.b. das abarbeiten von (elterlichen) schuldgefühlem an den jüngeren...wobei ich nie beobachtet habe dass das willentlich oder wissentlich geschieht...eher unbewusst....
...und es gibt noch ein paar untiefen mehr...
ein aspekt meiner arbeit ist auch die förderung einer gruppe hin zur selbsthilfe und dabei erlebe ich immer als sehr wichtig, dass bei den neueren gruppenmitgliedern der aspekt am meisten *zieht* dass die anderen (in etwa gleich alten) ähnliche probleme hatten (sei es wieder zur schule gehen, ausbildungsplatz suchen etc) die ihren sehr ähnlich sind und dass die *altgedienten* das geschafft haben. das macht mut, eigene anläufe zu unternehmen.

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Alida Prahm
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Re: klar wer profitieren...

Beitrag von Alida Prahm »

Hallo polarbear,
polarbear hat geschrieben: bei der alt/jung kombination sind auch gewisse untiefen vorhanden, z.b. das abarbeiten von (elterlichen) schuldgefühlem an den jüngeren...wobei ich nie beobachtet habe dass das willentlich oder wissentlich geschieht...eher unbewusst....
Direkt beobachtet habe ich es in der Grußße auch nicht. Allerdings möchte ich dazu sagen, dass oft Fragen gekommen sind zwischen den Generationen, die beiden Teilen geholfen haben, Verständnis füreinander aufzubringen. Die alten haben lernen können, die Gedanken und Gefühle der Jungen ernst zu nehmen und anders herum. Und durch dieses Miteinander und durch diesen Lernprozess haben mit Sicherheit -vielleicht unbewusst- die Familienangehörigen der Suchtkranken die Möglichkeit, sich anders zu betrachten.

Ich kann allerdings verstehen, dass Du in einer Klinik für suchtkranke Jugendliche sehen musst, dass die Altersstruktur in gewisser Weise eingehalten werden muss.

Hast Du mal daran gedacht -einfach nur so- mit ein paar Jugendlichen eine Gesprächsgruppe aufzusuchen -nur als Besucher- mit überwiegend älteren Menschen? Wäre bestimmt interessant.

Liebe Grüße
Alida
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Mit freundlichem Gruß
Alida Prahm
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