Antabus oder Campral

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apeter
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Antabus oder Campral

Beitrag von apeter »

Möchte wissen, wer mit den beiden Medikamenten schon Erfahrungen gemacht hat. Wenn ja, welche?
Grüße
medikus
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Beitrag von medikus »

Hallo aperter
Ehrfahrungen habe ich mit diesen Medikamenten nicht, bin aber überzeugt davon das Medikamente kein Ersatz für eine qualifizierte Entwöhnungsbehandlung sind :!: .
Im Gegenteil. Wenn jemand mit dem trinken aufhören muss es vom Kopf her kommen, die Illusion ein Medikament einzuwerfen und schwupp hört man mit dem trinken auf, oder kann dadurch kontrollierter trinken ist ein irrglaube der meiner Meinung nach nicht funktioniert.
Wenn ich richtig Informiert bin bleibt einem der Entzug eh nicht erspart.
Viele Grüße
medikus
apeter
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Beitrag von apeter »

Danke medikus für die Antwort und das Interesse! Die Frage war auf die grundsätzliche Auswirkung dieser Medikamente gerichtet. Wenn überhaupt wären sie als Begleitung zur Therapie gedacht, aber gerade bei Campral, was ja den Suchtdruck verringern soll, finde ich es schon interessant, als Begleitung einer Therapie. Ich wollte nur mal wissen, wie schwerwiegend diese Medikamente an sich für den Organismus sind? Vielleicht kennt sich ja jemand damit aus.
Grüße
Alida Prahm
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Beitrag von Alida Prahm »

Hallo apeter,
wenn du Wirkungen und Nebenwirkungen dieser Medikamente erfragen möchtest, dann gibt es hier im Forum die Möglichkeit unter Pharmazie. Versuche es doch dort noch einmal:
http://www.medizin-forum.de/phpbb/viewf ... artner=mod
Viel Erfolg.
Grüße
Alida
apeter
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Beitrag von apeter »

Hallo Alida,
danke für die Hilfe, werde mich da mal bei angegebenem Link schlau machen. Eins finde ich nur komisch, ich dachte es würden sich Leute melden, die selbst mal Erfahrungen gemacht haben. Sind diese Medikamente so selten im Einsatz. Weißt Du was darüber?
Grüße apeter
Alida Prahm
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Beitrag von Alida Prahm »

Hallo apeter,
Antabus ist in Deutschland ein Medikament, dass nur noch selten verwendet werden soll, denn es ist im besten Falle nur ein "Hilfsmittel" in der Behandlung gegen Alkohol und behandelt nicht die Abhängigkeit, ebenso das andere Medikament. Medikamente in der Behandlung gegen die Sucht helfen allerhöchstens nur in der ersten Zeit ein wenig über den Suchtdruck hinweg. Ich ganz persönlich rate davon dringend ab, denn Medikamente sind kein Garant gegen Abhängigkeitsbehandlungen. Außerdem können diese "Hilfsmittel" schwere Nebenwirkungen erzeugen. Besser ist es so, wie medikus bereits geraten hat: Lieber mit dem Hausarzt zusammen einen Entzug besprechen und wenn möglich mit klarem Verstand und ganzem Herzen da durch, auch wenn es noch so schwer erscheint. Denn jede andere Stütze ist bereits schon wieder ein Ausweichen im Kampf gegen den Ursprung dieser Krankheit.
Liebe Grüße
Alida
apeter
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Beitrag von apeter »

Liebe Alida,
danke für die Antwort. Da ich als Angehöriger schreibe, dachte ich bei meiner Frage nur, ob es Möglichkeiten zur Begleitung einer Therapie gibt. Da ich immer weider mitbekomme, wie der Suchtdruck jegliche Kraft und den Willen lähmt, bei noch so starker Persönlichkeit kam es mir doch irgendwie ganz logisch vor, das man auch bei so einer psychischen Erkrankung mit Medikamenten unterstützen kann. Ich weiß heute, das der Suchtdruck eine regelrechte List des Körpers ist. Suchtkranke müssen doch irgendetwas an die Hand bekommen, was Ihnen zumindest die Sache etwas erleichtert. Erleichterung heißt ja nicht gleich, das damit ein Freibrief erreicht wird für den Abhängigen. Vielleicht gibt es viele Betroffene, die sich damit einen Freifahrtsschein erlügen, aber aus meiner Erfahrung mit der betroffenen Person weiß ich, das der Wille frei zu sein riesig ist, aber der Suchtdruck manchmal grenzenlos ist. Trotz Klinikaufenthalt und Gruppentherapie ist schon zwei mal ein Rückfall erfolgt, und nicht weil das Problem plötzlich kleiner wurde, sondern weil der Suchtdruck jegliche Realität und die Folgen des Trinkens ausblendet. Schade das man an dieser Stelle nicht auch ein wenig mehr forscht, denn suchtkrank zu sein, gerade mit Alkohol, in dieser Gesellachft ist verdammt schwer!
Liebe Grüße
apeter
Alida Prahm
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Beitrag von Alida Prahm »

Sicher ist es schwierig. Nur bei einer medikamentenbegleitenden Therapie greift mit Sicherheit irgendwann die Psyche zur "Stütze" Tablette. Das ist dabei das Gefährliche! Auf diese Weise kann dann auch noch eine psychische Abhängigkeit von Medikamenten entstehen.
Der Wille hat nicht mit der Psyche zu tun. Jetzt mal ganz salopp: Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach. Bitte versuche zu verstehen: Alkoholismus ist eine Krankheit psychischer Natur.
Wenn die Psyche nur irgendwie kann, wird sie dem Menschen dann vorgaukeln: "Ach, mit den Medis ging das ja ganz gut. Wenn ich es dieses Mal geschafft habe, dann das nächste Mal auch....." Merkst du, worauf ich hinaus möchte?

Wenn die betroffene Person "Rückfälle baut", dann liegt das nicht am fehlenden oder ausgeschalteten Willen, sondern daran, dass in der Seele, in der Psyche dieses Menschen noch etwas ganz tief verborgen liegt, das noch nicht bearbeitet wurde, das in den therapien noch nicht hervorkam. Denkst du bitte mal darüber nach, ob das nicht sein könnte? Du kennst diese Person besser.
Wie gesagt: Ein Durcharbeiten ist für das spätere Leben eines suchtkranken Menschen besser, als ein Entzug mit dämmenden Medikamenten.
Liebe Grüße Alida
apeter
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Beitrag von apeter »

Liebe Alida,
danke das Du Dich meiner Sache so annimmst. Das, was Du schreibst, klingt einleuchtend. Wenn man einen Betroffenen "kämpfen" sieht, und dann doch Rückfälle kommen, dann versucht man sich an allen Strohhalmen festzuhalten. Die Medikamente waren halt auch da mal so eine Idee, irgendwie zum Ziel zu kommen. Du hast wohl recht, das das mit der Alkoholsucht, sehr tiefgreifend ist, der Prozess bis dahin ist ja auch ein sehr schleichender. Bei meinem "Betroffenen" hat es sich über 20 Jahre aufgebaut, bis hin zum absoluten Kontrollverlust, ab dem kleinsten Tropfen Alkohol. Er ist gerade dabei sich für eine ambulante Langzeittherapie vorzubereiten, vielleicht klappt es ja diesmal. Und vielleicht kommem ja dabei die nicht aufgearbeiteten Dinge zum Vorschein. Abschließend will ich noch sagen, das man es in dieser Gesellschaft wirklich schwer hat, sich dieser Krankheit zu entziehen, das haben wir in den letzten Monaten mitbekommen. Es bedarf noch sehr viel Aufklärung in der Gesellschaft, wie man es diesem Personenkreis leichter machen kann, damit zu leben.
Noch mal vielen Dank
apeter
Alida Prahm
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Beitrag von Alida Prahm »

apeter hat geschrieben:Abschließend will ich noch sagen, das man es in dieser Gesellschaft wirklich schwer hat, sich dieser Krankheit zu entziehen, das haben wir in den letzten Monaten mitbekommen. Es bedarf noch sehr viel Aufklärung in der Gesellschaft, wie man es diesem Personenkreis leichter machen kann, damit zu leben.
Noch mal vielen Dank
apeter
Ich möchte zu diesen Worten noch etwas sagen:

Zu jeder Sekunde und Minute "Nein" sagen und irgend etwas tun nimmt die ersten Hürden.
Später, wenn die schlimmste Zeit vorüber ist: Nur für "heute" trinke ich keinen Alkohol - und das jeden Tag neu - das genügt.
Toi, toi, toi.
Liebe Grüße Alida
A.
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Beitrag von A. »

hätte da auch eine Frage wenn es um Antabus geht

habe eine gute Freundin die seit ca 8 monaten Antabus nimmt. Zuerst verlief alles recht gut. Jetzt aber habe ich den verdacht das sie trotz behandlung mit Antabus trinkt, ist das denn möglich???
kaia
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Beitrag von kaia »

hallo,

uns wurde in der suchtklinik gesagt, dass kampral und ähnliches medizinisch absoluter humbug ist oder die wirkung zumindest nicht nachgewiesen werden konnte.

es wurde da sogar nicht nur als nicht nützlich angesehen, sondern eher kritisch.
denn selbst du abstinent bleíbst und es auf das kampral zurückführst, dann gaukelt es dir vor, dass du es ohne nicht schaffen kannst. du tauschst eigentlich nur das suchtmittel aus. glaubst, dass du irgendwas brauchst...
fand ich schon nachvollziehbar... (auch wenn die nebenwirkungen von diesen medis - vielleicht - nicht so heftig sind wie die von deinem früheren suchtmittel...)

lg kaia
Alida Prahm
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Beitrag von Alida Prahm »

Hallo A,
in diesem thread wurde bereits darauf aufmerksam gemacht, dass die Einnahme eines Medikaments im besten Fall ein Hilfsmittel in der Behandlung des Alkoholismus sein kann. Sich darauf zu verlassen: "Ich nehme die Pille und dann bin ich kein Alk mehr" ist Selbstbetrug. Während einer Behandlung sollte man vorrangig immer an den Ursprung der Krankheit herangehen. Die Medikamente sollten -wenn denn wirklich nötig- immer nur heilend, ausgleichend usw. beiseite stehen. Und das ist beim Alkoholismus ebenso.
Liebe Grüße
Alida
Mit freundlichem Gruß
Alida Prahm
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distor
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Beitrag von distor »

Hallo,

durch Zufall bin ich auf diese Seite gestoßen. Zum Thema Campral hätte ich Folgendes zu sagen: Ich bin seit über neun Jahren ohne jeden Rückfall trocken. Bei meinem Entzug in einer Uniklinik im März 1997 hat man mir Campral, das damals relativ neu war, intensiv ans Herz gelegt. Nach der Klinik habe ich das Medikament etwa 14 Monate genommen. Nebenwirkungen gab es keine. Ob es wirklich geholfen hat, weiß ich nicht,
Begleitend habe ich eine verhaltenstherapeutische Therapie gemacht, die mir nach meinem Eindruck nicht viel gebracht hat, weil der Therapeut wenig drauf hatte. Nach einem Besuch in einer Selbsthilfegruppe bin ich dort nie wieder hin, weil die Gruppenleiter (selbst trockene Alkis) mir unmissverständlich rübergebracht haben, dass sie von einer Medikamenten-gestützten Trockenheit nichts halten. Gleichzeitig haben sie sich in unerträglicher Weise als „Psychologen“ aufgespielt, dass es nicht zum Aushalten war.
Zusammenfassend sage ich, Campral hat nicht geschadet, es spricht vieles dafür, dass es hilfreich war.

Gruß, distor
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