Ist er Alkoholabhängig?

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sunny1983
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Ist er Alkoholabhängig?

Beitrag von sunny1983 » 14.02.13, 13:47

Hallo zusammen.

mein Vater trinkt jeden Tag Bier, es gibt keinen Tag ohne Alkohol, und das, schon seit ich denken kann. Ich bekomme es nicht so genau mit, aber so 5-7 Flaschen (0,5 l) sind es bestimmt jeden Tag. Und ich vermute, dass er auch manchmal (heimlich) Schnaps trinkt. Da bin ich mir aber nicht sicher, wir haben noch nie was Verstecktes gefunden.

Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass es sich hier um eine Abhängigkeit handelt, jedoch eines macht mich stutzig: Er macht einmal im Jahr eine Art Diät, wo er dann mindestens 1 Monat oder länger gar nichts trinkt. Es geht also auch ohne Alkohol. Ob ihm das schwerfällt oder nicht, kann ich nicht sagen, aber er zieht das konsequent durch. Während der Zeit trinkt er alkoholfreies Bier. Warum er das macht? Vermutlich wegen des jährlichen Check-ups beim Arzt...

Meine Frage: Gibt es auch Abhängige, die einfach so für einen längeren Zeitraum abstinent sein können? Ich kann es schlecht einschätzen. Leider kommen jetzt auch noch Depressionen bei ihm hinzu, sodass ich befürchte, dass es noch schlimmer werden könnte mit dem Alkohol.

Ich bin dankbar für jede Antwort!

Muppet
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Re: Ist er Alkoholabhängig?

Beitrag von Muppet » 14.02.13, 14:33

Hallo,
ja, es ist möglich für ein Alkoholiker 4 oder mehr Wochen ohne Alkohol aus zu kommen. Das machen auch viele Raucher zu Fastenzeit zum Beispiel, die 6 Wochen schaffen und dann wieder 30 Zigaretten am Tag rauchen. Es ist eben ein Sucht- ein Jahr ohne halten sie nicht aus.
Depression und Alkohol ist auf jeden Fall ungünstig - Depressive Leute neigen zu trinken, Alkohol verschlimmert eine Depression. Allerdings muss derjeniger selber damit aufhören wollen.
Alles Gute
Muppet

sunny1983
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Re: Ist er Alkoholabhängig?

Beitrag von sunny1983 » 14.02.13, 16:15

Danke Muppet. Wie verhält es sich dann mit den Entzugserscheinungen? Also rein interessehalber. Ich glaube kaum, dass er welche hat. Oder er sagt es halt nicht. Oder ist es vielleicht eine rein psychische Abhängigkeit?

Die Depressionen kamen erst kürzlich dazu. Trinken tut er schon immer. Er war überraschenderweise letzte Woche beim Hausarzt und hat sich diesem anvertraut. Der hat eine Depression diagnostiziert und ihm erstmal Anti-Depressiva verschrieben. Ich glaube aber kaum, dass er den Alkohol erwähnt hat...
Ich glaube, ihm ist gar nicht bewusst, dass er abhängig ist, denn Bier trinken ist (für ihn) ja ganz normal. Leider ist das hier im Dorf allgemein so.

Kann man da als Angehöriger darauf irgendwie aufmerksam machen? Also ihm "schonend" beibringen, dass er das Trinken sein lassen sollte? Ich weiß gar nicht wie ich mich verhalten soll... Leider weiß ich jetzt schon, dass er total dicht machen würde, wenn man ihn darauf anspricht. Das ist aber in allen Lebenslagen so, er reagiert immer sehr sehr aufgebracht und beleidigt, wenn er kritisiert wird.

dora
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Re: Ist er Alkoholabhängig?

Beitrag von dora » 14.02.13, 16:50

wenn er Anti Depressiva nimmt darf er eigentlich gar keinen Alkhol trinken, das müsste ihm sein Arzt aber auch gesagt haben.

Muppet
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Re: Ist er Alkoholabhängig?

Beitrag von Muppet » 14.02.13, 17:43

Das stimmt, Alkohol und ADs ist gefährlich. Kann sein, dass er dann sowieso das Trinken zurückschraubt. Die Kombination macht sehr schläfrig. Allerdings brauchen ADs einige Wochen bis sie wirken und die Stimmung aufhellt.
Wie man ihm darauf anspricht? Naja wenn er komplett zumacht, ggf. über seinem Hausarzt- oft nehmen Leute die Warnungen eines Arztes ernster als die von Freunde/Familie.
Alles Gute
Muppet

dora
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Re: Ist er Alkoholabhängig?

Beitrag von dora » 14.02.13, 18:12

Wie man ihm darauf anspricht?
ohne Umschweife, knallhart, was anderes kapiert er nicht weil er es ja nicht will.
Den HA würde ich auch informieren damit der weiß warum der die Medikamente nicht verträgt 8)
Könnte mir sowieso vorstellen dass der längst was bemerkt hat.

sunny1983
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Re: Ist er Alkoholabhängig?

Beitrag von sunny1983 » 15.02.13, 09:59

Vielen Dank für die Tipps!
Das wusste ich nicht, dass sich Alkohol und Anti-Depressiva nicht verträgt - habe ich noch nicht drüber nachgedacht. Ich glaube, ich werde mal mit dem HA sprechen - dem glaubt er am ehesten und vertraut ihm blind.
Das sinnvollste wäre denke ich mal, erst die Sucht zu bekämpfen und danach die Depression, oder? Mir ist klar, dass er das selber wollen muss. Aber ihm wird nichts anderes übrigbleiben, wenn er die Depressionen bekämpfen will.

PastorsRainer
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Re: Ist er Alkoholabhängig?

Beitrag von PastorsRainer » 19.02.13, 16:23

Hallo

Vielleicht versuchst Du es echt am besten durch den Hausarzt. Wenn er wirklich abhängig ist, wird er Dir das höchstwahrscheinlich nicht eingestehen. Mit Antidepressiva und Alkohol sollte man in der Tat sehr aufpassen und der Arzt sollte in jedem Fall davon wissen.

Gruß
Rainer Pastors

ice b
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Re: Ist er Alkoholabhängig?

Beitrag von ice b » 19.02.13, 19:35

durch das antidepressiva kann sich die wirkung des alkohols verstärken. das merken die patienten aber im allgemeinen selber und "korrigieren" daher ihren alkoholkonsum entsprechend. er "braucht" dann halt weniger. ich würde mir deswegen keine zu großen sorgen machen.

ich würde in so einem fall auch nicht den arzt ansprechen, da ich meine, dass es eine unangemessene einmischung in die privaten belange des vaters ist. der vater ist ja erwachsen. nach einer deutlichen ansprache muss er meiner meinung nach selber entscheiden, wie er mit sich und seiner gesundheit umgehen möchte.

wenn so ein kontakt belastet, würde ich raten den kontakt abzubrechen, da erfahrungsgemäß jegliche einmischung von außen sowieso nicht hilft.

bounce1983
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Re: Ist er Alkoholabhängig?

Beitrag von bounce1983 » 25.02.13, 10:26

Meine Mutter hat ihn darauf angesprochen, dass in der Packungsbeilage steht, dass Alkoholkonsum die Wirkung beeinträchtigen kann. Daraufhin sagte er, der Hausarzt habe gesagt, dass 3-4 Bier täglich kein Problem seien.
Ich glaube ihm das nicht, ich schätze, der Hausarzt hat eher von 1-2 Bier gesprochen. So verantwortungslos kann ein Hausarzt doch nicht sein, oder?
Tatsächlich sind es aber 8 Bier (0,5l) täglich, wir haben jetzt mal gezählt. Er nimmt die Medikamente jetzt seit ca. 3 Wochen.

Ich bin kurz davor, dem Hausarzt Bescheid zu sagen. Allerdings fühle ich mich dann auch schlecht, weil es tatsächlich ein Eingriff in die Privatsphäre ist, wie hier ja auch schon jemand geschrieben hat... :cry:

ice b
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Re: Ist er Alkoholabhängig?

Beitrag von ice b » 25.02.13, 11:22

vielleicht hilft es dir bei der entscheidung, wenn du dir beantwortest, was genau du bezwecken möchtest, bzw. was deine intention ist. also was ist dein wunsch, was passieren oder nicht passieren soll? und aus welchem gefühl heraus handelst du? hilft manchmal, wenn man sich eine liste macht.

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Re: Ist er Alkoholabhängig?

Beitrag von biene359 » 27.02.13, 16:02

habe ein ähnliches Problem. Wollte mal fragen ab wann man nun eigentlich von einer Alkohol-abhängigkeit sprechen kann?

ice b
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Re: Ist er Alkoholabhängig?

Beitrag von ice b » 27.02.13, 16:46

der übergang ist fließend.

wofür soll das denn wichtig sein?

Marlisa77
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Re: Ist er Alkoholabhängig?

Beitrag von Marlisa77 » 05.06.13, 09:34

Meiner Meinung nach sind erste Hinweise auf Alkoholsucht das Alleine-Trinken, wenn man sich schon morgens oder mittags denkt, dass man etwas trinken möchte und das Bedürfnis hat, zu trinken (dazu zähle ich aus das "Ah, heute abend trinke ich etwas"-Verhalten, wenn man merkt, dass seine Resistenzen deutlich gestiegen sind, wenn man sehr regelmäßig trinkt etc.... Es gibt dazu sehr gute Informationen von der BZgA, vielleicht einfach mal googeln und durchlesen...

Malte L
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Re: Ist er Alkoholabhängig?

Beitrag von Malte L » 25.07.13, 11:30

Also laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung ist es okay täglich ein Bier (0,5l) zu trinken. Aber dieser Wert ist natürlich für jeden Menschen ein bisschen anders (Geschlecht, Körpergewicht, Fitnesszustand, Stoffwechsel etc.). Wenn es aber täglich deutlich mehr als diese Menge ist, würde ich mir schon Gedanken machen. Glaube die Grenze zum Alkoholiker kann man nicht direkt an der getrunkenen Menge Alkohol ausmachen. Das würde ich eher an Verhaltensweisen festmachen.

Wie Marlisa77 ja schon geschrieben hat, ist Alleine-Trinken irgendwie schlecht, dann sollte man auch nicht trinken wenn man in irgendeiner Form psychische Problem (oder gar eine Depression) hat, auch zu welchen Uhrzeiten man mit dem trinken beginnt kann entscheidend sein.

Wenn dein Vater ein paar Wochen nichts trinkt, wie verhält er sich denn da? Hier wurde das Beispiel mit den Rauchern ja schon genannt, die öfters mal für eine gewisse Phase aufhören. Kenne solche Leute auch und ich konnte da vereinzelt dann schon schnell Entzugserscheinungen beobachten wie beispielsweise eine gestiegene Gereiztheit und Nervosität.

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