Urinkultur und Ejakulat: Infragestellung der üblichen Laboruntersuchungen

Chronische Beckenbodenschmerzen, Urogenitalsyndrom- Beckenbodenmyalgie, Prostatitis

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Rafaelgc
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Urinkultur und Ejakulat: Infragestellung der üblichen Laboruntersuchungen

Beitrag von Rafaelgc »

Hallo!
Ich bin Rafael (40, aus Spanien) und leide seit ca. 4 Monate unter CPPS. Ich möchte mich erstens für eure Beiträge bedanken und darüber hinaus möchte ich eine Frage stellen, die vielleicht anderen interessieren kann. Nach vielen Urinkulturen und Ejakulaten ohne Befund (oder mit kleine Mengen an Keimen, die vom Urolog meist als Kontamination interpretiert werden) habe ich etwas über diese Laboruntersuchungen gelesen. Meine Frage ist folgende: Kann das Problem am Diagnostik-Verfahren liegen? Sind diese Untersuchungen dazu geeignet, die Bakterien zu finden, die meine Symptome verursachen? Handelt es sich um eine abakterielle Krankheit, oder liegt es daran, dass wir nicht richtig gesucht haben? Es wäre nützlich, die folgende Fragen in Betracht zu ziehen:

a) Ist das Ejakulat die treffende Untersuchung, um eine bakterielle Infektion der Prostata nachzuweisen, oder soll man das Prostataexprimat lieber zum Labor schicken?[/u][/u]

Anbei ein wissenschaftlicher Aufsatz, der die Genauigkeit des Ejakulates mit der sogenannten 4-Gläser-Probe vergleicht:

http://www.scielo.br/scielo.php?script= ... 8000100006

Hier wird gezeigt, dass die 4 Gläser Probe viele Fälle von Infektionen beweisen kann, die im Ejakulat nicht nachgewiesen werden können. Dies wird auch im Buch "Chronic prostatitis / chronic pelvic pain syndrom" festgestellt:

Chronic prostatitis / chronic pelvic pain syndrom
Ed. by Daniel A. Shoskes, MD
Humana Press
2008

Ich zitiere:
"...semen cultures identify significant bacteriospermia in only about 50% of semen specimens from men with chronic bacterial prostatitis" Seite 33, letzter Absatz

Ich frage mich dann: Warum wird dann diese Probe anstatt des Ejakulats durchgeführt? Mein Urolog meint, es handelt sich um ein altmodisches Verfahren, das heutzutage nicht mehr nötig ist. Allerdings habe ich genau das Gegenteil in diesem Dokument aus der Schweiz (Verfahrensgrundlinien bei Prostatitis) gefunden:

https://medicalforum.ch/journalfile/vie ... df/rsrc/jf

b) Wie lange soll die Kultur von Urin und Sperma dauern?
Diesbezüglich kann man den folgenden Aufsatz von Shoskes lesen, der feststellt, dass eine 5-Tage Kultur genauere Ergebnisse hat:

Shoskes DA et al. Bacterial cultures of urine, prostatic fluid and semen of men with chronic pelvic pain syndrome: role of culture for 2 vs 5 days [Abstract 102] J Urol 2000 163: (Suppl) 24

c) Manche Urologen vertreten die Meinung, dass Prostata-Massage ein unentbehrlicher Bestandteil der Behandlung von Prostatitis darstellt. Der Hintergedanke ist, dass man die Prostata "dränieren" soll, und erst in den Sukzessiven Prostata-Exprimaten kann man die Keime nachweisen, die den Symptomen zu grunde liegen. Dies ist die Ansicht von Dr. José Feliciano aus den Philipinnen:

http://www.prostate.com.ph/clinical-rem ... ostatitis/

Dazu haben sich viele sehr skeptisch geäußert, allerdings finden andere eine versprechende Therapie-Möglichkeit (etwa J.C. Nickel: Prostatitis unplugged? Prostatic massage revisited Tech Urol 1999 5: 1–7)

Vielleicht hat sich jemand diese oder ähnliche Fragen gestellt. Ich freue mich jedenfalls auf eure Meinung. Vielen Dank und Entschuldigung für den langen Text.

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