V.a. Lungentuberkulose (Rezidiv)

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_Tobe_
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V.a. Lungentuberkulose (Rezidiv)

Beitrag von _Tobe_ »

Hallo,

Ich benötige mal einen dringenden Rat.
Es geht nicht um mich, sondern um meinen Lebensgefährten.

Bei ihm wurde vor ca. 30 Jahren im Rahmen zur Musterung (Wehrdienst) eine Thoraxaufnahme gemacht, dort wurde der Verdacht einer "verkapselten" Lungen-TBC gestellt.
Ein damals erfolgter Sputumtest mit 8-wöchiger Anzüchtung viel negativ aus. Damit war das Thema damals vom Tisch.

Nun erfolgte wegen einer Abklährung einer hypertensiven Krise u.a. auch wieder eine Thoraxaufnahme.
Da die Thoraxaufnahme natürlich Veränderungen aufweißt, wie auch damals vor ca. 30 Jahren und leider nicht die alten Aufnahmen von damals zum Vergleich vorliegen,
"versteifen" sich jetzt alle Ärzte darauf, daß da möglicherweise eine aktive Lungen-TBC, bzw. ein Rezidiv der Lungen-TBC vorliegen könnte.
Dazu muss man sagen, daß er keinerlei Symptome diesbezüglich hat.
Die eigentliche Diagnose der plötzlichen Hypertonie und deren Ursache und weitere Abklärung tritt jetzt vollkommen in den Hintergrund deswegen und wird erstmal nicht weiter abgeklärt.
Nun ist uns natürlich sehr daran gelegen, möglichst schnell den Verdacht einer angeblich aktiven TBC abzuklären, damit die andere Diagnose weiter abgeklärt werden kann und er auch bald wieder arbeiten gehen darf.

Daraufhin erfolgte die Konsultation bei einem Lungenfacharzt. Dieser führte lediglich eine Spiro (Befund alles ok) durch und meinte weitere Abklärung müsse in einem Krankenhaus erfolgen.
Von Sputum Tests hält er nichts, war seine Aussage.

Wir veranlassten über den Hausarzt dennoch einen Sputum-Test. Die mikroskopische Untersuchung viel negativ aus, ebenso der PCR-Test dieser Probe.
Die Kultur steht noch aus, bzw. läuft noch
Zusatzbemerkung vom Labor: "Probe von guter Qualität"

Der Hausarzt meint jedoch das eine "bronchoalveoläre Lavage" nötig wäre um ein mögliches Reziv auschließen zu können.

Unsere Frage ist nun, wie sind die Richtlinien, bzw. die Vorschriften um als Lungen-TBC Negativ zu gelten.
Welche Untersuchungen sind vorgeschrieben, damit er als Negativ gilt und wieder arbeiten gehen darf. Er verliert sonst bald seinen Job.
Ich weiß nicht ob es Unterschiede unter den Bundesländern gibt. In diesem Fall geht es um BW.

Gibt es eine offizielle Internetseite, wo wir erfahren können, ob der negative Sputumtest, inkl. negative PCR-Test des Sputums ausreicht.

Nach meinem logischen Verständnis, zeigt ein negativer Sputum-Test, inkl. negativem PCR des Sputums doch, das kein "infektiöses" Material ausgehustet,
bzw. durch Sprechen aus dessen Mund kommt.
Wie soll er da denn ggf. ansteckend sein?

Ich hoffe uns kann jemand eine hilfreiche Antwort geben. Wir sind mittlerweile beide sehr verzweifelt.
Auch wegen der nun ruhenden Abklärung des noch ungeklärten Ursprungs der plötzlichen Hypertonie und dem drohenden Jobverlust.

Liebe Grüße Tobe

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jaeckel
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Re: V.a. Lungentuberkulose (Rezidiv)

Beitrag von jaeckel »

Hallo Tobe,

das ganze wird sich schnell entspannen, wenn Sie mal mit dem Arzt des zuständigen Gesundheitsamts telefonieren und die bisherigen Befunde zur Übermittlung bereithalten.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

_Tobe_
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Re: V.a. Lungentuberkulose (Rezidiv)

Beitrag von _Tobe_ »

Tja, es kam alles anders...

Trotz negativer Sputumtests wurden sämtliche Untersuchungen (für die Abklärung der plötzlich aufgetretenen Hypertonie mit Entgleisung),
MRT-Angio der Nieren, CT-Thorax usw. verweigert/abgesagt oder aufs kommende Quartal vertröstet.
Ein MRT-Angio der Nieren hätte den Grund für die plötzliche Hypertonie mit Entgleisung aufgedeckt. Der Termin war eigentlich noch im Juli, wurde aber von Seiten der Praxis abgesagt.
Der Grund hierfür ist eine Metastase die eine Stenose verursacht.

Als der Zustand meines Lebensgefährten sich zuspizte (deutlicher Schwindel bei Lagewechsel, keine Belastbarkeit, Gewichtsverlust) und er deshalb zu einem anderen Arzt ging,
erkannte dieser die sichtbaren Kollateralgefäße auf seinem Thorax als solche, die sich auch schon im Juni deutlich auf seinem Thorax zeigten (Was sein Hausarzt damals als unbedeutend deklarierte "Spider Nävi".).
Dieser andere Arzt diagnostizierte nur durch Sichten des Thorax ein Vena cava superior Syndrom ohne ihn näher untersuchen zu müssen und wies ihn sofort in eine Klinik ein.

In der Klinik wurde dann am 18.09. ein Lungen-Ca mit 3 Metastasen diagnostiziert.
- eine kleine Metastase im Hirn, welche aber wohl noch keine Symptome macht
- eine Metastase an/in der Nebenniere, die eine Stenose verursacht und damit diese plötzlich aufgetretene Hypertonie (mitte Juni)
- eine Metastase in einem Lyphknoten hinter dem Brustbein (ich vermute Thymus), durch deren Raumforderung die Vena cava superior abdrückt.

Die Prognosen sind mehr als schlecht
und ihm wurden auf Grund der Fehleinschätzung des Hausarztes und des völlig übertriebenen Panik-Modus ("Hilfe es könnte TBC sein") auch der anderen beteiligten Ärzte wertvolle 3 Monate gestohlen,
die zumindest einer etwas bessere Ausgangssituation bedeutet hätten.

Wenn man bedenkt, das diese Radiologische Praxis, die auf dem Rö-Thorax eine Lungen-TBC vermutete, aber als Differetialdiagnose auch ein Karzinom in Betracht zog,
ihm den Termin für die MRT-Angio der Nieren absagte, einen neuen Termin verweigerte, bzw. evtl. im kommenden Quartal möglich,
obwohl auf der Überweisung beide Untersuchungen (Rö-Thorax in 2 Eebenen und MRT-Angio der Nieren) als Auftrag standen,
bekomme ich unbendige Wut auf diese.

So konnte sich sowohl der Tumor, als auch die 3 Metastasen ungehindert 3 Monate weiterentwickeln, bevor etwas dagegen getan wurde.

Traurige und verzweifelte Grüße
Tobe

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Brigitte Goretzky
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Re: V.a. Lungentuberkulose (Rezidiv)

Beitrag von Brigitte Goretzky »

Hallo _Tobe_,

zunächst einmal wünsche ich Ihnen und Ihrem Lebensgefährten viel Kraft für die nächste Zeit.

Dass Sie verärgert sind, ist mehr als verständlich. Allerdings sehe ich den Fehler eher beim Hausarzt denn beim Radiologen. Wenn die Differentialdiagnose eines Röntgenbildes Lungen-Ca lautet, dann schickt man den Patienten weder zu einem weiteren Röntgenbild (welche neuen Erkenntnisse soll das bringen?) noch zum Kontrast-MRT der Nieren, sondern zum CT/MRT der Lunge und zur dringenden Abklärung des Tumorverdachts zum Lungenfacharzt. Bei dieser Fragestellung werden Untersuchungen priorisiert.

Übrigens: bei Verdacht auf Tb macht man heute einen Bluttest, den sogenannten Quantiferontest. Das Ergebnis liegt innerhalb weniger Tage vor. Ist der Test negativ, dann ist das Thema Tuberkulose vom Tisch.

Alles Gute
B. Goretzky
And God promised men that good and obedient wives would be found in all corners of the earth.


Then she made the world round and laughed and laughed and laughed...

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