Dekubitus Grad 4

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Mandy1
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Dekubitus Grad 4

Beitrag von Mandy1 » 13.04.11, 07:32

Hallo zusammen,

mein Opa hat aufgrund eines Infarktes drei Wochen im künstlichen Koma (im Januar diesen Jahres) gelegen. Während dieser Zeit hat er sich einen Dekubitus am Steiß zugezogen. Zwischenzeitlich ist er in der Reha. Die Wunde wird mittels Saugpumpe versorgt, die aller 3 Tage gewechselt wird. Die Wunde ist in der Breite und in der Tiefe fausttief. Jetzt hat sich die Wunde ein Chirurg angesehen. Er meinte, dass die Wunde nie heilen wird, auch nicht in 10 oder 15 Jahren. Von Keiner OP kann er aber aufgrund der Krankengeschichtes meines Opa auch nur abraten. Stimmt das, dass die Wunde nie eine Chance besitzt auf Heilung? Bestehen Möglichkeiten die Klinik wegen Pflegefehler in Anspruch zu nehmen, oder ist das bei einem Dekubitus aussichtslos?

Vielen Dank im Voraus für eine Antwort!

Mandy1

der Matze
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Re: Dekubitus Grad 4

Beitrag von der Matze » 13.04.11, 11:25

Guten Tag Mandy1,

ein Dekubitus gilt aufgrund der Vermeidbarkeit durch Risikoeinschätzung, Lagerungs- und Entlastungsmaßnahmen etc. häufig als Pflegefehler. Allerdings gibt es Situationen, in denen abgeschätzt werden muss, zwischen lebensnotwendigen Maßnahmen und der Gefahr, dadurch einen Dekubitus zu provozieren. Das in solchen Fällen das Überleben über einer Schädigung steht, steht denke ich ausser Frage.
Da sich ein Dekubitus solchen Ausmaßes allerdings nicht von jetzt auf gleich entwickelt, würde ich allein schon aus Versicherungsgründen dort nachhaken und die innerklinische Versorgung prüfen lassen.

Von was für einer Saugpumpe sprechen Sie? Und warum wird sie alle drei Tage gewechselt?
Wunden dieser Art müssen speziell versorgt werden, ob eine Vakuumtherapie indiziert ist, müssen Experten vor Ort entscheiden. Ein "die Wunde wird nie heilen" gibt es pauschal nicht - es gibt immer Möglichkeiten, die Frage ist jedoch, in welchem Verhältnis (finanzieller) Aufwand und Resultat stehen, und welche Optionen einem in Anbetracht der Patientensituation zur Verfügung stehen.
Es gibt viele Faktoren die in die Wundheilung hineinspielen, von Vorerkrankungen (Diabetes, Durchblutungsstörungen, Untergewicht, uvm.) über Ernährung (Eiweißmangel etc.) und Infektionen bis hin zu einer schlichtweg inadäquaten Versorgung.

In einer Hinsicht hat der Chirurg recht: Eine Wunde dieser Art wird nicht ohne angepasste Versorgung heilen. Mögliche Ansätze wären:

- Wenn noch nicht geschehen: Abstriche der Wunde nehmen, um eine Infektion, die die Wundheilung verhindert, auszuschließen, oder entsprechend therapieren zu können
- Konsultation eines zertifizierten Wundmanagers und Erstellung eines Therapieplans, ggf. Durchführung durch entsprechend geschultes Personal


Mit freundlichen Grüßen,
der Matze,
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Mandy1
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Beitrag von Mandy1 » 13.04.11, 12:43

Hallo Matze,

danke für Ihre Antwort. Mein Opa (60 Jahre) lag 3 Wochen auf der Intensiv. Er wurde nicht gedreht, etc. Nach ca. 10 Tagen wurde festgestellt, dass er sich sich 2 Stellen aufgelegt hat. Er hat darauf hin ein Bett bekommen, dass den Patienten automatisch bewegt. Als er dann aus dem künstlichen Koma aufgewacht ist, wurde die Wunde zweimal vom Chirurgen ausgeschnitten, da sie wohl nicht so gut aussah. Der Chirurg hat angeordnet, dass mein Opa eine Vac-Pumpe erhält, die das Wundsekret absaugen soll. Mit dieser Vac-Pumpe ist mein Opa direkt in die Reha gekommen. Seit Ende Januar hat er diese Pumpe. Die Wunde wird aller drei Tage gereinigt von einer Wundschwester. Die Pumpe wird nach der Reinigung der Wunde jedesmal neu auf die Wunde geklebt. Der jetzige Stande der Wunde ist: Die Granulation ist wohl gut. Aber es haben sich wohl Taschen gebildet.

Mein Opa ist Diabetiker und hat sehr schlechte Blutwerte. Er kann immer noch nicht laufen (aufgrund des langen Komas) und darf immer nur kurz im Rollstuhl sitzen, wegen der Wunde. Die andere Wunde ist aber bereits abgeheilt.

Nun hat der Chirurg sich die Wunde am Steiß angesehen und eine Verpflanzung von Gewebe empfohlen, da ja die Wunde nie von selber heilen würde. Als er dann aber erfahren hat, dass mein Opa Diabetiker ist, derzeit einen MRSA-Keim hat, schlechte Blutwerte hat und schonmal lange im Koma lag, hat er dann doch von einer OP erstmal abgeraten, da er ein erhebliches Risiko in der Narkose sieht. Der Chirurg meinte, soviel Gewebe, wie da fehlt, kann der Körper niemals neues bilden. Ich bin da jetzt verunsichert, ob das stimmt.

Mandy1

der Matze
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Re: Dekubitus Grad 4

Beitrag von der Matze » 13.04.11, 15:20

Guten Tag Mandy1,

mit einem VAC System soll primär die Wundheilung gefördert werden, die Entfernung von Sekret steht dabei nicht unbedingt an erster Stelle. Ich weiß nicht wie es in anderen Krankenhäusern läuft, aber da es sich um ein geschlossenes System handelt, die Wunde also abgedichtet wird, findet in allen Häusern die ich kenne ein Schwammwechsel und eine Reinigung der Wunde ausschließlich unter sterilen Bedingungen (= OP / Eingriffsraum) statt. Ich denke nicht, dass eine "Wundschwester" (was auch immer das sein soll) das in der Reha so hinbekommt.

In der von Ihnen beschriebenen Konstellation kann ich nur eine Beurteilung durch einen Wundexperten empfehlen, um Kosten und Zeit zu sparen, und adäquat zu therapieren. Wenn die Granulation einerseits in Gang kommt, sich aber andererseits Taschen bilden, ist da meiner Meinung nach irgendetwas im Argen.
Wir wird Ihr Großvater denn in der Reha versorgt? Liegt er auch dort primär auf dem Rücken?

Ein faustgroßes Loch kann heilen, allerdings wird das unter den von Ihnen beschriebenen Umständen wahrscheinlich ein extrem langwieriger Prozess.


Mit freundlichen Grüßen,
der Matze,
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