Echte Gynäkomastie. Brüste entfernen lassen oder nicht?

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Maukom
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Echte Gynäkomastie. Brüste entfernen lassen oder nicht?

Beitrag von Maukom »

Hallo!

Ich bin 52 Jahre alt und stehe vor der Entscheidung eine OP durchführen zu lassen. Seit der Pubertät habe ich vergrößerte Brüste weil mein Hormonhaushalt nicht ganz normal ist. Bei meinem Onkel war das ähnlich und der wurde von unserer Familie deswegen auch ständig als komisch angesehen. Auch von mir. Das alles hat mein Leben beeinflusst, ich war viel zuhause und habe wenig bis keinen Sport betrieben. Seit meiner Jugend hatte ich große Probleme damit.

Viele Jahre habe ich Hormone bekommen und auch Medikamente um den Überschuss an Östrogenen wegzubekommen. Die ersten Jahre ging das ganz gut. Doch durch die Medikamente hatte ich immer öfter starke Stimmungsschwankungen was zwei meiner Beziehungen zu Bruch gehen ließ. Durch einen Zufall stellte ich fest, dass ich ohne Medikamente psychisch viel besser drauf war. Aber ich ignorierte das um nicht weiblich zu wirken. Vor einigen Jahren setzte ich die Medikamente einfach ab. Was zuerst als Protest angefangen hatte, wurde dann zu einem neuen Lebensgefühl. Ich fühlte mich so gut wie noch nie, ausgeglichen, entspannt und viel positiver.

Die andere Seite war, dass ich um die Hüfte zugenommen habe und meine Brüste zu wachsen begonnen haben. Ich habe sie mit Kompressionsunterhemden und Bandagen versteckt. Das ging einige Zeit gut, auch wenn ich täglich froh war den Druck der Mieder wegzubekommen. Zum Schluss waren die Schmerzen einfach zu stark weil die Brüste zu groß zum verstecken waren und die Brustwarzen sehr empfindlich wurden. Also habe ich mich beraten lassen was man machen kann. Nach einigen Terminen bei Ärzten und der Krankenkasse, habe ich nun einen Termin im April für die Entfernung der Brüste und einer Verkleinerung der Brustwarzen.

Nun kommen meine Bedenken. Ich habe unheimliche Angst vor Operationen. An mir musste gottseidank noch nie irgendwas operiert werden und eigentlich will ich an mir nichts machen lassen wenn es nicht sein muss. Das allein ist es aber nicht. Bei einer Mammographie hat eine Krankenschwester gemeint, ich hätte sehr schöne, gut geformte Brüste und sie wäre froh selbst solche zu haben. Diese Reaktion hatte ich in keiner Weise erwartet weil es mir furchtbar peinlich war das eine Frau mich so sieht.
Diese Aussage von einer zugegeben sehr hübschen Frau zu bekommen war unglaublich. Das erste Mal in meinem Leben hörte ich was Positives zu meinem Körper und dann ausgerechnet mit dem Teil den ich immer als Missbildung angesehen hatte. Das gab mir viel zu Denken und ich habe später nochmal mit dieser Krankenschwester gesprochen ob sie das ernst meinte und bei einem Mann nicht abstoßend findet. Sie meinte es ist ungewöhnlich, aber da ich keine Brustbehaarung habe und medizinisch alles in Ordnung ist, findet sie es nicht abstoßend und würde sie persönlich sie nicht entfernen lassen. Aber sie versteht meine Probleme damit als Mann.

Nicht nur das. Auch wenn es mir schwer fällt es mir selbst einzugestehen habe ich diesen Teil von mir nicht nur akzeptieren gelernt, sondern seit diesem Erlebnis irgendwie zu mögen begonnen. Es fühlt sich schon gut an und erzeugt Gefühle die ich bisher nicht zugelassen habe. Hinzu kommt, dass ich seit mehreren Jahren single bin und vorerst mit dem Thema Beziehungen abgeschlossen habe. Aber ich kann mich ja im beruflichen und gesellschaftlichen Alltag so nicht sehen lassen.

Daraufhin habe ich ein Experiment mit mir gemacht um zu sehen wie ich mich fühle wenn ich so aussehe wie ich bin und mich fremde Leute so sehen. Ich habe zunächst in verschiedenen Geschäften BH's in verschiedenen Größen gekauft um herauszufinden was mir eigentlich passt. Es ist 110D. Ein paar Tage später bin ich in eine andere Stadt gefahren. Mit BH, weiter Kleidung aber erkennbaren Brüsten bin ich in ein Einkaufszentrum gefahren. Es war eine sehr große Überwindung aus dem Auto auszusteigen, aber ich dachte mir hier kennt mich ja keiner. Zunächst hatte ich den Eindruck es sieht niemand, dann aber bemerkte ich die Blicke der Leute. Die Männer starrten zuerst hin und wandten sich dann peinlich berührt schnell ab und Frauen hatten nur mittleidvolle Blicke. Es war schrecklich. So schnell war ich noch nie wieder im Auto.

Zuhause trage ich den BH weil es sehr angenehm ist, aber wenn ich aus der Wohnung gehe binde ich wieder alles zusammen bis es schmerzt. Ich bin innerlich total zerrissen. Einerseits habe ich einen Teil an mir den ich irgendwie sehr zu schätzen gelernt habe und andererseits will ich einfach nur normal sein und irgendwann wieder eine Beziehung haben können. Ich kann jetzt auch verstehen was mein Onkel alles durchgemacht hat. Leider ist es schon verstorben .

Die ganze Sache belastet mich nun mehr denn je. Wie seht ihr das? Kann eine Frau einen Mann wie mich attraktiv finden? Was denken sich Männer wenn sie einen Mann mit sichtbaren Brüsten sehen? Ich will nicht den Rest meines Lebens in in einem Versteck verbringen oder nur mit Schmerzen und weiter Kleidung in die Öffentlichkeit gehen können. Die OP habe ich zwar noch nicht abgesagt, aber ich denke ich kann das nicht machen lassen.

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