Gewahrsam trotz Depression?

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Brigitte Goretzky
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Re: Gewahrsam trotz Depression?

Beitrag von Brigitte Goretzky » 01.01.15, 21:44

Schnisi hat geschrieben: 2. Ausgangssachverhalt war Gewahrsam wegen Trunkenheit. Es war nicht die Rede dass eine andere Gefahr in Form von Aggression von der Person ausgeht.
Richtig. Es war eben keine Rede davon, dass
...die einzige Gefahr darin besteht, dass die Person sich alkoholisiert ans Steuer setzt ujd somit den Straßenverkehr gefährdet...
Und da bleibe ich bei meiner Meinung: solange wir nicht wissen, was genau vorgefallen ist, sollten wir uns mit Kritik an der Vorgehensweise der Polizei zurueckhalten.
And God promised men that good and obedient wives would be found in all corners of the earth.


Then she made the world round and laughed and laughed and laughed...

dora
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Re: Gewahrsam trotz Depression?

Beitrag von dora » 01.01.15, 23:35

Und wenn die einzige Gefahr darin besteht, dass die Person sich alkoholisiert ans Steuer setzt ujd somit den Straßenverkehr gefährdet, dann ist es eine mildere Maßnahme der Person den Schlüssel abzunehmen und an der Wache abholen zu lassen. So auch oft geschehen.
wir wissen auch nicht wie stark er alkoholisiert war, möglich dass er zu fuß garnicht mehr nach hause gekommen wäre.
Außerdem war der schon im Auto.
Er sagt auch dass er depresiv ist, ob und wie sich das ausgewirkt hat wissen wir auch nicht.

Fazit, die Polizei hat einen Betrunkenen ausgenüchtert und den FS vorerst mal weggenommen, ich kann da kein Fehlverhalten der Polizei erkennen.

schnuffeldi
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Re: Gewahrsam trotz Depression?

Beitrag von schnuffeldi » 02.01.15, 15:17

Kann auch kein Fehlverhalten bei der Polizei sehen, wenn es so hinhaut, was beschrieben wurde, ich habe gestern mal noch so mitgelesen hier. Und Depression sollte allgemein nicht vor Gewahrsam schützen, denn wer sich strafbar macht, muss halt auch die Konsequenzen tragen, Depression hin oder her oder die dollsten Geschichten mit "schwerer Kindheit". Es wird ohnhin immer milder bis gar nicht bestraft, was ich ein starkes Stück finde. Irgendwie ist Deutschland ein Paradies, was Strafen betrifft. Meist kommen andere zu Schaden, wenn irgendwer unverantwortlich handelt.
"Es amüsiert mich immer, wenn Menschen all ihr Unglück dem Schicksal, dem Zufall oder dem Verhängnis zuschreiben, während sie ihre Erfolge oder ihr Glück mit ihrer eigenen Klugheit, ihrem Scharfsinn oder ihrer Einsicht begründen." (Coleridge)

Barca
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Re: Gewahrsam trotz Depression?

Beitrag von Barca » 02.01.15, 16:20

Man muss das im Gesamtbild sehen. Eine stabile Depression ist sicher kein Hindernis, eine instabile Depression kann durchaus ein Grund sein, eine Haftuntauglichkeit zu attestieren.
Je nach Situation kann dann aber wegen Eigen- oder Fremdgefährdung auch die Einschaltung des -wie der Volksmund sagt- "Amtsarztes" (nicht Polizeiarztes!) erforderlich werden, der dann eine vorübergehende Unterbringung in einer Akutpsychiatrie verfügt, sofern der Betroffene nicht von sich aus einsichtig und mit einer Untersuchung dort einverstanden ist.

Die Annahme, man müsste nur wegen Vorliegen einer Depression statt in der Zelle in einem Krankenhaus landen, ist pauschal so nicht korrekt. Im Gegenteil, wenn kein behandlungsbedürftiger Zustand vorliegt, dann ist eine stationäre Krankenhausbehandlung nicht zu rechtfertigen.

Und wenn der Patient seit ein paar Tagen seine Pillen nicht genommen hat (wie der TE als mögliches Risiko angeführt hat), dann hat er das wohl aus freien Stücken getan - und muss die Folgen auslöffeln, erst recht, wenn man dann auch noch (ebenfalls freiwillig) Alkohol konsumiert.

Die Frage, ob überhaupt ein Haftgrund vorlag, können wir nicht klären, wir wissen nicht, was sich in dieser Nacht zugetragen hat. Und wir hören nur eine Seite der Medaille...
Once in a lifetime means there's no second chance ...

Informationen aus dem Internet dienen generell nur der ersten Orientierung, sind persönliche Meinungsäußerungen und können einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Muppet
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Re: Gewahrsam trotz Depression?

Beitrag von Muppet » 02.01.15, 16:52

Hallo,
die meisten Fälle die für Gewahrsam ich kenne sind
A. Betrunkener wird von Polizist angesprochen und pöbelt/beleidigt ordentlich
B. Laut/Aggressiv und jemand ruft der Polizei, betrunkener macht weiter
C. Schlägerei
D. Wollte Auto fahren/ist gefahren - stellt Gefahr dar.

Einfach so im Gewahrsam wird man nicht genommen. Ist man richtig betrunken und hilflos bringen die Polizei derjenigen teilweise nach Hause oder überreden sie ein Taxi zu rufen.

Liegt jemand stürzbetrunken am Gehsteig -> ggf.Krankenwagen& Notaufnahme.
Ob jemand depressiv ist, interessiert weniger. Sich zu betrinken ist eine (schlechte) Entscheidung von ein entscheidungsfähigen Menschen. Depressiver Patienten sind zur 99% zurechnungsfähig.
Zudem wäre der TE ohne medizinischen Grund und ggf. unfreiwillig in der Psychiatrie eingewiesen, stellt es eine rechtliches Problem dar. Und der Psychiatrie wäre brechend voll.

Vermute der TE versucht Verantwortung von sich abzuweisen um einen Strafe zu entgehen, da ein MPU ja teuer ist. Und alleine ins Auto zu sitzen und die Schlüssel im Zündschloss zu stecken, ist ein Absicht einen Straftat zu begehen.

Gruß
Muppet

Frank69a
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Beiträge: 6
Registriert: 28.12.14, 01:28

Re: Gewahrsam trotz Depression?

Beitrag von Frank69a » 02.01.15, 17:10

Hallo,

volle Zustimmung.

Grüße
jeden Tag leben

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