Zur ärztlichen Schweigepflicht bei "Prominenten"

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Picatschu

Schweigepflicht

Beitrag von Picatschu » 07.01.09, 16:44

Hallo

Danke für die ausführliche Erläuterung..

Eine Frage interessiert mich dann doch noch..
Gibt es eine Verjährungsfrist für die Schweigepflicht?

Gruß Picatschu

christine16
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Beitrag von christine16 » 07.01.09, 19:57

Lieber Herr Dr. Flaccus, liebe Picatschu,

Dr. A. Flaccus hat geschrieben:diese Informationen sind m.E. durch die Berichterstattung über einen "Unfall" gedeckt. Lediglich wenn eine Arzt die Diagnose "Krampfanfall" weitergegeben hätte, wäre an eine Verletzung der Schweigepflicht zu denken.

So aber scheint das nicht der Fall zu sein.


Nun, in der heutigen Ausgabe einer österr. Tageszeitung steht u.a.
"... Todesursache: Krampfanfall. Das ist das Ergebnis der Autopsie, die bei J.T. Sohn durchgeführt wurde ... "

Diese Aussage kann ja nur von der Krankenanstalt (Pressekonferenz ?) bzw. vom Angehörigen, nach Autopsiebefund - gegeben worden sein. Wie auch immer, wenn Tags zuvor von einem 'Unfall' berichtet worden war, muss ja dies dann doch (in den Medien) 'richtiggestellt' werden - oder nicht?

Liebe Grüße,
Christine
(Dank U Mijn. Alkemade voor Uw Link uit Wenen :wink: )

Jan Alkemade
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Beitrag von Jan Alkemade » 07.01.09, 21:23

@Picatschu: Die Schweigepflicht gilt uneingeschränkt auch über den Tod des Betroffenen hinaus und ist in Deutschland einerseits für Ärzte in der Berufsordnung der jeweils zuständigen Landesärztekammer festgeschrieben, andererseits in § 203 Strafgesetzbuch (Verletzung von Privatgeheimnissen) auch für Angehörige eines anderen Heilberufs mit staatlich geregelter Ausbildung einschließlich der Auszubildenden sowie für die berufsmäßig tätigen Gehilfen strafbewehrt.

§ 203 StGB findet Anwendung für Geheimnisse, die von dem Verstorbenen oder aus dessen Nachlass erlangt wurden und die Wahrung des Geheimnisses gilt über den Tod des Betroffenen hinaus:
(3) ... Den in Absatz 1 und den in Satz 1 und 2 Genannten steht nach dem Tod des zur Wahrung des Geheimnisses Verpflichteten ferner gleich, wer das Geheimnis von dem Verstorbenen oder aus dessen Nachlaß erlangt hat.
(4) Die Absätze 1 bis 3 sind auch anzuwenden, wenn der Täter das fremde Geheimnis nach dem Tod des Betroffenen unbefugt offenbart.

§ 203 Strafgesetzbuch (Verletzung von Privatgeheimnissen): http://bundesrecht.juris.de/stgb/__203.html

@Christine: Graag gedaan!

Herzliche Grüße
Jan Alkemade
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dora
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Beitrag von dora » 11.01.09, 17:33

Ach ja - bei dem Unfall kam eine junge Mutter von vier Kindern um´s Leben. Darüber wurde anfangs auch kurz berichtet.
Vielleicht profitiert Ihre hinterbliebene Familie von dem Medienrummel, weil irgend jemand zu einer Spendenaktion aufruft. Das wäre zu hoffen.


ja, das stimmt.
ich frag mich gerade was wäre, wenn der Fall umgekehrt gelaufen wäre :?:

Gruß dora

Picatschu

Schweigepflicht bei "Promis"

Beitrag von Picatschu » 11.01.09, 18:39

Hallo Dora

Das ist genau das was ich meine, ich denke wenn so etwas anders rum gelaufen wäre würden die Medien damit sicher anders umgehen.. ich befürcht auch obwohl sie gegen Herrn A. ermitteln wird er mit nem blauem Auge davon kommen.. :?

Gruß Picatschu

dora
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Beitrag von dora » 11.01.09, 18:57

obwohl sie gegen Herrn A. ermitteln wird er mit nem blauem Auge davon kommen..


da bin ich mir nun wieder nicht so sicher. Man muss abwarten was die Ermittlungen erbringen. Da wird vorerst ja auch nicht alles veröffentlicht :!:
Bin nur mal gespannt ob und wann er sich an etwas erinnern kann.

Gruß dora

Dr. A. Flaccus
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Beitrag von Dr. A. Flaccus » 11.01.09, 19:08

Guten Abend,

Bin nur mal gespannt ob und wann er sich an etwas erinnern kann.


Ich denke, das wird bei diesem Verlauf eher nicht der Fall sein. Es ist von einem ausgeprägtem Gedächtnisverlust (Amnesie) auszugehen.

Und falls dem nicht so ist: Sein Anwalt wird dafür sorgen, das es niemand erfährt... :wink:

Gruß

A. Flaccus
Dr. A. Flaccus
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- Notfallmedizin -
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dora
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Beitrag von dora » 11.01.09, 19:13

Und falls dem nicht so ist: Sein Anwalt wird dafür sorgen, das es niemand erfährt...


das ist ja klar, wollte es nur nicht so ausdrücken :P ( Bestes Beispiel Helmut Kohl Blackout).

ich kann mir aber auch vorstellen, dass man bei so einem Unfall so erschrecken kann, dass man das hinterher wirklich nicht mehr genau schildern kann.
Mancher Autofahrer sagt nach einem Unfall auch ich hab nix gesehn, auf einmal hats gekracht und dann war ich bewustlos, ich weis nixmehr.

Aber Augenzeugen sind immer die schlechtesten Zeugen, Indizien sind eben besser, und da hat man ja genug.

Gruß dora

Picatschu

Schweigepflicht bei "Promis"

Beitrag von Picatschu » 11.01.09, 19:18

Hallo

Ist das nicht schlimm? Das die so viel Macht das selbst wenn er sich an was errinnern könnte es wahrscheinlich niemals rauskommt?
Mich erschüttert das..

Zeugen sind bestechlich.. Leider
Und Hauptsache die Indizien werden auch alle verfolgt..
Griß Picatschu

dora
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Beitrag von dora » 11.01.09, 19:24

hallo

Ist das nicht schlimm? Das die so viel Macht das selbst wenn er sich an was errinnern könnte es wahrscheinlich niemals rauskommt?
Mich erschüttert das..

nein, das ist Realität, jeder gute RA würde jedem anderen Mandanten auch dazu raten :wink: Und er hat mit Sicherheit die Besten.

Zeugen sind bestechlich.. Leider

das meinte ich damit nicht. Hör dir einfach mal 3 Zeugen an die das Gleiche gesehn haben. Du wirst dich wundern was dabei rauskommt.

Die Indizien sind da, es ist eben kar, dass er bergauf gefahren, also dem Todesopfer entgegen. Daran ist nicht zu ändern.

Gruß dora

dora
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Beitrag von dora » 04.03.09, 09:28

hallo

so nun haben wirs :
33000 € Geldstrafe und keine Vorstrafe, in Österreich verurteilt.
Wäre er in Deutschland so verurteilt worden, wäre er vorbestraft und die politische Karriere wär vorbei, so aber gehts schon wieder weiter für den Herrn Ministerpräsidenten.

Gruß dora

Jan Kniese
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Beitrag von Jan Kniese » 06.03.09, 22:15

dora hat geschrieben:...
33000 € Geldstrafe und keine Vorstrafe, in Österreich verurteilt...

So nicht ganz korrekt, auch wenn es die Zeitung mit den vier Buchstaben schreibt...

Es kommt nicht ins Führungszeugnis, vorbestraft ist er... (http://www.bildblog.de/6281/wie-bild-dieter-althaus-halb-freispricht/)

Warum da ein Unterschied gemacht wird, ist mir allerdings auch nicht ganz klar...

MfG,
J. Kniese
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Beitrag von dora » 06.03.09, 23:01

hallo

ich hab das nicht aus der benannten Zeitung, das stand auch in anderen :lol:
Ich weis das auch, hab mich da falsch ausgedrückt.
Jedenfalls gilt das hier nicht als Vorstrafe, sonst könnt er ja nicht mehr als Ministerpräsident kandidieren.
Aber die Wähler können sich überlegen ob sie ihn wählen wollen ( hoffe ich doch ).

Gruß dora

Jan Kniese
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Beitrag von Jan Kniese » 07.03.09, 11:53

Ohne klug-schießen zu wollen:

Aber eine Vorstrafe per se hindert nicht am "sich wählen lassen" (also am passiven Wahlrecht). Da müsste schon eine langjährige Gefängnisstrafe verhängt werden.
Ob die Thüringer Wähler ihn dann trotz Vorstrafe wählen, ist sicher eine andere Frage und sollte eigentlich mehr an seiner Arbeit als Politiker und nicht seiner Fähigkeit als Skifahrer gemessen werden...

MfG,
J. Kniese
Facharzt für Innere Medizin

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Beitrag von dora » 07.03.09, 16:57

Ohne klug-schießen zu wollen:

Aber eine Vorstrafe per se hindert nicht am "sich wählen lassen" (also am passiven Wahlrecht). Da müsste schon eine langjährige Gefängnisstrafe verhängt werden.


stimmt.

Ob die Thüringer Wähler ihn dann trotz Vorstrafe wählen, ist sicher eine andere Frage und sollte eigentlich mehr an seiner Arbeit als Politiker und nicht seiner Fähigkeit als Skifahrer gemessen werden


Über seine Arbeit als Politiker will ich mich jetzt nich äußern, das führt zu weit, Über seine Fähigkeiten als Skifahrer kann ich auch nichts sagen, weil ich nicht weis wie gut er fährt.
Aber von einem Minsiterpräsidenten kann ich erwarten, dass er sich an gewisse allgemein bekannten Regeln hält und sich eben nicht verhält wie eine Pistens..

Gruß dora

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