Ist (gutes) Benehmen heute unüblich?

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jaeckel
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Beitrag von jaeckel »

Beitragszahler hat geschrieben:Zumindest sehe ich nach meinen Beobachtungen nur eine eingeschlafene, kuschende, obrigkeitsgefällige Generationenfolge, so wie ich diese nur unter der Herrschaft eines Unterdrücker-Regimes erwarten würde.
Teilweise auch meine Beobachtung. Die Ursache sehe ich aber in der älteren Generation, die Ihre früheren Ziele unerfüllt über Bord geworfen und den Karren für die jüngere Generation gründlich in den Dreck gefahren hat. Nun geniesst die ältere Generation zum großen Teil ihren Status/ihren Luxus und frönt dem unbegrenzten Individualismus. Man kommt gut mit Lug und Trug im politischen System zurecht - Hauptsache man kann im Sommer nach Malle und im Winter nach Canaria. Wen wunderts, dass sich die junge Generation daran orientiert.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

Beitragszahler
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Beitrag von Beitragszahler »

jaeckel hat geschrieben:Die Ursache sehe ich aber in der älteren Generation, die Ihre früheren Ziele unerfüllt über Bord geworfen und den Karren für die jüngere Generation gründlich in den Dreck gefahren hat. Nun geniesst die ältere Generation zum großen Teil ihren Status/ihren Luxus und frönt dem unbegrenzten Individualismus. Man kommt gut mit Lug und Trug im politischen System zurecht - Hauptsache man kann im Sommer nach Malle und im Winter nach Canaria. Wen wunderts, dass sich die junge Generation daran orientiert.
Vollkommen korrekt.
Nur wie können wir, also ich gehöre ja auch mit ein paar Schnittchen zur Vorgeneration des hyper-sozial gedachten, aber eben nicht durchdachten Lebens, mit den meisten Scheibchen habe ich das aber nicht so genossen, hier ein besseres Vorbild abgeben?
Ist es dafür nicht schon zu spät, würde es uns noch geglaubt werden?
Es hilft bestimmt nicht Schuld zu suchen und meine Beobachtungen und Anwürfe auch nicht als Schuldzuweisung zu verstehen wären.

Darum mein Wunsch, dass es die junge Generation doch besser selbst erkennen und neue Wege schaffen muss.
Ich bin dann wiederum der frohen Hoffnung, dass die Vorgängergenerationen bestimmt neuen, ja eigentlich alten und bewährten Strömungen, nicht im Wege stehen werden.
Gibt es eigentlich ernsthafte Bewegungen, Podien, Foren, die sich nachhaltig mit solchen Themen auseinandersetzen, also sich nicht nur beklagen, sondern Ideen schaffen?

Solche Dinge vermisse ich, die mir noch dunkel aus den Zeiten der Generationen in Saus und Braus, aber auch mit Hoffnungslosigkeit und Niedergang, bekannt sind.

Schließlich hatte ich eben mehr den zweiten Anteil mitbekommen, konnte auch erst mit meinem selbst verdienten Geld in Urlaub fahren, als Kind und Jugendlicher gab es in einer kinderreichen Arbeiterfamilie auch kein Taschengeld, da hat man sich ein paar Groschen beim Nachbarn verdient, Klassenfahrten gab es auch nur selten, asozial waren wir deshalb noch lange nicht, was aber heute leider so wäre.

Meine Güte, und irgendwo klingt das schon manchmal wie die Erzählungen vom Opa aus dem Krieg, die ich noch dadurch ergänzen könnte in Zinkwannen gebadet zu haben mit Wasser aus dem Einmachkessel auf dem Kohlenofen, obwohl das doch in den Jahren von 1964 bis 1980 so stattfand, was ich hier eben erwähnte.

Wer hat also solche neuen Maßstäbe seit etwa einem Vierteljahrhundert geschaffen und wer gibt nun einmal wieder notwendig korrigierte Dimensionen vor?
Wir können diese hohen Erwartungen, die wir uns als Voraussetzung für ein scheinbar soziales Leben vorgegeben haben, doch ohnehin nicht erfüllen.

Ein Beitragszahler

Susanne.Reuter
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Beitrag von Susanne.Reuter »

Und dabei wollte ich nur zum Ausdruck bringen, dass ich persönlich es als unhöflich empfinde, wenn ich angehustet/angeniest werde und ich es als widerlich empfinde, wenn mein Gesprächspartner die Nase hochzieht oder (womöglich noch mit offenem Mund) Kaugummi kaut....

:wink:

Susanne

YourNameHere
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Beitrag von YourNameHere »

Es passt nicht ganz zum original posting, aber ich musste leider für mich feststellen: gutes Benehmen lohnt sich einfach nicht !!!

Lasst mich erklären, bevor hier ein Aufschrei kommt: Wenn ich höflich und rücksichtsvoll bin, werde ich schlechter (zurück) behandelt, als wenn ich mit "och nee, nich? Solche Ausdruecke sind doch wirklich ueberfluessig." attitude herangehe. Ist leider so. Vielleicht bin ich auch ein Typ Mensch, der, wenn rücksichtsvoll und höflich, dann ängstlich und unsicher rüberkommt und mir deshalb Leute vor den Karren fahren, weiss ich nicht. Ich musste aber jedenfalls feststellen, dass man mir paradoxerweise dann freundlich(er) entgegenkommt, wenn ich einen schlechten Tag habe. Echt komisch, das Phänomen.

Wobei das nicht heisst, dass ich an schlechten Tagen unzivilisiert und unhöflich auftrete, dafür bin ich zu gut erzogen. Ich weiss auch nicht woran es liegt, aber Freundlichkeit macht sich in meinem Fall einfach nicht bezahlt... :roll:

Susanne.Reuter
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Beitrag von Susanne.Reuter »

So kann ich das aber nicht stehen lassen. :wink:

Dass man seiner Ausstrahlung entsprechend behandelt wird, stimmt schon. Da stimme ich dir zu. Wenn ich z. B. richtig gute Laune habe, jeden anlächle und alle mit einem freundlichen "Guten Morgen" begrüsse, dann bekomme ich das von den meisten Leuten genauso freundlich zurück. Habe ich schlechte Laune, bin muffelig und knurrig - dann werde ich meist genauso behandelt.

Meine Theorie ist aber auch, dass man - wenn man gute Laune hat - auch über Muffeligkeiten eher hinwegsieht und nicht alles auf die Goldwaage legt. Und damit auch "gefühlt" besser behandelt wird.

Ich würde daher nicht sagen, dass man nur respektvoll behandelt wird, wenn man etwas härter rüberkommt.

Susanne

Renate02
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Beitrag von Renate02 »

Ich kann Susanne nur zustimmen. Ich habe einmal den Spruch gelesen:
"Freundlichkeit ist wie ein Bumerang - sie kommt zurück."

Auch ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich die Menschen anlächle und freundlich und höflich bleibe (ohne "duckmäuserisch" zu sein!), dass die meisten dann zurück lächeln und sich mir gegenüber freundlich und hilfsbereit zeigen. Einer wirkte auch schonmal richtig glücklich, dass er mir helfen durfte. :D

Freundlich sein ist vielleicht nicht immer ganz einfach, aber es lohnt sich. Außerdem macht es einen riesen-Spaß, einen mürrisch dreinschauenden Menschen anzulächeln und zu sehen, wie dieser dann erst verblüfft guckt und dann zurück lächelt. Das mache ich manchmal auch mit völlig wildfremden Passanten.

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