Ist (gutes) Benehmen heute unüblich?

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heidu
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Beitrag von heidu » 20.07.08, 21:45

hallo ihr genervten,

unsere eltern haben meinem bruder und mir etwas positives vorgelebt.
nicht autoritär, sondern mit liebe, geduld und zuneigung wurde alles erklärt.
deshalb wurden sie von uns auch voll respektiert.

wir wurden nicht in die schule geschickt um uns zu erziehen, sondern um
etwas zu lernen. grenzen wurden nur im sportlichen bereich überschritten.
gutes benehmen war selbstverständlich.

gerade deswegen haben uns unsere oft rüden mitschüler respektiert.

wir wurden ohne zwang und prügel groß und ich profitiere bis an mein
lebensende von der guten führung meiner eltern.

wenn ich einen jugendlichen im bus sitzen sehe, lächle ich ihn an und
denke mir, du armer kerl, kannst in deinem alter nicht mal stehen.

halte auch einem jungen menschen die türe auf und sehe oft in erstaunte
nachdenkliche gesichter.

um einem behinderten im bus platz zu verschaffen, genügt es meist
jemand höflich aufzufordern, platz zu machen.

mit schlechtem benehmen bleibt jeder in der unteren schublade, das
merkt er spätestens, wenn er mit der bierflasche in der hand einen job will.

also begegnen wir unseren unhöflichen mitmenschen mit einem entwaffnenden
lächeln.
auch dem rentner, der meint wegen seinem grimmigen gesicht, sich
einen platz verdient zu haben.
es könnten seine eigenen kinder sein, die ihm diesen streitig machen.

und ein handy stört mich nicht, wenn ich an die ständig quitschende tram früher
denke.
ohne tolleranz bewegt sich nichts. aufregung verkürzt das leben.

gruss rudi

Menschin
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Beitrag von Menschin » 21.07.08, 09:02

WAS FÜR EIN TOLLES STATEMENT! Das spricht mir sehr aus dem Herzen und ich kann mich nur anschliessen!

Grüße von Menschin
Vertrauen ist das Gefühl, einem Menschen sogar dann zu glauben, wenn man weiß, dass man an seiner Stelle lügen würde.

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Beitrag von Beitragszahler » 26.07.08, 20:05

Nur ein paar Impulse zu einem in Wirklichkeit sehr umfassenden Themengebiet.

Zum Thema Manieren:

Hm, ich zweifle stark, ob das Erdenbürger von anderer Stelle an unserem Ort auch so sehen und verstehen würden.
Weiterhin wird es diesen Menschen auch sehr schwerfallen, deshalb Assoziationen zu schlechtem Benehmen herstellen zu können.

Nur ein selbst erlebtes Beispiel von vielen in unserer globalisierten Welt, in der ein Knigge mit Sicherheit keine Rolle spielt:
Sollte ich also den Koreanern morgens im Hotel sagen, dass ich deren aus unserer Sicht schlimme Tischmanieren, deren ausgiebiges Schlürfen, deren lautes und herzhaftes Schmatzen, ekelhaft finde?
Nein, denn sie sind eben anders erzogen, mit anderen Werten und Wertschätzungen.
So kann mein erlerntes, anerzogenes Verhalten, also nicht zu schlürfen und zu schmatzen, den Tisch möglichst sauber zu verlassen, bei Asiaten als Bestätigung dafür gesehen werden, dass es mir eben nicht geschmeckt hat.

Interessant ist es allerdings schon, wie das denn nun bei hiesigen Kindern ankommt, wenn die nun die Asiaten bei Tisch beobachten.
Welche Version einer Erklärung der Eltern würde glaubhaft beim Kind ankommen?
Wünscht sich das Kind dann nicht vielleicht, wegen diesem doofen Benehmen und wenn es mal gross ist, nach Asien auswandern zu können? :lol:

Zum Thema Erziehung:

Zur Sandwich-Generation gehörend kennt man ja ein breites Portfolio von pädagogischen Massnahmen, von autoritär mit dem berühmten Klaps, über Mengenlehre und schon fast millitant antiautoritärer Erziehung, also wenn Mutti beim Kind nur mit Vornamen bekannt schon mit diesem als Dreijährigen alles ausdiskutiert haben möchte.

Also als Versuchskinder der Pioniere dieser pädagogischen Irrtümer habe ich nur das mehr oder weniger Scheitern dieser Lebensexperimente erleben dürfen, als Privileg?
Die Eltern dieser, meiner Generation sind ja auch weitestgehend verstörte Persönlichkeiten, weil oft und regelhaft Kinder der End- und Nachkriegsgeneration.
Dann der starke Einfluss der amerikanischen Erziehungsunkultur, in der Kinder machen können und vor allem machen sollen, was sie eigentlich nicht machen sollten, oder besser erst später und deren Erwachsenen ohnehin nie erwachsen geworden sind.

Wie sollen dann also hier Kinder aufwachsen?
Wo sollen denn Werte, Schätzung der Werte und damit eine Einschätzung für das eigene Wohl, das Wohl anderer Menschen und Tiere herkommen?
Aus dem Fernsehen der doch immer so überforderten Eltern?
Ja, denn zum Glück können die Kinder nun in den Nanny-Doku-Soaps klar sehen, was deren alten Herrschaften für kapitale Fehler machen und wie sozial kaputt die in Wirklichkeit ja sind. :wink:

Viele Grüße

Ein Beitragszahler

Tapsi
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Beitrag von Tapsi » 11.08.08, 19:06

Guten Abend zusammen,

ich finde nicht das hauptsächlich Junge Menschen unhöflich sind und auch nicht das junge Eltern ihre Kinder nicht erziehen können. Wenn ich so meinen Vater aber auch meine Oma höre war es schon immer so das die älteren über die schlechte Erziehung der jüngeren geschimpft haben.
Auch gebe ich euch schon recht das es sicher die Höflichkeit gebietet das man für einen behinderten Menschen aufsteht um Ihn sich setzen zu lassen, Doch sollte man auch bedenken das nicht jeder der nicht aufsteht dies nicht unbedingt gleich aus unhöflichkeit tut. Wart ihr noch nie mal in nen Gespräch so vertieft das Ihr eure umwelt mal ein wenig auser acht gelassen habt.
Denke das der Respekt von Jungen und alten gegeneinander fehlt und dies nicht nur auf der Seite der Jungen.

Schöne Grüße
Tapsi
Zwischen Verleugnung und Einschränkung gibt es einen grundlegenden Unterschied. Sich einzuschränken bedeutet eine bewusste und freiwillige Selbstdisziplin, die auf der Einsicht beruht, dass sie von Vorteil ist. Dalai Lama

dora
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Beitrag von dora » 12.08.08, 07:38

Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.

(Sokrates, gr. Philosoph, 470-399 v.Chr., Version 1)




Es kann nicht früh genug darauf hingewiesen werden, dass man die Kinder nur dann vernünftig erziehen kann, wenn man zuvor die Lehrer vernünftig erzieht.

Erich Kästner

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Beitrag von Menschin » 12.08.08, 07:59

Dora, Du Kluge :!:

Da hast Du 2 wunderbare Zitate auf herrliche Weise miteinander verknüpft :wink:

Das spricht mir aus dem Herzen, danke dafür. :lol:

LG Menschin
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Beitrag von Beitragszahler » 12.08.08, 22:52

dora hat geschrieben:...Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer...
In einem anderen Beitrag verwies ich bereits auf den schon immer gültigen Grundsatz, dass die Jugend Protest üben möchte, wer kennt es nicht von sich selbst?
Wer es nicht von sich selbst kennen sollte, der sollte sich fragen, warum es nicht notwendig war.

Wenn es für den Einzelnen schon nicht notwendig war, so stimmt etwas nicht.
Wenn es allerdings für eine ganze Generation nicht notwendig war, sollten wir uns ernsthaft Gedanken machen und ich mich spontan dabei an Unterdrückung und Indoktrinierung totalitärer Regime erinnern würde.

Ein eigener Protest der Jugend zu Werten und Lebensvorstellungen ist für mich immer ein Zeichen allerbester Gesundheit für eine Gesellschaft und genau das anderen Angst und Panik macht.

Wie steht es nun aber mit dem zitierten Gelehrtenspruch von oben?
Jede Generation möchte ja, dass es der Kinder- und noch überschaubaren Enkelgeneration besser gehen soll.
Dazu wird von Eltern und Großeltern verwöhnt, verpäppelt, Verantwortung abgenommen.
Den jugendlichen Protest sehe ich als eine Art angeborenen Reflex sich gegen den Diebstahl an Selbstständigkeit, damit im Falle des Sonderfalles, sich gegen den Entzug von selbst bestimmter Überlebensfähigkeit zu wehren.

Leider neigt jede Generation dazu oft die Fehler der Eltern auf die Kinder zu übertragen.
Läuft so etwas ein paar Generationen in dieser Art ab, so schwinden Stück für Stück zu übertragende Verantwortung, Wertevorstellungen, Selbstbewusstsein, etc., bis nur noch Fragmente dessen vorhanden sind, die nun so schwach sind, dass diese nicht mehr übertragen werden können.

An diesem Punkt sind wir nun angelangt und wie frischen wir das Depot wieder so weit auf, dass es auf andere Generationen übertragen werden könnte?

Was mich allerdings an dieser jetzigen Situation besonders erschreckt ist, dass wenn, höchstens ein Protest aus reiner Orientierungslosigkeit entsteht und so etwas immer die allerbeste Grundlage für Seelenfänger mit meistens nicht guten Absichten war.

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Beitrag von Menschin » 13.08.08, 20:51

Lieber Beitragszahler,

so schwarz würde ich die Zukunft der zu übertragenden Werte nicht sehen. Da gibt es doch ein nicht zu unterschätzendes Potential zur Selbstheilung der Jugend. Was die Unterdrückung und Einschränkung angeht, hat doch die Jugend früherer Zeiten weit Härteres durchgemacht und heute stehen wir vergleichsweise glücklich da. :lol:

LG von Menschin
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Beitrag von Beitragszahler » 13.08.08, 22:29

Menschin hat geschrieben:...hat doch die Jugend früherer Zeiten weit Härteres durchgemacht und heute stehen wir vergleichsweise glücklich da...
Genau, früher waren die noch widerstandsfähig, wie Komissbrot.
Da musste kräftig gekaut werden, um sein Ziel erreichen zu können.
Gleichzeitig war damit der Zahn der Zeit noch gesund erhalten.

Leider neigt der Mensch dazu, seine hart erarbeiteten Errungenschaften als patriotisches Ergebnis seiner Generation zu betrachten mit der Kernbotschaft dies ja für die Nachfolgegeneration aufgebaut zu haben und denen danach es nicht so schlecht ergehen solle, wie einem selbst davor.

Damit leidet aber die Widerstandsfähigkeit, denn wer nicht mehr auf so hartes Brot beissen muss, der wird sich mal an härterem Brot seine nicht geübten und durch das weichere Brot vorgeschädigten Zähne, diese selbigen ausbeissen.

Wenigstens die letzten beiden Generationen beissen schwächlich und ohne jeglichem Gefühl, was diese da noch nicht mal mehr richtig kauen müssen, in weiches und ungesundes Weissbrot und die Metapher damit zum Fastfood reiner Zufall wäre.

Was soll die nächste schon gebisslose Generation noch machen, wenn es da an jene keine Widerstandsfähigkeit mehr zu verteilen gab?
Das Brot aus der Schnabeltasse schlürfen?

Es macht mit Sicherheit nicht glücklich in ein hartes Komissbrot beissen zu müssen, aber wird man bestimmt nicht glücklicher von den Blähungen und der Verstopfung nach dem Weißbrotverzehr.

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Beitrag von Menschin » 14.08.08, 01:48

Lieber Beitragszahler,

ob`s das Brot war, an dem die Jungen beim Komiss zu Kauen hatten, bezweifli ich stark. An Härte erstarkt niemand, auch beim Widerstand nicht. Widerstand setzt vielmehr das Gegenteil von Komisshärte voraus. Die Opfer dieser Härte wirken bis heute nach.

Ich weiss nicht, ob Sie tatsächlich diese Härte an der heutigen Jugend vollzogen sehen wollen oder ob ich Sie missverstehe und Sie nur zum Widerstand aufrufen...erklären Sie mir, was Sie meinen.

Grüsse von Menschin
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Beitrag von Beitragszahler » 14.08.08, 08:42

Oh je, die Metapher ist ja komplett falsch verstanden worden, obwohl die doch nur eine bildliche Übersetzung meiner anderen Einlassungen war.
Weiterhin sehe ich aber dennoch in dieser Metapher kein Potential diese mit Unterdrückung und Widerstand erklären zu können.

Komissbrot ist nun einmal schon lange, wie Steckrüben, das Synonym für ein einfaches, eher hartes Leben.
Schön, aber dennoch der Protest hier, beweist dieser doch, dass das harte Leben mit Komissbrot und Steckrüben keine Bedeutung mehr hat.
Ich kenne es nur aus elterlichen Erzählungen, aber in einer materiell und sozial in damaliger Relation verarmten Kindheit schon selbst gut nachgefühlt.

Nun gut, grundsätzlich erstärkt ein fast Jeder an Härte, oder scheitert daran, ist ja schon fast logisch.
Die Lebenshärte die ich erfahren musste, also nicht so wie hier jetzt auf deiner Seite wieder gedacht, sondern in der Form sich allein mit Körper und Seele zurecht- und abfinden zu müssen, alternative Wege zu schaffen, andere schreckliche Erlebnisse verdauen zu können, das ist schon ein Komissbrot des Lebens.

Diese erfahrene Härte lässt vieles abprallen und ich bin heute froh nicht ein mit Milch und Honig aufgelöstes Brötchen im Sinne sein zu müssen, dass doch bei jedem noch so kleinsten Widerstand des Lebens zermatschen oder zerbröseln wird.

Ist es nun besser verstanden worden oder soll ich noch nachlegen?
Vorsicht, wird dann aber sehr lang.

Darf ich mich denn jetzt mal fragen, wie jemand überhaupt auf so eine Gleichsetzung wie du es gemacht hattest, kommen kann, obwohl es doch bei vorausgesetzter Gutwilligkeit auch andere Alternativen zu dem Mißverständnis einer Metapher geben kann?

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Beitrag von Menschin » 14.08.08, 08:57

Lieber Beitragszahler,

meine Übersetzung Deiner Methapher war nichts weiter als Provokation, ich wollte es genau wissen, denn ich kenne Deine anderen Ausführungen zum Thema nicht :wink: muss ich wohl nachlesen.

Also, was uns nicht umbringt, macht uns härter?

Da kann ich mitgehen.

Trotzdem glaube ich nicht, dass die heutige Jugend zu wenig Herausforderungen hat. Selbst wenn sie augenscheinlich in Watte gepackt mit dem neustem Handy telefonieren; nie war der Kampf um Anerkennung und Arbeit und einen gesellschaftlich angesehenen Platz im Leben härter als heute. So gesehen hat auch die Weißbrotgeneration ihr ganz eigenes hartes Brot.

Liebe Grüsse von Menschin
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Beitrag von Beitragszahler » 14.08.08, 10:18

Na also, nun nähern wir uns ja wieder.
Menschin hat geschrieben:...Also, was uns nicht umbringt, macht uns härter?...
Ja und Nein.
Ja, denn wenn uns was umbringen würde, wäre es ja ohnehin nicht mehr wichtig, ob es hart oder weich war.
Nein, denn es sollte ohnehin keine Situation zu so einer Prüfung werden.
Vielmehr ist eine gute Vorbereitung darauf der richtigere Ansatz.
Menschin hat geschrieben:...Trotzdem glaube ich nicht, dass die heutige Jugend zu wenig Herausforderungen hat. Selbst wenn sie augenscheinlich in Watte gepackt mit dem neustem Handy telefonieren; nie war der Kampf um Anerkennung und Arbeit und einen gesellschaftlich angesehenen Platz im Leben härter als heute. So gesehen hat auch die Weißbrotgeneration ihr ganz eigenes hartes Brot...
Tja, aber wie war es denn bei einem selbst, respektive erklärt sich vieles immer besser mit eigenen Berichten und Erfahrungen, möchte da nicht für andere sprechen.

1980 ins Berufsleben eingestiegen, die Zeit damals war die Zeit von beginnender Massenarbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Massenentlassungen, Unternehmensberaterexperimenten mit Radikalkuren gegen Unternehmen, eiskalte und menschenabgewandte Rechtsdrehung der europäischen Parlamente mit den Experimentalregierungen Thatcher, Reagan, Kohl & Co.

Diese Zeit war für uns Jugendliche die Zeit ohne Zukunft.
Ich gehörte zur so genannten "No Future Generation", lief schwarz gekleidet rum, hörte destruktive Musik, die gar nicht mal so schlecht war.

Da kommen mir die Kiddies und Jugendlichen von heute dagegen vor, wie Warmduscher und frage mich, wo deren Problem denn nun ist, vor allem aber deren Protest für Anerkennung, um die ausnahmslos jede Generation kämpfen musste.

Ich sehe gelangweilte, eingeschlafene, gut ruhig gestellte junge Menschen, entweder mit der von Erwachsenen assimilierten Lethargie oder mit den von Erwachsenen gegebenen Pillen gegen eine neu erfundene Art von pathologischer Unruhe, die nichts anderes ist, als die Unruhe die alle jungen Menschen mal hatten und evtl. noch haben.

Für mich ist das Ziel von manipulativen Regierungen erreicht worden, wie man sich ganze Generationen gefügig macht, mit dem klitzekleinen Restrisiko, dass die dann doch noch mal aufmüpfig werden könnten, ich hier aber erstmals erschreckend so eine Gefahr, eigentlich ja Hoffnung, nicht mehr erkennen kann.
"Kommt her liebe Diktatoren, wir haben hier ein gut prepariertes Völkchen, dass zwar traditionell ohnehin kuscht, wohl in der Vergangenheit mal aufbegehrte, aber auch das ist nun nicht mehr so."

Was macht also unsere jugendliche Generation?
Sich vor den Rechner hocken und sich das Ego bei gleichnamigen Shooter-Spielen völlig realitsabgerückt erschiessen.
Was für Memmen, sage ich mit meiner festen Meinung dazu.

Und dann höre ich schon jammernde Jugendliche auf der Strasse ihr ach so schweres Schicksal beklagen, unverschämterweise dann auch noch mit Wut.
Verzeihung für folgende Worte, aber es ist eine eher volkstümliche Darstellung:
Die ollen Knöppe meckern genau so, also die von ihrem Leben nichts mehr erwarten und ohnehin schon immer verbittert sind.
Ich habe zeitweise schon richtige Probleme dieses Meckern und Beklagen noch differenzieren zu können, da es keinen Unterschied mehr macht, ob und wie es von einem 16- oder 70-Jährigen kommt.

So, so weit erst einmal...

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Beitrag von Sybille » 14.08.08, 13:11

Ein Thread, der mir aus der Seele spricht. :roll:

Wenn man als Insider verschiedene Schulen kennengelernt hat, versteht man, warum Kinder so sind, wie sie sind. Schau dir nur die Eltern an und du kannst Hellsehen, was aus den Kindern werden wird.

Und wenn dann noch der Herr Papa im Beisein seines Söhnchens lautstark gegen eine Deutsch-Note protestiert, weil ER ja schließlich Rechtsanwalt sei und sein Sohn DESWEGEN NIE eine solche Note VERDIENT habe... tja... dann...

Wie heißt es so schön?
"Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr." :roll:

Grüßle
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Beitrag von Beitragszahler » 14.08.08, 13:26

Das war mal eine exakte Kurzfassung für einen betroffenen Lebensbereich. Danke!

Wir hatten schon an mehreren Stellen forenauf- und ab immer wieder mal das Thema mit der Verantwortung.
Um es für mich damit kurz zu machen, so bräuchten wir Erwachsene nur noch eine Strafarbeit schreiben mit: "Schreibe 100000000000000 mal Verantwortung"
Ok, auch nicht gut, denn wenn die jetzt nur noch mit dem Schreiben von dem Wort beschäftigt wären, kommen die ja nicht zum Leben des Wortes Verantwortung...

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