Ist (gutes) Benehmen heute unüblich?

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Susanne.Reuter
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Ist (gutes) Benehmen heute unüblich?

Beitrag von Susanne.Reuter » 01.05.08, 15:36

Manchmal denke ich, dass ich aus wohl doch aus dem vorigen Jahrhundert komme und nicht (mehr) hierher passe. Meine Ansprüche sind wohl völlig überzogen. Benimmt man sich denn (heute) gar nicht mehr? Oder ist es einfach nur so, dass ich da etwas nicht mit bekommen habe und meine Ansichten schlicht überholt sind?

Ich habe bestimmt nicht den Knigge auswendig gelernt und würde auch nicht behaupten, dass ich alles richtig mache, aber so gewisse Umgangsformen sollten doch einfach selbstverständlich sein, oder?

Sich die Nase (mit einem Taschentuch) zu putzen, ist wohl kaum noch üblich. Jedenfalls scheint durchaus normal zu sein, wenn man einfach hochzieht. Dass sich das nicht gerade appetitlich anhört, ist ja auch egal.... :?

Seine Mitmenschen (natürlich lautstark) teilhaben zu lassen, wenn man Telefongespräche (Handy sei dank) ist wohl auch ganz selbstverständlich. Aber muss es wirklich sein, dass man sich z. B. beim Friseur lang und breit mit der Freundin über die vergangene Nacht unterhält und Friseurin (und andere Kunden) deswegen warten müssen? Oder - wie kürzlich gesehen - telefoniert, während man an der Käsetheke bedient wird?

Hält man sich beim Niesen nicht mehr die Hand (bzw. den Handrücken) vor den Mund bzw. wendet den Kopf ab? Ich habe beruflich viel Kundenkontakt und so oft wie ich angeniest oder angehustet werde, müsste ich eigentlich ständig erkältet sein...

Ich sollte wohl auch aufhören mich darüber zu ärgern, wenn mein Gegenüber (Kunde) mit offenem Mund Kaugummi kaut, während unseres Gesprächs lautstark Eis, Bonbon o. Obst isst oder ich aus seinen Kopfhörern lautstark mit Musik beschallt werde, oder?

Bin ich zu empfindlich, sollte ich das lockerer sehen?

Susanne

Renate02
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Beitrag von Renate02 » 01.05.08, 18:11

Also, wenn Du (darf ich "Du" sagen?) überempfindlich bist, bin ich es auch! Die Lister solcher "alltäglichen" Unhöflichkeiten wäre endlos. Manche sind weniger schlimm als andere (Nase hochziehen gilt inzwischen als "gesünder" als Nase putzen, dann wird das Verhalten zumindest verständlich). Aber manche sind schlicht überflüssig.

Mein "Lieblingsbeispiel":
So viele Leute drängen sich in Zug oder Aufzug bevor alle, die raus wollten auch wirklich draußen sind - damit behindert man sich doch sogar selbst und sorgt bei allen Beteiligten für Stress (für die "Psychos" unter uns: für "Dis-Stress"; Eu-Stress wäre ja ok...)

Natürlich sollte man auch mal Fünfe gerade sein lassen, aber es gibt Grenzen!

Meine Meinung!

Renate

Jan Alkemade
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Beitrag von Jan Alkemade » 01.05.08, 19:51

(Gutes) Benehmen hat auch etwas mit einem gegenseitigen respektvollen Umgang und dem "Ernst nehmen" des Gegenüber zu tun ...

In Graz gibt es seit April 2008 das Gebot, Handys im öffentlichen Nahverkehr auszuschalten. Laut den neuen Beförderungsrichtlinien gehe es hierbei vorrangig um die Bewusstseinsbildung bei den Fahrgästen.

Vielleicht gibt es hierzu bei uns auch bald eine Käsethekenverordnung, wünschenswert wäre jedoch die "Bewusstseinsbildung" auch ohne Verbot oder Kontrolle.

Herzliche Grüße
Jan Alkemade
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Susanne.Reuter
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Beitrag von Susanne.Reuter » 04.05.08, 19:55

Ich fände es gar nicht so schlecht, wenn man (in bestimmten Zonen) die Nutzung von Handys verbieten würde. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn man sich da voll auf Rücksichtnahme und "Benimm" verlassen könnte. Ich fürchte aber, dass das nicht möglich ist.

Susanne

Michael M
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Beitrag von Michael M » 05.05.08, 09:21

Hallo,

sehr interessantes und aktuelles Thema. Ich denke mal das es hier eigentlich um ein Problem geht, das wirklich die ganze Gesellschaft betrifft, sprich meiner Meinung nach ist mangelnde Rücksicht (was Benehmen ja unter anderem ist) ein weiterer Ausdruck der Ökonomie.

Freundlichkeit oder Anstand wird nur noch gezielt bei Geschäftsverhandlungen eingesetzt, wo das vermeindlich gwinnbringend ist. Im Alltag lässt sich dieser Gewinn nicht in Euro ausdrücken, ergo ist es unnötig.

Gruß, Michael

Andreas-Ulrich
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Beitrag von Andreas-Ulrich » 28.06.08, 11:37

Renate02 hat geschrieben: Mein "Lieblingsbeispiel":
So viele Leute drängen sich in Zug oder Aufzug bevor alle, die raus wollten auch wirklich draußen sind - damit behindert man sich doch sogar selbst und sorgt bei allen Beteiligten für Stress (für die "Psychos" unter uns: für "Dis-Stress"; Eu-Stress wäre ja ok...)
Als Pendler ist genau das auch eine Geschichte,die mich furchtbar nervt.Was mir auffiel,d. es sich dabei meist um jüngere Menschen handelt,welche sich ganz stumpf in den Eingangsbereich stellen und einen am Ausstieg hindern :(

Ich sage dann allerdings nichts mehr dazu,versuche zu demjenigen lächelnd Blickkontakt aufzunehmen und wenn sich binnen 4 Sekunden beim Gegenüber keine Erkenntnis einstellt,dann nutze ich meine Größe von 1,90m bei rund zwei Zentnern Gewicht und bahne mir langsam den Weg - bisher habe ich noch alle bei Seite geschoben :twisted:

Gruß & alles Gute

Andreas-Ulrich
"Der Mensch hat neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem, zu essen und zu trinken, zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören." - Kurt Tucholsky -

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Beitrag von Renate02 » 29.06.08, 13:44

Andreas-Ulrich hat geschrieben:,dann nutze ich meine Größe von 1,90m bei rund zwei Zentnern Gewicht und bahne mir langsam den Weg - bisher habe ich noch alle bei Seite geschoben
Tja, bei 1,58 m und einem "normalen" Körperbau (was ist "normal"? - bei einem BMI von fast 25 bin ich nicht zierlich, werde kräftemäßig aber eher unterschätzt) ist das natürlich schwierig.
;-)
Da hilft nur das Zitat: "Ein Lächeln ist die charmanteste Art, seinem Gegner die Zähne zu zeigen."

Vampi
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Re: Ist (gutes) Benehmen heute unüblich?

Beitrag von Vampi » 03.07.08, 21:05

Susanne.Reuter hat geschrieben: Ich habe bestimmt nicht den Knigge auswendig gelernt und würde auch nicht behaupten, dass ich alles richtig mache, aber so gewisse Umgangsformen sollten doch einfach selbstverständlich sein, oder?
zum beispiel hallo sagen wenn man ein gespräch/diskussion anfängt :wink:

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Beitrag von I-user » 03.07.08, 21:47

Hallo,
1) nicht jeder hat gleiche Vorstellungen über Höflichkeit u.ä.
2) nicht jeder achtet alle Bestandteile des 'guten' Benehmens für gleich wichtig.
3) nicht jeder kann sich so benehmen, wie er möchte (z.B. weil er etwas automatisch macht).
:arrow: nicht jeder, der unhöflich erscheint, muss bewusst unhöflich sein.

P.S. Warum in Türbereichen der Züge oft Gedränge entsteht, während es paar Meter weiter viel Platz und ggf. Sitzplätze gibt, verstehe ich auch nicht. Aber das vielleicht nichts mit (Un)Höflichkeit zu tun.
Im Schlechten Gutes finden

samira
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benehmen

Beitrag von samira » 04.07.08, 06:27

Schon Kinder müssten dazu erzogen werden, jetzt ist es wohl unüblich. Wenn Du schaust beim Einkaufen etc... sind die Kinder frei und die Mütter rennen nach, lassen sich unterbrechen etc. Nicht jedes Kind ist von Natur aus egoistisch, aber viele, insb. Männliche. Später ist es sehr schwer, sich selbt zu erziehen.
samira

Susanne.Reuter
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Beitrag von Susanne.Reuter » 04.07.08, 21:37

Hallo Vampi!

:oops: Stimmt. Ich nutze hier im Forum selten bis nie ein "nacktes Hallo" als Anrede.
Das gehört sich auch nicht - was mir auch bewusst ist. Warum ich es trotzdem mache? Meine Macke.

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Mir ist schon klar, dass manche es gar nicht merken bzw. gar nicht bewusst unhöflich sind. Trotzdem: Teilweise hat schlechtes Benehmen aber auch wirklich etwas mit Egoismus zu tun. Oder eben damit, dass man sein Gegenüber nicht achtet.

Susanne

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Beitrag von Daniel11 » 18.07.08, 15:17

Hallo Susanne,

ich kann dich durchaus verstehen. Auch wenn ich selbst noch recht jung bin, kann ich es nicht verstehen, weshalb sich viele Menschen nicht an derartige natürliche Selbstverständlichkeiten halten können. Es hat auch etwas mit Achtung und Respekt dem anderen gegenüber zu tun.

Wobei ich denke, dass es sehr viel mit der Erziehung zusammen hängt. Wenn junge Eltern (die es wahrscheinlich selbst nicht ricthig gelernt haben) schon keinen Wert auf einen guten Umgang mit den Kindern legen, wie sollen das bitteschön die Kinder lernen? Vielerorts halte ich eben solche Kinder bzw. Jugendliche teils schon für unschuldig, was das Benehmen betrifft.

Wir sind doch alles Menschen und etwas Benehmen ist doch keine große Herausforderung bzw. tut doch wirklich niemanden weh.

lg, Daniel :D
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Beitrag von Kalli » 18.07.08, 16:00

Hallo, Forum!
Auch hier im Medizin Forum stellen sich mir manchmal die Nackenhaare hoch...wenn zum Beispiel ein Mitglied die Mediziner anpöbelt, sie seien ja schließlich Dienstleister und hätten sich gefälligst auch so zu benehmen. Oder "Ich war schon bei 10 Ärzten, aber die haben ja alle keine Ahnung"! Wenn nicht sofort!!, umgehend geholfen wird, ist der Arzt unfähig.
Diese Mentalität geht mir auf den Geist. Beim PC haben die gleichen Leute sehr viel mehr Geduld und geben Unsummen aus, um einen eigenen Fehler beheben zu lassen.

Mal ein ganz anderes Beispiel: Vor vielen Jahren saßen im Bus die älteren und alten Menschen. Ich, auch kein ganz neues Semester, bin letztens aufgestanden, um einer Behinderten Platz zu machen. Um mich herum saßen die älteren Kinder des nahe gelegenen Gymnasiums.....,übrigens auch eine Frau, die ihre Tasche neben sich plaziert hatte und stur aus dem Fenster schaute :twisted:

Aber es geht auch anders, und das gibt Hoffnung...
Schönen Tag, Kalli

Susanne.Reuter
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Beitrag von Susanne.Reuter » 20.07.08, 10:48

Hallo zusammen,

ich glaube auch , dass es vielen an Respekt fehlt. Damit ist nicht gemeint, dass z. B. Kinder vor Älteren "stramm stehen" müssen. Ich meine vielmehr, dass man sein Gegenüber als Mensch respektiert und achtet. Und das man auch akzeptiert, dass Regeln gelten.

Allgemein scheint da heute eher Gleichgültigkeit gegenüber den anderen zu herrschen. Und auch so etwas wie Verrohung. Aber was geht in Jugendlichen vor, die sich gegenseitig (extrem) prügeln, das übers Handy filmen und das dann auch noch veröffentlichen? Woher kommt das?

Susanne

Kalli
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Beitrag von Kalli » 20.07.08, 16:05

Hallo, Susanne!
Natürlich soll kein Kind, wie anno domini vor den Älteren strammstehen, aber für einen Behinderten im Bus aufzustehen gehört meiner Meinung einfach zum guten Benehmen
Wenn man sich allerdings die aktuelle "Rentnerhetze" in den Medien anschaut, wundert man sich nicht mehr. Das sind dann diese ekelhaften alten Typen, die immer auf Kreuzfahrt gehen und den Kindern die Zukunft stehlen!!! Das das bei den meisten Rentnern ganz anders aussieht, wird großzügig ignoriert.
Außerdem ist vielen Kindern keine Grenze gesetzt worden, aus Liebe :shock: und aus Bequemlichkeit. Sollen doch die Lehrer die Kinder erziehen.
Das Kinder Grenzen brauchen, die auch für´s Kind Sicherheit bedeuten, allerdings für die Eltern eine Menge Auseinandersetzungen bringen und Zeit kosten, hat sich wohl in unserer schnelllebigen Zeit überlebt. Und so suchen die Kids sich selber ihre Grenzen mit den bekannten Auswüchsen. Also ist das Problem mindestens teilweise bei den Eltern zu suchen. Wie das ändern? Man kann nur hoffen, das die nächste Generation das alles Besser macht.

Schönen Tag noch, Kalli

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