Was sind "medizinische Befundtatsachen"?

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andrew333
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Was sind "medizinische Befundtatsachen"?

Beitrag von andrew333 » 13.07.11, 10:35

Ich studiere an der FH Aachen und bin somit bei einer Krankmeldung (Abmeldung von einer Prüfung) an die Prüfungsordnung gebunden.
In dieser Prüfungsordnung steht Zitat:

"Die für den nicht fristgerechten Rücktritt oder das Versäumnis geltend gemachten Gründe müssen dem Prüfungsausschuss unverzüglich schriftlich angezeigt und nachgewiesen werden. Bei Krankheit der oder des Studierenden wird
die Vorlage eines ärztlichen Zeugnisses verlangt, welches sowohl die medizinischen Befundtatsachen enthält, aus denen sich die Prüfungsunfähigkeit ergibt,
als auch die Dauer der Prüfungsunfähigkeit."

Jetzt frage ich mich natürlich: Was sind "medizinische Befundtatsachen"?

Gibt es diesen Ausdruck überhaupt? Ist das ein Fachbegriff? Was ist darunter zu verstehen? Oder weiß ein Arzt direkt sofort was damit gemeint ist?

Ich wäre ihnen sehr verbunden wenn sie mir weiterhelfen könnten.


PS: falls ich die Frage in einem anderem Forum hätte posten sollen, bitte ich den Moderator diese dorthin zu verschieben

Humungus
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Re: Was sind "medizinische Befundtatsachen"?

Beitrag von Humungus » 13.07.11, 10:41

andrew333 hat geschrieben:die Vorlage eines ärztlichen Zeugnisses verlangt, welches sowohl die medizinischen Befundtatsachen enthält, aus denen sich die Prüfungsunfähigkeit ergibt,
als auch die Dauer der Prüfungsunfähigkeit."
Letztendlich entscheidet nicht der Arzt, sondern der prüfungsausschuss über die Prüfungsunfähigkeit. Darum ist es erforderlich, dass nicht nur eine Diagnose im Attest steht, sondern auch die erhobenen Befunde und eine Beschreibung der Beschwerden.

Beispiel:
Falsch: "Student Faulix ist prüfungsunfähig. Diagnose: Nihilitis"
Richtig: "Student Faulix leidet seit drei Tagen unter krampfhaften Kopfschmerzen, brennenden Augen sowie Fußfäule. Er ist durch die Beschwerden erheblich gestört. Ich halte ihn für nicht prüfungsfähig."

Klenkes!
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andrew333
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Re: Was sind "medizinische Befundtatsachen"?

Beitrag von andrew333 » 13.07.11, 11:00

das ging ja schnell. thx

also habe ich das richtig verstanden:

Die medizinischen Befundtatsachen sind also die Befunde...in diesem Fall:

- krampfhaften Kopfschmerzen
- brennenden Augen
- Fußfäule

der Arzt empfiehlt dann dem Prüfungsausschuss ob der Prüfling prüfungsunfähig ist und der Prüfungsausschuss entscheidet. Soweit verstanden.

*****************************************

vielleicht könnten wir eine zweite Frage direkt im Anhang klären:

Warum entscheidet denn bei Prüfungen der Prüfungsausschuss auf Prüfungsfähigkeit/Unfähigkeit und bei der Arbeitsunfähigkeit/Fähigkeit der Arzt? Soweit mir aus meiner Lehre bekannt stand auf dem gelben Schein NIE ein Befund.

Lizard
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Re: Was sind "medizinische Befundtatsachen"?

Beitrag von Lizard » 13.07.11, 11:50

Warum das so ist kann ich leider auch nicht erklären.
Diese Praxis der Prüfungsämter ist aber datenschutzmässig m.E. höchst fragwürdig.

Es ist ja wohl unbestritten, dass ein Mitarbeiter des Prüfungsamtes i.d.R. nicht die medizinische Kompetenz besitzt solche Entscheidungen zu treffen.
Hinweis unter Bezug auf §7(3) der Berufsordnung für Ärzte:
Mein Beitrag ist eine Stellungnahme, die auf den vorliegenden Angaben beruht. Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Humungus
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Re: Was sind "medizinische Befundtatsachen"?

Beitrag von Humungus » 13.07.11, 16:46

Lizard hat geschrieben:Warum das so ist kann ich leider auch nicht erklären.
Ich auch nicht, ich habe aber eine Vermutung: die AU des Arbeiters/Angestellten ist in den Tarifverträgen geregelt (wäre ja auch ein Ding, wenn der Arbeitgeber entscheiden dürfte!), die Prüfungsuntauglichkeit in den jeweiligen Prüfungsordnungen.

Man könnte es auch anders begründen: ein Arzt kann eher die Anforderungen einer Arbeit abschätzen als die einer Prüfung (nicht logisch...).
Diese Praxis der Prüfungsämter ist aber datenschutzmässig m.E. höchst fragwürdig.
Datenschutzmäßig sehe ich kein Problem, weil der Prüfling seine Einverständnis gibt, sonst fällt er halt durch. Wenn Du meinst, dass der Prüfling quasi gezwungen wird, die "Hosen runterzulassen", hast Du allerdings recht.
Es ist ja wohl unbestritten, dass ein Mitarbeiter des Prüfungsamtes i.d.R. nicht die medizinische Kompetenz besitzt solche Entscheidungen zu treffen.
Bei einem Medizinstudium kann das anders aussehen... :wink:
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AnnettLoewe
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Re: Was sind "medizinische Befundtatsachen"?

Beitrag von AnnettLoewe » 13.07.11, 17:38

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist Voraussetzung für die Zahlung von Entgeltfortzahlung nach dem EntGFzG. Tarifverträge spielen da keine Rolle.
Den Arbeitgeber geht die Diagnose tatsächlich nichts an. Deshalb steht die auch nur auf dem Krankenschein, der an die Kasse geht.

Für Prüfungen gibt es Prüfungsordnungen die Gesetzeskraft haben und wenn da drin steht, dass der Prüfungsausschuss oder ggf. ein Amtsarzt über die Prüfungsfähigkeit entscheidet, dann ist das so, WEIL es da drinsteht.
Erklären...muss man das nicht.
Wenn man diesen Passus der Prüfungsordnungen für nicht rechtmäßig hält...klagt man eben mit der Behauptung, die Diagnosen gingen den Ausschuss (z.B. aus Datenschutzgründen) nichts an und man könne immer fehlen, wenn nur ein Arzt findet, dass man nicht hingehen kann.
Erfolg wird man damit vermutlich keinen haben. Nicht vor Erreichen des Renteneintrittsalters jedenfalls.

Herzliche Grüße,
Annett Löwe

Lizard
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Re: Was sind "medizinische Befundtatsachen"?

Beitrag von Lizard » 14.07.11, 11:03

Humungus hat geschrieben:
Lizard hat geschrieben: Diese Praxis der Prüfungsämter ist aber datenschutzmässig m.E. höchst fragwürdig.
Datenschutzmäßig sehe ich kein Problem, weil der Prüfling seine Einverständnis gibt, sonst fällt er halt durch. Wenn Du meinst, dass der Prüfling quasi gezwungen wird, die "Hosen runterzulassen", hast Du allerdings recht.
Ja so meinte ich das. Wenn mich ein Arzt, der selbst unzählige Prüfungen absolviert hat, für nicht prüfungsfähig hält,dann ist das so. Aber die Bürokratie....ich weiss schon
Es ist ja wohl unbestritten, dass ein Mitarbeiter des Prüfungsamtes i.d.R. nicht die medizinische Kompetenz besitzt solche Entscheidungen zu treffen.
Bei einem Medizinstudium kann das anders aussehen... :wink:
DAS glaube ich nicht :mrgreen:

P.S.: Aktuell ergooglet ;) : http://www.ingo-wolf.info/?wc_c=11874&wc_lkm=&id=1121
http://www.zeit.de/campus/2010/02/studieren-dwdd
Hinweis unter Bezug auf §7(3) der Berufsordnung für Ärzte:
Mein Beitrag ist eine Stellungnahme, die auf den vorliegenden Angaben beruht. Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

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