Pflegende Angehörige werden im Krh. nicht ernst genommen

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Manu2211
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Pflegende Angehörige werden im Krh. nicht ernst genommen

Beitrag von Manu2211 » 15.11.09, 23:10

Hallo,

ich muss hier mal Dampf ablassen, auch auf die Gefahr hin berufliche Pflegekräfte zu verärgern.

Seit über 3 Jahren pflegen meine Mutter und ich meinen pflegebedürftigen Vater zuhause. Er ist dement, hat Diabetes und beide Füße waren aufgrund eines diabetischen Fußsyndroms bis vor gut 3 Wochen kaputt, er sitzt im Rollstuhl. Er macht so gut wie nichts mehr selbstständig. Morgens und abends kommt der Pflegedienst. Alle 2 Wochen wird er zu einem Chirurgen gefahren, der die Füße behandelt.
Im Bett liegt er wegen der empfindlichen Füße nur auf dem Rücken auf einer Wechseldruckmatratze, die Beine so hoch gelagert, dass die Füße frei in der Luft hängen. Jeder Versuch ihn wie üblich auch mal auf der Seite zu lagern, ging zu Lasten der Füße, sprich die Wunden wurden wieder größer, bzw. es kamen neue Druckstellen oder Wunden dazu. Er ist da nur ganz knapp einer Amputation entgangen und nach 3 Jahren sind die Füße endlich zugeheilt, aber natürlich hyperempfindlich.
Laut Aussage des Chirurgen, der ihn seit 3 Jahren betreut, dürfen die Füße nicht gewickelt werde, er darf keine Strümpfe tragen und die Füße dürfen die Matratze im Bett nicht berühren, weil all das in den vergangenen 3 Jahren jedesmal zu Verschlechterungen geführt hat.

Seit einer Woche liegt er wegen einer Darmerkrankung im Krankenhaus, am Mittwoch wurde er in eine geriatrische Klinik verlegt. Eine Gespräch zur Pflege hat mit uns erst gar nicht stattgefunden und unsere Hinweise auf die Erfahrungen der letzten 3 Jahre werden schlichtweg ignoriert. Es wurde eine Wechseldruckmatraze zugesagt, aber er liegt noch immer auf einer normalen Matraze. Die Füße sind nicht nur eingewickelt, sie stecken auch in Strümpfen, und liegen wenn er liegt auf der Matraze auf, mit dem Ergebnis, dass sich an einem Fuß nun wieder die ersten Schäden zeigen.

Wir haben darauf hingewiesen, dass er nicht selbstständig trinkt und isst, dass er kleine Gegenstände in den Mund steckt, egal was es ist und dass er sich gerne mal Wasser über die Beine schüttet, wenn er eine Flasche oder einen Becher in die Hände kriegt. Heute hat meine Mutter ihn beim Besuch mit nassen Füßen vorgefunden, weil man ihm einen Becher Wasser einfach so hingestellt hat, ohne sich weiter darum zu kümmern. Kleinkram, wie Flaschendeckel oder Tupfer vom Blutzuckermessen bleiben in seiner Reichweite liegen.

Laut Hausarzt soll er aufgrund einer Vorhautverengung keinen Blasenkatheder bekommen, deswegen hat er zuhause immer Urinalkondome gekriegt. Auch der Pflegedienst zuhause hat das für die beste Lösung gehalten. Bei der Aufnahme im Krh. hat meine Mutter als gesetzliche Betreuerin ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er keinen Katheder kriegen soll. Am Freitag haben wir eher durch Zufall festgestellt, dass ihm trotzdem einer gelegt wurde, weil mein Vater an dem Schlauch gezogen hat. Unsere Bitte den Katheder sofort wieder zu entfernen wurde ohne Begründung abgelehnt und wir auf Montag vertröstet.

Warum werden wir als pflegende Angehörige nicht ernst genommen? Es ist leider nicht das erste Mal so, schon bei seinem letzten Krankenhausaufenthalt im Juni war es das gleiche. Wie kann man sich dagegen wehren, ohne gleich zum Anwalt zu rennen?

Viele Grüße
Manuela

Annette Koch
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Beitrag von Annette Koch » 17.11.09, 20:20

Liebe Manuela!

Versuchen sie doch mal in einem ruhigen Gespräch mit einer der pflegenden Schwestern die Fronten zu klären. Es ist verständlich wenn man viele Jahre einen Angehörigen gepflegt hat, dass einem viele Angewohnheiten und Rituale bekannt sind und man möchte, dass sie zugunsten des zu Pflegenden weitergeführt werden. Im Krankenhausalltag ist es, wenn Gespräche zwischen "Tür und Angel" erfolgen, meist schwierig in dieser Hinsicht eine Basis zu schaffen.
Liebe Grüße

Annette Koch
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Peter Estner
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Beitrag von Peter Estner » 17.11.09, 20:37

Liebe Manuela,
das hört sich wirklich schlimm für uns Pflegende im Krankenhaus an, ich muss sagen das mir das sogar peinlich ist. Warum Angehörige ignoriert werden kann ich Ihnen leider auch nicht sagen, es sollte jedenfalls nicht so sein. Darum unterstütze ich die Antwort von meiner Kollegin Annette sehr, es muss kommuniziert werden. Außerdem würde ich statt zum Anwalt erst einmal zum Arzt gehen. Auch das ist mir peinlich zu sagen, weil wir Pflegenden ja gerne selbständig arbeiten möchten, aber wenn solche "Pflegefehler" passieren, (Dekubitus) dann müssen Sie sich im Interesse Ihres Vaters wehren.
Mit dem Blasenkatheter das ist so eine Sache, da kann Ihnen auch nur das Personal vor Ort weiterhelfen, aber auch dies ist eine ärztliche Anordnung, Sie können also auch darüber mit dem Arzt sprechen. Lassen Sie sich einen Termin geben und bestehen Sie auf ein Gespräch mit dem Stationsarzt, nur so kommen Sie dann auch zu Ihrem Recht, bzw. Ihr Vater. Lassen Sie nicht locker, scheinbar muss es sein.
Viel Erfolg und viele Grüße
Peter Estner

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